Der Ku Klux Klan

Dabei hatte alles so gemütlich begonnen wie eine Bescherung unterm Tannenbaum:

Weihnachten 1865: sechs junge Konföderierte, Kriegsveteranen ohne Geld, unter ihnen Colonel Thomas Martin, ein prominenter Bürger von Pulaski, gründen aus Langeweile einen Klub.

Nach der Aufregung des Krieges war die Langeweile des Friedens gefolgt. Angeblich ohne böse Absicht gründeten die jungen Veteranen ihre Brüderschaft, bloß um ein bißchen Spaß zu haben und Spaß zu machen. Das griechische Wort kuklos kauten sie durch mit dem irischen Klan, bis sie eine magischere Formel gefunden hatten als hoc est corpus. Dann ritten sie los, spuken.

Auch nach der Kapitulation von Robert E. Lee bei Appomattax 1865 keine Ruhe, 22 Jahre Guerilla.

Während den Schwarzen das Wahlrecht gegeben wurde, sahen sich plötzlich die ehemaligen Herren entrechtet. Waren sie auch Kriegsverbrecher, so waren sie doch weiß. Im Süden reagierte man sehr sentimental, daß Schwarzen das Wahlrecht gegeben wurde, aber das gleiche Recht einigen Weißen genommen wurde. Von Weiß zu Schwarz war für sie ein großes Gefälle, ein zu großes Gefälle, daß sie das Täter/Opfer-Gefälle, nach der der siegreiche Norden die Rechte verteilt hatte, nicht wahrnahmen, sie sahen nur, wie ihre Herren entrechtet herumliefen, nicht die Rechtswissenschaft praktizieren durften, sich nicht einmal vor Gericht selbst verteidigen durften. Während die Neger immer frecher wurden, denn sie konnten nicht verstehen, daß Freiheit auch Pflicht bedeutete. Ein Plantagenbesitzer drückte es mal so aus: "Meine Neger sind nicht für die Freiheit geeignet, denn sie lassen sich nicht freiwillig auspeitschen, wenn sie es verdient haben."4 Seine eigenen Söhne dagegen legten sich freiwillig über die Pritsche, wenn der Vater sie peitschen wollte, wußten sie doch, daß es zu ihrem eigenen Wohle war.

Hinzu zu dieser auf den Kopf gestellten Gesellschaftsordnung kam noch, daß die Gesellschaft der Südstaaten mit fragwürdigem Gesocks aus dem Norden verseucht war, sie war carpetbagged. Ein Carpetbag ist ein Bag oder in diesem Fall eine Tasche aus Carpet, also aus Teppich, jedenfalls ursprünglich waren sie aus diesem Material. Ein Carpetbag sah in der Form aus wie ein Boston-Bag, hatte also etwas nordisches an sich. Es war die Reisetasche des 19. Jahrhunderts schlechthin. Trapezförmig, die längere Parallele natürlich unten, an der oberen Parallelen wurde die Tasche durch die zwei Griffe zugehalten, praktisch, billig und aufnahmefähig, manche Leute, die aus dem Norden kamen, hatten ihren ganzen Besitz darin. Warum hatten die Leute ihren ganzen Besitz in eine Reisetasche gepackt und waren in den Süden gekommen? Was machten diese Leute im Süden?

Sie gründeten Wildkatzenbanken und andere Schwindelunternehmen und waren am nächsten Tag schon wieder pleite und schlimmer: weg. Aber was noch schlimmer war, da es die ganze Gesellschaft betraf, war, daß es unter den Carpetbaggern, also den Reisetaschlern, idealistische Politiker gab, die Rassengleichheit predigten, die Neger verführten und gegen ihre ehemaligen Herren und Herrinnen aufhetzten, und die der Bevölkerung die Gesellschaftsordnung des Nordens aufzwingen wollten... mit ihren feurigen Reden, die sie im Schutze uniierter Soldaten hielten.

Die Carpetbaggers waren überall, eine südliche Bella konnte nicht mehr auf die Straße gehen, ohne nicht von ihnen angeschaut zu werden.

Unter den Carpetbaggers gab es hirnverbrannte Idealisten, die extra aus dem Norden gekommen waren, um den Schwarzen lesen und schreiben zu unterrichten. Vor dem Sezessionskrieg war so etwas ein Verbrechen gewesen. Selbst wenn ein weißer Herr seinen schwarzen Sklaven hätte Schreibunterricht geben wollen, hätte er es nicht gedurft. Jetzt hatten die Yankees die Gesetze geändert und gaben Unterricht. Wußte doch jeder, daß Schwarze zu dumm waren, lesen und schreiben zu lernen, und deshalb mußte es auch verboten werden.

Nur Schabernak um des Schabernaks willen zu treiben, war den konföderierten Veteranen des Ku-Klux-Klans bald über. Sie wandten sich edleren Zielen zu: dem Schutz der Schwachen, der Unschuldigen, der Wehrlosen vor Schmach, Kränkung, Ungerechtigkeit und den Auswüchsen der Gesetzlosen, Gewalttätigen und Brutalen. Mit anderen Worten, sie wollten den entrechteten Weißen des Südens bei der Vergewaltigung durch den Norden beistehen.

Dem edlen Ziel folgte ein edler Anführer. Der konföderierte General Nathan Bedfort Forrest wurde Grand Wizard, also oberster Hexenmeister, des KKKs. Seinen Patriotismus hatte er als Sieger der großen Schlacht von Fort Kopfkissen bewiesen, als er sämtliche uniierte Schwarze hatte hinrichten lassen. Diese Ermordung von Kriegsgefangenen hätte ihn eigentlich an den Galgen bringen müssen, aber doppeltes Glück im Unglück, wobei das Unglück natürlich der entgültige Sieg der Uniierten war, der erste Glücksfall aber die Ermordung Abraham Lincolns durch einen Rassenfanatiker anläßlich eines schlechten Theaterstückes und seine Nachfolge durch Andrew Johnson, der von Lincolns Abolitionsmus sowieso nichts hielt, dieser blödsinnigen Abschafferei der Sklaverei, das allergrößte Glück aber fiel dem General zu, als es dem neuen Präsidenten gelang, ihn in der Sommerpause des Kongresses zu begnadigen, und so der Welt zu zeigen, daß das Leben von Schwarzen, selbst wenn sie für die Interessen der Union gekämpft hatten, nicht viel wert war.

Durch den im Süden so populären General bekam die Bewegung immer mehr Zulauf und ließ sich generalstabsmäßig aufbauen. Dem Großen Hexenmeister waren die Großen Drachen der einzelnen Staaten unterstellt, denen als Vize-Präsidenten Große Magi beigestellt waren, auf der nächsttieferen Ebene befanden sich die Großen Zyklopen der Ortsverbände.

...und immer mehr Klansmänner trafen sich in geheimen Höhlen in den innersten Gedärmen der Erde umgeben von Schädeln, menschlichen Skeletten (Orginalton) und brüteten über die Union League, über die aus dem Norden, die Fremden, die dem Neger lehrten, seinen früheren Herren zu hassen. ...und keiner sagte: Es ist unsere Schuld, daß uns der Neger haßt, denn wir haben ihn geschlagen, entrechtet und für uns schuften lassen.

Das Programm war klar: Endziel: die gute, alte Zeit wiedereinführen, Nahziel: Wahlurnengang der Schwarzen verhindern, schwarze Schulen schikanieren und den Carpetbaggern aus dem Norden, den Scalawags, den Kollaborateuren aus dem eigenen Süden, und den Schwarzen das Leben zur Hölle zu machen.

Die edlen Ritter des Klans nahmen ihre Pferde, saßen auf und ritten los. Gespenstisch sahen sie aus in ihren weißen Laken und spitzen Hüten und sie gaben sich auch als Gespenster aus, als die Geister der gefallenen Helden des letzten Krieges. Tratschweiber wollten sie gar am Himmel fliegen sehen haben.

Die Zeitungen schrieben mit Begeisterung über die Leichtgläubigkeit der Schwarzen. Wie dumm sie doch waren! Und die Uniierten hatten ihnen das Wahlrecht gegeben! In weißen Kreisen gluckste man über so viel Dummheit. Da war zum Beispiel so ein Ku-Klux-Klan-Mann mal zur Hütte eines Schwarzen geritten und hatte Wasser zu trinken verlangt und sich das dargebotene Wasser dann heimlich, statt zu trinken, in einen Balg gegossen. Und während er so eimerweise soff, starrte ihn der Schwarze ungläubig an. "Das dumme Gesicht hättet ihr sehn sollen!" Klucks, klucks, klucks.

Dann hatte der befremdliche Gast dem Schwarzen die knochige Hand einer verwesten Leiche von unter seiner Robe heraus zum Dank für das Wasser gereicht. "Da hatte der vielleicht Angst! Den hättet ihr wetzen sehn soll'n!"

Tatsächlich war der Schwarze weggelaufen. Er hatte sich überlegt, wenn er jetzt nicht endlich große Angst zeigte, würde ihn der Weiße vor Wut vielleicht noch umbringen. Natürlich hatte er den faulen Zauber durchschaut, das ungeschickte Hantieren hinter der Bettdecke, und die ihm bekannten Gesichtszüge eines skrupellosen, jungen Mannes aus dem Dorfe waren durch die Augenlöcher des Gespenstes auch sichtbar geworden. Der Schwarze wußte, die Weißen waren fürchterlicher als Gespenster, besonders in dieser Zeit.

Menschen waren immer fürchterlicher als Gespenster. Die Mitglieder des Klans bewiesen das schon bald zu genüge. Es blieb nicht beim Erschrecken, schon bald wurden Knochen und Schädel gebrochen.

Mit Nacht-und-Nebel-Aktionen, mit Mantel-und-Degen-Methoden wurde das erste und wie der Klan meinte edelste Gesetz der Natur ausgeführt: Mord und Totschlag.

Das Ziel war, die Neger am Wählen zu hindern, oder - was noch schwerer war - zu zwingen, "demokratisch" zu wählen, also die Partei ihrer ehemaligen Herren.

Auf jeden Fall hatten die Südstaaten schon bald nach Lincolns Tod wieder demokratische Regierungen. Die Demokraten waren damals ein Klub, der keine schwarzen Mitglieder duldete, ihr Symboltier war ein Esel, ein störrischer Esel. Mit der Einführung des Black Codes, eines besonderen Gesetzes für Schwarze, wurde die Sklavenbefreiung zum Hohn. In Mississippi wurde Schwarzen das Recht verwehrt, Land zu besitzen oder zu pachten, unabhängig geschäftliche Transaktionen durchzuführen, Arbeitsverträge zu brechen, selbst wenn der weiße Arbeitgeber ihm den Lohn verwehrte oder sonst welche Vereinbarungen nicht einhielt. Schwarze, die keine Arbeit hatten, wurden als Herumtreiber verhaftet und an Weiße zur Arbeit ausgeliehen. Weiße, die mit Schwarzen auf gleicher Ebene verkehrten, wurden ebenfalls bestraft.

In Louisana wurden Schwarze, die Arbeitsverträge brachen, dazu gezwungen, die doppelte Summe ihres Lohnes als Strafe zu zahlen, außerdem mußten sie öffentliche Zwangsarbeit leisten, bis sie bereitwillig zu ihrem Herrn zurückkehrten. Jeder Weiße konnte Schwarze wegen Untätigkeit anzeigen. Meistens mußte der Schwarze dann für ein Jahr für den Weißen, der ihn angezeigt hatte, Zwangsarbeit leisten.

Unter Alabamas Black Code konnten störrische, aufsässige Schwarze auf öffentlichen Auktionen für sechs Monate versteigert werden.

In South Carolina war die einzige Tätigkeit, die Schwarzen rechtmäßig offenstand, die eines Farm- oder Hausgehilfen, und schwarze Kinder über zwei konnten ihren Eltern weggenommen werden und bei weißen Familien in die Lehre geschickt werden, bis zum Herangewachsenenalter.

In Florida konnten Schwarze, die weiße Zusammentreffen durch Eintreten oder Anwesenheit störten, mit 39 Peitschenhieben bestraft werden.

Der 39. Kongreß der Vereinigten Staaten berief einen Untersuchungsausschuß ein, der die Verhältnisse in den Südstaaten untersuchen sollte. Dieser Ausschuß kam zu dem Ergebnis, daß die Weißen in den Südstaaten die Schwarzen jetzt viel schlechter behandelten als zu der Zeit, als sie sie selbst besaßen. Jeden Tag kämen Befreite um, würden geschlagen, mißhandelt und verstümmelt, ebenso Gewerkschaftler, Lehrer, Mitglieder der Republikanischen Partei.

Die Empörung des Nordens über die Behandlung der ehemaligen Sklaven hatte das 14. Nachtragsgesetz zur Verfassung zur Folge, das gleiche Rechte für die Schwarzen sichern sollte. Die radikale Haltung des

Südens hatte also das Gegenteil bewirkt: liberale Gesetze.

Aber eine Folge des 14. Nachtragsgesetzes war auch ein größerer Zulauf zu rechten Gruppierung wie dem Ku-Klux-Klan.

Um die Schwarzen vor Terrorgruppen wie den Ku-Klux-Klan zu schützen, schickte der Kongreß die Armee.

1869 hatte sich Präsident Andrew Johnson mit seiner Begnadigungspolitik für ehemalige Kriegsverbrecher so unmöglich gemacht, daß er bei der Wiederwahl durchgefallen war. Neuer Präsident war Ulysses S. Grant geworden, ein Unionsgeneral, der die Ideale Abraham Lincolns teilte. Um Terror bei künftigen Wahlen - die Amerikaner waren schon damals ein Volk, das ständig am Wählen war, - zu verhindern, schickte er noch mehr Soldaten, Waffen und Uniformen in den Süden. Noch Jahrhunderte später beschuldigte man ihn undemokratischen Verhaltens: Er habe mit Waffengewalt die richtigen Wahlergebnisse erzwungen, Ragamuffins, menschlichen Riffraff aus dem Norden in Uniformen gesteckt und die arme Bevölkerung des Südens tyrannisieren lassen. Tatsächlich fehlte den Wahlen ein wichtiges Element, das sie hätte demokratisch machen können: Sie waren nicht geheim. Und der Klan hatte überall seine Leute, auch unter den Wahlhelfern.

Ein Neger, der die Republikaner wählte, riskierte hundert Peitschenhiebe, wenn er sich dagegen wehrte, gar sein Leben.

Schwarze, die zur Schule gehen wollten, riskierten ähnlich harte Strafen, ebenso Lehrer, die den Schwarzen Unterricht gaben. Einige der hartnäckigeren Idealisten aus dem Norden wurden auch hingerichtet. Die edlen Klansmänner ließen den Opfern sogar Zeit, ihren Familien im Norden Abschiedsbriefe zu schreiben, Briefe, die die Klansmänner sogar gewissenhaft bei der Post aufgaben.

Und unbeeindruckt von den Einschüchterungsversuchen unterrichtete Miss Stanley weiter. Sie hatte gelehrige Schüler.

"Liebe Kinder, glaubt ihr, daß die Weißen besser sind, weil sie weiße Gesichter haben und glatte Haare?"

"Nein!"

"Sie sind nicht besser, aber anders. Sie besitzen große Macht, bilden die Regierung, kontrollieren das weite Land. Was macht sie so anders?"

"Geld!"

"Richtig. Und wie sind sie zu all dem Geld gekommen? Haben sie es verdient?"

