Und so kam Adjuna über die Alpen in das sagenumworbene teutsche Märchenland, das Land der Drachentöter, tollen Degen und hohen Minne, in das Land von Rumpelstilzchen und anderen Selbstzerreißern; dieser Landleib selbst lange zerrissen lag.
Als er das Land nun betrat, wurde er von blonden Recken angestaunt, nicht gerade - und nicht gerade immer freundlich, und auch das Weibervolk wußte, seine Wurstarme zu gewaltigen Wülsten anzuwinkeln. Gegenerisch wie Muskelprotze oder war es Hausfrauenart hier im Lande?
Wer wagt, teutsche Frauen zu verachten?
Sind sie doch stark genug, Männer zu schlachten.
Adjuna verzagt.
Die Kühnheit toll und dreist in diesem Lande weit und breit
so mancher zollt und preist, dumm und gescheit dazu bereit.
Von Helden, die da haben gar große Gaben,
hören wir sagen, Helden, die Wunderwerke wagen.
Und die Frauen so gesund und rund kräftige Arme und Lenden.
Freudetränen machen Augen wund, Schönheit tut blenden.
Oh, minnen Deinen minniglichen Leib, gekleidet in ein köstlich Kleid,
Dich, Du schönes, starkes, teutsches Weib, mit Zöpfen blond und breit.
In diesem Land schon lang ist's Sitte, die Frauen mit ihrer Kraft
haben in der Hand die Familienoberherrschaft, dem Mann bleibt nur die Bitte.
Das Weib den Mann, den ungehorsamen, hängt an den Nagel ihn zur Straf.1
War hilft dem Armen? Wer darf? Ist keiner brav?2
1 Aus dem Nibelungenlied: König Gunther erlitt in seiner Hochzeitsnacht, als er versuchte Brünhildens herrlichen Leib zu bumsen, dieses Schicksal!
2 brav: hier in der Bedeutung
`tapfer, wacker' (wie im Englischen).
Adjuna mochte nicht minnen das schmucke teutsche Weib,
wenig Lust nur abgewinnen konnte ihm ihr üppiger Leib.
Gesang ertönt aus vollem Hals; hören wir der Minnesänger Lautenspiel und Ohrenschmalz:
Im teutschen Lande ritterlich da gibt's minnigliche Manieren,
doch manche Frau schimpft bitterlich, willst du's bei ihr probieren.
Im teutschen Lande bieder gibt's auch gute Mieder,
nicht jeder liebt lieder- liche Fraun zu schaun.
In teutschen Landen schön gibt's auch Modernität,
schon lang ist's nicht mehr grün, wo jetzt ne Fabrik steht.
Im teutschen Lande lobesam ist keiner wirklich arm.
Im Gegenteil sittsam übersättigt haben die meisten Schwierigkeiten mit
dem Darm.
Im teutschen Lande bleich gibt's auch die Masse,
nach Rache schreit gleich sie in ihrem Hasse.
Im teutschen Lande wohlgemut gibt's auch den Pöbel gut,
der hat gar kaltes Blut, wenn er mal wählen tut.
Im teutschen Lande, dem gelobten, gibt's auch ne Regierung,
der hart erprobten so manch gemeiner Streich gelung.
Im teutschen Lande wohlbekannt gibt's auch, was Opposition genannt,
doch wer sich wirklich in Opposition befand nur gegen eine Wand gerannt.
Im teutschen Lande eifrig wird man leicht handgreiflich,
der Grund oft unbegreiflich überlegt man sich's reiflich.
Im teutschen Lande ungut gibt's schon lang keinen Mut.
Nur Pöbelbrut überall koten tut.
Im teutschen Lande viel beschnitten gibt's immer noch Größenwahn,
und ändern wir nicht unsere Sitten gehören wir bald der Vergangenheit an.
Ja, so ist's in teutschen Landen wohl Köpfe Kohl1 oder hohl
Größenwahn ihr größter Wahn.
In teutschen Landen herrlich gibt's auch Met und Wein
und ehrlich ohne die kann man nimmer froh sein.
Im teutschen Lande dem Kuhlen gibt's auch Schulen,
um Sympathie buhlen Lehrer und Lobbys, die Schwulen.
Im teutschen Lande dem schönen gibt's auch ne Universität,
von Töchtern und von Sühnen Lottoglück hat, wer hingeht.
Im teutschen Lande fein gibt's auch 'n Knast,
dort kommst du rein, wenn du was aufgefressen
hast.
1 Dieser Text `In teutschen Landen' wurde von mir in jungen Jahren (Also ein Zeitdokument besonderer Art aus den 60er Jahren! Damals erhielt ich auf meinem Schulweg zum Gymnasium durchschnittlich drei Morddrohungen pro Tag wegen meiner langen Haare: `Dich sollte man umbringen!' `Hilter hätte dich vergast!' etc. Nicht ein einziges Mal erlebte ich das Passanten gegen solche Morddrohungen protestierten!) nach dem Lesen einer in Kürnberger-Gesätzen abgefaßten Nibelungen-Ausgabe geschrieben. Da wir mittlerweile einen Kanzler Kohl haben, möchte ich hier betonen, daß diese Textstelle keine Anspielung auf ihn ist, es soll viel mehr, wie an anderer Stelle auch, beklagt werden, daß in Deutschland viel zu schnell und ohne sorgfältige Überlegung besonders von den Massen Entscheidungen getroffen, Sympathien, aber mehr noch Antipathien vergeben, ausgeteilt und verbreitet, Minderheiten verdammt, Überlegenheit und die eigene Großartigkeit fantasiert werden.
Im teutschen Lande hold gibt's auch Soldaten,
die bekommen gar mageren Sold und ab und zu eins übergebraten.
Im teutschen Lande potzblitzzugenäht gibt's auch moderne Taten,
Kerzenlicht verdrängt von Elektrizität Majestät von Demokraten.
Auch die Braunen sind nicht mehr da, wo die Macht, wurde mir gesagt.
Ist das wirklich wahr, sacht' hört man diese Frage gefragt.
Alles neu im teutschen Lande: Freiheit und freier Will.
Berufsverbote, oh welche Schande! Andersdenker sei still!
Im teutschen Lande hehr gibt's schon lang' keine Ehr.
Säumten wir noch mehr ist's zu spät zur Besserung sehr.
In teutschen Landen wonnevoll ist mancher toll,
und wenn er's auch nicht soll, er säuft sich voll.
