Auf in sonnigere Gefilde! Auf in ein freundlicheres Land! On the road again! Aber Freude kam nicht auf.
Eine Straße ist das Leben, das Leben ist eine Straße, eine Straße, die uns von einer Hedschra zur anderen hetzt, zu ewiger Flucht immer fort. Einige finden Löcher an der Straße und verkriechen sich dort und leben dann im Verborgenen geborgen, gesättigt und wie tot. Sie denken nur, was sie denken sollen, tun nur, was man tun sollte, benehmen sich nur, wie man sich benehmen sollte, und sind auch sonst nur, wie man sein sollte. Das ist ihre Sicherheit. Aber manch einen dieser Leblosen habe ich aus den Löchern aufgestöbert. Das war doch ein Erfolg, auch wenn es Tote gab. Von jetzt ab werden sich die Lebenden besser verstehen. So tröstete sich Adjuna, der eigentlich kein Blutvergießen gewollt hatte.
Die Blutvergießer verstanden sich tatsächlich von diesem Tag an besser. Sie verstanden ihre eigene Blutrünstigkeit noch besser. Sie hatten gelernt, sie als Teil ihrer Persönlichkeit zu akzeptieren, als das Eigentlichste ihrer Eigenart, das, was schon den Kannibalen ein Hochgenuß war, den Barbaren den Bart feucht werden ließ. Blutrausch ersetzte die anderen Drogen, selbst die härtesten. Blutvergießen war zum Selbstzweck geworden. Menschen standen auf, gereinigt von den Lügen, und mordeten willkürlich.
Adjuna wußte nichts von der neuen Selbsterkenntnis, die sich unter den Menschen breitgemacht hatte. Er saß im Auto und wollte in ein freundlicheres Land.
Der Name Texas kam von dem spanischen Wort `tejas' gleich: freundlich. Dahin wollte er.
Aber die Einheimischen, denen die Spanier einmal den Namen Tejas gegeben hatten, waren schon lange an den Rand der Gesellschaft gedrückt worden, an den Rand oder darüber hinaus. Irgendwo führten sie ein Arme-Teufel-Dasein, vielleicht in den Staubbecken der großen Ebenen, vielleicht auch an der Theke einer schmutzigen Bar, wo er einer freundlicheren Vergangenheit nachtrank, an die er keine Erinnerung mehr hatte. Das einzig Freundliche, was dem Reisenden gleich ins Auge sprang, ohne daß er ausstieg, jemanden ansprach, waren die Verkehrsschilder. Sie hielten einen nicht an, vorsichtig zu fahren, sondern verlangten schlicht: Fahre friendly, freundlich.
Unfreundlich dagegen sahen die Waffen aus, die in den Rückfenstern der Pickups sichtbar wurden: Von der Schrotflinte bis zur modernen Großwildbüchse, vom automatischen Infanteriegewehr bis zur Bazooka. Viele hatten mehrere Waffen. Einige wenige alte Leute fuhren Minivans mit bunt geblümten Gardinen. Sie waren Relikte aus einer freundlicheren Zeit, als Austin, die Hauptstadt des Landes, noch Mecca der Blumenkinder war.
Vorbei ging die Fahrt an verrosteten Bohrtürmen, stillgelegten Destillationsanlagen und zerbrochenen Pipelines. Die Besitzer dieser leeren, nutzlosen Anlagen fuhren mit glasigen Augen an ihrem Übereichtum an Rost entlang. Ihre großen, langgezogenen Cadillacs machten einen ähnlich heruntergekommenen Eindruck.
Durch den Dreck des Abgasqualmes, die Inzensation der Stoßstange, wurde das Gebet der ehemaligen Ölmilliardäre sichtbar: O Lord, gib uns noch einmal volle Ölquellen! Wir versprechen auch gerne, daß wir diesmal nicht gleich alles verpissen.