"Sie haben es von uns. Sie haben unsere Arbeitskraft gestohlen", sagten die ehemaligen Sklaven.

"Wieder richtig."4

Aber auch der Klan lehrte. Er lehrte im Schein seiner Feuerkreuze das erste Gesetz der Natur und seine Ausführung: Die Verwirklichung der Vorherrschaft des weißen Mannes mit Hilfe von Mantel- und Degen-Methoden. "Nur der weiße Mann ist das Abbild Gottes.!" Die Zuschauer empfanden das nicht als Zumutung.

1870 zog der konföderierte General und Massenmörder Forrest eine Show ab - die Amerikaner liebten schon damals, wie ja auch die Existenz des Klans bewies, Shows über alles - indem er öffentlich erklärte, daß er nicht mit den Gewalttätigkeiten des Klans einverstanden sei, und daß er den Klan in seiner Funktion als Großer Zauberer auflöse. Aber der Klan löste sich 1870 noch nicht auf. Das geschah erst 1876, als der 19. Präsident der Vereinigten Staaten Rutherford B. Haves die Armee endgültig aus dem Süden abzog und die Begeisterung für Rassengleichheit erloschen war.

Vorher im Jahre 71 gelang dem siebten Kavalerieregiment unter Lieutenant Colonel George Armstrong Custer, den man extra von schweren Kämpfen mit Arapahos, Cheyennes, Sioux und Comanchen abgezogen hatte, in South Carolina zusammen mit dem 18. Infantrieregiment ein bedeutender Schlag gegen den Ku-Klux-Klan. Viele Hexenmeister, erhobene Drachen und Zyklopen wurde schließlich festgenommen, so wie viele einfache Meuchelmörder des Klans, andere flohen und verdrückten sich, als sie merkten, daß die Unterstützung des Klans gefährlich wurde. Gefahrruf: Avalanche, Lawine!

Nachdem das siebte Kavalerieregiment für die Schwarzen das Leben in den Südstaaten ein bißchen sicherer gemacht hatte, zogen sie wieder gegen die Indianer, für die die Menschenrechte immer noch nicht galten, was aber auch im Norden kaum jemanden entrüstete. Am heißen Nachmittag des fünfundzwanzigsten Junis 1876 fielen die Männer des siebten Kavalieregiments mit ihrem Leutnant Colonel Custer in der Schlacht am kleinen Großhorn.

Nachdem also der 19. Präsident der Vereinigten Staaten die Armee aus dem Süden abgezogen und in den Tod durch Indianer-Waffen geschickt hatte und auch der Bevölkerung des Nordens die Rassengleichheit im Süden egal geworden war, man hatte ja genug Probleme, z. B. mußte man den vernichtenden Rachefeldzug gegen die Indianer organisieren, da war der Süden mit seinem Rassenproblem wieder sich selbst überlassen, so daß es lange Zeit keinen Grund gab für das Bestehen einer illegalen Organisation wie des Klans, denn Rassismus wurde wieder legal. Die Schwarzen verloren wieder ihr Wahlrecht. Die Rassentrennung wurde durch Jim-Crow-Gesetze sanktioniert. Essen, pissen, scheißen und zur Schule gehen, nichts wollte der weiße Mann mit dem schwarzen gemeinsam machen. Wenn man davon absah, daß sich weiße Männer auch weiterhin an schwarzen Mädchen vergingen und so ein bißchen zum Bleichen der schwarzen Rasse beitrugen, war die Rassentrennung eigentlich perfekt. Der Schwarze war der Aussatz, der Weiße die Auslese.

Doch die Gesellschaft stagnierte nicht. Sie tat es nie. In der Alten Welt, wo man die Frauen mit Gebärmaschinen verwechselt hatte, ihnen jegliche Art von Verhütung und Abtreibung verboten hatte, war es zur Überbevölkerung gekommen. Das schuf Elend, soziale Unruhen und eine

Verschärfung der staatlichen Kontrolle.

Die Herrschenden bissen immer schärfer zu. Da hörten die Gebissenen vom Land, in dem Milch und Honig floß, hörten die Versprechungen der Freiheitsgöttin. Die Müden, Hungrigen und Verfolgten, die Gebissenen und Getretenen der Alten Welt kamen, kamen in Scharen.

Da bekamen die Frühergekommenen große Angst. Sie befürchteten die Überfremdung.

Viel Gesocks war unter den neuen Einwanderern: Katholiken aus Irland, Kleinbauer, denen die Großgrundbesitzer die Kartoffeln weggenommen hatten, weil sie die Pacht nicht bezahlen konnten, und Hakennasige, die `unseren Herr Gott' umgebracht hatten.

Der Fremdenhaß wuchs enorm. Xenophobia.

Da machte David Wark Griffith aus Tinseltown einen guten Film: "Die Geburt einer Nation" oder "Der Klansmann, ein historischer Roman vom Ku Klux Klan." Der Film war so gut, daß ein Zuschauer mit seinem Revolver den Bösewicht auf der Leinwand beschossen haben soll, als ihm die zur Rettung herannahenden, weißberobten Ritter des Klans zu langsam erschienen.

Wenn der Klan je Verbrechen begangen hatte, Neger gelyncht, Scalawags und Carpetbaggers geteert und gefedert, schwarze Schulen niedergebrannt und ihre Lehrer verjagt, der Film räumte mit diesen Erinnerungen auf und schuf eine neue Wirklichkeit, die Wirklichkeit vom bösen Schwarzen, der die Gutmütigkeit der naiven Scalawags und Carpetbaggers ausnutzend sich an einer südlichen Bella vergehen wollte. Die edlen Ritter in ihren weißen Roben aber hatte schon alles vorher durchschaut und ritten - gerade noch rechtzeitig, wegen der Spannung - herbei. Happy End.

Auch im wirklichen Leben ritt nach der Premiäre des Films der Klan wieder. William Joseph Simmons, ein ehemaliger Tempelritter, hatte eine himmlische Erscheinung gesehen, die alten Ritter vom Ku Klux Klan in den Wolken. Er fühlte sich dadurch dazu berufen, den Klan neu zu beleben.

In der kalten Novemberluft des Jahres 1915 kletterte er mit 16 Männern die Granitspitze des Stone Mountain bei Atlanta-City hoch. Oben angekommen, errichteten sie ein 16 Fuß hohes Holzkreuz und einen Altar, auf dem die amerikanische Flagge wie ein Tischtuch lag. Auch eine Bibel und ein Schwert gehörten zu ihrer Ausrüstung. Das Kreuz zündeten sie an, und im Feuerschein schworen sie bei Bibel, Schwert und Flagge ewige Treue dem unsichtbaren Imperium der Ritter des Ku Klux Klans.

Das brennende Kreuz war von Atlanta aus gut sichtbar. Es sollte eine neue Zeit einläuten.

Der letzte Schritt zur Wiedergeburt des Klans wurde dann im Verwaltungsgebäude von Atlanta vollzogen, wo der Imperial Wizard seinen neuen Ku Klux Klan ins Vereinsregister eintragen ließ, als Ritter vom Ku Klux Klan e. V.

Für diese Körperschaft des bürgerlichen Rechts schrieb Simmons auch eine Vereinssatzung, den Kloran. Er hatte den Mitgliedern als heiliges Buch zu gelten. Dieses Buch, das die allerheiligsten Geheimnisse des Klans enthielt, ließ der Imperial Wizard urheberrechtlich schützen. Da aber selbst der herrlichste Hexer kein Copyright bekam, ohne zwei Exemplare seines Buches der Bücherei des Kongresses in Washington zur Verfügung zu stellen, konnte jeder die allergeheimsten Geheimnisse des Klans dort nachlesen und je nach Mentalität vor Ehrfucht in die Knie gehen oder vor soviel Mumbo Jumbo mit dem Kopf schütteln.

Das Buch beschrieb die heilige Hackordnung des Klans vom Imperial Wizard abwärts zu den Großen Drachen zu den Großen Titanen zu den Erhobenen Zyklopen. Das Fußvolk traf sich in örtlichen Tavernen und bildete die kleinste Einheit des Klubs: lokale Klavernen. Geldmittelbeschaffer, meist Spendensammler, erhielten den wohlklingenden Titel: Kleagel.

Auch die heiligen Rituale und Regalia beschrieb das Buch. So mußte jedes neue Mitglied vorschriftsmäßig gesalbt werden. Die Salbungsformel lautete folgendermaßen: "Mit dieser transparenten, lebensspendenden, kraftvollen, Gott gegebenen Flüssigkeit, wertvoll und bei weitem bedeutungsvoller als alle heiligen Öle der Antike, scheide ich dich von den Menschen deiner alltäglichen Umgebung zu der edlen und ehrenhaften Aufgabe, zu der du dich freiwillig bereitgestellt hast als Bürger des Unsichtbaren Imperiums der Ritter des Ku Klux Klans." Daß der gewitzte Wizard dazu das billigste Pflanzenöl vom Lebensmittelgeschäft nehmen würde, verschwieg der Kloran.

Nebenbei erwähnt: Christliche Priester waren genauso kniggerig, sie schenkten die Gläubigen nicht nur keinen reinen Wein ein, sondern auch nie guten und teuren Wein. Viele streckten den Wein sogar mit Wasser. Jeden Weinhändler hätte so etwas ins Gefängnis gebracht, aber die Priester genossen Narrenfreiheit. Waren sie wirklich so närrisch, zu glauben "Jesus wird das schon machen"?

Simmon selbst hätte eigentlich seinen eigenen Zauber durchschauen müssen. Aber für die Gläubigen war natürlich das Mumbo Jumbo wichtig und nie der Einkaufspreis.

Simmon verkaufte auch sonst seinen neuen Haß auf Farbige und Fremde nicht schlecht. Neben den 10 Dollar für den Initiationsritus knöpfte er den Gläubigen auch noch Geld für die weiße Wäsche und für eine obligatorische Lebensversicherung ab.

Simmons liebte die beiden Buchstaben K und L wie seine Vorgänger:

Den Kloran klennen wir ja schlon. Hier mehr Voklabular:

Klabee = Schatzmeister,

Kladd = Zeremonienmeister,

Klarogo = innerer Wächter,

Klexter = äußerer Wächter,

Klaverne = Ordenskapitel oder Ortsuntergruppe,

Klaliff = Vizepräsident einer Klaverne,

Klankraft = Rituale und Regalia,

Klankrest = Klannest,

Klectoken = Beitrittsgebühr,

Kligrapp = Sekretär eines Ortsvereins,

Klokard = Vortragsreisender, Kärrner, karrt rechtsradikale, rassistische Schleiße unter die Leute,

Klokann = Vollzugskomitee einer Klaverne, kann, tut und vollzieht die Schleiße, die der Klokard pledigt, rechtsradikale, rassistische Randare, siehe auch: kluxen,

Kloncilium = Beschluß- und Kollegialorgan des Klans, Synode, Konzil, Genii,

Klonversation = Konversation,

Klonvocation = Konvokation,

Klorero = Staatskonvent,

Kludd = Kaplan einer Klaverne,

Konklave = ein Kläffen der Klansmänner,

kluxen = rekrutieren, auch: vom Klan behandeln lassen, federn, teeren, totschlagen.

Und der Klalender2 des Klans klannte die folglenden Klage (= days):

2 Die Kalendertage, -wochen und -monate sind "Hoods, The Story of the Ku Klux Klan" entnommen. Wyn Craig Wade bringt in seinem Buch "The fiery cross" erstaunlicherweise andere Namen.

dark (dunkel), deadly (tödlich), dismal (düster), doleful (trübselig), desolate (trostlos), dreadful (schrecklich) und desperate (verzweifelt).

Und dies sind die Wochen des Monats:

woeful (wehvoll), weeping (weinend), wailing (wimmernd), wonderful (wunderbar) und weird (wirre).

Die zwölf Monate:

bloody (blutig), gloomy (finster), hideous (scheußlich), fearful (furchtbar), furious (rasend), alarming (beängstigend), terrible (entsetzlich), horrible (abscheulich), mournful (trauervoll), sorrowful (sorgenvoll), frightful (furchtvoll) und appalling (widerlich).

Die Zeitrechnung des Klans beklann 1866 mit der Klündung des ersten Klans. Simmons Wiederbeklebung fand also am dolefullen Dag der wunderfullen Woche des furchtfullen Monats im Jahre XLIX des Klans statt.

Es begann wirklich eine schreckliche Zeit, grauenhaft, abscheulich, widerlich.

Der Klan war

gegen:

Nigger, Juden, Papisten, Dagos, Hunkies, Drückeberger, Faulpelze, Streikführer und Gewerkschaftler, lose Mädchen, unmoralische Frauen, Fahnenflüchtige,

für:

Weiße Vorherrschaft, Patriotismus, 100% Amerikanismus, Mutterschaft, Keuschheit, natürlich nur bis zur Hochzeit, da es sonst ja keine Mutterschaft geben konnte, Abstinenz, Enthaltsamkeit, saubere Filme, saubere Literatur (Den Schmutz, den Sie gerade lesen, hätte man Ihnen weggenommen und ne Auspeitschung hätte es dann noch gratis gegeben.)

100% amerikanisch.

Diese 100%ige amerikanische Organisation mißachtete sämtliche amerikanische Grundfreiheiten und Rechte:

1., 4., 5., 6., 13. Verfassungsgesetze:

1. Religions- und Redefreiheit

4. Schutz vor Verfolgung

5. kein Freiheitsentzug ohne gerichtliche Anklage durch eine Grand Jury

6. keine Strafe ohne gerechtes Verfahren

13. Nachtragsgesetz, während des Bürgerkrieges verabschiedet:

schaffte Sklaverei und Zwangsarbeit ab.

Schon bald Stagnation im Klan, deshalb neue Trommler: das Clarke-Tyler-PR-Team, für 80% der Initiationseinnahmen (!) rührten Clarke und Tyler die Propaganda-Trommel für Antisemitismus, Anti-Katholizismus, Anti-Ausländer etc.

Klan nur für weiße Protestanten.

(Revolver und Bowie-, Klappmesser)

Sie predigten die Prinzipien der alten Religion und vollzogen Auspeitschungen, Lynchjustiz und Mord.

Protestantische Pastoren, kostenlose Mitgliedschaft, übernahmen oft Führungspositionen.

Erste Erfolge!

1918 Seditions Act (Sedition = Volksverhetzung, Aufwiegelung, staatsgefährdende Tätigkeit), a flagrant violation of 1. amendment, eine offenkundige Mißachtung des 1. Verfassungssatzes, prohibited uttering or publishing anything disloyal, profane, scurrilous or abusive about the government of US, Folge: Nicht nur Zotiges über die Regierung, sondern auch Kritisches wurde verboten, sowie so unamerikanische Dinge wie germanische Musik, besonders Wagner, und Sauerkraut, der damals liberty cabbage genannt wurde; wer denkt da nicht an Cuba libre?

Doch Cuba libre war nicht nur ein Getränk aus Rum und Coca Cola, das ­ wie die Coca-Cola-Werbung behauptete - im kommunistischen Kuba nicht mehr erhältlich war, sondern Fidel Castro und seine Revolutionäre hatten schon mit Cuba libre angestoßen, als sie noch gegen den Faschisten Batista kämpften. Ihr Rezept: 1/3 Rum, 2/3 Wasser, ein Teelöffel Zuckerrohrmelasse, Saft einer Zitrone.

Coca Cola wurde übrigens in Atlanta erfunden und auch danach befand sich der Hauptsitz der Firma in Atlanta.