Im teutschen Lande fromm gibt's auch Glocken,
die sollen die Leute dumm in die blöden Kirchen locken.
Im teutschen Lande echt gibt's auch 'n Gericht,
dort findest du dein Recht sicherlich nicht.
Im teutschen Lande recht gibt's auch Richter,
die lügen frech und klüger als Dichter.
In teutschen Lande blasphem gibt's auch Pfaffen,
die tun Martin Luther oder dem Papst nachaffen, aber nicht dem Zimmermann aus Bethlehem.
In teutschen Landen jammerschwer gibt's auch die Polizei,
und setzt du dich zur Wehr schlägt sie dich zu Brei.
In teutschen Landen wie dufte gibt's auch den Suff
für jeden Hein Puffke. Schnaps sein Schnauzenduft.
In teutschen Landen geil ist die Welt schon lang nicht mehr heil.
Das junge Mädchen bietet sich feil, der Knabe rauschgiftsüchtig kriegt
ihn nicht mehr steil.
Oh, Teutschland totgeweiht, wirst du nicht gescheit
zur rechten Zeit.
Im teutschen Lande immer netter gibt's auch Fremdarbeiter
und werden sie hier auch fetter, sie wollen weiter, es sei denn, des
Deutschen Herz sei breiter.
Im deutschen Lande auserkorn gibt's auch Zorn,
und lieber wär ich nicht geborn, als noch mal zwischen deutschen Dorn'.
In teutschen Landen einerlei wie dem auch sei,
manch Deutscher glaubt sich frei, wenn dem auch anders sei.
In teutschen Landen musikalisch von Gedankenfreiheit man singt,
doch wie tragisch, das Denken so selten gelingt.
Im teutschen Lande minniglich gibt's auch dich, Germania,
dein Leib so schwabbelig macht mich ganz mummelig, oh mama mia.
Im teutschen Lande teuer gibt's auch Inflation,
die ist mir nicht geheuer, immer weniger gibt's zu saufen - äh - zu
kaufen für meinen Minnesängerlohn.
Auf teutschen Landen frisch scheint auch das Mondgesicht,
und täte es das nicht, nachts wär's dunkler sicherlich.
An der Staatsgrenze
Warum brauchen wir Staaten? Weil nur Staaten uns schützen können, sagen die einen und denken dabei an den Staatsfeind, was immer die anderen Staaten, die bösen Nachbarstaaten, die man nicht versteht, sind, und auch an die furchtlosen Männer, die keinen Schutz brauchen, die gern das Recht hätten, sich selbst zu schützen.
Was brauchen wir Staaten? fragen die anderen und beim Gedanken `Staat' schaudert ihnen, denn sie sehen darin keinen Schutz, sondern nur Gefahr. Die Nachbarstaaten, auf die wir unsere Kanonen richten, sind nicht mein Feind, so denken sie, denn der Staat ist nur eine ungesunde Zusammenballung von Menschen, denen dabei der klare Verstand, die Vernunft zerquetscht wurde. Beim Streit der Staaten verlieren die Menschen nur, und doch wollen sie nicht gegen den Staat sein.
Wie gern verzichte ich auf den Kanonenschutz der Armee und die staatsinnere Sicherheit, gewährleistet durch Polizei und die Judikative, die mich zwingt, jeden kleinen Streit mit meinem Nächsten einem Richter zu unterbreiten, der dann in seiner Unwissenheit, zu schweigen von seiner moralischen Unsauberkeit, ein allmächtiges Urteil fällt, bei dem die Herrn Juristen so tüchtig absahnen. Ach, wie gern wäre ich da rechtlos, staatenlos, alle Staaten los! Wie gern würde ich den Streit mit meinem Nächsten selbst austragen, notfalls auch mit der Faust - rechtlos, staatenlos. Den Richtern und anderen anmaßenden Nächsten, die mir zu nahe treten, würde ich als erstes eins boxen, doch ohne Polizeibanden im Hintergrund würden auch solche Leute schnell zu anständigen und gerechten Menschen und ein nützlicheres Leben führen.
Ich möchte noch einmal betonen: Lieber den kleinen Krieg mit dem Nachbarn als den großen zwischen Staaten.
"--------? -------------------! --------------. ---!---, ------------!"
"Gut, ich lebe für mich allein; am Gartenzaun ist Schluß, Staatsgrenze."
Der Staat - ein Nachkomme Stock schwingender Lüstlinge
Wir leben nicht freiwillig im Staat, unterm Staat; überall sein Gesetz, sein Wort, sein Gesetzeswort, seine stehlende Hand, sein waffenstrotzender Wahnsinn, Vernichtungswahnsinn, an dem auch der Bestohlene eine Schuld trägt.
Mag dieses unwürdige Gebilde auch dem Pöbel Freigehege, Stall und Hühnerhag und -hof sein und seine Hackordnung für manch einen Instinktbedürfnis, selbst Hühnerzüchter befinden sich darunter, für mich ist er die alte Kette und Schmach, der Nachkömmling stockschwingender Lüstlinge, gern würde ich diesem fetten Monster den Rücken zudrehen, aber wäre ich auch noch so schmal, ich könnte mich nicht zwischen die Staaten zwängen, man würde mich selbst als Flunder oder Briefmarke noch zerreißen.
Und nun kommen die Überschlauen, in den staatlichen Schulen haben sie ein Papageienspiel gelernt, das nehmen sie zu ernst, das ist ihr großer Ernst, Ernst des Lebens, und sagen mir: "Sieh mal, wir müssen zwar Steuern zahlen, aber dafür gibt es auch die Schule." Daß es auch das Militär gibt und die Polizei, sagen mir die feinfühlenden meistens nicht, denn sie wollen mich nicht verletzen, verärgern oder schlechte Erinnerungen in mir wecken. Trotzdem muß ich ihnen erwidern, daß es so ist, als ob sie, wenn sie ein Hühnerei fürs Frühstück kaufen, auch gleichzeitig eine Handgranate kaufen müßten, was nicht nur das Ei sehr teuer macht, sondern auch das Haus in Gefahr bringt.
Oder ein Überschlauer sagt mir: "Sieh mal, im Staat hilft jeder jedem, z. B. die Leute von ganz unten mit ihren vielen Kindern, was müßten die viel Schulgeld zahlen, aber sie zahlen nicht etwa mehr Steuern als andere, nein, weniger, denn jeder hilft jedem im Staat, und diese Leute haben es schwer genug wegen ihrer Kinder."
