Die Christen in Amerika.

Nach der Entdeckung durchzogen Sie den Kontinent mit Mord und Brand und mit ihrer Fickerei, die den Syphilis hinterließ.

Bist du nicht willig, so brauche ich Gewalt.

Die Christen kamen. In ihrem Gepäck trugen sie Mord und Brand und viele neue Sachen und Seuchen, neue Werte, eine neue Religon, eine neue Moral, nein, eigentlich zwei... oder drei: eine doppelte Moral für sich und eine dritte für die eroberten Völker, die ja nicht nach den gleichen sittlichen Gesetzen, nach denen die Herrschenden sich gegenseitig übers Ohr schlugen, Sklaven sein konnten. Einem jeden die passende Vorstellung von Gott über sich und das passende moralische Gesetz in sich.

Mord und Brand. Gewisse Dinge kann man nicht oft genug sagen. Auch wenn die Mörder es nicht hören wollen. Es war soweit der größte Massenmord in der Geschichte der Menschheit.1

1 Fußnote

Auch in der katholischen Kirche gibt es durchaus Stimmen, die dieser Aussagen zustimmen. So nannte der aus Österreich stammende Missionsbischof in Brasilien, Erwin Kräutler, auf einer Pressekonferenz in Feldkirch am 7.1.92 zum Gedenkjahr "500 Jahre Lateinamerika" die Ereignisse um die Entdeckung Amerikas, die für ihn keine Entdeckung, sondern eine Eroberung war, "das Grauenhafteste, was je in der Menschheit passiert ist." In den ersten hundert Jahren seien 90 Prozent der Bevölkerung Lateinamerikas umgekommen. Man habe die Frohbotschaft für die Indios zur Drohbotschaft werden lassen. Leider war der Bischof aber nicht so konsequent, die Organisation, die dieses grauenhafteste Verbrechen der Menschheit hauptsächlich zu verschulden hatte, die größte, oder meinetwegen, grauenhafteste Verbrecherorganisation der Menschheit zu nennen, sondern er sprach nur davon, daß auch die Kirche sich schuldig gemacht habe, sie nicht den Mut gehabt habe, sich an die Menschenrechte zu halten. Den schwarzen Peter schob er dann der spanischen und portugiesischen Krone zu. Kein Wort davon, daß der Papst die neuen Länder gerade diesen Kronen zur Ausbeutung geschenkt hatte, und auch kein Wort davon, daß auch in der alten Welt zu dem Zeitpunkt die Kirche keine Vertreterin der Menschenrechte, sondern genau das Gegenteil, nämlich die Vertreterin von Gottesrechten war, also unmenschlich. (vgl. Kathpress vom 7. Jänner 1992)

Andere Kirchenvertreter, wie der Erzbischof von Buenos Aires, Kardinal Antonio Quarracino, in einer TV-Ansprache vom 30. 12. 91 (laut argentinischer katholischer Presseargentur AICA), freilich zogen es anläßlich der 500-Jahr-Feier vor, Ausgewogenheit zu fordern, was für sie hieß, immer wieder auf die humanen Verdienste von Bartolomé de Las Casas aufmerksam zu machen, einem Dominikaner, der sich zu seiner Zeit allerdings auch besonders in kirchlichen Kreisen wegen seiner Pro-Indianer-Politik sehr unbeliebt gemacht hatte. Seine humane Lösung zur Entlastung der Indianer bestand übrigens darin, daß man Neger für die Sklavenarbeit benutzen sollte. Er schlug also nur ein anderes Verbrechen vor, das auch schon bald in größtem Umfange begangen wurde.

In der größten Not wurde auch den Indianern ein Messiah geboren. Er war so falsch wie alle Messiahs.

Es war ein Delaware-Indianer, der 1762 zum heiligen Krieg gegen die Weißen aufrief. Nur mit indianischen Waffen wie Pfeil und Bogen sollte dieser Kampf geführt werden.

Doch selbst als die heiligen Waffen der Indianer versagten und man zu den unheiligen der Weißen griff, blieb der Erfolg aus.

Das Volk der Delaware hinterließ nur seinen leblosen Namen.

Ein anderer Messiah wurde geboren unter den Kickapoos in Illinois. Sein Name war Kenekuk. Er lehrte, daß es nicht recht war, zu töten, nicht einmal, wenn es sich um Weiße handelte, außerdem sollte man nicht lügen, Feuerwasser trinken, sexuelle Ausschweifungen genießen und so weiter, das Übliche halt. Als Belohnung dafür gäbe es Frieden und neues Weideland. Und tatsächlich bekamen die Kickapoos, als sie Illinois verlassen mußten, neues Weideland in Kansas. Dort starb der Messiah im Jahre 1852 an den Pocken. Seine Anhänger versammelten sich um den Leichnam und warteten darauf, daß er am dritten Tage wiederauferstehen würde.