Atlanta war eines der rassistischsten Großstädte des Südens. Der populäre Governor Lester Maddox widersetzte sich dort einst der Integration seines Restaurants mit der Axt in der Hand. Atlanta hatte applaudiert, aber in Washington war man schockiert.

Auch 1919 Erfolge: 74 Schwarze gelyncht, einschl. einige Veteranen aus dem 1. WW in Uniform.

"Unsere Masken und Umhänge, so sage ich vor Gott, sind so unschuldig wie der Atem eines Engels", erklärte der Imperial Wizard vor dem Kongreß, was ja wirklich nicht viel heißen will, Masken und Kleidungstücke sind immer unschuldig, die Maskierten sind die Täter, - und der Hauch eines Engels? Nun ja, der mag durchaus die Apokalypse sein.

Der 29. Präsident der V. S. Warren G. Harding (1921-23) ließ sich auf dem Fußboden kniend im Green Room des Weißen Hauses mit einer Hand auf der Bibel des Weißen Hauses als Klansmann einschwören. Während des langen Schwurs mußte sich der schwerfällige Mann mit dem Ellbogen auf der Schreibtischkante stützen. Ein weißer Übermensch?

"Wir ehren Gott als des Klansmannes einzige Kriterium von Charakter. Wir suchen Seine Hand, die reinigt von Sünden und Unreinheit, was nur Er kann. Wir glauben, daß der höchste Ausdruck des Lebens im Dienen und Aufopfern liegt für das, was wahr ist, Eigensucht hat keinen Platz im Leben eines wahren Klansmannes. Er wird von eigenlosen Motiven bewegt, solche die Jesus Christus unseren Lord auszeichneten und ihn zum höchsten Dienst und supremsten Opfer leiten ließen für das, was wahr ist." Ende des KKK-Traktats.

Und so opferten sich die Ritter des KKK, opferten ihre Nachtruhe und peitschten und piesackten, mordeten und vergewaltigten und schnitten Negern, die es nach einer Weißen gelüstete, die Hoden ab.

Oregon 1921 - neues Thema, neue Opfer: Bootleggers, Schwarzbrenner und Alkoholschmuggler - supported by Woman's Christian Temperance Union, christliche Abstinenzbewegung und Kirchen.

Jesus selbst war ein Säufer und Bootlegger.

Presbyterianischer Minister James Hardin Smith weiß in seiner Predigt: "Wenn Jesus noch auf Erden wandeln würde, wäre Er ein Klansmann."

Wir hatten schon gelesen, daß er selbst behauptete, ein schwarzes Opfer gewesen zu sein.

Aber was Jesus auch immer gewesen sein mochte, Säufer oder Teetrinker, Klansmänner hatte ihre Freude daran, Hilfspolizisten zu spielen. Die Einrichtung der Hilfspolizei war eine völlig legale, die noch aus der Zeit der großen Pferdediebstähle stammte, aber lange vernachlässigt worden war. Jetzt, wo der Alkohol verboten worden war und es so viele Übertretungen gab, blühte die Institution der Hilfspolizisten wieder auf.

Überall schnüffelten nun Klansmänner herum. "Smell Laws", Geruchsgesetze, wie in Indiana machten ihnen die Arbeit leicht. Selbst der Besitz leerer Flaschen, die nach Schnaps rochen, führte zur Festnahme. Für einen Löffel voll Schnaps bekam man ein, zwei Jahre Gefängnis. KKK-Hilfspolizisten verzeichneten über 3000 Festnahmen pro Jahr. Christliche Frauenverbände waren begeistert. Der Applaus verhallte erst, als herauskam, daß die Hilfspolizisten den konfiszierten Schnaps selbst soffen.4

Auch das Immigration Restriction Act von 1924 war ein Klan-Erfolg. Mit dem Gesetz zogen die USA unter anderem die Feindschaft der Japaner auf sich.

Hooded Order, Kapuzenorden, Haubenhaufen, Mützenmeute.

Erhobener Zyklop von Portland: "Die einzige Möglichkeit einen Katholiken zu heilen, ist ihn zu töten."

Auf einer Klonvokation in North Manchester, einer kleinen Gemeinde in Indiana, gelang es dem Kläffer des Klans, dem Klo... scheißer, die Klansmänner und Klansfrauen, die `Ladies der Goldenen Maske', davon zu überzeugen, daß der Papst Amerika erobern wollte. Diese Gefahr steigerte sich während seiner Rede so sehr, daß man den Papst schon im Zug nach North Manchester sah.4 Warum gerade North Manchester? Nun die Lokalpatrioten hielten North Manchester für den besten Ort auf der Welt. Das erklärte alles. Mit Knüppeln bewaffnet liefen sie zum Bahnhof. Nur einen Gedanken im Hirn: Pope on train, Pope on train, ... Der einzige Reisende, ein fahrender Händler, der in North Manchester ausstieg, hatte trotz seiner langjährigen Berufserfahrung als Hausierer seine liebe Not oder bittere, die aufgebrachte Menschenmenge davon zu überzeugen, daß er nicht der Papst inkognito war.

Haß auf Katholiken, warum?

Katholiken waren exklusiv, eigene Schulen, eigene Bibel, Intermarriage-Verbot, sogar Kontaktverbot.

Pope war ein politischer Autokrat, Dago on the tiber, Katholiken seine Zeh-Küsser.

Die Goldenen Zwanziger Jahre

Trotz Unterstürzung der Prohibition durch den Klan verführte Clarke seinen Chef Simmons zum Saufen, um den sichtbaren Schatz des Unsichtbaren Imperiums besser schröpfen zu können.

Während die Gangster immer reicher wurden wegen der Prohibition, verließ Simmons das Glück, mit Clarke und Tyler hatte er sich ein Kuckucksei ins goldene Nest gelegt. Jetzt wurde er rausgeschmissen.

In Ohio gaben die beiden einem alten Mann ein Theater-Engagement. Er sollte vor 30 000 Klansmännern den Besoffenen spielen, nicht irgendeinen Besoffenen, sondern den besoffenen Simmons.

Das zog. Klansmänner hatten eine angeborene Unfähigkeit, Wahrheit und Falschheit zu unterscheiden. Der wahre Simmons war am Ende.

Simmons Buch wurde sogar von den beiden Klonspiranten für Klansmänner verboten.

Nur die Rituale und Regalia waren so gut, daß die beiden nicht ohne sie auszukommen meinten. Da Simmons auch das Copyright darauf besaß, wollten sie ihm 1000 Dollar pro Monat für den Rest seines Lebens dafür zahlen. 1924 einigte man sich dann aber auf eine einmalige Zahlung von 146 000 Dollar.1+2

Neben den Schikanen innerhalb des Klans gab es noch die außerhalb des Klans, die ja der eigentliche Grund für die Existenz des Klans waren, wenn man mal von der goldenen Nase, die sich einige dabei verdienten, absah.

Hetzjagden machte man auf Schmuggler, Glücksspieler, aber auch auf Leute, die man des Ehebruchs verdächtigte, oder von denen man annahm, daß sie ihre Frauen schlugen oder ihre Kinder vernachlässigten. Auf solche Touren nahm man Peitschen mit, Eimer mit Teer, Säcke mit Kissenfedern. Der Sadismus des Klans führte oft zu Verstümmelung und sogar Tod.

Polizisten, die in ihrem normalen Job so unter den Einschränkungen des Gesetzes litten, traten besonders gern dem Klan bei, um nachts nachzuholen, was sie am Tage versäumt hatten. Besonders, wo der Chef der Polizei ein Klansmann war, wie in Dallas zum Beispiel, konnte der Klan sich sicher fühlen und ungestört austoben.

Opfer und Erfolge und Mißerfolge:

Ein Schwarzer, der mit einer weißen Frau verkehrte, wurde ausgepeitscht und bekam KKK auf die Stirn gebrannt.

Ein weißer Rechtsanwalt wurde geteert und gefedert, weil er zu viele schwarze Klienten hatte.

1925, John T. Scopes wurde verboten, Darwinismus zu unterichten. Landesgesetze verboten Lehren, die der Bibel widersprachen.

Konnte man auch mit evolutionistischen Lehrern rumspringen, wie man wollte, mit Gott konnte man es nicht.

Es war ein bewölkter Sommertag (8.8.1925), als der Große Kleagle L. A. Müller seiner Gemeinde versicherte: "Es wird nicht regnen. Wir werden beten. Noch nie hat Gott Regen auf eine KKK-Veranstaltung gegossen." Minuten später waren alle naß.

Reverend Dr. A. H. Gulledge, der meinte, von Berufs wegen sich besser auf den Umgang mit Gott zu verstehen, übernahm dann das Beten. Kniend flehte er: "Oh, Gott, ich bitte dich, laß den Rest unserer Versammlung ohne Regen sein."

Oh, Gottogott, jetzt regnete es noch stärker.

Ein anderes Mal regnete es sogar irische Kartoffeln. Das war in South Bend, Indianas zweitgrößter Stadt, wo sogar die Polizei den Anti-Klan-Demonstranten beim Bewerfen der weißen Ritter half.

Auch das ließ Gott zu.

Katholiken:

In Denver wurde der Slogan ausgegeben: "Katholiken, ihr seid keine Amerikaner."

An einem Restaurant als antikatholische Propaganda: "Wir servieren Fisch jeden Tag - außer Freitag."

In den Dreißiger Jahren wurde Antikommunismus in die Produktion der Klanschen Haßfabriken mit aufgenommen. Kommunisten waren gegen Gott, Familie, Mutterschaft, weiße Vorherrschaft und Amerikanismus.

Dennis Hubert, Sohn eines angesehenen, Schwarzen Pastors, sah wie von drei besoffenen, weißen Frauen eine umkippte. Er riet den beiden anderen: "Sie bringen die betrunkene Lady besser nach Hause."

Ein junger Weißer erschoß am nächsten Tag Dennis Hubert, weil er eine weiße Frau beleidigt hatte. Die Schöffen zeigten Verständnis für den Mörder und sprachen ihn frei.

Der Kourier* erklärte seinen Lesern: "Da von Kommunisten aufgehetzte Schwarze anfingen `Rechte' zu verlangen, seien drastische Maßnahmen notwendig."

* eine Zeitung

Eine andere drastische Maßnahme:

Gegen Gewerkschaftler.

Die Zigarren-Großmogule von Tempa, Florida, ärgerten sich darüber daß Joseph Shoemaker die Arbeiter organisieren wollte. Shoemaker gehörte einem gemäßigten Flügel der Demokratischen Partei an. Die Polizei nahm ihn und einige seiner Mitkämpfer wegen kommunistischer Aktivitäten fest. Da sie ihnen aber nichts nachweisen konnten, lieferten die Polizei die Gewerkschaftler an den Ku Klux Klan aus.

Von den Kluxern und Kluxerinnen wurden sie ausgezogen, gepeitscht bis zur Ohnmacht, gefedert und geteert. Shoemakers Genitalien wurden mit einem glühenden Schüreisen verstümmelt, eines seiner Beine in einen Eimer mit kochendem Teer getaucht, dann wurde er in der Kälte liegen gelassen. Erst am nächsten Tag wurde er gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Die Ärzte versuchten sein Leben durch eine Beinampultation zu retten, aber er starb nach neun Tagen.

Für die Täter (Kluxer und Polizisten) zahlte ein lokaler Zigarrenfabrikant die Haftkaution von 100 000 Dollar.

Später Freispruch.

Deutsche Version:

1923 trat Reverend Strohbein, ein naturalisierter Amerikaner, die Rückreise nach Deutschland an, um KKK-Deutschland zu gründen. Er wurde zum Erhabenen Wotan seiner Organisation und seine Leutchen mußten vor deutscher und amerikanischer Flagge knien, sowie vor dem Kreuz. Der dreihundertköpfige Klan schwor Deutschland von den Juden zu befreien. Deutschland war damals voll mit solchen geheimen Werwolforganisationen, mit nächtlichem Drill und ihrer Manie, Waffen zu horten und Militäraktionen nachzuäffen, kriminelle Narrheiten auszuführen etc.4 Der Einhodige mit seinem Bedüfnis nach Disziplin und Organisation räumte mit ihnen auf.

Wenn der Erhabene Wotan sich in Konkurrenz zum Einhodigen sah, in Amerika sahen die Klansleute in Hitler einen Verbündeten.

"Wenn Hitler all die Juden in Europa umgebracht hat, wird er uns helfen, unsere Juden an die Miami Beach zu treiben und ins Meer zu jagen", sagte ein Klansmann in Miami4 (S.268) schon Anfang der Dreißigerjahre, als in Deutschland angeblich keiner etwas von was wußte.

Hitler hatte damals noch mehr Freunde in Amerika: `Die Freunde von Hitler', `die Hakenkreuz-Liga', `Teutonia' etc. Sie vereinigten sich 1936 zum Amerika-Deutschen-Volksbund. Selbst Indianer wurden Mitglied. Häuptling Neumond nannte sich selbst einen hundertprozentigen, wörtlich: vollbefiederten Nazi. Und Häuptling Rote Wolke vom Siletz Stamm ließ sein Indianerkostüm mit Hunderten von kleinen, glänzenden Hakenkreuzen einfassen.4

Und selbst nach dem Krieg lehrte der Tennesse Kleagel des Klans, Jesse B. Stoner, ein Kriegsveteran, der eigentlich gegen Hitlerdeutschland gekämpft hatte: "Die Juden sind die Kinder des Teufels." (nicht die Nazis!) (Siehe auch Bibel, Johannesevangelium 8. Kapitel, 44) und "Hitler war zu gemäßigt."

Weiter predigte der pickelige "J. B." Stoner: "Wir müssen die Juden raus aus unserem Land kriegen, und ich meine nicht: Schickt sie woandershin in ein anderes Land! Ich werde nicht zufrieden sein, solange es noch Juden gibt hier oder irgendwoanders. Ich meine, wir sollten alle Juden töten, schon allein, um ihren ungeborenen Generationen die Hölle zu ersparen."4 (S.283)

J. B. dachte also durchaus an die Wohlfahrt der Juden, eine edle Absicht, die dem Einhodigen abging, da er nicht fromm genug war. Als gläubiger Christ glaubte JB, daß es für Juden kein Seelenheil gäbe und ihnen die Hölle gewiß sei. Durch die Ermordung aller lebenden Juden, also totale Ausrottung, tat man seiner Meinung nach ein gutes Werk, denn man rettete unzählige ungeborene Kinder und Kindeskinder vor der ewigen Pein des Höllenfeuers.

Das war natürlich alberner Unglaube, ach nein, das ist ein Pleonasmus: Glaube ist immer Un-, wenn Religion gemeint ist, nämlich Unwissen, - und albern sowieso. Man weiß etwas oder man weiß etwas nicht und stellt Vermutungen an, aber eins ist gewiß, wenn wir alle Menschen umbringen, ersparen wir uns und unseren ungeborenen Kindern sowie unserer Umgebung eine Menge Leiden und noch mehr Unsinn.

Seit 1923 hatte der Klan einen neuen Messiah David Curtis Stephenson, ein Schlangenölverkäufer. Daniel Clarke war an seinen zwei Schwächen, Wiskey und Weiber, gescheitert.

Stephenson, kurz `Steve' genannt, vergrößerte den Zulauf zum Klan so enorm, daß er sich schon bald für Napoleon reinkarniert hielt. Er machte einen Deal mit Pastoren: "Wenn immer sich jemand dem Klan anschließt, verpflichten wir ihn, sonntags in die Kirche zu gehen, wir können ihn dazu verpflichten, in Ihre Kirche zu gehen, wenn Sie sich entschießen, Mitglied zu werden."