"Oh ja", erwidere ich dann, "ich kenne sie, sie treten mir immer auf die Füße und sind dann noch unhöflich, so gar frech, es wäre wirklich ungerecht, wenn sie mehr Steuern zahlten, gehen sie doch nur kurze Zeit in die Schule und stellen dort auch nur dumme Fragen, so daß der Lehrer nicht so sehr abgenutzt wird, die Antwort sein Gehirn nicht zu sehr belastet."
Eigentum
Was ist Eigentum? Eigentum ist, was mir gehört, wofür mein Schweiß getropft ist, was ich mir mit Sorge und Sorgfalt erworben habe. Diebstahl ist, wenn man sich ranschleicht und es mir wegnimmt. Raub ist, wenn man es mir mit Gewalt entreißt, mir Möglichkeiten zum Schutz und zur Verteidigung meines Eigenen nicht läßt.
Je waffenstrotzender der Räuber, je feiger. Wer ist nun der feigste Räuber
unserer Zeit, der den Ehrlichen und Edlen alles entreißt, um sie in seiner Rache dem Lumpenpack gleichzusetzen? Nun, es ist der Staat. Hinter ihm steht das Gesindel und krächzt lüsternd klatschend: "Weiter machen!" Die Rache des Staates nennt sich Strafe, doch Strafe ist immer nur Verlogenheit, wer straft, befriedigt immer nur seine Rachsucht, seine Herrschsucht und oft auch noch seinen Schoß. Dem Gesindel mögen die Verließe, Gewölbe, Höhlen, Gefängnisse kein Greuel sein, ihnen ist es egal, wo sie vor sich hin vegetieren, aber den edlen Freien, den Höhenflugfreunden ist es die Hölle, ist es eine Beleidigung ihres Menschenverständnisses, eine Rattenlochpolitik schmutziger Kleingeister. Mit Gesetz und Recht wirft diese heuchlerische Meuchelbande um sich, und das ist ihre größte Heuchelei. Zoll und Steuern nennt sich ihr Raub, damit bereichern sie sich, damit rüsten sie ihre Eintracht tragenden Mörderkittel und schlagen das beraubte Opfer noch einmal nieder. Dieses Eintracht tragenden Menschenhülsen sind das eigentliche Instrument, Werkzeug des Staates, nur eine hohle, grützenlose Schale habend funktionieren sie mechanisch. Immer sind sie dabei unauffällig, ein Chamäleon der Zeit, mal braun wie Erde und Boden, mal grün wie Gras und Gift, mal grau wie Dreck und Rattenscheiße. Ja, der Staat wäre ohne diese Robotenhottentotten kaum denkbar möglich, ein leicht wegblasbares bauschiges Wattebäuschchen. Ja, der Staat!
Klage eines großen Edlen: Den Staat, ach, könnte ich mir dieses kalte Ungeheuer, diesen Schmutz doch wie Schorf wegkratzen, wie ein Geschwür, wie eine Warze mit dem Messer ausschneiden und mit der Verachtung für Dreck und Krankheit auf den Boden werfen und drauf spucken und rumtrampeln. Doch dieses Monster hat zu viele Köpfe, und mein schöner Arm würde mir ermüden, bevor die gute Tat vollbracht. Der Mähdrescher, der Superschneider und Übersäuberer, fehlt uns noch, Unkraut und Schmutz sprießen und gedeien zu gut, auch der große Abstandhalter fehlt mir, das Unbiest kommt mir immer zu nah, zu intim, dabei kann ich seinen Gestank und üblen Atem nicht ertragen. Eine Hochburg des Pöbels ist der Staat, nur der Pöbel liebt Peitsche und Verließ, es macht ihn sehnsüchtig und geil.
Zwischenruf: "Hält sich nicht so der Pöbel auch selbst in Zucht?"
Sucht nach Zucht
mir deucht
hat das Viehzeug.
Du sprichst von Edelsein und Edelmut. Das ist ungewöhnlich. Was meinst du überhaupt damit?
Ja, es ist ungewöhnlich, wo doch die Helden unserer Zeit Kaufhausdiebe sind, macht man sich lächerlich, wenn man Respekt vor dem Eigentum anderer predigt.
Was meinst du mit edel? Ist damit alter Adel gemeint?
Oh, nein, nein, nein, natürlich nicht. Aber du hast recht, das Wort edel wird nicht mehr verstanden in dieser Zeit der Kaufhausdiebstähle und kleinlichen Lügen und Betrügereien, der Übervorteilungen und Benachteiligungen, der Ungastlichkeit und Engherzigkeit. Jeder ist sich selbst der Nächste, `sind ja alle so', Egoismus ist nur Anpassung, und Anpassung ist der größte und dümmste Egoismus, er macht vollgefressen, aber nicht wirklich reich, - ist keine Bereicherung des eigenen Lebens. Wirklich reich ist der, der über alle Fünf-Pfennig-Streitereien erhaben ist, der, der sich nicht um Anpassung schert, sondern selbstsicher auf seinen eigenen Beinen und auf seinen eigenen Werten steht und seinen eigenen Weg geht und niemals etwas tut, weil `man es tut', der, der sein Mahl, auch wenn es nur ein spärliches ist, mit seinem Gast teilt, der, der sich der Ungerechtigkeit widersetzt und der den unberechtigt Beklagten verteidigt, der, den Bevormundung und Vorschriften anekeln, wenn sie ins eigene, private Leben eingreifen, um einen unmündigen Menschen zu züchten; jene Bevormundungen und Vorschriften, die gerade der Pöbel so beflissentlich befolgt, um dann den Nachbarn anscheißen zu können, der's nicht tut.
Ein Mensch, der Abstand bewahrt, von der engherzigen Masse und ihren Torheiten, Gemeinheiten und Rachsüchtigkeiten, ein solcher Mensch ist reich und edel, auch wenn er vom Pöbel für seine Armut verachtet wird. Das Edelsein hat keinerlei bezug zum Bankkonto. Ein Habenichts vermag genauso edel zu sein wie ein Vermögender.
Und was meinst du mit Pöbel?
Das sind die Vielzuvielen, die Pogromhelden aller Zeiten, immer sind sie unselbständig und angepaßt und müssen sie die jagen, die nicht so klein und kleinlich, wie sie selbst sind; sie können Parksünder verfolgen, deren Auto niemanden stört, sie können über die ungeputzten Fußleisten anderer Leute herziehen, aber sonst kein vernünftiges Gespräch führen. Sehen sie aber ein Unrecht, so blicken sie schnell zur Seite. Ihre Arbeit, also ihr Wohlstand-Anhäufen, läßt ihnen keine Zeit, sich darum zu kümmern, sagen sie dann.
