An einem anderen Tag hatten sie in einer Kneipe am Hafen eine Begegnung der vierten Art.
Manch einer mag fragen, was ist das eine Begegnung der vierten Art? Nun, eine Begegnung der ersten Art ist, wenn man jemanden nur sieht, von der zweiten Art spricht man, wenn man auch was hört, bei der dritten Art kommt die Berührung hinzu, mit der vierten Art aber ist gemeint, daß es einem unter die Haut geht.
Gut gehaltene Reden können unter die Haut gehen, aber Lieder, eine flotte Melodie und ein einprägsamer Refrain noch mehr.
Und tatsächlich war es ein Sänger, dem die christliche Problematik auch am Herzen lag.
Hier der Sänger, Ansage und Lied:
"Das Christentum bekämpft man nur mit seinen eigenen Waffen, nämlich mit Metaphysik und spektakulären Ereignissen," sagte der Sänger. Und so sang der Sänger, der von seinen Fans angebetet wurde, und er sang das Lied, das da hieß "Die Mörder und das Monster":
Zweitausend Jahre litt die Menschheit
wegen der Mörder und dem Monster
eine neue Zeit soll kommen, wo jeder
bekämpft die Mörder und das Monster [3x]
mit Wissen und Wahrheit bekämpft
die Mörder und das Monster
böse Dämonen schufen
die Mörder und das Monster
- und noch bösere Menschen.
Vorväter und Vormütter Generation um Generation litten
wegen der Mörder und dem Monster
Laßt Mörder und Monster nicht entschlafen
durch Trägheit und Teilnahmslosigkeit,
sonst werden sie eines Tages erwachen - blutrünstiger denn je,
sondern bekämpft
die Mörder und das Monster
- mit Wissen und Wahrheit.
Betet nicht zu uns.
Betet nur zu vernichten
die Mörder und das Monster
Wir wollen nichts von Euch
Wir wollen nur die Mörder und das Monster
Wir wollen nur die Mörder und das Monster beseitigt wissen von dieser Welt.
Die, die ihr die Wahrheit wißt,
jagt die Mörder und das Monster
jagt sie hinaus, hinaus aus Kirche und Gemeindehaus,
aus Vatikan und Lateran
fegt diesen Schmutz vom Angesicht unserer Welt.
Zu viele Opfer verlangten
die Mörder und das Monster
Nie wieder sollen sie opfern,
die Mörder und das Monster
opfern die Opfer,
die Mörder und das Monster
Der letzte Scheiterhaufen muß brennen,
muß brennen
die Mörder und das Monster
Und nie wieder soll's geben
die Mörder und das Monster
denn schon die Kinder sollen wissen
von den Mördern und dem Monster
Ach, wär' das gute Werk doch schon vollbracht!
Ach, wär' die Welt doch schon befreit,
befreit aus den Klauen
der Mörder und des Monsters
und die Gedanken frei,
frei vom Wahnsinn
der Mörder und des Monsters!
Hoffentlich erlebe ich noch eine Zeit, wo eine antichristliche Bewegung so stark geworden ist, daß auch der letzte Mann auf der Straße weiß, die Mörder sind die Christen, das Monster ist ihre Religion.
Aber wo bleibt die Metaphysik, von der du anfangs sprachst? Was meintest du überhaupt damit?
Nun, der Kirche droht keine Gefahr von der Vernunft.
Von wo denn?
Von fliegenden Untertassen.
Pause.
Du meinst, es wird nie genug vernünftige Menschen geben? Und wenn wir auf ihre mörderische Vergangenheit und auf die Verbrechen und schmutzigen Geschäfte in der Gegenwart aufmerksam machen, das hilft alles nicht?
Nein, das hilft alles nicht.
Nur fliegende Untertassen helfen?
Ja.
Warum erfindest du denn keine Religion der fliegenden Untertassen?
Brauche ich nicht. Hat schon jemand getan.
Und die Leute glauben dem?
Ja. Die, die sich nicht vorstellen können, da jemand lügt.
Eine komplette Religion: Lügner und Belogene. Erzähl mir mehr!