So ein Hochwürden dachte dann natürlich gleich an sein Klingelbeutelchen, und wieviel mehr so ein neues Mitglied im Klingelbeutelchen bedeutete, und dankte Gott für das großzügige Angebot.

Visitations und donations bei Pro-Klan-Pastoren verstärkte die Bindung zwischen Kirche und Klan noch. Um bei der Bevölkerung den Eindruck von Frömmigkeit und Güte noch zu steigern, kam es zu spektakulären Spendenaktionen, bei denen während des Gottesdienstes Klansmänner in ihrer weißen Maskerade den Mittelgang der Kirche entlang schritten, um am Altar dem Pastor einen Batzen Bargeld zu übergeben.

Zu Stephensons Zeiten waren 9 von 10 Klanredner `Reverend'. Bei so viel überirdischem Schutz wurde Steves Traum verständlich.

Stephensons Traum: Mussolini von Amerika, Napoleon der USA; wollte Präsident werden und dann Diktator und schließlich wohl Weltherrscher. Fiel aber schon beim ersten Schritt durch.

Das kam durch eine Affäre mit einer kleinen Angestellten, der er geholfen hatte, ihren Job zu behalten. Madge Oberholzer hieß sie. Stephenson hatte einen eigenen Eisenbahnwaggon, den er für seine Reisen an den normalen Zug anhängen ließ. In diesen Waggon hatte er Madge Oberholzer gelockt. Sein Appetit war enorm. Eine einfache Vergewaltigung konnte einen großen Mann wie ihn nicht, nie und nimmer, befriedigen. The Grand Old Man des Klans war a dirty old man, a very dirty, old man: Er fraß an ihr herum, bis sie vor Schmerzen ohnmächtig wurde, und noch länger. Natürlich besonders um ihr Geschlechtsteil hatte sie nachher Bißwunden. In diesem Zustand konnte er sie nicht wieder laufen lassen. In ihrer Gefangenschaft gelang es Madge, sich Merkuriechlorid-Tabletten zu besorgen. Tagelang lag sie in Todeskrämpfen. Statt sie ins Krankenhaus zu bringen, hielt er sie in einem Zimmer über seiner Garage gefangen. Als einer seiner Leibwächter sie schließlich ins Elternhaus zurückbrachte, er behauptete, sie hätte einen Unfall gehabt, war es zu spät. Sie starb. Zuerst machte Stephenson sich gar keine Sorgen, denn er dachte, einem Mann mit seiner Macht könne nichts passieren. Selbst als er vom Gericht ins Gefängnis geschickt wurde, konnte er nur lachen. Der Governor Ed Jackson war sein Freund. Stephenson selbst hatte ihm zur Macht verholfen. Er zweifelte nicht einen Augenblick daran, daß Jackson ihn sofort begnadigen würde. Doch der tat es nicht. Soviel Mut hatte er nicht. Bei aller Freundschaft. Einen so schlimmen Sexualverbrecher freizusprechen, hieße politischen Selbstmord zu begehen.

Aus Rache ließ Stephenson die zwei kleinen Schachteln öffnen, die all die kompromittierenden Details enthielten, mit denen er die führenden Politiker der edlen Elephantenpartei in der Hand gehabt hatte. Viele prominente Republikaner und Klansleute stolperten die Treppe hinunter, einige endeten im Verlies, Gefängnis. Denn Verbrechen hatten sie ja alle genug begangen.

Stephenson blieb 31 Jahre hinter Gitter. Als er rauskam, erinnerte sich kaum noch jemand daran, daß er mal so etwas wie ein Messiah war.

Enthüllungen:

Leute, die den Klan hatten verlassen wollen, waren zu Tode geprügelt worden; ein Mann in Terrell, Texas, war in Öl getränkt und dann in Anwesenheit von Hunderten von Klansmännern angezündet und verbrannt worden. Teer- und Feder-Parties hatte es Tausende gegeben, ebenso Tausende von blutigen Fällen. Doch es waren die Einzelschicksale, die die Bevölkerung am meisten erregten. Kalte Statistiken erregten die Massen nicht, selbst wenn es Mordstatistiken waren.

Gegen die Hungermärsche der Dreißiger: "Negroes, Hunks, Dagos and all the rest of the scum of Europe's slums."

Gegen Kommunismus:

Weiße Geschäftsleute rückten den Kommunisten immer mehr ins Feindbild des Klans, wobei allerdings schon jeder der einem Schwarzen gegenüber freundlich war, des Kommunismus für schuldig befunden wurde.

Für den Einhodigen:

Klan, Bund (Hitlers amerikanische Nazi-Party) und deutsche Nazis hielten gemeinsame Veranstaltungen ab. Amerikanische Anti-Faschisten standen am Zaun und schrien: "Nagelt Hilter ans Kreuz!"4

Klan konterte mit: "Ein guter Kommunist ist ein toter Kommunist."

Ein Satz, den man bis zum Untergang des Kommunismus noch oft hören sollte.

Ursprünglich hieß der Satz mal: `Ein guter Katholik ist ein toter Katholik', aber auch schon mit dem Wort `Nigger' hatte er funktioniert, bloß hatte er da den Nachteil gehabt, daß man eine billige Arbeitskraft weniger hatte.

Wenn auch der Haß auf Katholiken Ende der Dreißiger in den Hintergrund trat, der große Held Hitler war ja selbst Katholik, so doch nicht der Haß auf Neger und rassisch Minderwertige.

Wie gut man damals mit den Katholiken auskam, zeigte die folgende Episode: Im Januar '39 luden die Katholiken zur Einweihung der katholischen Kathedrale von Christus dem König, die sie auf ehemaligem Klansland neben des Klans altem, kaiserlichem Palast erbaut hatten, auch den Großen Zauberer, den Imperial Wizard des Klans, ein. Und der akzeptierte sogar. Diese große Hexenmeisterposition hatte damals gerade Hiram Evans inne. Sein öffentliches Auftreten mit den katholischen Heiden kostete ihm zwar seinen Job - aber nicht mehr das Leben!

Gegen FDR*, den Kindergelähmten, und seine Juden und Katholiken.

* Franklin D. Roosevelt

'30/'40

Schwarze nicht zur Wahlurne!

Gewerkschafter bedroht, verprügelt, verjagt, ab und zu auch mal einen verschwinden lassen, umbringen.

Die nächtlichen Reiter waren so stolz wegen der vielen Leichen, die sie in Mooren, Teichen und wassergefüllten Phosphatminen versenkt hatten,…

Des Klans Bruder in Uniform = die Ortspolizei!

Im März des Jahres 1940 hatte der Klan sich mal wieder in seinem großen Eifer nicht auf schwarze Opfer beschränken können, sondern auch einen weißen Barbier aus dem Orte East Point, der angetrunken war, mit dicken Ochsenziemern gepeischt, bis er bewußtlos war. Sie hatten ihn liegengelassen, schließlich waren sie ja nicht das Rote Kreuz, daß sie Verletzten helfen mußten. Er war gestorben.

Es kam zu einer Untersuchung. Und es wurden noch mehr Morde des Ku Klux Klans aufgedeckt, z. B. an einem weißen Besitzer eines Kinos für Schwarze, an einem Pastor, an einem Liebespaar etc.

8 der sadistischen Täter, einschl. 7 Deputy Sheriffs, bekamen Gefängnisstrafen.

Governor Eugene Talmadge hatte Mitleid mit den Leuten und wollte sie gleich begnadigen, aber der engagierte Staatsanwalt Daniel Duke hielt ihm die dicken Peitschen unter die Nase: "Damit kann man Elefantenbullen totschlagen!"

Governor Talmadges Antwort: "Mir tun die Auspeitscher leid. Ich selbst habe früher einmal mitgeholfen, Neger auszupeitschen, und ich war dabei nicht in schlechter Gesellschaft. Der Apostel Paulus war ein Auspeitscher in seinem Leben, dann bereute er und nahm den Glauben an und so reformiert wurde er einer der größten der christlichen Kirche. Das beweist, daß gute Leute irregeleitet werden können, schlechte Dinge zu tun."1(+4)

Doch erst als die Japaner Pearl Harbour angriffen und der junge Staatsanwalt Duke der Kriegsmarine beitrat, wagte es der Governor, sein gutes Werk zu tun. Trotz Proteste begnadigte er die Peitscher des KKK. Es sollte nicht das letzte Mal sein, daß Peitscher und Mörder des KKK so billig wegkamen.

Der Zweite Weltkrieg und die Sympathien, die der Klan den Nazis entgegen gebrachte hatte, hatte dem KKK schwer geschadet. Viele Weiße hatten sich in dieser Zeit vom Klan distanziert. Wer Schwarze als Soldaten gebrauchen wollte, durfte ihnen nicht mit Rassismus kommen.

In der Armee hatte nahezu rassische Gleichberechtigung geherrscht, auch Europa schien viel mehr farbenblind zu sein als die Amerikaner. Und Freiheit war so ein großes Wort geworden während der Kriegszeit. Kein Wunder, daß die Schwarzen nun auch zu Hause mehr Freiheit forderten. Schon 1944 hatte das Oberste Gericht die Beschränkungen, die den Schwarzen des Südens das Wählen erschwerten, als verfassungswidrig verurteilt. Aber immer mehr Schwarze forderten die radikale Abschaffung aller Jim-Crow-Gesetze.

Als dann auch noch der Präsident der V. S. Harry S. Truman sich für die Erweiterung der bürgerlichen Rechte auf Schwarze einsetze, hatte Dr. Samuel Green, ein Geburtshelfer von Beruf, seine große Stunde. Als Großer Drachen von Georgia ermahnte er den Präsidenten in einer Rede: "Wer mit Niggern zusammensitzen und essen will, der soll es tun, aber Gott selbst hat die Rassen getrennt, und Yankee Bajonette können sie nicht zusammentreiben. Einige Dinge sind jenseits der menschlichen Gesetze."

Im Süden herrschte Rassentrennung vom Kreißsaal bis zum Friedhof.

Dr. Green gelang es zwar nicht den Präsidenten zu überzeugen, aber er verhalf dem Klan zu neuem Leben.

In der von ihm gegründeten Unterabteilung des Klans, dem Klavalier Klub, a flogging squad, eine Peitschpatrouille kam jeder Klavalier mal an die Reihe mit dem Peitschen. Man wechselte sich natürlich nur an der Peitsche ab, das Opfer blieb immer das gleiche, irgendein Menschenrechtler oder ein Schwarzer. Diese Orgien waren natürlich im Gegensatz zu irgendwelchen Flagellantentreffs für die Opfer in keiner Weise lustvoll, im Gegenteil, sie riskierten Verstümmelungen oder gar Tod. Bei den Tätern war aber zweifellos Sexualität mit im Spiele, auch wenn sie sich fromme Motive vorlogen.

Und frommer wurde der Klan, immer frommer.

Bald nach Dr. Greens erfolgreichen Wiederbelebung waren über 40 000 protestantische Priester Mitglied des Klans. Ihnen kam die Ehre der kostenlosen Mitgliedschaft zu. Es lohnte sich, da sie viele zahlende Mitglieder herbeischafften, durch ihre Predigten und ihr gutes Beispiel.

Die meisten Priester wurden aus diesem Grund auch gleich Erhabene Zyklopen. Die Mehrzahl verdiente sich als Klokards des Klans noch ein Dazubrot. Klokards waren - wir erinnern uns - die Vortragsreisenden des Klans. Aber sie trugen nicht wirklich vor, sondern predigten und schimpften.

Sie beschimpften alles, was nicht in ihre rückständige Welt paßte, selbst Automobile waren nicht vor ihnen sicher, obwohl sie selbst mit dem Automobil anreisten.

Automobil, das hieß damals fast ausschließlich Tin Lizzie, sie nannten sie ein Bordell auf Rädern, mit dem die Leute wer weiß wohin fuhren. Ja, Mobilität und Horizonterweiterung waren die größten Feinde einer jeden Priesterschaft.

Reverend (= Hochwürdiger) E. F. Stanton, Klokard des Klans aus Kansas City, klagte klaubwürdig in seiner Predigt: "Die Sünder betteln nicht mehr um Vergebung. Die Mädchen haben ihre Schüchternheit verloren. Die Männer lieben ihre Frauen nicht mehr wie Jesus die Kirche. Frauen lästern Gott, indem sie ihre Männer verleugnen."4

Der Klan verkaufte sich als Rückkehr zum Puritanismus in jener korrupten, jazz-verrückten Zeit. Die Andreherei übernahmen die Priester: "Der KKK ist der maskuline Teil des Protestantismus, die Männlichkeit der protestantischen Kirche, die Militanz. Die Kirche muß militant und spirituell sein. Lasset uns beten: Ich glaube an Jesus Christus und seine Heilige Kirche, an das Kreuz und an das militante Christentum....."4

Fundamentales Christentum erwies sich als Goldgrube für den Klan. In Utah traten jetzt selbst die früher wegen ihrer Exklusivität gemiedenen Mormonen-Priester dem Klan bei.

Bei soviel Frömmigkeit war es kein Wunder, daß, wer es versäumte, am Sonntag in die Kirche zu gehen, riskierte, in der Nacht auf Montag überfallen und ausgepeitscht zu werden. Auch Respektlosigkeit gegenüber den Eltern und Faulheit ahndete der Klan zum Beispiel in ländlichen Gegenden von North Carolia mit der Peitsche.

Der Klan zerstritt und zerteilte sich in der Nachkriegszeit immer mehr: Die Weißen Ritter des KKK, die Südlichen Ritter des KKK, die Christlichen Ritter des KKK et ceterarara. Allen war eins gemeinsam: eine perverse Mischung aus Haß, Übermut, Unter- und Unmenschlichkeit.

Als der Sonnenschein-Staat Florida Altersruhesitz jüdischer Pensionäre wurde, wußte die Südlichen Ritter, daß Gott Häßlichkeit in das Gesicht der Juden gestempelt hatte, aus dem gleichen Grund, aus dem er Klappern an die Klapperschlange gemacht hatte.

Im Jahre 1951 gingen allein in Miami 18 Bombem hoch: Jüdische Synagogen, katholische Kirchen, Häuser von Schwarzen und Bürgerrechtskämpfern. Professor Moore war beides, schwarz und Bürgerrechtskämpfer. Er hatte Schwarze aufgefordert, sich als Wähler registrieren zu lassen, hatte die Vermischung von Klan und Ortspolizei kritisiert und den Tod von Schwarzen in Polizeigewahrsam investigiert.

Kurz vor Weihnachten wurde der zweiundzwanzigjährige Matrose Raymond Henry von einem Wauchula Polizisten angesprochen, ob er nicht eine Bombe bauen und helfen könne, sie in der Wohnung von Professor Moore zu legen, der Klan würde ihm 2000 Dollar dafür geben. Sheriff McCall versprach auch, ein Automobil zur Verfügung zu stellen und die Barrechnung für die Siegesfeier nach getaner Tat zu bezahlen. Der Matrose nahm an.

Am Weihnachtstag gingen Henry, sechs Kluxer und ein Polizeibeamter zu Moores Wohnsitz. Einer von ihnen lockte Professor Moore mit der Bitte, ihm bei der Suche nach dem Haus einer Verwandten behilflich zu sein, aus der Wohnung. Frau Moore war gerade bei Freunden. So konnten die anderen ungestört in das Haus eindringen und ihre Bombe unter dem Ehebett verstecken.