Ein anderer Bumbersticker versprach: O Lord, ich fühle es kommen.
Und ein Billboard an der Straße ermahnte die Vorbeifahrenden: Habe Sie heute schon Jesus einen heißen Check geschickt? Ein Fernseh-Missionar bot sich an, das Geld für Jesus in Empfang zu nehmen. Wohl, damit sich der Sohn Gottes nicht selbst die Finger schmutzig machte.
Aber diese Leute waren nicht die einzigen Schmarotzer der Landes. Überall wuchs das Mistletoe, die Gemeine Mistel, auch Hexenkraut genannt, Donnerbesen oder Holzkreuz. Britischen Einwanderern diente diese alte Abwehrzauberpflanze bei ihrem Weihnachtsbrauchtum als Entschuldigung für sonst unentschuldbares Küssen, moderne Pharmakologen gewannen aus ihr ein blutdrucksenkendes und entwässerndes Mittel, keltische Druiden nahmen das Zeug zum Sterilisieren, wohl zur Sterilisierung des Mund-Lippen-Bereiches vorm Küssen, und zum Entgiften des Körpers, andere benutzten es zum Vergiften; bei anderer Wirtspflanze eine andere Wirkung.
Richtig. Die Tonkawas, die Zusammenhalter, wie die Wacos die Indianer der großen, texanischen Prärie nannten, sie selbst nannten sich Tickanwatic, die Menschlichsten der Menschen, gewannen aus den Scheinfrüchten dieses erbarmungslosen Parasiten, der seine Wurzel so gnadenlos in fremdes Holz bohrte wie die Ölsucher ihre Bohrer ins Fleisch der Erde, ein Pfeilgift, mit dem sie ihre Feinde töteten. Ein humaner Tod durch Herzversagen. Doch am Ende unterlagen sie den Schußwaffen der abendländischen Einwanderer. Es spielte wohl auch eine Rolle, daß ihr Peyote- und Meskalinkonsum ihnen Großmannfantasien vorhalluzinierte, die sie zu mutig auf die Feinde losstürmen ließ, was das Abschießen enorm erleichterte. Der dem Rausch folgende Kater mit Schwindel- und Übelkeitsanfällen war ebenfalls nicht für den Kampf mit brutalen Realisten geeignet. Als Adjuna das Land durchquerte, waren es die Kindeskinder dieser ehemaligen Realisten, die der Realität, zu der die Welt der Eltern und mit allem, was die sich angeeignet hatten, gehörte, entfliehen wollten mit Crack, LSD und Schlafmohn. Gute Nacht. Ach ja, vorher noch ein Gebet, Gute-Nacht-Gebet. Amerikaner wurden immer unwissender, religiöser und angeturnter. Ach ja, und Mord und Totschlag nahmen auch zu.
Eigentlich hätte Adjuna hier in Texas auf ein Pferd umsteigen sollen und als Outlaw irgendwelche Schießerei bestehen müssen, aber die Welt war nicht perfekt. Die Dinge waren nicht, wie sie sein sollten. Und Cowboy-Filme gab es ohnehin genug. So fuhr der Konvoy genauso trist und trocken durch den Staub - immer weiter einem fernen Ufer zu, wie einst die Jallopies der Okies und Arkies, von einem Elend in ein größeres, mit der Hoffnung als einziger Halt wie eine leckere Mohrrübe vor der Nase eines störrischen Esels.