Pöbel zu sein, ist nicht das Privileg einer bestimmten Gesellschaftsschicht, weder ist es das Proletariat des Westens, noch sind es die Unberührbaren in Indien, noch die Hungernden und Unterernährten Afrikas. Sondern Pöbel zu sein, ist die geistige Armut, immer Mitläufer zu sein und auf den kleinlichen, eigenen Vorteil bedacht zu sein, der Kriecher ist es ebenso wie der Kaufhausdieb, der Beamte und Bürokrat ist es mehr als der Bankräuber, der Paragraphenreiter ist es, aber nicht der Raubritter, ...mit anderen Worten: Es sind die geistig Armen.
Aah, Geschichten dringen an mein Ohr.
In der Kleinstadt
Polizei: Was machen Sie? - Warum fragen Sie mich? - Das geht Sie nichts an.
Antworten Sie! - Ich mache hier Pause und schreibe ein Gedicht. - Woher
kommen Sie? - Von jenseits des Meeres. - Wo wohnen Sie? - Nirgends. - Werden Sie nicht frech! - Wie können Sie sagen, daß ich frech werde, es sind doch Sie, der sich hier schlecht benimmt. - Los, zeigen Sie Ihre Papiere! - Papiere? So was habe ich nicht. - Wo wohnen Sie? - Nirgends. - Werden Sie nicht frech! - Ihr Provinzsöldner könnt euch wohl nicht vorstellen, daß ich nirgends wohne. - Komm, den nehmen wir uns mal vor.
Aber er wehrte sich, zuerst nur Angriffe abwehrend, doch als er merkte, daß es um Leben und Tod ging, kannte er keine Zurückhaltung mehr, einem stach er mit seinen Fingern die Augen aus, dann wurde er überwältigt und erschlagen.
Und das alles wegen eines Gedichts.
Ländliches, Dörfliches und doch beim teutschen Weib, bei einer busigen und schmusigen Bäuerin.
So wohl wie schon lange nicht mehr fühlte sich Adjuna, zu lange schon hatte er die Wälder durchwandert und die Nächte auf hartem Fels oder in feuchtkaltem Moos verbracht, jetzt ruhte er im weichen Federbett bei einer Magd, und was hier feucht war und was hart war, das fand so friedlich fein Vereinigung.
Was war man doch als Mann für ein Narr, die Weltherrschaft erstrebt man, ein Herrscher glaubt man sich und etwas Großes, doch vor einem Frauenfötzchen verliert man alle Macht, oder ist es nur der Verstand, der hin ist?
Des Gliedes Gier zieht mich ins feuchte Revier,
rhythmisch stoß ich, dräng' ich vor,
rhythmisch reibt sich die Eichel am offenen Tor,
rhythmisch das erektile Glied durch die Scheide zieht,
rhythmisch das Ejakulat hervorschießt,
- doch die Saat nicht sprießt,
- nicht sprießen soll, nicht sprießen wird,
denn mit Yoga-Kraft
der Samensaft
keinen Keim gebiert.
Nach seinem Schwanz, der jetzt schlapper und kraftloser hing als die beweglichen Steißbeine der Wirbeltiere, griff sie, knetete ihn, als er sich immer noch nicht rührte, umspielte sie ihn erst mit der Zunge, nahm ihn dann ganz in den Mund, saugt und kaute; langsam füllte er sich wieder, wurde härter und härter und sperrte ihr schließlich den Mund weit auf.
Die Frauen, diese friedlichen Geschöpfe, die keinen Krieg wollen und Waffen nicht in die Hand nehmen, nur sanft dem Krieger den Schweiß abwischen, sind sie nicht die höchsten Wesen dieser Welt, auch wenn die Schöpfungsgeschichte sie mit wenig Gespür fürs Wertvolle nur an zweite Stelle stellt, als Nachgeburt des göttlichen Schöpfungsaktes sozusagen. Ja, die religiösen Bücher wurden von Männern geschrieben, und die sind eigensüchtig und überheblich, besonders gegenüber den Frauen, doch die Herren und Helden der Schöpfung haben wohl selten eine Frau verstanden, wie komisch erscheint es einem, wenn so ein Held behauptet, die Frauen haben Männer im Kopf, die Männer dagegen Gott.1 Ach, hätten die Männer doch wie die Frauen mehr an die Familie gedacht, alle Religionskriege hätten wir uns erspart und noch manch anderen Unsinn.
1 vgl. 1.
Korinther 11/3
Und was für angenehme Gefühle es bei der Frau gibt! Ihr Lächeln bedeutet schon ein hohes Glück, so bezaubert sie als Zauberin, doch in der Extase der Vereinigung behext sie uns als Hure, beglückt sie uns als Göttin, berauscht, zerzaust, verwirrt uns Wahnsinnigen die Sinne die Wahnsinnige, um uns dann noch in der Stunde der Erschöpfung und Entspannung zu betreuen und zu beseligen mit Sorgfalt wie eine Mutter. Geborgen fühlt man sich dann. Ach, wie wenig kannte ich dieses Gefühl, hatte ich doch nur vor meiner Geburt etwas von meiner Mutter.
Wie fremdartig und unverständlich ist doch des Mannes Verhältnis zur Frau, zuerst begehrt er sie, und um sie zu bekommen, umschmeichelt und ehrt er sie demütiglich, er hilft ihr, trägt ihr die Tasche, sagt ihr etwas Nettes, hat er sie dann überzeugt, sie rumgekriegt und sie seinen Schmeicheleien nachgegeben, sich ihm hingegeben, ergeben, fühlt er sich als Eroberer, befiehlt und ordnet an, und sie, die einst Angebetete, ordnet er seinem anderen Besitz bei, dem Hausrat als Hausfrau zu; beigeordnet, zugeordnet, eingeordnet, untergeordnet sie selten glücklich ist, doch das ist ihm egal, sie ist jetzt sein, angekettet mit Ring, Pfaffenwort und Schwarz auf Weiß, und wehe ihr, sie muckst auf. - Ich will es besser machen, so dachte Adjuna, als er bei seiner neuen Geliebten lag, die eine Melkerin war und die ihm, dem Wandersmann, dem Fremden, eine Schüssel Milch gereicht hatte, als Lohn für ein Liedchen voll Komplimente, das er ihr und ihrem Busen, der im Ausschnitt sichtbar prangte, am Wegrand sitzend zugesungen hatte.