Es war nicht nur Weihnachten, sondern auch der Silberne Hochzeitstag des Ehepaares Moore. Man kann also annehmen, daß sie einander zärtlich in die Augen sahen, bevor sie das Licht verlöschten, um schlafen zu gehen. Zehn Minuten später zündeten die Attentäter ihre Bombe.

Beide waren zunächst noch am Leben, nur schwer verletzt. Herr Moore kam zu spät ins Krankenhaus, weil die Krankenwagen in Florida sich damals weigerten, Schwarze zu transportieren, und erst der Schwiegersohn gefunden werden mußte, der die Verletzten dann mit seinem Auto ins Krankenhaus brachte. Frau Moore starb eine Woche nach dem Attentat.

Siebenundzwanzig Jahre später gestand Raymond Henry die Tat. Obwohl es keine Verjährungsfrist für Mord in Florida gab, weigerten sich die lokalen Behörden, die Mörder zu verfolgen.4

Das waren nur zwei Opfer, aber der Klan hatte lange Kluxlisten. Um in die Häuser einzudringen, war ihnen jede Art von Trick recht: ein Autofahrer, der eine Panne hatte und um Hilfe bat, oder andere Arten von Hilfesucherei, die Bitte, das Telefon benutzen zu dürfen oder die Toilette. Wenn die Tür dann erst offen stand, ergriff man das Opfer, zog es raus und peitschte es oder je nachdem.

Als Folge davon wurden noch zu Adjunas Zeiten die Türen verriegelt gehalten und die Schußwaffen bereit. Und wenn man jemanden auf seinem Grundstück sah, dann schoß man zuerst und stellte erst hinterher Fragen, die natürlich nicht mehr beantwortet wurden, da man sich immer bemühte, gleich einen Todesschuß zu verpassen, alles andere war Selbstmord. Verwundete schossen zurück, das wußte man. Die Zeitungsjungen bekamen übrigens in den Südstaaten eine Gefahrenzulage.

Einmal, als die Christlichen Ritter des KKKs sich als Sportverein ausgaben und ein unverheiratetes Liebespaar (Sind Liebespaare nicht immer unverheiratet?) aus dem Bett holten, machte die Kluxer einen Fehler: Sie fuhren mit ihren gekidnappten Opfern von North nach South Carolina, also über die Staatsgrenze, - und damit wurden die Mißhandlungen an dem Liebespaar zu einer Angelegenheit des Federal Bureau of Investigation und die vom FBI hatten im Gegensatz zur lokalen Behörde ein Interesse daran, daß die Täter gefunden und verurteilt wurden.

Für das Auspeitschen des Liebespaares mit Treibriemen, die an den Griff einer Pickhacke genagelt waren, bekam der Rädelsführer Hamilton vier Jahre, fünfzehn seiner Leute je drei, der Rest von neunundvierzig der Christlichen Ritter insgesamt 18 250 Dollars Geldstrafe.

Der Echte Ku Klux Klan wurde von Asa "Ace" Carter in Alabama gegründet. Asa Carter war von anderen KKK-Organisationen wegen Extremismus ausgeschlossen worden. Asa liebte Blut über alles, über alles in der Welt. Hitler liebte er auch. Zu den blutigen Ritualen seiner echten Kluxer gehörte das Aufschneiden des Pulses, um Dokumente mit Blut zu schreiben, und die rituelle Kastrierung und Tötung von Schwarzen als Mutprobe.

Als bei einer Klaverne mal zwei seiner Kluxer den "Großen Marshall Ace" zu eindringlich nach den Finanzen oder besser nach dem Abbleiben der Einnahmen fragten, zog dieser Echte Ritter nur seinen Revolver und schoß seine eignen Leute tot. Für den Doppelmord wurde er nie bestraft. Er hatte einflußreiche Freunde. Governor George Wallace machte ihn später zu einem hochrangigen Berater.

In den 50er und 60er Jahren entdeckte der Klan das Bomben neu. Die edlen Ritter, die Crème der weißen Rasse, bombte schwarze Schulen, Kirchen und Wohnhäuser von Schwarzen.

1955 saß eine müde, schwarze Frau, Rosa Parks, in der ersten Reihe des Schwarzenteils des rassengetrennten Busses. Im vorderen, für die Weißen reservierten Teil des Busses waren alle Plätze besetzt. Da stieg noch ein weißer Mann hinzu. Normalerweise hätte er jetzt stehen müssen. Der Busfahrer, der hier mehr Autorität über seinen Bus hatte als ein Kapitän auf hoher See, wollte dem Mann aber wohl einen Gefallen tun. "Heh, Niggers, ich will die Plätze!" so verlangte er, daß Rosa Parks und natürlich auch die anderen drei Personen in der Reihe, denn es ging ja nicht, daß der weiße Mann neben einem Schwarzen saß, aufstanden. Während die Nachbarn sich gleich davon schlichen, weigerte sich Rosa Parks aufzustehen. Sie rutschte nur ganz rüber in die Ecke. Es war eigentlich gar nicht ihre Absicht, einen Protest zu veranstalten oder eine soziale Revolution ins Rollen zu bringen, sie war nur ganz einfach erschöpft vom langen Arbeitstag and fed up with all, die Schnauze voll. Die Busfahrer hatten eine lange Vergangenheit voller Schikanen gegenüber schwarzen Passagieren, mal fuhren sie an, bevor der Schwarze, der vorne bezahlen, aber von hinten einsteigen mußte, die Hintertür erreicht hatte, ein anderes Mal schlossen sie ihm die Tür vor der Nase; einer Schwarzen wurde mal der Arm eingeklemmmt, daß sie mitgeschleift wurde, bis zur nächsten Haltestelle.

Rosa Parks war nicht die erste, die sich weigerte aufzustehen, früher im gleichen Jahr hatten sich schon mal zwei schwarze Frauen geweigert aufzustehen. Eine davon, Claudette Colvin, eine 15jährige Studentin, war brutal aus dem Bus gerissen worden und danach wegen schwerer tätlicher Beleidigung und Mißhandlung sowie Mißachtung der Jim-Crow-Gesetze angeklagt und bestraft worden.

Weil Rosa Parks sich weigerte, stoppte der Busfahrer seinen Bus, lief zur nächsten Telefonzelle und rief die Polizei. In der Zwischenzeit stiegen die meisten Fahrgäste aus, denn sie wußten, daß es länger dauern würde. Einige nahmen andere Busse, andere gingen zu Fuß.

Rosa Parks blieb sitzen, bis die Polizei kam und sie abführte. Aber das Maß war voll. Daß eine höfliche, bescheidene Näherin ins Gefängnis geworfen wurde, weil sie im Bus auf ihrem Platz sitzen geblieben war, hatte das Maß voll gemacht.

Das war in Montgomery. Und was folgte, ging als der Montgomery Bus Boycott in die Geschichte ein. Dieser Busboykott leitete einen langen Kampf der Schwarzen gegen Rassentrennung und Benachteiligung ein.

Der Boykott selbst dauerte in Montgomery über ein Jahr. Kein einziger Schwarzer benutzte in der Zeit einen Bus. Aber die weiße Stadtverwaltung blieb hart.

Der schwarze Prediger und Wortführer der Bewegung Martin Luther King jr. erreichte aber nicht nur, daß alle Schwarzen mitmachten, sondern auch, daß der Protest völlig gewaltfrei verlief - zumindest von Seiten der Schwarzen.

Am 30. Januar 1956, als Martin Luther King in der schwarzen First Baptist Church wieder einmal über Nächstenliebe und gewaltlosen Widerstand predigte, erreichte ihn die Nachricht von einem Bombenanschlag auf sein Haus. Zum Glück war den Frauen im Haus nichts passiert, und auch das kleine Baby, Kings Tochter, war unversehrt geblieben.

Dr. King blieb der Gewaltlosigkeit treu. Er ermahnte seine Gemeinde: "Auge um Auge, Zahn um Zahn, das endet nur mit einer blinden Generation und zahnlosen Leuten."

Er hatte recht, Gewalt und Gegengewalt heilen nichts, sondern vergrößern nur das Leiden - auf beiden Seiten, auf der eigenen und der des Gegners.

Doch wenn beide tot sind, leidet keiner mehr.

Martin Luther King eilte nach Haus. Vor der zerstörten Front Porch seines Hauses hielt er seine erste Fernsehrede. Das hatten die Attentäter sicher nicht gewollt.

Trotz des Propagandaerfolges der Schwarzen sollten noch viele Bomben und Attentate folgen. Als nach über einem Jahr Boykott der Supreme Court, also das oberste Gericht, entschied, daß Rassentrennung in öffentlichen Transportmitteln illegal war, und in Montgomery folglich gemischt besetzte Bussen fuhren, schossen frustrierte Rassisten noch einmal auf Dr. Kings Haus und dreimal auf voll besetzte Busse. In tiefer Nacht bombten sie auch das Haus von Ralph David Abernathy, Martin Luther Kings rechter Hand. Diesmal richteten sie beträchtlichen Sachschaden an. Aber obwohl die Bombe direkt vor dem Schlafzimmer an der Gasleitung plaziert war, überlebten Abernathys schwangere Frau Juanita und das kleine Töchterchen Juandalynn, die gerade allein im Haus waren, den Anschlag.

Als während der Vernehmung durch die herbeigeeilte Polizei in der Ferne der Himmel aufhellte und eine weitere Explosion zu hören war, rutschte der immer noch zitternden Frau Abernathy ein erschrockenes "Was-war-denn-das?" raus. Der Polizeibeamte blickte großartig auf seine Uhr: "Das wird eure First Baptist Church sein."*

* R. D. Abernathy "And The Walls Came Tumbling Down. Autobiography".

In dieser Nacht wurden insgesamt vier schwarze Kirchen in die Luft gesprengt. Die anderen Kirchen waren die Bell Street Baptist Church, die Hutchison Street Baptist Church und die Mt. Olive Baptist Church. Ein weiteres Wohnhaus, nämlich das von Reverend Graetz, einem weißen Pastor einer schwarzen, lutherischen Kirche, wurde auch gebombt. Auch dort war nur durch großes Glück niemand verletzt worden.

Die Bewegung des gewaltlosen Widerstandes gegen Diskriminierung und Rassismus ging weiter, und die gewaltsamen Reaktionen auch. Aber nicht alle Verbrechen des Klans waren eine Reaktion auf die Bürgerrechtsbewegung. Es gab auch völlig willkürliche Gewalttaten.

In Alabama wurde Edward Aaron sadistisch zerstückelt: Mutwille, ein Eignungstest, eine Mutprobe, um den Wert eines Klansmannes zu testen, der promoviert werden wollte. Die erstrebte Würde innerhalb des Klans war die eines Kapitäns der Lüge. Bei diesem Foltern bis zum Tode hatte der Kandidat dem Opfer als erstes die Hoden abgeschnitten. Sie wurden dann in einem Pappbecher herumgereicht.4

Die weißen Klansmänner fühlten sich zwar einem Schwarzen in jeder Beziehung überlegen, bloß was sexuelle Potenz betraf, fühlten sie sich dem `schwarzen Biest' unterlegen, deshalb die vielen Klastrationen durch Klansmänner, neidische Klansmänner.

Der Promotion in den Rang des Lügenkapitäns folgte zwar die Festnahme durch die Polizei. Doch Governor George Wallace zeigte Verständnis für die Spielchen des Täters und begnadigte ihn.

Aber nicht immer war George Wallace so verständnisvoll. Als in Tuscaloosa die Rassentrennung an der Universität von Alabama aufgehoben wurde, reagierte er ablehnend: "Im Namen des großartigsten Volkes, das je die Erde betreten hat, ziehe ich eine Linie im Staub und werfe meinen Fehdehandschuh vor die Füße der Tyrannei und sage: Rassentrennung heute, Rassentrennung morgen, Rassentrennung für immer."

Aber wir waren ja bei Bomben und nicht bei leeren Worten. Übrigens dauerte das `Immer' in "Rassentrennung-für-immer" danach nicht einmal so lange wie das Tausendjährige Reich. Als nach den Erfolgen der Bürgerrechtsbewegung, den Schwarzen die Wahlurnen ohne Schikanen, Schreib- und Eignungstests und das Auswendig-Daherleiern-der-Verfassung offenstanden, machte selbst George Wallace eine große Wende, und man sah ihn eifrig schwarze Babys küssen, aber er setzte sich auch ernsthaft für die Belange der Schwarzen ein, denn ohne deren Stimme konnte man in Alabama nichts mehr werden.

Doch bis dahin war es ein langer Weg und viel ereignete sich, zwar nicht soviel wie im Tausendjährigen Reich des Einhodigen, dessen Geschehnisse selbst für tausend Jahre zuviel hätten sein sollen, aber eben doch viel. Aus Birmingham wurde Bombingham mit Dynamite Hill (= Hügel). Namen, die man nachher aber nicht beibehalten hatte.

Wie immer, waren auch in Birmingham die Bomben die letzte Rache für die Abschaffung eines Unrechts. Als die Stadtväter endlich dem Protest der Bürgerrechtsbewegung nachgaben und versprachen, die Rassentrennung für Toiletten, Waschräume, Trinkbrunnen, Restaurants und die Amtsbibel, bei der geschworen wurde, aufzuheben, sowie mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für Schwarze zu schaffen, zeigte das häßliche Monster Rassismus noch einmal seine Fänge.

Die Schwarzen freuten sich des schnellen Sieges und die fortschrittlichen Kräfte des Ortes dachten schon darüber nach, wie man aus der Dreiteilung der Toiletten `Herren/ Damen/ Farbige' eine Zweiteilung machen könnte, was einiges Kopfzerbrechen verursachte: drei war bekanntlich eine Primzahl, da explodierte die Hotelsuite des Gaston Motels, die Martin Luther King und sein Stab als Hauptquartier benutzt hatten. Zum Glück hatten sie die Räumlichkeiten gerade verlassen. Am gleichen Abend wurde auch das Haus von A. D. King, Dr. Kings Bruder, bombardiert, aber auch dort war gerade keiner zu Hause. Es gab noch mehr Bombenanschläge. Die Attentatsversuche beunruhigten den amerikanischen Präsidenten so sehr, daß er sich zum ersten Mal öffentlich im Fernsehen für die Bürgerrechtsbewegung aussprach, bisher war er immer zu sehr mit Anti-Kommunismus beschäftigt gewesen. John F. Kennedy war sein Name. Er kam bei einem Attentat um.

Viele Bomben erwiesen sich als Nieten, sie gingen hoch, wenn keiner zu Haus war. Es dauerte Wochen, bis dem Ku Klux Klan ein Volltreffer gelang. Das war am 15. September 1963, der vierte Bombenanschlag des Monats, der fünfzigste insgesamt: Vier schwarze Mädchen, die jüngste elf, hatten die Sonntagsschule in der 16th Street Baptist Church in Birmingham besucht. Das Thema des Sonntags war `die Liebe, die vergibt' gewesen. Sie hüpften fröhlich, die Treppe hinunter, die von der Eingangshalle ins Untergeschoß führte, wo sie sich in den Umkleideräumen ihre Chorgewänder anziehen wollten, als von einem Auto weiße Männer ein Bündel von fünfzehn Dynamitstangen in den Eingang warfen. Die vier Mädchen verkrümelten mit ihrer Umgebung. Andere Gemeindemitglieder kamen mit leichteren Verletzungen davon. Das Gebäude war schwer beschädigt.

