Einige Amerikaner behaupteten stolz, Amerika sei ein großer Schmelztiegel, in dem Menschen aus aller Herren Länder eine neue Heimat gefunden hätten, anderen aber war dieses Völkergemisch oder ­gematsch zuwider, sie behaupteten, das Land sei WASP-Land. W-A-S-P

stand für White Anglo=Saxon Protestant. Wasp war auch das englische Wort für Wespe, jenes gemeine Geschöpf mit dem Stachel am Hintern.

Beide hatten recht. Man fand tatsächlich Leute aus aller Herren Länder, und die Wasps, die Wespen, hatten tatsächlich eine bevorzugte, dominierende Stellung in der Gesellschaft, die es berechtigte vom WASPen-Land zu sprechen.

Zwei beschwipste Inder kamen ihnen entgegen. Sie torkelten. Sagte der eine: "Ich bin besoffen und verrottet trotz meiner Brahmanen-Seele, sic, hick, Erbanlagen, hick, sic!"

"Ich bin OK, du bist OK," leierte sein Kumpane das amerikanische Glaubensbekenntnis herunter, "ich bin KO, das ist das Gegenteil von OK, du bist..." wollte er sich an einen Passanten wenden. Die Wespe ließ es sich nicht zweimal sagen und schlug ihm voll ins Gesicht.

Knock out.

"Der Kampf endete mit einem Knockout", triumphierend ging der Weiße davon.

Für fünfzig lange Nachkriegsjahre hatte man die Bevölkerung in Vorkriegsstimmung gehalten. Jetzt hatte man den Kalten Krieg gewonnen. Das schuf Orientierungslosigkeit und Aggressionen.

Aber Peter und Adjuna begegneten nicht nur Häßlichkeiten, Affrösitäten, sondern als nächstes kamen ihnen schöne Mädchen entgegen, typische, amerikanische Mädel, wie Barbie-Puppen, ihr Mangel an Persönlichkeit hätte sie für jeden Schönheitswettbewerb qualifiziert, Mädchen von der Stange, Chicks von der Legebatterie.

"High, Chicks", grüßten die Beiden.

"High", grüßten die Mädel - und gingen weiter.

Aber diese Stadt hatte nicht nur Heterosexuelles zu bieten, sondern auch Gleichgeschlechtliches. Als sie auf dem Bahnhof warteten, die sich hier immer unter der Erde befanden, da die Oberfläche mit Hochhäusern vollgestellt war, drehten ein paar bunte Gestalten die Glühbirnen heraus und ersetzten sie durch schummriges Rotlicht. Dann drehten sie ihren CD-Player auf volle Lautstärke und tanzten. Alle Teilnehmer der Party waren männlich, auch die, die ihre Titten entblößten. "Schade, daß du keine richtige Frau bist."

Man vergnügte sich, bis aufgeschreckte Bürger mit der Polizei ankamen. Schwulsein war nämlich wieder zum Verbrechen geworden.

Schwulsein und Pervers-Sein, das waren Verbrechen, wußten die Biedermänner jetzt, hatte ihr großer Gott doch, die Schwulen und Perversen mit einer Seuche geschlagen. Daß er ab und zu vorbei schlug, störte sie nicht, tat dem großen Gott keinen Abbruch.

Wer nicht schnell genug weglief, den schlug die Polizei mit Nachtstöckern1 zu Brei.

1 night sticks = Gummiknüppel

1. Kommentar zum Thema

AIDS = den Säuchen ein Seuchchen?

Wer glaubt, daß diese Seuche den Homosexuellen und Drogensüchtigen von Gott als Strafe gesandt wurde, der ist ein Narr. Sieht er denn nicht, daß das Ganze auch ohne Gott geht. Gewisse Viren bedürfen der Körperflüssigkeit, um von einem Wirt zum anderen zu gelangen.

Solange die Menschen monogam leben, hat die Krankheit kaum eine Chance, kränkelt sozusagen vor sich hin in irgendeinem Eckchen.

Leben wir promiscue, lebt die Krankheit auf. Wir haben wie so oft die Gesetze unserer Mutter Erde nicht verstanden. Aber mit Moral und Unmoral hat das nichts zu tun. Und Gott, selbst wenn er die Promiskuität haßte, würde er sich wirklich zum Mörder machen, zum Mörder an den Perversen? Ihr schreit: "Sicher!" Weil Euch zuwider ist, was anderen ein Spaß ist, nämlich die Perversität. Doch auch ihr wollt Befriedigung. Seht Euch mal an!

Und seht Euch auch einmal um! Zum Mörder an den Unschuldigen, dazu wollt ihr Euren Gott aber doch wohl nicht machen. Welche Schuld trifft ein Baby, das die Krankheit von den Eltern bekommen hat. Was sagt Ihr? - Ah, bis ins siebte Glied. So rachsüchtig. Moderner Strafvollzug ist das aber nicht.