Am Weg gab es wieder alles - leider war es ungenießbar: uralter Staub, Raumfahrtzentren, uralte Gottesvorstellungen, flache Erden mit Käseglockenhimmel, ein bißchen moderner: geozentrische Vorstellungen, die sich um die alten Seiten der Bibel wickelten und an allen Seiten von einem Himmel umhüllt waren, der nicht hoch war, Atom-Tests, Super-Sonic-Bombers, Gung-Ho-Kapitalismus, 10-Gallon-Hats und eines der vielen Achten Weltwunder dieser Erde, Astrodomain, ein Sammelsorium aus Astrodom, Astroarena, Astro-shopping-centre und Astrowelt: ein Vergnügungspark mit 100 Attraktionen, also 99 mehr als Disneyland. Nie gehört: Disneyland ist eine einzige Attraktion? Disneyland war wie Amerika: Es herrschte Lächelzwang. Bloß die ausgestopften Saurier sahen wirklich aus. Aber die Fantasien von Anaheim waren weit und die Falschheit der wirklichen Welt allgegenwärtig.
Vor dem hohen Kutschbock des halbausgebrannten Trucks breitete sich das weite Land aus. Adjuna hatte manchmal das Gefühl, in einem Tiefflieger zu sitzen. Die Monahan Sanddünen lagen unter ihm, vor ihm. Die Windschutzscheibe wurde zum Gemälde. Das Auf und Ab der Hügel zur Maja. Die Oberfläche des feinen Sandes erinnerte ihn an die Pfirsichhaut einer nackten Schönheit, die sich ausstreckte auf dem Bett der Liebe. Eine Sinnestäuschung. Ein Wunschtraum.
General Sheridan sagte einmal: "Wenn ich beides besäße, die Hölle und Texas, ich würde Texas vermieten und in der Hölle wohnen." War ihm die Prärie zu heiß oder der texanische Bibelfundamentalismus zu trocken, zu prüde? Ihm fehlten die Augen, die das sahen, was sie sehen wollten.
Blühende Ebenen, mit Zypressen bewachsene Hügellandschaften, Hickorysträucher, Kiefern, Tannen, Wacholder, Eichen, Pecan- und Mesquitebäume, deren Früchte den Payaya-Indianern als Nahrung diente und den Comanchen, wenn sie kein Fleisch zwischen die Zähne bekamen. Auch der pickelige Pear-Kaktus war eßbar. Eine saftige Angenehmlichkeit nach den scharfen Tex-Mex-Mahlzeiten. Und wieder Hickorysträucher, diesmal bei einer Missionsstation, die jungen Triebe dienten, wenn sie Fingerdicke erreicht hatten, den Lehrern als Rute. Die Nuß selbst durften die vom Heidentum befreiten, rothäutigen Kinder nur mit Erlaubnis essen.
Da ein Hickorystock sehr wehtat, wenn er auf einen Hintern niedersauste, schrien die kleinen Indianerkinder immer, daß sie unschuldig waren, selbst wenn sie ganz offensichtlich etwas Böses getan hatten, wie z. B. ihren Psalm nicht gelernt hatten, oder in die alte Gewohnheit zurückgefallen waren, einfach von den Früchten des Landes zu essen, ohne vorher die Missionare um Erlaubnis gebeten zu haben.
Wie beteuerte man nun auf Texanisch seine Unschuld? - Man sagte: "Me
no Alamo!"
Und damit waren unsere Helden in Alamo, der Wiege der texanischen Freiheit. 1821 hatten die Mexikaner sich die Unabhängigkeit von Spanien erkämpft. Texas war damals eine mexikanische Provinz. In Texas lebten aber überwiegend Anglos, wenn man von den rothäutigen Ureinwohnern mal absah, und diese Anglos wurden immer mehr. Und diese Anglos, Engländer, wie sie die Mexikaner nannten, unter ihnen waren übrigens viele katholische Irländer und sogar Deutsche, wollten schon bald ihrerseits Unabhängigkeit.
Es gab da auch ein paar Meinungsverschiedenheiten mit den Mexikanern bezüglich der Sklavenfrage. Die mexikanischen Regierung wollte oder konnte nicht verstehen, daß die Anglos Sklaven brauchten, weil sie nicht selbst arbeiten konnten oder wollten.
Also mit ihrer Forderung nach Unabhängigkeit stießen die Anglos bei den Mexikanern auf taube Ohren und Unverständnis. Wie konnte es auch anders sein?