Polizeichef Theophilus (= Gottlieb) Eugene "Bull" Conner regierte den Ort schon seit 23 Jahren mit Brutalität und Terror, Rassenhaß trug er wie eine Ehrenplakette, er machte keinerlei Anstalten, die Täter festzunehmen, es wäre Zeitverschwendung, hätte keinen Sinn, eine weiße Jury würde niemals einen Weißen für ein Verbrechen an Schwarzen bestrafen. Auch der FBI kannte die Täter, aber ihr Chef Hoover verweigerte die Verfolgung, wie 1980 aufgedeckt wurde.

Reverend Connie Lynch, Klokard des Klan, "war hero, Jap killer", wie er sich selbst pries, kommentierte den Tod der vier schwarzen Mädchen auf einer Rally in Sankt Augustin folgendermaßen: "Und ich sage Euch, wenn man je die Leute findet, die die Kirche in die Luft gesprengt haben, dann sollte man ihnen Medaillen geben. Jemand sagte: Ist es nicht eine Schande, daß so kleine Kinder getötet wurden? Erstens: Sie waren nicht klein. Sie waren vierzehn, fünfzehn Jahre alt gewesen - alt genug, um Geschlechtskrankheiten zu haben, und es würde mich nicht wundern, wenn sie nicht eine oder mehrere gehabt hätten. Zweitens: Sie waren keine Kinder. Kinder sind kleine Leute, kleine Menschen - und das heißt Weiße. Es gibt kleine Hunde und kleine Katzen und kleine Affen und kleine Paviane und kleine Stinktiere, und es gibt kleine Nigger. Aber das sind keine Kinder. Das sind bloß kleine Nigger. Drittens: Es ist nicht schade. Wenn ich Klapperschlangen töte, mache ich keinen Unterschied zwischen kleinen und großen Klapperschlangen. Sie sind Feinde, sie vergiften uns, ich töte sie alle. Und wenn es heute nacht vier Niggers weniger gibt, dann sage ich: Das ist besser für uns!"3+4 Und dann das Glaubensbekenntnis: "Ich glaube an Gewalt, alle Gewalt, die notwendig ist, die Niggers aus dem Land zu vertreiben oder sechs Fuß unter die Erde zu bringen."

Applaus.

Aber Connie Lynch glaubte nicht nur an die Gewalt, er war auch Pastor der Kirche von Jesus Christus und ermahnte seine Zuhörer: "Ich repräsentiere Gott, die weiße Rasse und die verfassungsmäßige Regierung, und jeder, dem das nicht paßt, der kann direkt zur Hölle fahren. Ich hetze Euch nicht zu Rebellion. - Ich hetze Euch zum Sieg!"3+4

Der ecclesiastische Singsang "Kill the niggers! Kill the niggers! Kill, kill, kill!" bekam plötzliche eine konkrete Bedeutung: Man hatte vier Schwarze in den Büschern entdeckt, die spionierten. Die Frau..., die Damen der Goldenen Maske waren gleich Feuer und Flamme. "Zieht sie aus!" "Peitscht sie aus!" "Tut was!" "Man muß doch was tun!" "Kastriert sie!" "Wo ist der Strick?" "..., aber zieh Deine Robe aus, ich möchte nicht, daß sie schmutzig wird!"3+4

Die Menge schlug mit Fäusten, Knüppeln und Gewehrkolben auf die Schwarzen ein. Ein anderer Spion, nicht erkennbar, da weiß, rief von einer Telefonzelle die Polizei und den FBI. So wurden die vier Schwarzen, schon mit Brennspiritus übergossen, aber noch nicht angezündet, gerettet.

Trotz dauernder Schäden an der Gesundheit der Schwarzen sprachen die weißen Schöffen des örtlichen Gerichts die Männer und Frauen des Ku Klux Klan von der Anklage der Körperverletzung frei. Dagegen wurde die Schwarzen des unbefugten Betretens und Übergriffes für schuldig befunden.

"Der Neger ist vereint mit dem nicht-weißen, geldtrunkenen, anti-christlichen Juden, der ihn beeinflußt, finanziert, propagiert, fälschlicherweise verteidigt vor Gericht und versklavt in jüdischen Geschäften und in der von ihm kontrollierten National Association for the Advancement of Colored People." Den state direktor der NAACP, Medgar Evers, hatte man übrigens 1963 umgebracht.

"Wir nehmen das Land den ausländischen Dieben und Verrätern wieder weg." (Orginalton)

Als der Kongreß am 20. Juni 1964 John F. Kennedys Civil Right Bill, ein Gesetzentwurf der gleiche Rechte für alle amerikanischen Staatsbürger, also auch für Farbige, sichern sollte, annahm, reagierte der Klan mit sechzehn Brandstiftungen von schwarzen Kirchen, und am 21. Juni kam es noch zu einem grausamen Zwischenfall, der die gute Zusammenarbeit von Polizei und Klan zeigte. Drei junge Sozialarbeiter, James Cheney, Andrew Goodman und Michael Schwerner, die letzten beiden Jude, wurden von Sheriff Price, obwohl sie gar nicht zu schnell gefahren waren, für zu schnelles Fahren festgenommen und eingesperrt. Erst am späten Abend um 10 Uhr 30 ließ der Sheriff sie wieder frei und weiterfahren. An der dunklen, einsamen Landstraße warteten dann die Kluxer, die Mörder des Klans. Die `Hinrichtung' war erfolgreich. `Ein Sieg der Weißen Vorherrschaft', freute sich der Imperial Wizard Sam Bowers, und da er über keinerlei Geschichtskenntnisse verfügte: "Das war das erste Mal, daß Christen einen Juden hinrichteten." Er wußte zu dem Zeitpunkt noch nicht, daß man sogar zwei Juden ermordet hatte und nur einen Goi. (Die Juden hatten bekanntlich Jesus Christus hingerichtet.) Sam Bowers hielt die anglosächsische, weiße Rasse für die einzige Rasse auf Erden, die eine gerechte und stabile Regierung aufbauen und erhalten konnte. Rassenmischung führe nur zu Chaos und Tod.

Ein Unionsgericht verurteilte später Bowers zu zehn Jahren Gefängnis, weil er durch seine Verwicklung in den Morden an den drei Sozialarbeitern deren bürgerliche Rechte mißachtet hatte. Unter solchen absurden Vorwänden wurden damals erwiesene Mörder an Schwarzen von Unionsgerichten verfolgt. Da Morde lokaler Gerichtbarkeit unterlagen, konnte ein Mord an Schwarzen damals nicht anders geahndet werden. Die lokale Gerichtbarkeit lag in den Händen der Weißen, der ganz Weißen.

Weiße jedoch, die keinem schwarzen, sondern einem weißen Mitmenschen schadeten, mußten mit empfindlichen Strafen rechnen. So fuhr zum Beispiel in Georgia ein Weißer voller Wut gegen die Rednerplattform des KKK. Obwohl niemand verletzt wurde, verurteilte ihn die Jury zu 12 Jahren Gefängnis.

Ein junger Indonesier Nguyen Sinh Cung hatte in Paris die haute cuisine der Franzosen studiert und danach auch noch im erstklassigen Carlton Hotel in London bei dem berühmten Chef Escoffier die Pastetenzubereitung. So spezialisiert fand er Arbeit in der Kombüse des Luxusdampfers Latouche-Tréville.

Auf ihren Reisen legte die Latouche-Tréville oft in amerikanischen Häfen an. Cung hatte großes Interesse an der amerikanischen Revolution und viele Sympathien für das amerikanische Volk. Es schockierte ihn jedoch, als er die Intoleranz, mit der die Weißen ihre schwarzen Mitbürger behandelten, sah, so, daß er anfing, Zeitungsartikel und Statistiken zu diesem Thema zu sammeln und sogar eigene Recherchen unternahm. So wurde er auch ein Spezialist auf dem Gebiet des Rassenterrors. In französischen Zeitungen schrieb er dann zu diesem Thema.

Die Nachkriegszeit nach dem ersten großen Krieg war die Zeit der Negerlynchungen in Amerika. Solche Veranstaltungen wurden in den Zeitungen des Südens öffentlich angekündigt.

Die New Orleans States: Heute wird ein Neger verbrannt...

Die Jackson Daily News: Negro J. H. heute nachmittag um fünf durch die Menge in Ellistown zu verbrennen!

Wie so etwas dann aussah, beschrieb Cung seinen französichen Lesern z. B. in der Correspondance Internationale:

Stellt Euch vor: Eine wütende Horde. Die Fäuste geballt. Die Augen blutunterlaufen. Schaum vor dem Mund. Schreien, fluchen, pöbeln. Diese Horde ist außer sich vor wilder Freude, angesichts eines Verbrechens, das begangen werden kann ohne Risiko.

Stellt Euch vor: In einem See von Menschen ein Treibgut von schwarzem Fleisch herumgestoßen, geschlagen, getreten, gerissen, gepeitscht, beschimpft, bespuckt und hin- und hergeschubst, blutbeschmiert.

In einer Welle von Haß und Bestialität ergreifen die Lyncher ihr schwarzes Opfer und zerren es in die Mitte des öffentlichen Platzes, binden es an ein Holz, bedecken es mit entzündbarem Material und begießen es mit Petroleum. Während sie darauf warten, daß es angezündet wird, schlagen sie dem Opfer die Zähne einzeln aus.

Der Schwarze wird gekocht, angebräunt, gebraten. Aber er verdient es, statt einmal zweimal zu sterben. Er wird daher gehängt, oder genauer, das, was von seiner Leiche noch übriggeblieben ist, wird gehängt.

Wenn alle genug haben, wird die Leiche wieder heruntergeholt. Der Strick wird in kleine Stücke geschnitten, die je nach Größe für drei oder fünf Dollar verkauft werden. Souvenire und Glücksbringer, um die sich die Damen streiten.

Währenddessen auf dem Boden, stinkend von Fett und Rauch, ein schwarzer Kopf, geschändet, verbrannt, entstellt, er grinst schrecklich und scheint in die untergehende Sonne hineinzufragen: Ist das Zivilisation?

Cung defininierte den Klan als eine reaktionäre Gruppe, die all die Mängel einer Geheimorganisation hatte minus deren Stärke, plus den Mystizismus der Freimaurer, den Mummenschanz der Katholiken, die Brutalität der Faschisten, die Illegalität ihrer Klavernen, aber weder Doktrinen, noch ein Programm, noch Vitalität oder Disziplin.

Er sagte dem Klan keine lange Zukunft voraus und tatsächlich hatte der Spuk sich schon nach wenigen Jahren fast völlig ausgespukt.

Den Küchenchef Cung zog es nach einigen Jahren westlicher Kultur wieder zurück in seine Heimat. Er änderte mehrfach seinen Namen. Schließlich nahm er den Namen `Der-nach-Erkenntnis-Strebende' an, auf seiner Muttersprache hieß das Ho Chi Minh. Er wurde zur Symbolfigur des Kampfes gegen den weltweiten US-Imperialismus. Er sah noch viele amerikanische Verbrechen. Selbst schwarze Amerikaner schossen auf Vietnamesen.1

1 Ho Chi Minhs Erfahrungen mit dem Ku Klux Klan wurden `The fiery Cross, the Ku Klux Klan in Amerika' von Wyn Craig Wade S. 2O3f entnommen.

Auch die bei R. Piper & Co. Verlag, München 1968 erschienene Reden- und Schriftensammlung Ho Chin Minhs "Revolution und nationaler Befreiungskampf" bringt einen Artikel zum KKK.

Es war sogar ein überproportional hoher Anteil der Soldaten, die auf Vietnamesen schossen, schwarz. Das lag aber nicht daran, daß die Schwarzen bessere Schützen waren, sondern daran, daß sie sich vor dem Einberufungsbefehl nicht so leicht wie Weiße drücken konnten, und wenn sie eingezogen waren, wurden sie auch viel eher in die vorderste Reihe der Front geschickt.

Trotz des günstigen Tötungsverhältnisses von eins zu zwanzig blieb der Sieg der Amerikaner damals aus. Jahrzehnte später, ja, da sollte Onkel Sam mal siegen - über Grenada, Panama, Bananarepublika, dann Uruk, Babylon und Mesopotamien besiegen, Ruinen zu Trümmer* schießen wegen des Erdöldurstes, und damit Onkel Sams Bohrrechte** nicht verloren gingen. Auch nach dem Rest der Welt streckten sie die Hand aus. Doch als sie sie in der Hand hatten, freuten sich andere, daß es da so große Beute zu machen gab. Zukunftsmusik. Man hörte sie in der Ferne und lief drauf zu.

* vgl. Beate Mittmann und Peter Priskil "Kriegsverbrechen der Amerikaner und ihrer Vasallen gegen den Irak und 6000 Jahre Menschheitsgeschichte.

** selbst George Bush besaß Bohrrechte in Kuwait.

Also beim Vietnamkrieg fiel die Siegesfeier für Amerikaner aus. Auch die vietnamesischen Sieger feierten nicht wirklich, hatte der Sieg ihnen doch zu viele Opfer abverlangt; fürs Gewinnen war zu viel verloren worden.

Was damals Siege feierte, war die Ironie, wahre Superlative feierte sie. Da waren zunächst die Schwarzen an der vietnamesischen Front, die für die "Ehre Amerikas und die Freiheit Vietnams fielen", in Wirklichkeit mordeten sie zwanzigmal mehr und nicht für die Ehre, sondern für die Verbrecher Amerikas und die Unfreiheit Vietnams, und weil sie mußten. Dann war da gleichzeitig die Heimat der Schwarzen, das von den Weißen gestohlene Land der Indianer, in das ihre Vorfahren als Sklaven verschleppt worden waren, wo jetzt weiße Rassisten schworen für den Schutz der weißen, christlichen Zivilisation, die sie durch die Bürgerrechtsbewegung gefährdet sahen, zu sterben, aber in Wirklichkeit starben diese weißen Rassisten-Helden gar nicht, sondern mordeten, und kamen sehr gut dabei weg, da das weiße Establischment den Mördern kein Härchen krümmte.

In Vietnam Vietnamesen zu töten oder zu Hause die `Niggers' zu töten, darin sahen viele Rassisten keinen Unterschied, und sie machten auch keinen Hehl daraus, daß sie keinen sahen.

Auch der Friedensnobelpreisträger und Führer der Bürgerrechtsbewegung Martin Luther King jr. sah, wie seine Witwe Coretta später erklärte,5 keinen Unterschied darin, aber wie seine Mitkämpfer aus der Bürgerrechtsbewegung hatte auch er Angst, als Kommunist zu gelten, wenn er etwas gegen den Vietnamkrieg sagte. Es war schon schlimm genug, ein Schwarzer zu sein, auch noch als Roter zu gelten, war unerträglich.

Es gab unter den Schwarzen jedoch einen wahren Giganten, stärker als alle anderen Menschen der Welt, einen Olympiasieger und Weltmeister, und der war gar nicht zu feige, seine Solidarität mit dem vietnamesischen Volk zu zeigen. "I ain't got no quarrel with the Vietcong", sagte der Cassius Marcellus Clay alias Muhammad Ali und weigerte sich, in den Krieg zu ziehen, und sein Beispiel ermutigte andere, auch `Nein' zum Vietnamkrieg zu sagen.