Er stand nicht auf, aber sie legten sich hin. Denn die Pocken waren eine hochansteckende Krankheit. Und wie sie den Anführer der Kickapoos getötet hatten, so töteten sie auch das Volk.

Die Kickapoos wurden eine Erinnerung. Und auch die wurde vergessen. Der nächste Erlöser wurde 1820 in den Rocky Mountains geboren. Man nannte ihn Somhalla und gab ihm wegen seiner vielen Trancen den Beinamen `der Träumer'. Er sagte, Kici Manitu sei unzufrieden mit den Indianern, weil sie den Glauben der Väter verlassen und sich dem der Weißen zugewandt hatten. Er lehrte, daß der Große Geist von allen Menschen zuerst die Indianer geschaffen hatte, dann in absteigender Reihenfolge die Franzosen, die christlichen Priester, die neuen Amerikaner und ganz zum Schluß die Neger. Und weil das so war, gehörte die Erde den Indianern. Aber es war die Pflicht der Indianer, die Erde zu schützen, denn sie war die Mutter. Nicht durfte man die Scholle pflügen, denn wie konnte man der Mutter Brüste mit einem Messer ritzen? Auch durfte man das Gras nicht schneiden und zu Heu machen. Welche Frechheit, Mutters Haare zu schneiden!

Die Nez Percé wehrten sich, als die Regierung sie zwingen wollte, Farmer zu werden. Ihr Häuptling ermahnte sie, daß nicht nur Heumachen eine Sünde sei, sondern auch das Skalpieren und Martern von weißen Kriegern. Die weißen Krieger aber, die ohne humane Ermahnungen in den Kampf geschickt worden waren, ermordeten rücksichtslos die Frauen und Kinder der Indianer. Und schließlich erstickte der Kampfgeist der Indianer in Trauer. "Mein Volk stirbt. Ich habe gekämpft. Von wo die Sonne jetzt steht, werde ich nie wieder kämpfen."

Die Überlebenden wurden von den Weißen nicht niedergemetzelt. Man wies ihnen ein Malaria verseuchtes Sumpfgebiet als Reservation zu. Dort starben die Überlebenden.

Die menschliche Geschichte war so monoton wie sein Schicksal. Fantasielosigkeit hatte die größte Beständigkeit. Der nächste Erlöser war der Prophet Wodziwob. Er versprach den Himmel auf Erden. Wenn nur alle Indianer fleißig tanzten und sangen, dann würde der große Manitu die Weißen verschlingen und den Reichtum der Weißen den Indianern lassen. Schon bald tanzten alle Indianer, aber der Erfolg blieb aus. Und man hörte wieder auf zu tanzen.

Doch schon zwei Jahrzehnte später kam ein neuer Messiah, Wovoka mit Namen, und behauptete, der Große Geist hätte ihm gesagt, die Indianer müßten tanzen, um Energie anzusammeln, dann würden auch die Toten wieder auferstehen. Und so tanzte man wieder. Und als man genug Energie glaubte angesammelt zu haben, zog man in den Krieg gegen die Weißen. Sitzender Bulle, ein Sioux, der schon bei der erfolgreichen Schlacht am kleinen Großhorn dabei gewesen war, war der Anführer. Man war äußerst zuversichtlich, da man dank Offenbarungen, die einem in Trance zugänglich gemacht worden waren, Geisterhemden mit magischen Symbolen trug, die vor den Kugeln der Weißen schützen sollten.

Das Mysterium war nur, daß die Kugeln die Symbole durchdrangen. Gegenzauber oder ein Sieg der Wirklichkeit?

Nach dem Massaker am Wunden Knie war der Widerstand der Indianer entgültig erlahmt. Der Glaube an den Messiah der Weißen fand immer mehr Aufnahmebereitschaft.

Die Kirche der amerikanischen Ureinwohner erhielt sich jedoch noch ein bißchen Eigenständigkeit, indem sie den Peyoteweg ging, was hieß, daß man dort beim Abendmahl keine Oblaten aus Weizen- oder Maismehl schluckte, sondern ein Stück Peyote, ein Stück strychninhaltigen Kaktus. Religion als Rattengift. Tödliche Dosis: hundert bis dreihundert Milligramm.

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