Adjuna hatte sich entschlossen, das Angebot der hübschen Dirne anzunehmen und bei ihr zu bleiben. Vergessen waren Mission und Menschheit.
Unser Held nur noch im warmen Hüttchen
bei Kerzenschein und Wein
flittert am runden Tittchen
und zwischen den Bein'n
von seinem Flittchen.
Auch einen bürgerlichen Beruf nahm er an: Die Bauernburschen unterrichtete er in Bogenschießen und Boxkampf, und wenn sie besoffen waren, sie bald wie Berserker um sich schlugen, die Bauernburschen.
Adjuna war sehr glücklich und mit diesem Leben sehr zufrieden, es minderte sein Glück auch kein Bißchen, als seine Frau ihm einmal sagte, daß sie einen alten Freund, mit dem sie früher öfters schöne Stunden verbracht hatte, treffen wollte, denn er liebte seine Frau zu sehr um eifersüchtig zu sein. Eifersucht war etwas für die Eigensüchtigen, für die bösen Männer, die in der Frau nur ein Haushaltsstück sahen, das nur die Aufgabe hatte zu funktionieren und zu dienen, aber nicht das Recht, ein Eigenleben zu führen, selbst Lust zu suchen und zu finden, und schon gar nicht außerhalb des Hauses. Außerdem fürchteten die meisten Männer wohl auch den Vergleich, waren sie doch oft zu mickerig geraten, und fehlte ihnen so manches, auch feines Gefühl.
Adjuna machte es zu Recht nichts aus, daß seine Frau einem anderen beischlief, denn es schmälerte sein Glück um nichts, und tat auch der guten Meinung, die seine Frau von ihm hatte, keinen Abbruch.
Er wünschte ihr wirklich von Herzen viel Spaß.
So traf sie dann gut gelaunt und fröhlich, denn sie brauchte sich ja keine Vorwürfe zu machen und auch nicht das Gefühl zu haben, etwas Verbotenes zu tun, ihren alten Freund in einer leerstehenden Almhütte, da sie nicht zu ihm nach Hause konnten, denn er war verheiratet. Seine Frau, die annahm, ihr Mann hätte im Nachbardorf zu tun, Schweinekauf oder so, lag übrigens gerade hochschwanger, weshalb sie sehr unansehlich war, weshalb er sich seiner alten Freundin erinnerte.
Aber bei Adjunas Frau fühlte er sich dann doch nicht so wohl, erstens quälte ihn wohl sein schlechtes Gewissen und zweitens, und zweitens, und das war wohl noch schlimmer, die Eifersucht, immer wieder versuchte er ihr in den Mund zu legen, daß ihr Mann nicht tauge usw., worauf sie immer protestierte und zu ihrem Mann stand, ihn lobte und pries, aber diese verachtenden Anklagen gegen ihren Mann machten sie bald so traurig, daß sie nur noch wegwollte, zurück zu Adjuna, bei dem nicht so klein gedacht und geredet wurde.
Und an Adjunas Brust weinte sie sich dann aus. Ist er wirklich ein so kleiner, mieser Mensch? Besitzt er wirklich weder Größe noch Großzügigkeit? so sorgte sie sich.
"Wir wollen ihm einen Test stellen", sagte Adjuna, "wenn er diesen Test
besteht, soll er uns Freund werden, wie du es immer gewünscht hast, denn dann hat sich gezeigt, daß er nach allem doch noch Größe besitzt, versagt er, laß ihn fallen, strafen tut er sich selbst."
"Was meinst du?"
"Seine Frau bekommt bald ein Kind. Dieses Kind soll schwarz sein. Wenn er über alle Vorurteile des Pöbels erhaben ist, wird er sich über dessen Gesundheit und Intelligenz freuen, ist er aber des Pöbels, wird er nur die Hautfarbe sehen und rot vor Wut werden. Und er wird Kind und Frau verdammen und verzweifeln an seinem Schicksal, seinem vermeintlichen Schicksal, das eigentlich gar keins ist."
Und tatsächlich brachte seine Frau ein kräftiges und gesundes Negerkind zur Welt, das seine Umgebung sofort mit neugierigen, intelligenten Augen mustete. Die Mutter erschrak, die Hebamme erbleichte, sie den Vater nicht rufen wollte, doch der, als er die helle Knabenstimme hörte, von selbst hocherfreut in die Kammer stürzte - und bestürzte, vor dem Mooren bestürzt, entsetzt zurückprallte, Wut entbrannt einen Stuhl ergriff, und damit sicher den Kleinen erschlagen hätte, wenn die Hebamme das Kind nicht im letzten Moment durchs Fenster auf einen Heuhaufen geworfen hätte. Jetzt richtete sich die Wut des Mannes gegen seine eigene Frau, mit einem Bein des zerbrochenen Stuhls schlug er auf sie ein, prügelte sie aus dem Wochenbett, das erst wenige Minuten alt war. Keuchend kroch sie aus dem Haus, nahm ihr Kind und floh, gefolgt von ihrem Mann, der immer noch auf ihren Rücken eindrosch. Sie floh; doch wohin sollte sie fliehen, dachte sie verzweifelt. Zu ihren Eltern konnte sie nicht, das wußte sie, denn die waren fromme Christen und würden ihr nie verzeihen, die Schande nie verzeihen, nie vergeben. Die Schande, die sie übers Haus gebracht hatte.
Als sie die Dorfstraße entlang taumelte, der unbarmherzige Mann hinter ihr, traten Adjuna und seine Frau ihnen entgegen. "Halt", rief Adjuna, und auf dieses Halt hin verhielten beide, harrten der Dinge. "Was schlägst du deine Frau so unbarmherzig? Nichts gibt dir das Recht, eine Ehebrecherin zu verdammen, hast du doch selbst die Ehe gebrochen."
"Aber nicht mit einem Nigger, aber nicht mit einem Nigger", schrie er heulend.
"An Rasse und Hautfarbe liegt nichts, du Narr, einzig und allein des Menschen Verhalten bestimmt seinen Wert, und wahrlich hier trennen himmelweite Bereiche die Menschen, den Edlen und den Gemeinen. Die Gemeinen aber findet man überall in jeder Rasse, in jedem Volke in übergroßer Zahl, wie man auch den Ausnahmemenschen, die Hoffnung der Zukunft, in jedem Volke findet, doch leider zu selten!"