1836 kam es in Alamo zum Kampf: Mexikos Generalissimo Antonio Lopez de Santa Anna traf mit seinem 5000-Mann-Heer auf 187 Anglos. Einige behaupteten sogar, es seien nur 186 Anglos gewesen. Einer sei schon vorher gestorben. Vor Angst?
In einer einzigen blutigen Stunde waren sie alle tot (die Anglos natürlich), und doch waren die Helden von Alamo unsterblich. "Denkt an Alamo!" wurde der Kampfschrei der texanischen Revolution.
Sam Houston, der große, texanische Nationalheld der Hinterhältigkeit - er war übrigens der Schnellste im Weglaufen.
a.) Falsch. Weglaufen, nicht Wettlaufen, Sie haben sich verhört/verlesen.
b.) Richtig. Weglaufen, nicht Wettlaufen, Sie haben sich nicht verhört/verlesen.
Also Sam Houston, nachdem er weit genug weggelaufen war mit seiner Armee, machte eine Pause, damit die erschöpften Mexikaner wieder aufholen konnten. Ihn ganz einzuholen, schaffte sie aber nicht vor Einbruch der Nacht. Sie legten sich am San Jacinto schlafen.
Während sie schliefen, kamen Sam Houston und seine Soldaten angeschlichen, mit aufgepflanzten Bajonetten kamen sie angeschlichen. Und während sie auf die schlafenden Mexikaner einhackten, sie in mundgerechte Stücke hackten, ertönte ihr Kampfgeschrei: "Denkt an Alamo!" Und die aufgeschreckten Stücke logen: "Me no Alamo! Me no Alamo!" Zu deutsch: Ich nix Alamo!
Nach dem Bajonettieren der schlafenden Mexikaner zog Sam Houston wieder zurück zu seinen Leuten und ließ sich als Held feiern.
Von 1836 bis 1845 war Texas eine Republik, dann schloß es sich als 28. Staat den USA an. Unabhängigkeit war plötzlich nicht mehr gefragt.
Adjuna und die anderen ließen Alamo hinter sich und brausten den Trans-Texas-Pecos-Trail entlang. Sie kamen an Sonora vorbei, wo sich die schönste Höhle der Welt befand. Eine von vielen schönsten Höhlen der Welt. Sie kamen durch Ozona, der größten Kleinstadt der Welt. Einzigartig auf der ganzen Welt: ein solcher Anspruch. Der größte Roadrunner der Welt. Die größten Langhornrinder. Die größten Viehtriebe. - Die größten Viehdiebe. Die schnellsten Schützen. Die blutigsten Vendettas. Und die liebsten Vorstellungen, die die Welt vom Texaner hatte: Mann auf Pferd, der sich heldenhaft und vor allem siegreich gegen eine Indianermeute verteidigte, oder eine Wagenburg, die sich ebenfalls heldenhaft verteidigte, aber weniger siegreich. Auch Adjunas Konvoy bildete nachts eine Wagenburg, aber aus Angst vor Weißhäuten, Nachkommen des Sam Houston.
Viele Banditen machten die Gegend unsicher. Sie überfielen die Reisenden. Sie taten es aus purer Not. Sie konnten nicht in den Städten zur Arbeit gehen. Denn in den Städten, da durften sie sich nicht sehen lassen, denn sie wurden steckbrieflich gesucht. Aber nicht alle waren Verbrecher, einige ja, die hatten geraubt, um sich zu bereichern, aber andere hatten die Familienehre gerettet und fürchteten jetzt die Rache der anderen Familienmitglieder und die Polizei.