Und wer keusch ist, aber das Blut eines anderen brauchte, eine sogenannte Bluttransfusion? Ach ja, das hat Euer Gott ja auch verboten, genaugenommen, das Bluttrinken, denn Transfusionen kannte er ja gar nicht.

Die Alten, die Eure Religion gemacht haben, waren nicht dumm, bloß bis heute hat die Menschheit eine Menge hinzugelernt, so daß sie aus heutiger Sicht dumm erscheinen.

Sicher, sie wußten schon etwas von den Gesetzen unserer Erde, sie wußten nur nicht, daß es ohne Gott geht.

Die alten Juden wußten früher als andere Völker, was Hygiene war, daß Schweinefleisch und das Fleisch von Fleischfressern ungesund ist, zuviel Arbeit schadet, daher: Am Sabat sollst du ruhen. Allerdings, die Todesstrafe bei Übertretung ist natürlich ungesünder als Überarbeitung.

Vieles war ihnen also schon früh bekannt, was anderen Völkern noch verborgen war. Bei so viel Erkenntnis, warum sollte ihnen nicht auch die Gefahr der Verseuchung durch anderer Leute Blut bekannt gewesen sein und die Gefahr der Liberalisierung der Sexualpraktiken, besonders bei Frauen, deren sexuelle Befreiung den männlichen Religionsstiftern ja ohnehin keinen zusätzlichen Lustgewinn verschafft hätte, so daß die Steinigung als Strafe für weiblichen Ehebruch verständlich wird?

Doch der Mensch von heute hat vieles durchschaut, er sollte wissen: Krankenheiten sind keine Strafe Gottes, weder AIDS noch eine andere. Doch wer so eifrig dagegen argumentiert, sollte einsehen, daß wenn AIDS eine Strafe Gottes ist, dann auch jede andere Krankheit eine Strafe Gottes ist. Na, welche Krankheit hat er denn? Und warum?

Da fällt mir ein: Vielleicht ist AIDS doch eine göttliche Krankheit. Ausnahmsweise hat er sich die Mühe gemacht. Er wollte uns zeigen, wohin es führt, wenn man die ersten Anzeichen einer Seuche kaltschnäuzig abtut, weil sie nur Außenseiter der Gesellschaft bedroht, wenn man also diskriminiert.

Euch Außenseitern rate ich, laßt Euch untersuchen, und soweit ihr noch gesund seid, gründet Clubs; wenn jedes Mitglied gesund ist und verspricht, kein Nicht-Mitglied zu bumsen, könnt Ihr Euch weiter mit wechselnden Partnern in sämtlichen Körperöffnungen vergnügen, ohne daß Euch die Gesellschaft ansteckt.

So sind die Gesetze unserer Mutter Erde.

Gott Vater ist da ganz hilflos.

2. Kommentar zum Thema

Die Zellwände sind nicht dumm. Im allgemeinen fallen sie vernünftige Entscheidungen.

Sie bestehen aus länglichen Phospholipidmoleküle, die sich dichtandichtdrängen wie Sardinen in der Dose oder Tannen im dunklen Wald. Sie haben einen Phosphat-Kopf voll hydrophiler Liebschaften und einen lipiden Schwanz.

Für jene Laien, die ihrerseits immer Unanständigkeiten im Kopf haben, seien diese Fachbegriffe hier erklärt: Hydrophil heißt wasserfreundlich und lipid ist fettig, also wasserabstoßend.

In Wasser oder wasserähnliche Flüssigkeiten passiert jetzt etwas Unvermeidliches: Die Phospholipidmoleküle ordnen sich so, daß die wasserfreundlichen Wasser- - ach, nein - Phosphat-Köpfe nach außen sich hinwenden und die Zelle abschließen, an die fettigen Schwänze schließen sich die fettigen Schwänze der zweiten Lage an, die mit ihrem Phosphat-Kopf ins Zellinnere gucken. Das ist alles, zwei Molekülschichten. Oh, wir haben die Fenster oder Durchreichen vergessen. Ganz eingemauert, verhungert man ja. Also, es gibt da noch Rezeptor-Proteine, die durch ein eigenes hydrophiles und hydrophobisches System in der Zellwand eingesetzt sind. Ihre Aufgaben sind vielfältig: Empfangsdame, Aufpasser, Pförtner und Torwächter und sogar Klokübelentleerer, aber am meisten sind sie Beamte, die blind die Ausweise kontrollieren: ..., wenn nur die Papiere stimmen, der Kode paßt, das Paßwort.

Beim AIDS-Virus paßt's, der Beamte, der nicht über seine eigene Nasenspitze hinausschaut, heißt ihn willkommen und wir wissen jetzt, wer Schuld an der Seuche hat.

Die tragische Blindheit der Beamten.

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