"Du willst mich einen Gemeinen und dich einen Edlen nennen, was? In einem dreckigen Metöken wie dir fließt wohl auch schmutziges Kanaka-Blut. Wer weiß, was für eine unsaubere Abstammung du hast. Hier, ich schenke dir Frau und Kind, auf daß sich Schweine zu Schwein gesellen!"
Adjuna nahm das Geschenk gern an, und so kam es, daß er zwei Frauen hatte, was für lange Zeit zum größten Tratsch der ganzen Gegend wurde. Und wäre er nicht so stark und fest gewesen, die Leute hätten ihn verzweifeln lassen mögen.
Der andere Mann aber verzweifelte am Spott der Leute und an seiner Einsamkeit, denn so wie er seine Frau behandelt hatte, wollte kein Mädchen ihn mehr zum Mann, und so hatte er niemanden, bei dem er sich geborgen fühlen konnte, und niemanden, der ihm Verständnis zeigte; um so glücklich leben zu können, mußte man stark sein - viel stärker als er.
Nun wird man sich hier sicher wundern, wieso Adjuna so einfach machen konnte, daß die Frau ein schwarzes Baby bekam, wohl möglich gegen die Vererbungslehre und den genetischen Code.
So etwas war natürlich schlechthin unmöglich. Neun Monate vor der Geburt war ein afrikanischer Händler durchs Dorf gekommen, von ihm - er war außergewöhnlich schön und charmant gewesen - hatte sich die Frau verführen lassen, und da sie unvorsichtig gewesen waren, war ihr das mit dem Kind passiert.
Adjunas geistiger Einfluß ging lediglich dahin, daß sich die Frau vom Neger verführen ließ, was er bewirkte, um den Mann, von dem seine Frau unglücklich gemacht werden sollte, zu testen und besser zu strafen.
Wir müssen unserem Helden eine gewisse Erhabenheit über die Ereignisse und die Zeit zugestehen; jovial genoß er Gleichzeitigkeit. Die drei Dimensionen waren für ihn kein Gefängnis, die vierte Dimension kein Hindernis.
So erfreute er sich jetzt an seinen zwei Frauen und dem Kind, dessen Pflege und Erziehung ihm sehr am Herzen lag, und fühlte keine Eile. In klaren Stunden sah er es deutlich, daß er Zeit hatte, und daß alles unvermeidlich war, genauso wie einst in Kurukshetra, als Vishnu mit Shesha, seiner Schlange, Mensch wurde, und dann in Gestalt der Heroen Krishna und Balarama Bhoomi Devi von der Kshatriya-Kaste befreite.
Schon lange stand Bhoomi Devi wieder vor ihrem Schöpfer und klagte ihr Leid, und schon lange war ein Gott bereit einzugreifen, wie immer, wenn die Evolution auf Abwege geriet. Er wird radieren in seinem Werk, weil er Fehler sieht.
Lohnte sich Gebären noch und die Aufzucht von Jungen?
Da Adjunas Frau vom Samen des fremden Mannes geschwängert worden war, wurde Adjuna sehr traurig; es war nicht, daß er dem Kind wegen seines Vaters grollte, denn er glaubte weniger an die Vererbungslehre als mehr an Umwelteinflüsse, Erziehung, Bildung; und wohl könnte das Kind unter seiner Obhut lernen. Doch Adjuna, der harte Mann, war selbst nicht glücklich; er sah, wie verdorben alles war in dieser Welt, und litt daran, daß er es nicht ändern konnte. Große Unfähigkeit gestand er sich ein, größere Unfähigkeit, als man erwarten würde von einem Halbgott, der er war, denn zweifellos hatte Indra einst seine Mutter beschlichen, um das rechte genetische Bett für seine Inkarnation zu schaffen. Was hat das Kind für eine Zukunft? fragte er sich. Da es Mensch sein wird, nicht mehr Zukunft als der Mensch. Das hieß wenig, kaum Zukunft, wenn überhaupt.
Außerdem sollten die Unglücklichen wie die Kranken als auch die Vernünftigen möglichst Kinder vermeiden, wenn es ging, denn es gab ja ohnehin schon genug, mehr als genug Kinder, Menschenkinder. Es reichte völlig, wenn die Glücklichen, Gesunden und Unvernünftigen Kinder in die überfüllte Welt setzten. Ja, selbst das wären eigentlich immer noch zu viele.
Wie gut und richtig handelten jene Elten, die ihr Kind abtrieben, ihm das Leben und dessen Leiden ersparten, bevor es sich zu sehr daran gewöhnt hatte!
Für den Mann mit globalem Blick und kosmopolitischer Verantwortung ist es ein leichtes, doch von der Frau verlangt diese Forderung der modernen Zeit, unserer Überzivilisation, die das Schwache, wenn es einmal geboren worden war, nicht mehr einfach sterben ließ, eine Härte, eine kalte Härte, die ihr das Lächeln erfrieren läßt. Wenn diese kleine Erbse, das Sprießende, von unter ihrem Herzen, aus ihrem Leib gekratzt wird, bedeutet es ihr mehr als ein wegoperierter Blinddarm, ja, sogar mehr als ein verlorener Finger, etwas so Wichtiges, viele Male so Großes.1
1 Untersuchungen zeigen, daß Adjuna hier übertreibt. Frauen haben besonders bei Abtreibungen im frühen Stadium der Schwangerschaft, wenn sie das Kind noch nicht spüren, kaum Schuldgefühle. Und die Frauen, die unter übergroßen Schuldgefühlen leiden, haben sie oft Priestern zu verdanken, von denen ihnen eingeredet wurde, daß sie sich mit schwerer Schuld beladen hätten.
Diesem noch unfähigen Keim trauert sie nach, und all seine Möglichkeiten quälen ihre Phantasie, Traumbilder verfolgen sie: Das Kind auf dem Müll, Krankenhausmüll, das Kleine zwischen herausgeschnittenen Geschwüren, Gedärmen, faulem Eiter, ekligen Würmern, Kotze, Kot; und sie vermißt den kleinen Säuger an ihrer Brust, ihr Menschsein, ihr Dasein als Frau scheint keinen Sinn mehr zu haben. Sucht sie sich etwas anderes, eine Katze, einen Hund, Blumen - den Mann anzusehen, fällt ihr schwer - oder Macht, Macht in den Institutionen. Führerin in Frauenverbänden, schlagenden Verbindungen, Emanzipation, gegen Diskriminierung, und die Natur diskriminiert die Frauen mit Schwangerschaft, Menstruation, Vagina und weichem Gefühl, zartem Gemüt. Hohn, Hohn, zuwider ist ihr ihr Weibsein schon. Nicht Mutter - nein - eine Herrin der Nation: Millionen Kinder hätt' sie nun, doch stiefmütterlich tritt sie nach ihnen.