Es war mehr als nur ein Gerücht, daß der Texaner aus den nichtigsten Anlässen der Welt Familientragödien machen konnte: Das blöde Rasierrückenschwein des Einen rückte aus und zertrampelte die Felder des Anderen. Der schoß das Rasierrückenschwein. Und aus Rache schoß der Eine dann den Esel des Anderen. Und der schoß das Rindvieh des Einen. Und dann waren die Menschen dran. "Der hat meinen Bruder erschossen!" "Der hat meinen Vater erschossen." "Der hat meinen Onkel erschossen." "Der hat meinen Cousin dritten Grades erschossen." Und am Ende wußte keiner mehr den Grund und alle waren nur noch am Schießen und sprachen von "erschossen". Bis, ja, bis am Ende entweder die ältesten Greise der beiden Familien oder - seltener - die jüngsten Burschen (gerade erst die Klapper mit der Knarre getauscht) sich auf einer Kuhwiese gegenüberstanden und mit der Winchester oder der langen Kentucky-Flinte aufeinander anlegten und den Endsieg erkämpften oder - Doppelselbstmord machten. Oft funktionierte sogar die Gleichberechtigung und die Frauen der Familien schossen mit und starben mit.
Aber nach dem ersten Mord schon lebte man nicht mehr Zuhause, sondern flüchtete in die Wildnis, und das war es, was die Wildnis so gefährlich machte. Nicht die Klapperschlangen, die Desperados waren das Problem.
Man floh übrigens nicht so sehr wegen der Strafe, sondern weil zurückgeschossen wurde. In Texas hatten die Behörden oft Verständnis dafür, daß man einen anderen Texaner erschoß, bloß dessen Familienangehörigen fehlte immer das Verständis. Die texanische Kolumnistin Molly Ivins hatte die einheimische Mentalität mal richtig auf den Punkt gebracht: "Texaner erschie en einander 'ne Menge. Für Mord bekommt man nur fünf Jahre, fürs Pot-Rauchen neunundneunzig." Whiskey erleichterte übrigens den Griff zur Waffe.
Natürlich gab es auch noch die Todesstrafe für Mord - für die Unterprivilegierten, die Nachkommen der ehemaligen Sklaven. Die sollten nun wirklich nicht das Recht haben, einen Mord zu begehen! Taten die es doch, liefen die natürlich auch weg.
Natürlich, in der modernen Zeit hätten private Rächer eigentlich durch Richter ersetzt werden sollen, aber mehr als gelegentlich knallte es doch, wenn ein Rasierrückenschwein ausrückte und die Beete zertrampelte, besonders wenn die Richter parteiisch waren und der Geschädigte anders sein Rächt nicht bekam. Die rächenden Waffen waren zum Glück immer zur Hand.
Schließlich erreichten Adjuna und seine Leute El Paso, El Paso del Norte, den Durchgang zum Norden, wie die Franziskaner Missionare den Ort tauften. El Paso, die Stadt der Goldberauschten, der 49er, die 1849 hier durchkamen auf ihrem Weg nach Kalifornien, viele bissen schon hier - nicht ins Gras, in den Staub. Der Suff und die Pistolenduelle.
Die Zahl 49 wurde für immer mit begeisterter Suche nach materiellen Schätzen und Mitläuferei behangen. Adjuna war ein so ganz anderer Sucher als die 49er.
Nicht weit von El Paso ein neuer Superlativ, Fort Bliss, bliss, engl. = Freude, Entzücken, Wonne. Diese wonnige Festung beherbergte die größte Luftabwehr-Lehranstalt der Freien Welt, welcher Planet auch immer damit gemeint sein mochte.
Adjunas Konvoi zog vorbei, hielt aber beim Tigua-Pueblo, wo die Indianer noch mit Pfeilen schossen, jedenfalls für Touristen.
Zu gucken kostet.