Nun, ein junger Mann behauptet Untertassenfahrer hätten ihn mitgenommen zu ihrem Stern, wo er Moses, Elia, Buddha, Jesus, Mohammed und den Vorsitzenden Yahweh getroffen hat.
Mein Gott, andere große Namen kannte er wohl nicht.
Anscheinend nicht.
Der Vorsitzende Yahweh hat ihm dann erklärt, daß die Elohim in Wirklichkeit keine Götter, sondern Menschen, die vom Himmel kamen, also Untertassenfahrer, waren, die hier auf der Erde ihre Experimente, Schöpfung usw. machten. Dieser junge Mann versucht also Bibel, Koran und Wissenschaft einigermaßen plausibel zu einer neuen Religion, deren Prophet er ist, zusammenzumatschen. Leider leidet er, wie ein anderer großer Prophet und erfolgreicher Religionsspender vor ihm, an eklatantem Halbwissen.
Sowas macht das Ganze ja nur glaubwürdiger.
Ja, was man weiß, braucht man nicht zu glauben.
Pause.
Der Untertassenfahrerprophet lehrt sogar, daß die Menschen, die böse waren, von den Untertassenpiloten neu geschaffen werden, reinkarniert sozusagen, um sie bestrafen zu können.
Mit anderen Worten: Der hat nicht alle Tassen im Schrank.
Prüde war er aber nicht. Denn in seinem Paradies stehen dem Mann geile Mädchen zur Verfügung, etwa den Huris der Mohammedaner vergleichbar, nur daß diese Huris in Wirklichkeit wohl proportionierte, kurvenreiche Fleischroboter sein sollen.1
Huris oder Huren. Solange meine Frau nicht bei mir ist, ist das Paradies unvollkommen für mich.
1 vgl. Claude
Vorilhon "RAL": THE MESSAGE Given To Me By
EXTRA-TERRESTRIALS They Took Me To Their Planet.
"Wie heißt du? Dein Gesang ging uns unter die Haut und dein Anliegen ist auch unser."
Nun, er hieß Orpheus wie das Stimmwunder aus der Familie des thrakischen Flußgottes Öagros, dem die Götter einst seine Geliebte Eurydike vorzeitig hatten sterben lassen, worauf der antike Sänger sich aufgemachte hatte durch die Pforte beim Tainaron in das grausige Reich der Schatten vorbei an den schaurigen Leiden der ewig Gepeinigten des Orkus bis vor den Thron des bleichen Hades und der noch bleicheren Persephone. Ihnen sang er von seiner Liebe zu Eurydike und von seinem furchtbaren Schmerze, die Gepeinigten des Orkus weinten, es war mehr, als sie ertragen konnten, Tantalos vergaß seinen Durst, Sisyphos und sein Fels erstarrten, selbst die Eumeniden hatten Tränen in den Augen, und der dreiköpfige Hund Kerberos heulte herzerweichend und erbärmlich und selbst die erbarmungslose Parze Atropos legte die Schere in den Schoß und wischte sich die Augen, und da auch Götter, sogar Götter der Gerechtigkeit, die jede irdische Tat gerächt wissen wollen, manchmal ihre schwachen Augenblicke haben, die sie zu fast menschlichen Gefühlen befähigen, wurde Orpheus erhört und es wurde ihm versprochen, daß, wenn er wieder zum Ausgang ginge, Eurydike ihm folgen werde, er dürfe sich jedoch nicht umdrehen. So schwach war der Augenblick also nicht. Der lange Weg zum Ausgang war weit, weiter und weiter, viel weiter als auf dem Hinweg, ein dunkler Tunnel, Orpheus hörte weder Eurydikes Füßchen, noch das Rauschen ihrer Gewänder, nicht einmal ihren Atem und ihr Herzklopfen. Folgt sie wirklich? Nur ein kleines Bißchen nach Hintenschielen aus den Augenwinkeln. Da sah er sie zurückgesogen in den Hades. Die Götter hatten ihr Spielchen gehabt. Was für den einen die verbotene Frucht war, war für den anderen ein Blick nach hinten. Götter waren nicht gut.