Adjuna schwer über das Frauenherz nachdachte und ihr Schicksal, doch auch des Kleinen Schicksal wohl bedachte: Wenn er der Mängel viel, einen schlechten Charakter und Dummheit dazu, werde ich dann nicht schelten, ihm seine Herkunft vorhalten, vorwerfen, bin ich doch zu schwach, es nicht zu tun, auch wenn ich's nicht will, in schwachen Augenblicken...?
Der Menschen bösen Zukunft, böses Ende; bei mir als seinem Vater, einem Unglücklichgewordenen, in einer Zeit unglücklicher Menschheit, unglücksbedroht, nur halbenherzens geliebt, geboren aufwachsen; das sollte man verhindern, ihm ersparen.
Deshalb bat Adjuna seine Frau, das Kind wegmachen zu lassen. Beide weinten. Als die Frau in Tränen gehüllt "Einverstanden" sagte, brach er fast zusammen, so quälten ihn dies Opfer und ihr Schicksal.
Da sie tagelang weinte, wollten sie es sich noch einmal überlegen. Keine
Entscheidung, schwere Zeit.
Da gingen sie in ihrer Not in einen geheimen Ort und befragten das Orakel dort.
Über die Zukunft
Die Antwort des Orakels:
Ohmen lassen ahnen
Ohmen warnen
Töten
wird Erde röten
Blut wird fließen
Lebensadern leer sich gießen
Lebensschalen, Schädelknochen
auf dem kahlen Boden
kochen zwischen zuckenden Hoden
roter Dreck
von denen, die verreckt.
Geier und Reiher
Krähen und Kraniche
thronen in Baumkronen.
Sonne Mond und Sterne
selbst aufflammen in ihrer Ferne
doch der Tag verdunkelt sich
es mangelt an Licht
Hund Katz' und Schwein
hören wir schrein
und die Götter kotzen Blut
verwandeln ihre Tempel in Glut
vor Angst und Wut
Feuer
frißt Gemäuer
Holz bleibt heil
bleibt Holz
die Wasser von Flüssen
zurück zur Quelle müssen
Kühe gebären Esel und Affen
Krokodile und Giraffen
Söhne treiben's mit der Mutter pervers
und die Väter mit den Töchtern erst!
Monster mit mächtigen Klauen
werden geboren von Jungfrauen
Biester fressen Biester
Kühe fressen Kälber
Katzen ihre Kätzchen
die Henne ihr Ei
Hirsche tragen Hörner
der Teufel ein Geweih
manch ein Tier
hat der Augen vier
einen zweiten Schwanz
Schaum auf der Glans
ein fünftes und sechstes Bein
doch zu klein
zwei Köpfe
drei Augen
kein Herz
keine Haut.
Der Krieg den Krieg besiegt,
indem er die Krieger kriegt,
die Krieger frißt
und scheißt auf den Mist.
Der Krieger ist dümmer als du denkst,
er heißt Mensch
und wird Müll,
Atommüll,
Atome.
Oh, Verhängnis,
Lauf und Leben
wird's dann nicht mehr geben.
Der Welten Ende ein Feuerschein,
so ist es gesagt, so wird es sein.
Schweren Herzens verließen die beiden das Orakel. Die Entscheidung war klar. Das Orakel hatte Adjunas Bedenken bestätigt. Die Melkerin aber verlor mit ihrem Kind noch etwas anderes, Schwerbeschreibliches.
Wie die Jahre so vergingen, war Adjuna bald nicht mehr so glücklich mit seinen Frauen, und an ihren Seiten war eigentlich der einzige Ort, der ihm je Glück bedeutet hatte. Doch ein Giftwurm fraß an ihren Seelen: Die eine vermißte ihr Kind, der Fremdling war ihr nur ein geringer Ersatz, die andere, verfolgt von ihrem Monstermann trug nicht nur Narben an der Haut, tief eingegraben lag ein Leiden und ein schwerer Zweifel am Menschendasein.
Zänkisch waren sie beide. So lenkten sie sich ab. Das reizte Adjuna und er griff zur Peitsche. Eine zarte, elastische nahm er. Beiden beruhigten sich so, stöhnten unter der Schläge und vor Wollust, wenn es auf dem nackten Po klatschte. Ergebene Sklavinnen wurden sie, versklavter als andere Frauen. Auf Befehl hoben sie ihre Röcke, brachten die Peitsche, reizten auch mal, wenn es längere Zeit keinen Grund gab, sie zu strafen.
Die bei jedem Schlag zuckenden Schamlippen reizten Adjuna und jedes Mal nach dem Durchpeitschen suchte sein Glied Befriedigung, was die Frauen mit ihrem brennenden Po als zusätzlichen Stimulus in Extase versetzte. "Welche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich",1 warum sollte ein Mann, bloß weil er gottlos war, über so einen Genuß erhaben sein. Das Glück der Sklavengesellschaft. Und niemand sagte: "Bis hierher und nicht weiter", wollte es nicht sagen.
Es war hier, daß Adjuna gärte für neue Taten.
Eines Tages verließ er sie.
Aber wenn immer wir uns trennen, stirbt auch etwas in uns.
Auf Tod folgt unweigerlich Geburt, behaupten
einige, und das Beste passiert uns immer erst morgen.
1 Offb. 3:19
Die Menschheit, besonders die weiße Menschheit, war wertlos geworden, ein Opfer ihrer eigenen Fähigkeiten. Die Wissenschaft, Medizin, Chirurgie, Krankheitsfrüherkennung hatten die natüliche Auslese verhindert. Körperlich- und Geistigbehinderte waren geboren worden, gepflegt, und man paßte nicht auf, sie paarten sich, gebaren selbst, vermehrten sich, vermehrten sich sogar stärker als die Vernunftbegabten, die vernünftig genug waren, nur ein oder höchstens zwei Kinder in die Welt zu setzen, mehr zu verhüten. So wurde die weiße Menschheit von Idioten und Spastikern1 durchsetzt.