Adjuna juckte es in den Fingern, als er den mit Federn geschmückten Krieger mit stolzer Miene auf eine Zielscheibe anlegen sah, die nur wenige Katzensprünge entfernt war. Das Publikum war begeistert, weil er mit jedem Schuß die Scheibe traf. Adjuna aber ärgerte sich über den Stümper, weil er nie ins Schwarze traf. "Verdammt, mein eigener Bogen rostet mir noch, wenn ich ihn nicht benutze!" Und seine Hand zuckte zum Köcher und riß in schneller Folge die Pfeile heraus, und die Pfeile sausten über die Köpfe der Touristen, und ein jeder Pfeil zerschnitt einen Pfeil des Indianers. Ein Raunen ging durch die Touristenschar. Bewunderung. Ein Held. Ein Übermensch. Es war wie im Film.
Adjuna war zufrieden mit sich. Er war noch so gut wie früher.
Von der pockennarbigen Zielscheibe des Indianers war es nur ein Katzensprung bis zur pockennarbigen Oberfläche der Weißen Wüste. Die Straße von Alamogordo führte direkt drauf zu. Die Straße nach Alamogordo war die Straße, die die Menschheit fortan gehen mußte, die Straße, auf der sie nie wieder umkehren konnte, die Straße des Erfolgs, die Straße zum erfolgreichen Bau der Atombombe und zum Ende der Unsterblichkeit. In Alamogordo hatte sich das Leben selbst überlistet, seinen Untergang eingeleitet, die erste Pocke dieser fatalen Krankheit, hier war sie aufgebrochen in der weißen Gipsdünenlandschaft umrahmt von regenbogenbunten Bergreihen. Es war am 16. Juli 1945 gewesen. Das atomare Feuer wurde dann schnell nach Japan getragen, wo es zwei Städte auslöschte. Beim Abwurf über Hiroshima starben 80 000 Menschen sofort, und fünfzig Jahre später starben noch immer Leute an den Spätschäden. Aber wenn die Japaner auch ihre Toten beklagen mochten, diese Bomben auf Hiroshima und Nagasaki hatten vielen das Leben gerettet. Denn wären sie nicht geworfen worden, hätte es einen Endkampf gegeben um jede Stadt, um jedes Dorf und um jedes Reisfeld. Es war einmalig in der Geschichte der Menschheit, daß ein Gegner plötzlich über eine so überlegene Waffe verfügte, daß Gegenwehr keinerlei Sinn mehr hatte.
Diese Bomben waren also ein wirklicher Segen gewesen.
Die Deutschen konnten es nur bedauern, daß die Bomben nicht schon ein Jahr früher fertig gewesen waren. "Ach, was sag' ich, ein Jahr, mehrere Jahre, je früher desto besser." Hätte man sie rechtzeitig zum Beispiel auf Kiel und Bremen oder selbst Hamburg und Berlin geworfen, wieviel mehr Menschen wären am Leben geblieben, aber so hatten sogar noch die Kinder die letzten Häuser, die letzten Haustrümmer verteidigen müssen.
Nach den Bombenabwürfen auf die japanischen Hafenstädte gab es eine lange Pause. Die Menschheit mußte erst die Reife finden, das Begreifen lernen, - daß man Menschen nicht mehr einzeln aufzuspießen brauchte, sondern flächenmäßig vernichten konnte, städteweise, völkerweise, die ganze Spezies und die anderen mit. Man baute immer größere Bomben, tausendmal stärkere, zweitausendmal stärkere, dreitausendmal stärkere, vier..., aber man zögerte, sie einzusetzen. Umbringen erfolgte noch lange Zeit mühsam und in kleinen Schritten, man konnte einfach nicht den ganz großen, erhabenen Grund finden, um loszuschlagen, loszubrennen mit dem atomaren Feuer, als ob das Dasein des Menschen nicht genug Grund war. Man suchte und suchte nach einem besseren Grund. Irgendwann sollte man ihn finden in der Form des Gottes, in der Religion; menschliche Ideologien und Gedankenwelten reichten nicht aus für den ganz großen Knall, nur Übermenschliches konnte da zünden. Der Mensch sah nicht, daß er nichts wert war. Nur wenn er sich Gott vorstellte, kam er sich nichtig genug vor, um sich zu vernichten. Er brauchte den Umweg, nur einige wenige waren ehrlich. Selbstmörder.