Man stahl dem Weltmeister seinen Titel und verbot ihm den Ring. Da stand er fortan, statt im Ring, auf Rednertribünen und sprach engagiert gegen den Vietnamkrieg.

"I am the greatest", hatte der Champ gesagt. Yes, Ali, you are. Wohl zigtausendmal log irgendein Politiker: "We are a great nation", und Millionen Idioten plapperten es nach: "Our great nation", bloß dem Schwarzen bestritten die jegliche Größe. Muhammad Ali durchbrach diese Schranke, das war ein größerer Sieg als der über Sonny Liston.

Es war ein Sieg für die Schwarzen, für das schwarze Selbstbewußtsein. Und notwendig.

Es folgt das Schicksal eines Schwarzen, der nicht "No" zum Vietnamkrieg sagte.

Der neunundvierzigjährige Lieutnant Colonel Lemuel A. Penn hatte schon während des zweiten Weltkriegs für Amerika im Südpazifik gekämpft. Da er ehrgeizig war und sich die konservativen Werte seiner weißen Herren zu eigen gemacht hatte, war er auch nach dem Krieg in der Armee geblieben und diente ihr als Ausbilder. Zu keinem Zeitpunkt seines Lebens hatte er die Bürgerrechtsbewegung unterstützt.

Am 11. Juli 1964 war er mit zwei anderen schwarzen Reserveoffizieren in einem weißen Chevrolet von Georgias Fort Benning auf dem Rückweg von einem vierzehntägigen Reservistenlehrgang nach Washington, D. C. unterwegs. In Athens, Georgia, hatte nach einem Fahrerwechsel Lieutnant Penn das Steuer übernommen. Bei Colbert bog er von der Highway 72 in die nach Norden führende Highway 172. Als er nach etwa 12 Meilen um 4:50 a.m. die Broad-River-Brücke überquerte, überholte ein schnellfahrender Kombiwagen ihn. Zwei Insassen entluden ihre Schrotflinten auf seinen Kopf. Er war sofort tot.

Die beiden Schützen Sims und Myers und der Fahrer James Lackey waren Mitglieder der Vereinigten Ritter des Klans von Amerika, einer kleinen KKK-Splittergruppe mit nur etwa zwanzigtausend Anhängern. Sie hatten den weißen Chevrolet mit dem Washingtoner Nummernschild zufällig erspäht und aus der auswärtigen Nummer geschlossen, daß es sich bei den Schwarzen um Aufwiegler aus dem Norden handeln müsse.

"I'm going to kill me a nigger", so soll Sims die Anstiftung zum Mord gegeben haben.

Ein Aufschrei ging durch Amerika, daß ein Schwarzer so leichtfertig in einem Land, das er selbst hatte verteidigen helfen, ermordet wurde. Man begrub ihn mit militärischen Ehren. Sein Sarg ruhte auf der gleichen Caisson, auf der auch Präsident John F. Kennedys Sarg geruht hatte.

In Georgia aber zeigten die Schöffen Verständnis für die Täter und ihren Irrtum und sprachen sie frei. Bei einer Rally auf dem Stone Mountain feierte am Abend der Wizard James Venable: "Nie wird man in der Lage sein, einen weißen Mann, der einen Nigger gekillt hat, zu verurteilen."

Zwei Jahre später verurteilte ein Unionsgericht die beiden Täter, weil sie schwarzen Mitbürgern die bürgerlichen Recht unter anderem durch Mord verweigert hatten, zur Höchststrafe von zehn Jahren.

Am 25. März 1965, also noch während der Klan sich über seine Unantastbarkeit freute, kam es zu einem weiteren Mord auf einer Highway des Südens. An diesem Tag endete der große Bürgerrechtsmarsch von Selma nach Montgomery. Viola Luizzo, eine weiße Mutter von fünf Kindern, half, Teilnehmer des Protestmarsches zurückzubringen. Als sie wieder nach Montgomery fuhr, saß nur der 19jährige Schwarze LeRoy Morton neben ihr. Das fiel dem KKK auf. Nach einer wilden Verfolgungsjagd, Frau Luizzo hatte die Gefahr erkannt und Gas gegeben, wurde ihr Oldsmobil überholt und die Kluxer Wilkins und Eaton feuerten ihre Achtunddreißiger auf sie ab und töteten sie.

Nach dem Mord kam der Rufmord: Der Imperial Klonse (Klonse heißt Rechtsanwalt auf Kluxisch), Verteidiger des KKK, Matthew Hobson Murphy, jr. nannte sie "White Nigger". Allgemein galt sie als lose Frau, "Yankee bitch", Hure. Das weiße Establishment nahm ihr sehr übel, daß sie sich für die Rechte der Schwarzen eingesetzt hatte. Bei den Luizzos klingelte fortan oft, besonders nachts, das Telefon und anonyme Anrufer sagten Obszönitäten und Morddrohungen. Hausfrauen wußten, es war unanständig von Viola Luizzo gewesen, ihre Kinder allein zu lassen. Und... eine Hausfrau sollte sich um ihren Haushalt kümmern etc.

Die Mörder von Frau Luizzo waren schnell gefunden, denn der vierte Kluxer im Wagen war ein FBI-Mann gewesen und hatte alles verraten. Als es zum Prozeß kam, entdeckte dieser FBI-Agent, daß zwei der Schöffen Klansmänner waren. Er protestierte dagegen, aber sein Protest wurde ignoriert. Der weitere Prozeß verlief entsprechend. Das Gericht war hauptsächlich damit beschäftig, zu zeigen, was für einen schlechten Charakter Frau Luizzo hatte. Die Jury sprach die Angeklagten dann natürlich frei. Im überfüllte Zuschauerraum brach Jubel aus.

Vor einem Unionsgericht mußten die drei Täter sich dann wegen der Mißachtung der Menschenrechte verantworten. Eaton starb vor Prozeßende, aber Wilkins und der Fahrer Thomas wurden zu zehn Jahren

verurteilt.

Aber damals, als der Vietnamkrieg noch auf Hochtouren lief und Unmengen verschlang, ein kleines Kampfflugzeug kostete mehr als ein großes Krankenhaus, starben Schwarze nicht nur durch die Attentate weißer Rassisten, sondern es gab auch noch eine andere grausame Art von Gewalt, an der sie starben: Die Gewalt des Hungers. Ja, während das Militär gemästet wurde, und selbst für reiche Plantagenbesitzer, wie den rassistischen Senator James O. Eastland aus dem Sonnenblumenland, aus öffentlichen Mitteln Subventionen gezahlt wurden, vegetierten arme, schwarze Landarbeiter mit ihren Familien in ihren elenden Shanties dahin.1 Da die Plantagenbesitzer mit Hilfe der Subventionen teure Landmaschinen gekauft hatten, die die Arbeit billiger machten, wurden sie nicht mehr gebraucht. In Mississippi sah man Bilder, die man sonst nur aus Afrika kannte: Kinder mit aufgeblähten Bäuchen und Erwachsene, die nur noch Haut und Knochen waren. Schwarze verhungerten regelrecht vor den Augen der vollgefressenen Weißen. Es war angesichts dieses Elends, daß Martin Luther King seine Arme-Leute-Kampagne begann.

Aus Hungernden Esser zu machen, war dem weißen Establishment zu teuer. Sie ließen Martin Luther King lieber ermorden. Zum Glück hatte seine Bewegung soviel Momentum, daß sie auch ohne ihn noch eine ganze Weile weiterlief.

Martin Luther King

Martin Luther King hatte so mutig für die Bürgerrechte der Schwarzen gekämpft. Warum hatte er das getan? Wie konnte er für sich das Recht und die Frechheit herausnehmen, für die Rechte der Schwarzen zu kämpfen? Warum hatte er nicht für die Wiedereinführung der Sklaverei gekämpft? Als baptistischer Priester hätte er sich an die Bibel halten sollen, ihren Lehren folgeleisten, sie verbreiten, predigen sollen.

Die Bibel sagt es so deutlich: 1. Petrus 2:18: "Sklaven, seid untertan mit aller Furcht eurem Herrn, nicht nur den gütigen und gelinden, sondern auch den brutalen."

1. Timotheus 6:1: "Lehrt Sklaven, die unter dem Joch sind, daß sie ihre Herren aller Ehre wert halten, keine Widerrede leisten, nicht von ihnen stehlen, sondern daß sie ihnen zeigen, daß man ihnen vertrauen kann, auf daß nicht der Name Gottes und die Lehre verlästert werde."

Epheser 6:5-8: "Sklaven, gehorcht euren leiblichen Herren auf Erden mit Ehrfurcht und Zittern, wie ihr dem Herrn Christus gehorchen würdet mit der Einfalt eures Herzens. Gehorcht ihnen nicht nur, wenn ihre Augen auf euch sind, um ihre Gnade zu erwirken, sondern, wie die Knechte Christi den Willen Gottes tun von ganzem Herzen, so dienet euren irdischen Herren von ganzem Herzen, als ob ihr Gott und nicht dem Menschen dienet, und wisset: Was ein jeglicher tun wird, wird er von dem Herrn wieder empfangen, sei er nun Sklave oder Freier."

Kolosser 3:22: "Sklaven, seid gehorsam euren irdischen Herren in allen Dingen, tut so, nicht nur wenn ihre Augen auf euch sind, um ihre Gnade zu erwirken und ihnen zu gefallen, sondern in Einfalt des Herzens und in der Furcht des Herrn."

Man sollte auf dieser Welt mit ehrfurchtslosen, intelligenten Augen um sich blicken. Nicht nur Sklaverei und Unrechtigkeit, auch andere Traditionen wie Religionen und Vaterlandsliebe verdienen, daß man sie abschafft, und Vorbilder wie Martin Luther King, daß man sie hinterfragt.

In der Neuen Welt nicht weiß zu sein, war schlimm, schwarz zu sein, war furchtbar ---- besonders südlich der 39° 43' 26,3" nördlichen Breite, der Mason-Dixon-Line, im sogenannten Magnolien-Land, den Südstaaten.

Der schwarze Mann war am Hungern und entrechtet, und der weiße Mann wollte, daß es so blieb. Protestierten die Schwarzen gegen die Ungerechtigkeit, hetzte die Polizei ihre `Niggerdogs' auf sie, und in der Nacht kamen vermummte Kluxer und terrorisierte, folterten und mordeten. Unglück, Elend, Entrechtetsein, Misery.

Wird es da nicht verständlich - das folgende Gebet: "Himmlicher Vater, wir danken Dir, daß wir weiß sind..."4 (S.321) Aber Reverend Kludd, der das Gebet in den Sechzigerjahren am Ende seiner KKK-Werbeveranstaltungen sprach, meinte es weder mitleidig, noch war er wirklich dankbar, sondern er meinte es rassistisch. Für Neger galt eigenartigerweise nie das Mitleid, das man, wie wir ja gesehen hatten, für Juden empfand, nie wurde ein Mord oder Aufruf zum Mord an Schwarzen mit irgendwelcher Erlösung von Pein und Übel im Diesseits oder Jenseits oder für die noch ungeborenen Generationen des Schwarzen begründet. Das lag daran, daß die Klanmenschen in diesem Fall einen ganz typischen menschlichen Fehler begingen, den Fehler nämlich, in einem Mitmenschen, den man nicht mochte, keinen Menschen zu sehen. "In Gottes Augen ist es keine Sünde, einen Nigger

zu killen, denn ein Nigger ist nicht mehr als ein Hund."4 (S.282)

Be a white man - a real man. Join the Klan!4 (S.321)

Wasch dich - wasch dich mit richtiger Seife! Kaufe KKK!

Nördlich der Mason-Dixon-Linie kam die Kluxerei kaum weiter als ein paar Neo-Nazi-Verrücktheiten, wie die des Danny Burros von New York City, der sich selbst tötete, nachdem die New York Times offenbart hatte, daß er eigentlich ein Jude, der an pathologischem Selbsthaß litt, war.4 (S.364)

Im Norden fanden die mit der rechten Gesinnung den Präsentschaftskandidaten George Wallace, der, wie die Post-Herald bemerkte, wenn man etwas gehaßt haben möchte, es für einen haßte, viel attraktiver als den Klan. Später war es dann der Präsentschaftskandidat David Duke, der die Fantasie der Rassisten und Faschisten beflügelte, ihnen ihr Jerusalem zeigte.

Er predigte: "Wenn die Juden ihren eigenen Staat in Israel haben können, dann können wir auch unseren Staat gleich hier in den Vereinigten Staaten haben! Wir haben als die weiße Mehrheit das Recht, dieses Land so zu führen, wie es uns gefällt! Unsere Väter haben dieses Land mit Mut und Blut aufgebaut. Es braucht mehr Blut, aber bei Gott, eine Menge davon wird das Blut unserer Feinde sein. Die Regierung mordet unser Volk durch Vermischung mit Schwarzen. Für Mord gibt es nur eine Strafe: die Todesstrafe!"*

* Aus verschiedenen Reden zusammengestellt.

Duke verlangte von den Weißen auch, mehr Kinder zu machen, wahrscheinlich, damit für Juden und Neger kein Platz mehr war.

David Duke gründete auch für die ganz kleinen Rassenhasser eine Jugend- und Kinderorganisation: die DDD, die David Duke Drachen. Wär's nicht zum Weinen, wär's zum Lachen.

Sein KKK-Konkurent Bill Wilkinson gründete in Cullman, Alabama, Camp My Lai, und hatte es besonders auf Vietnamflüchtlinge abgesehen - nicht als Mitglieder, als Opfer.

Im Sommerlager Ku Klux Kids bekamen die Kleinen das gleiche militärische Training wie ihre Eltern, und schworen: "Ich schwöre Rassentrennung zu üben..."

Mehr Gewalt und Ungerechtigkeit, und alles wirklich geschehen, keine Hollywood-Fantasie: In Dacatur, Alabama, wurde ein 26jähriger, geistigbehinderter, schwarzer Junge für schuldig befunden, drei Frauen vergewaltigt zu haben. Da er laut Wechsler-Test das geistige Alter eines Dreieinhalbjährigen besaß, konnte er den zur Tat benutzten Wagen aber gar nicht gefahren haben. Am 26. Mai 1979 maschierte ein schwarzer Demonstrationszug vor das Gerichtsgebäude.

Diese legale, angemeldete Veranstaltung wurde vom Ku Klux Klan mit Schußwaffen angegriffen. Drei schwarze Demonstranten wurden erschossen. Ein Kluxer wurde von der Polizei erschossen, ein zweiter von Curtis Robinson, der den Kluxer erschoß, weil der mit einem Baseball-Schläger auf seinen Wagen einschlug, in dem sich seine Frau und fünf Kinder befanden. Es war Notwehr, Robinson fürchtete um das Leben seiner Familie.

Gerichtliches Nachspiel:

Keiner der Klansmänner wurde wegen Mordes oder Mordversuchs angeklagt. Nur Robinson wurde verurteilt, weil er einen Weißen erschossen hatte.

Im July 1980 erschossen drei Klansmänner bei der Durchfahrt durch Chattanooga ganz willkürlich fünf schwarze Frauen, eine davon war im Vorgarten beim Umpflanzen ihrer Marigolds.* Auch diese weißen

Täter wurden nicht wegen Mordes verurteilt.

* Marienrose, Ringelblume

Am 21. März 1981 wurde in Mobile, Alabama, der neunzehnjährige Schwarze Michael Donald von zwei Klansmännern entführt, erwürgt und

an einem Baum aufgehängt. Auch dieser Mord geschah `at random'. "Wir

kannten ihn gar nicht", gestanden die Mörder, "wir wollten nur die Stärke des Klans in Alabama zeigen."