"Dein Namensvetter hat ja einmal den Sadismus der Götter kennengelernt." "Richtig, heutzutage kennen die meisten zwar nur den Sadismus der Priester, Zölibatäre, die nackte Frauen folterten, aber selbst die evangelischen mit ihren angeblich vorbildlichen Ehen haben da ja fleißig mitgehalten, und jeder vergißt, daß das schlechte Vorbild der Götter schuld ist." "Noch schlimmer, selbst den Sadismus der Priester hat man vergessen, sonst wüßte man die Forderung der Priester, daß Frauen wieder mit alten Kleiderhaken abtreiben sollen, richtig einzuordnen. Das ist nicht Menschenliebe, sondern der alte Menschenhaß der Frommen. Das Ziel ist natürlich, die Lust am Sex zu verderben, und überhaupt das Elend auf der Welt zu vergrößern. Das Elend ist überhaupt eine der Hauptvoraussetzungen für die Religion. Nur der Elende braucht Hoffnung, und wer täglich um sein täglich Brot kämpft, hat keine Zeit, kritisch zu denken. Der Reiche dagegen, der die Religion unterstützt, tut es meist bewußt - manchmal jedoch auch unbewußt, um sich zu schützen, denn vom Unkritischsein der Massen profitiert er genauso wie die Kirche, selten, daß ein Reicher heutzutage noch so dumm ist, sich von der Kirche ein schlechtes Gewissen aufschwatzen zu lassen. Reichtum ist
keine Sünde und Wohlstand schon gar nicht, Gebären und Vermehren dagegen sind zu Verbrechen geworden. Das größte Problem dieser Erde ist: zu viele Menschen. Wer heute noch Kinder in die Welt setzt, vermehrt das Unglück und die Unglücklichen, wozu seine eigenen Kinder gehören werden!" "Du spricht mir aus dem Herzen. Die jetzt Lebenden machen schon zuviel Dreck, eine Verschmutzung, die Leben kostet, Krankheit und Siechtum mit sich bringt, und satt, satt werden schon lange nicht alle, täglich verhungern weit mehr Kinder als Menschen jeder Altersstufe zu Höchstzeiten in Auschwitz umgebracht wurden, aber den Priestern sind das noch nicht genug. Ich weiß, warum ich von Mördern und Monstern singe. Es ist monströs, gegen Abtreibung und Verhütung zu sein, mehr Menschen zu fordern, bloß weil man für die eigene Existenz Elend und Armut nötig hat, sein Image als Almosenspender in einer Wohlstandswelt gefährdet sieht und auch der Dreh mit dem schlechten Gewissen sonst nicht klappt. Religion ist eine Sünde wider den menschlichen Geist."
Wer so sprach, war dem Adjuna natürlich willkommen: "Du mußt bei uns mitmachen. Wir, das heißt, der Luz da und der Bunte, wir haben uns zusammengetan, um genau diese Sünde wider den menschlichen Geist zu bekämpfen." Orpheus war sofort begeistert.
Aber der menschliche Geist ist eine trickreiche
Sache. Luz und der Bunte protestierten: "Wer sind wir denn!
Genauso wie es eine Heilige Drei-Einigkeit gibt, sind wir das
Gegenteil dazu, eine Unheilige Drei-Einigkeit, ein Trident, der
gegenan stickt und sticht." "Ja, und es gab drei Weise
aus dem Morgenland, das haben wir ja selbst gesehen, und dreimal
krähte der Hahn und nach drei Tagen..." "Es ist nicht
weise, leerem Symbolismus zum Opfer zu fallen, Fahnen haben schon
genug auf dem Gewissen. Aber wenn es euch glücklich macht: Es
gibt vier Jahreszeiten und vierblättriger Klee ist ein
Glücksbringer. Wenn Blätter und Jahreszeiten es sich leisten
können, keine Rücksicht auf die Heilige Drei-Einigkeit zu
nehmen, dann können wir das erst recht, besonders heute am 6.
Januar."
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