Wieder herrschte in Hamburg so ein Londoner Nebel, Adjuna saß mit seinen Leuten auf einer Alsterbank und teilte mit ihnen seine Butterbrote, es war gerade Grüner Donnerstag, dabei starrten sie in den grauen Nebel.
Der Bunte mußte mal schiffen - ach nein, bei so einem zarten Jüngling sollte man lieber pischen sagen. "Ob ich mich hinter das Bäumchen stelle?" "Mensch, der Stamm ist ja kaum dicker als 'n Schwanz." "Der Nebel hilft ja." "Warum gehst du nicht noch ein Stück weiter?"
Der Bunte verschwand im Nebel. Bald hörte man ihn schreien: "Eine Hexe!" "Für Hexen bin ich zuständig", sagte Luz und stand auf. Bald darauf kam er mit einer extrem unansehlichen Frau wieder.
Natürlich war sie keine Hexe, sondern nur eine unglückliche Frau, wie alle Frauen, die als Hexe beschuldigt wurden. Adjuna kannte sie und auch sie erkannte Adjuna. Es war die Frau mit dem verbrannten Gesicht, die er mal bei dem Zuhälter Johnny gesehen hatte.
Sie sagte ihm, daß Johnny gestorben sei. "Da warst du sicher sehr traurig." Jetzt hatte sie niemanden mehr, der für sie sorgte. Für ihren Beruf sei sie zu häßlich geworden und eine andere Arbeit könne sie auch nicht finden. Da erzählte Adjuna ihr, was sie machten, und fragte, ob sie mitmachen wolle: "...und was zu essen, kommt bei uns auch immer irgendwie auf den Tisch."
Sie sagte, daß sie selbst auch die Hexenverbrenner hasse, gerade wo sie ja selbst Brandwunden erlitten hätte, wüßte sie ja, wovon sie rede. Adjuna wunderte sich, sagte aber nichts, und das Mädchen schwieg auch. Sie schloß sich ihnen einfach an und folgte ihnen.
Jetzt waren sie zu fünft, bei einer Weltbevölkerung von 5 Milliarden ein kleine Minderheit.
Johnny wurde nicht mehr erwähnt.
Sie versuchte es als Schreibkraft der Gruppe, aber es wurde verständlich, daß man ihr in einem normalen Büro solche Arbeit nicht überlassen konnte.
Irgendwann hatte Orpheus sie mal unter der Dusche gesehen und anschließend mit ihr geschlafen. Auch Luz und sogar der Bunte nahmen sie mal mit ins Bett.
Schließlich schlief auch Adjuna mit ihr, unten war sie schön wie jede schöne Frau.
Doch nach der Ernüchterung, die jeder heißen Umarmung folgt, sagte sie: "Vielleicht hast du noch andere Leute ermordet." "Ja, ich hab sogar mal einen Papst ermordet, eigentlich hatte ich geschworen, jeden neuen Papst ebenfalls umzubringen; außerdem war ich mal Seeräuber, noch früher Tyrann und selbst im Leib meiner Mutter war ich schon ein Totschläger." "Und mit welchem Recht willst du jetzt die Welt verbessern?" "Ich habe etwas hinzugelernt."
Wie gesagt, die Gruppe hatte ein bißchen Arbeitsteilung eingeführt. Orpheus war nicht nur der Sänger, sondern wegen seiner guten Ohren auch der Horchfunker der Gruppe geworden und zu seiner Aufgabe gehörte es, die Feindesbewegungen zu überwachen.
Eines Tages kam er keuchend angelaufen: "Neues von der Front! Die Kirche will die Bibel als heiliges Buch abschaffen, da sie ungeeignet ist für die Verbreitung des Glaubens. Das ist zweifellos unser Einfluß!"
Adjuna: "Die haben hinzugelernt. Aber das ist ein harter Schlag für uns. Das macht alles unendlich schwerer. Schon die Drohung, alle Hinweise auf Sklaverei und die Unterdrückung der Frau auszumerzen, hörte sich gefährlich an, aber die Bibel ganz abzuschaffen, ist die Atom-Bombe, die uns zerstört. Bisher mußten die ziemliche Verrenkungen beim Auslegen der Heiligen Schrift machen, um sich mal den Nazis, dann der Demokratie und schließlich der Öko-Bewegung anbiedern zu können, ohne Schrift können sie ihren Dolus, durch Anpassung an die Zeitströme das Überleben zu sichern, bis sie in irgendeiner Zeit großen Elends wieder die absolute Macht an sich reißen können, viel besser befolgen."
"Was können wir also machen?"
"Das Naheliegende, den Schritt
kritisieren."
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