Ein Unionsgericht verurteilte den Anführer 1984 unter einem neuen Ku-Klux-Statut zum Tode auf dem elektrischen Stuhl. Es war das erste Mal, daß ein Weißer für den Mord an einem Schwarzen mit dem Tode bestraft wurde. 1984!

Am 19. Oktober 1979 beantragte Nelson Johnson von der Kommunistischen Arbeiter Partei bei der Greensboroer Polizei eine Genehmigung für einen Umzug gegen den Ku Klux Klan und Rassismus. Die Polizei gab die Genehmigung nur unter der Bedingung, daß die Teilnehmer keinerlei Waffen trügen, "weder offen, noch versteckt". Für die Sicherheit des Demonstrationszuges wollte die Polizei angeblich selbst sorgen.

Nun gab es im Klan jemanden, der hieß Ed Dawson. Der hatte einmal an einem vierten Juli, an dem Vierten Juli 1969, mitgemacht, als vor lauter nationaler Begeisterung, ein schwarzes Mädchen getötet und - was damals noch schlimmer war - ein Polizeiwagen kaputtgeschossen wurde. Dafür hatte Ed neun Monate Knast bekommen. In der Zeit wurde er angeblich umfunktioniert oder geläutert oder was auch immer, jedenfalls hielt ihn die Polizei fortan angeblich für einen der ihren, für einen `Informer', einen Informanten, also einen Klansmann, der die Polizei über die Vorgänge im Klan informierte.

Diesen Polizeispitzel informierte die Polizei, die eigentlich der Informand in dieser Beziehung sein sollte, nun ausführlich über das Vorhaben der Kommunistischen Arbeiter Partei.

Als sich am Samstag, dem 3. November, die Veranstalter vor dem schwarzen Wohnprojekt Morningside Homes mit etwa fünfzig weiteren Demonstranten trafen, um von dort loszumaschieren, - unterwegs wollte man sich mit noch anderen Gruppen treffen, - da wurde die Gitarrenspiel- und Gesangsidylle plötzlich durch einen Konvoi von neun Klan-Autos unterbrochen. Ed Dawson saß im Führungsauto.

Vordergründig kam es zu einem Handgemenge. Im Hintergrund nahmen andere Kluxer ganz seelenruhig Gewehre und Handfeuerwaffen aus den Kofferräumen ihrer Fahrzeuge und legten an. Irgend jemand deutete auf diesen oder jenen, halt auf wen es ankam. Aber die meisten Schützen brauchten solche Anweisungen gar nicht, da sie sich vorher mit Hilfe von Fotos mit dem Aussehen der Parteiführer und der Veranstalter vertraut gemacht hatten. Es ging so lässig wie beim Tontaubenschießen zu, ohne jede Hektik. Es wurde geschossen, es wurde nachgeladen, das nächste Opfer ausgewählt, es wurde wieder geschossen, es wurde sogar geraucht. Mit den Kippen im Mund sahen die Mitspieler eigentlich nicht danach aus, als begingen sie ein Massaker, eher als legten sie mit nem Queue auf Billardkugeln an. Nach dem Massaker wurden alle benötigten Utensilien wieder ordentlich im Kofferraum verstaut und man fuhr ohne jede Eile davon.

Fünf der Demonstraten waren sofort tot, einer war aufgrund eines Kopfschusses für den Rest seines Lebens schwer gelähmt, acht weitere waren schwer verwundet.

Von den vierzig Klansmännern der Mörderkarawane wurde nur sechszehn festgenommen, von den sechszehn wurden nur sechs vor Gericht gestellt. Staatsanwaltschaft und Richter einigten sich darauf, daß man kein verabredetes Komplott zu verfolgen hatte, sondern nur herausfinden sollte, wer denn nun abgedrückt hatte.

Die Auswahl der Schöffen bereitete einiges Kopfzerbrechen. Man wollte eine hundertprozentig weiße, christliche Jury mit der rechten Gesinnung.

Einige der Jurykandidaten hatten eine außergewöhnlich rechte Gesinnung, so meinte doch einer, die einzige Schuld des Klans sei, daß sie schlechte Schützen gewesen wären; und ein anderer meinte: "Es ist kein Verlust, daß die Kommunisten nicht mehr unter uns weilen, es geht uns besser ohne die Kommunisten."

Der Verteidiger des Klans hielt ein überzeugendes Plädoyer: "Selbst wenn die Klansmänner ein Maschinengewehr genommen hätten und die ganze Bande niedergemäht hätten, so wäre es noch Selbstverteidigung gewesen, denn diese Leute griffen dieselbe Gesellschaft an, die ihnen die Freiheit gibt, auf die Straße zu gehen."

Das fanden die Schöffen auch: Freispruch für alle.4 (S.378ff)

Das war 1981, gerade als es den Monopolisten gelang, einen Schauspieler, der den Vorteil hatte, Eingeflüstertes mit größter Überzeugung daher sagen zu können, auf den Thron im Weißen Haus zu bringen. Es stellte sich später heraus, daß dieser Mann gar nicht mehr auf dem Thron saß als andere Leute auch. Er lag jedoch wesentlich mehr auf dem Sofa als andere Leute, da er seine Rolle im Schlaf beherrschte.

KKK-Wizard Wilkinson war, obwohl selbst weit davon entfernt, ein Monopolist zu sein, von dem neuen Psittakos der Monopolisten begeistert: "Das Programm des Republikaners Ronald Reagen liest sich, als sei es von einem Klansmann geschrieben worden."4 (S.387)

Es schien also eine gute Zeit für den Klan zu kommen. Und während man den Freispruch feierte, als einen Sieg der weißen Rasse, trotz der vier weißen Toten, und sich Medaillen gab für `den mutigen und unerschütterlichen Einsatz für die Verfassungs'4 (S.389), machte man große Pläne für die Zukunft.

Tatsächlich bekam der Klan auf Grund seiner Großtat von Greenboro zuerst ein paar neue Mitglieder, aber wenn die ganze Gesellschaft Rückschritte macht, sinkt die Nachfrage nach den Ultrarückständigen. Die meisten Konservativen wanderten in den achtziger Jahren ins christlich-fundamentalistische Lager. Und die frommen Fundis wollten diesmal keine Ehe mit dem Klan eingehen. Sie waren auch nicht mehr so rassistisch. Und wenn sie wieder Anti-Semiten waren, dann nicht wegen der DNS, sonderen wegen des Neuen Testaments. Und wegen des Alten Testaments waren sie Kreationisten. Kreationisten waren nicht unbedingt kreative Leute, sondern Kreationisten waren Leute, die die ersten zweieinhalb Seiten der Bibel für bedeutender hielten als Charles Darwins Entstehung der Arten.

Menschen waren für sie göttliche Geschöpfe, so etwas wie gefallene Engel, und nicht der widerlichste Emporkömmling aus der Affenfamilie, der es über Kannibalismus durch natürliche Auslese zum Supermörder gebracht hatte, der er wirklich war.

Die neue, christliche Rechte war noch am ehesten bereit, die Theorie vom Überleben des Stärksten zu bestätigen: Freien Zugang zu Waffen für jeden, Aufrüstung, Atomwaffen, Contras, Grenada, Panama, Irak, Slums, Todesstrafe etc. nur Abtreibung war Mord!

1982 kam durch eine Totenbettbeichte heraus, daß das 14jährige Mädchen Mary Phagan, das am 27. April 1915 vergewaltigt und ermordet im Keller ihres Arbeitgebers gefunden worden war, gar nicht von ihrem Chef, dem Juden Leo M. Frank, ermordet worden war. Der Jude war damals des Mordes für schuldig befunden und zum Tode verurteilt worden. Da aber schon damals Bürgerrechtsgruppen ein Unrecht witterten, da das Urteil sich hauptsächlich auf Vorurteile berief: `Juden haben wie Nigger einen riesigen Appetit auf die verbotene Frucht', hatte der Governor die Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe umgewandelt. Dieses Nachgeben wiederum hatte die rechtschaffenden Bürger von Georgia erregt. Eine Elitegruppe hatten diese rechtschaffenden Bürger gebildet. Sie hatte sich die Ritter der Mary Phagan genannt. Am 16. August 1915 hatten sie Frank aus dem Gefängnis geholt und gelyncht. Es war die erste Lynchung in der Geschichte Amerikas gewesen, bei der Automobile benutzt worden waren.1-7

Es waren diese edlen Ritter der Mary Phagan gewesen, die so stolz einen Unschuldigen gehängt hatten, die im November des gleichen Jahres mit Simmons den Stone Mountain bestiegen, um dort oben den Klan neu zu beleben für den Schutz der weißen, christlichen Zivilisation.

Dieser irrtümliche Anfang hatte aber keineswegs nach seiner Aufdeckung ein Ende des Klans zur Folge, genauso wenig wie neue Erkenntnisse den alten Religionen den Garaus machten oder Geschichtskenntnisse die weiße Zivilisation ein bißchen bescheidener werden ließen.

Fußnoten 1 bis 6

Für den Abschnitt über den Klan wurden die folgenden Werke benutzt. Die Bücher 1 und 2 enthalten eine kurze, historische Beschreibung des Klans. Da sie die selben Ereignisse beschreiben und oft die selben Zitate aus dem Milieu bringen, sind sie nahezu identisch.

Das vierte Buch enthält eine ausführliche Beschreibung des Klans, ist engagiert geschrieben, bringt Hintergründe und räumt mit falschen Legenden und Mißkonzeptionen, wie von der Naivität der Schwarzen, die die beiden ersten Bücher noch mit Begeisterung ihren Lesern mitteilen, auf. Prädikat: äußerst lesenswert.

1 "The Ku Klux Klan America's Recurring Nightmare" by Fred J. Cook, p. 160, 1980 New York

2 "Hoods, The Story of the Ku Klux Klan" by Robert P, Ingalls, p. 125, 1979

3 "The Klan" by Patsy Sims, p. 355, 1978

Frau Patsy Sims ist Journalistin und arbeitete für Philadelphia Inquirer, die San Francisco Chronicle und die New Orleans State-Item. Für ihre journalistische Tätigkeit wurde sie mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Ihr Buch enthält Interviews mit Klansmännern.

4 "The Fiery Cross, The Ku Klux Klan in America" by Wyn Craig Wade, p. 526, 1987, New York

5 "Voices of Freedom, An Oral History of the Civil Rights Movement from the 1950s through the 1980s."

Interviews mit Teilnehmern der Bürgerrechtsbewegung gesammelt für die PBS-Fernsehserie "Eyes on the Prize" by Henry Hampton und Steve Fayer. A Bantam Book / Feb. 1990.

6 "Freedom Bound, A History of America's Civil Rights Movement" von Robert Weißbrot. Geschichte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. First Plume Printing, Jan. 1991.

7 (Nachtrag)

Im November 1993 machte ein schwarzer Rechtsanwalt, Anthony Griffin, der das Recht des Klans auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit vor staatlichem Eingriff vor Gericht verteidigte, Schlagzeilen. Zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung. Vielleicht wird ein zukünftiger Klan einmal seinen Rassenhaß ganz aufgeben und sogar Schwarze in seine Reihen aufnehmen und eine andere Existenzgrundlage finden als Haß, vielleicht so etwas traditionsreiches wie Faschingsspaß oder so etwas modernes wie Menschenrechte.

Auch andere beschrieben die Umgebung

- bloß langweiliger

- mit Bäumchen und so.

Kannten wir auch nicht die Standorte der Bäume, so wußten wir doch jetzt, in welcher Landschaft sich Adjuna befand. Die Standorte der Bäume überließen wir den Landschaftsmalern. In ihrer Unschuld malten sie immer das Falsche: Idyllen. Sie ahnten nichts von der Feindschaft, die unter den Bäumen herrschte.

Nur die Fratzenmaler hatten die Wirklichkeit der Dinge erfaßt, eingefangen, auf ihre Leinwände geseibert und geseichert. Es war nicht ihre Schuld, wenn die Vorlage ein entartetes Kunstwerk war. Wir hatten alle Schuld. Wir alle, die Kreaturen. Arme Kreaturen.

Adjuna war drauf und dran, zu sagen: "Ich hasse die Rassisten. Ich hasse das weiße Amerika." Und seine Haut wurde aus Solidarität richtig dunkel. Hätte er für das weiße Amerika eine Goldmedaille gewonnen, er hätte sie wie einst Cassius Clay in den Ohio River geworfen. So angewidert war er.

Es war in diesem Augenblick tiefsten Angewidertseins, daß ihm ein Gespenst die Hand auf die Schultern legte. Adjuna drehte sich um, um die Erscheinung aus dem Jenseits besser zu sehen. Es war ein Indianer, ein Neuzeit-Indianer. Er sah noch einsamer aus als Adjuna. Adjuna erkannte sofort die Gemeinsamkeit. "Die Einsamkeit vereinigt uns."

Dieser Besucher vom jenseitigen Ufer sagte jetzt zu Adjuna etwas, was er schon zu Lebzeiten gesagt hatte: "Ich bin ein Rassist." Adjuna blieb die Sprache weg. Wie konnte jemand, der ihm sympathisch war, so etwas bekennen?

"Ich bin Rassist. Ich hasse die menschliche Rasse." Der Indianer hatte ein Recht, das zu sagen, das Blut sämtlicher Rassen floß in seinen Adern.*

* Frank Yerby, geboren 5.9.1916 in Augusta, Georgia, gestorben am 29.11.1991 in Madrid, Autor zahlreicher, erfolgreicher - und (was ihn wohl noch mehr auszeichnet) erfolgloser Romane, die den Publikumsgeschmack nicht trafen, meist aus dem Süden der USA. Genau genommen war Frank Yerby kein reiner Indianer, aber er war auch nicht der Neger, für den man ihn hielt. Er sagte einmal: "Nennt mich nicht schwarz, ich habe mehr Seminolen-Blut als Negerblut in mir, aber keiner nennt mich einen indianischen Autor."

Als junger Mann verließ er die "Neue" Welt, um in der Alten zu leben: "Die Vereinigten Staaten sind kein Ort für einen jungen Mann, dessen Ahnenliste sich liest wie die Staatenliste der Vereinigten Nationen."

Adjuna sah jetzt ein, daß es auch unter den Rassisten vernünftige Menschen gab, und er einen Fehler gemacht hatte. Du sollst nicht Vorurteile haben wider deinen Nächsten! Du sollst nicht diskriminieren! Das 11. und 12. Gebot.

Du sollst nicht verallgemeinern, nicht alle in einen Topf werfen oder über einen Kamm scheren. Das 13. Gebot.

Je mehr Adjuna darüber nachdachte, "Ich bin ein Rassist. Ich hasse die menschliche Rasse!" desto mehr machte er sich die Aussage zu eigen. Das war kein Gedanke, der die Arbeit eines Ehevermittlers erleichtern würde, denn er entfernte von den Menschen. Tatsächlich bekam mit dem neuen Gedanken und dem größeren Abstand zur Menschheit Adjunas Haut eine andere Farbe, sie bekam eine unmenschliche Farbe, einen blauen Schimmer, wie das Blau auf indischen Götterbildern, was sich für seine weitere Arbeit dann doch noch als günstig erweisen sollte.




Hier Internet links zum Klan: http://www.kkk.com/intro.htm zu hate groups: http://www.officer.com/hate.htm zum Klanwatch:http://www.splcenter.org/klanwatch.html.


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