1 Achtung!
Nicht alle spastischen Erkrankungen sind erblich bedingt. Geht
nicht hin und werft Spastikern vor, daß sie Kinder haben!
Man könnte sich erregen und fluchen: Die Evolution hat ein höheres Ziel als Schwachsinn. Vieles, was unwert ist, muß auf der Strecke bleiben. Und wer ist schuld an diesem Frevel wider die Natur? Die dem Schwachsinn am nächsten stehende christliche Kirche. Zwar kann sie ohne Skrupel gesunde, das Leben liebende Menschen für Worte und Taten, die ihr nicht passen, aus unserer Mitte reißen, in Gefängnis und Tod schicken. Doch bei einer Mißgeburt schreit sie: Das Leben ist heilig. Selbst wenn die Behinderung noch im Uterus entdeckt wird, will sie die Abtreibung nicht.
Nun, die Menschheit mußte teuer bezahlen dafür, daß sie auf diese Närrin
hörte.
Doch wollen wir uns nicht zu sehr empören, denn die Welt wurde am Ende nicht von diesem Abfall der Evolution zerstört. Wäre es nach den Mißgeburten gegangen, so hätte die Menschheit auf dem Boden gekrochen, ab und zu unkontrollierte Bewegungen gemacht, um sich geschlagen, geseibert und geschissen, ohne abzuwischen, aber nicht mit Atomkraft böse Spielchen getrieben, wie es die Normalen taten. Die Harmlosen könnten einem fast sympathischer sein.
Doch alles, was den Menschen fehlte, war eigentlich eine neue Religion, eine Anti-Religion, die allen Mystizismus und die damit verbundene Einstellung zum Menschen, zur Umgebung und zum Leben als etwas Heiligem statt Biologischem hinter sich ließ.
Gelang es dem Menschen, eine solche Religion?
Was unterschied Mensch und Tier voneinander?
Wenn sich der Mensch schnitt, blutete er, und wenn sein Herz stand, war er tot, und wenn er ein Heilserum brauchte, so benutzte er im Körper eines Tieres, sei es Ratte, Pferd oder Karnickel, gebildete Antikörper, Antitoxine, und wenn der Mensch wissen wollte, ob sein Weibchen schwanger war, prüfte er die Wirkung seiner Hormone auf die Eierstöcke eines Frosches.
Aber der Mensch besaß doch Verständigung, Kommunikation, sagten die
einen. "Sooo", sagte ich dann, und zog dabei das O dabei ordentlich lang, "fast möchte ich das Gegenteil behaupten, wenn uns irgend etwas von den Tieren unterschied, so mußte es das Unverständnis sein, mit dem wir unseren Artgenossen begegneten."
Die Tiere hatten ihr Weltverständnis und eine gesunde Verständigung untereinander, etwas, das uns verloren gegangen war. Die Tiere hätten noch lange weiterexistiert, wenn wir nicht gewesen wären.
Wie einmal ein Geflügelzüchter, der seine Viecher gut beobachtet hatte, sagte: Reinen Unsinn zu glauben, ist ein Privileg der Menschen.1
1 Konrad Lorenz
Und tatsächlich wie die Hühner ihre Körner pickten und die Enten ihr Entenflott schnatterten, so glaubten sie doch nicht, daß der andere für sein befremdliches Benehmen in die Hölle, sie selbst aber ins Paradies kämen. Der Mensch aber machte aus seinem Mögen und Nicht-Mögen eine Glaubens- und Gesinnungsfrage.
"Eßt doch mal Schweinefleisch in einem moslemischen Land und trinkt einen Schoppen Wein dazu, oder nehmt Rauschgift auf einer Spießerparty, habt eine krumme Nase unter lauter Hochnäsigen, lauft nackt herum, liebt als Mann Knaben oder tragt Frauenkleider unter Normalbürgern, und ihr werdet lernen, daß Hassen das Normalste für Menschen ist."
Der Mensch war auch nur ein Tier und nichts Göttliches war an ihm, denn er hatte einen Unterkörper, aber der Mensch hatte einen steilen Aufstieg hinter sich, einen steileren als er nach dem Gesetz der natürlichen Auslese hätte hinter sich haben dürfen, das machte ihn überheblich. Und in seiner Überheblichkeit glaubte er sich auf einer größeren Höhe, als er wirklich war, und hielt sich für unüberwindlich.
Er widmete sein Ohr den süßen, schmeichlerischen Reden von bezahlten Leuten, die ihm eine ewige Seele andichteten und einen zu hohen Wert. Und die Menschheit in ihrer Mehrheit hörte es gerne und glaubte es, obwohl sie es eigentlich hätten besser wissen müssen, denn ihr eigenes Hirn hatte ihnen die Evolution vorgespielt und interpretiert, ihr eigenes Auge hatte ihnen tagtäglich ihre Verwandtschaft mit den Tieren gezeigt, aber sie hatten es nicht hören, sehen und wahrhaben wollen, genauso wenig, wie sie ihren noch fantastischeren Abstieg hatten wahrhaben wollen.
Obwohl alles so klar war, damals, tief in der Zeit der Vorzeit, als sich die Menschen aufmachten, sich zu den Sauriern zu legen, um als stumme Fossilien glücklich bis in alle Ewigkeit zu sein - der Saurier brauchte 140 000 000 Jahre bis zur Grabesruhe, Totenstille, der Mensch nur 250 000 -, reihte der Mensch in seiner Hektik bis zum Schluß Wörter, Worte und Taten aneinander ohne Sinn und Verstand. Adjuna war einer ihrer letzten Helden.
Wortreihen
Liebliches Leben
wohliges Wohnen
allgemeinen Sich-Schonen
lächelnde Lippen
schlaffe Sitten
Dekadenz in Frequenz
nicht klagen
nicht fragen
ja sagen?
klagen, fragen, nein sagen?
Herzen heulen heimlich
Herden hetzen hektisch
Huren hopsen heiter
Hetros hassen Homos
Zocker zullen am Schnuller
seinen Riemen reibt der Reiter
Neon nährt die Nacht
Tränen tropfen tragisch
Lippen lachen lästerlich
Münder maulen Meuterei
Scheren schneiden Scherereien
Le leise liefen
während die Weisen weise schliefen
bäumen, träumen
tanzen, tänzeln
paradieren, parodieren
revoltieren, variieren
vorwärtsmaschieren
veruneinigen
verunreinigen
wie dem auch sei, ich bin dabei
Mord an Millionen
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