Leere Wüstenräume wurden vorher noch oft aufgerissen, atomares Feuer verpulvert, viele Pocken entstanden da, wo sie nicht töteten. Hätte man damals die ganze Menschheit aufrechtstehend unter einem atomaren Sprengkopf zusammenrücken lassen, hätten die anderen Spezies noch lange weitergelebt.
Und weiter ging die Reise durch New Mexiko und Arizona, durch Canyons und über Bergpässe, durch Mountains und über intermontane Plateaus, the Mexican Highland und die Gila Wüste, durch Salzflüsse und Salzbecken. An Yuccapflanzen mit spindeldürren Blütenrispen ging es vorbei, durch trockene Strauchsteppen mit Stachelpflanzen, Riesenkakteen, Mesquite- und Kreososträuchern, in denen die Schwarze Witwe ihre schlauchförmigen Netze geflochten hatte. Ein Witzbold aus Adjunas Mannschaft meinte, der rotgelde Fleck am Hintern der Spinnenwitwe wäre ein gutes Ziel für Schießübungen. Tatsächlich ballerten einige los. "Ein makaberes Spinnenmonster." "Das Biest bringt ihren Mann in der Hochzeitsnacht um." "Selbst für Menschen soll ihr Biß tödlich sein." Adjunas Freunde brauchten viel Munition, ehe ein Schuß traf und tödlich war. So schlechte Schützen waren sie. Inter-Spezies-Solitarität, so etwas gab es nicht. Gab es nicht?
Manchmal schossen sie sich ein Dickhornschaf oder einen Maultierhirsch, die sie dann am Lagerfeuer brieten. Es gab auch zahlreiche Schlangen. Aber nur Adjuna schoß sie sich und aß sie wie eine Delikatesse. Wenn sie in Ortschaften kamen, gab es Tortillas, salsa picante und Bohnen aus der mexikanischen Küche, ab und zu gab es auch mal einen Berberhammel am Spieß.
Der spanisch-mexikanische Einfluß wurde immer größer. Englisch wurde nicht mehr verstanden. Adjunas Freunde mußten sich immer öfter sagen lassen, daß sie Gringos seien. Und es hörte sich an, als sei da ein Greenhorn, ein Grünschnabel, Gimpel, Strohkopf und Nichtswisser, ein unverständiger Mensch, mit gemeint. Und tatsächlich gab es vieles, was sie nicht verstanden. Sie sprachen kein Spanisch und es gab nur wenige Wörter, die ihnen jetzt nicht spanisch vorkamen, Gringo war eins davon, aber sie wußten nicht, daß das Wort vom spanischen Adjektiv `griego' abgeleitet worden war, das `griechisch' hieß, denn auch den Einheimlichen waren die Fremdlinge unverständlich, sie kamen ihnen so zu sagen spanisch vor, in Shakespeares Originalton: They were Greek to them. Was ihnen besonders unverständlich war, war die Eile der Fremdlinge. Mañana war ihre Antwort darauf.
Mañana, mañana.
Mañana, das war das andere Wort, das unsere Freunde sofort verstanden, ohne Adjuna extra um Übersetzung zu bitten. Mañana hörten sie immer wieder; ob sie nun einen Reifen gewechselt haben wollten oder Schuhe besohlt, immer war die Antwort: Mañana.
Zwischen Siesta und abendlicher Fiesta war einfach zu wenig Zeit und morgens tat fast immer der Kopf weh vom Vino des Vortags und die Sonne schien auch immer so heiß. So blieb es bei Mañana.
Bloß die Freunde hatten in der Wüste die
Pocken einer beginnenden Krankheit besichtigt und machten sich
Sorgen, daß es kein Mañana mehr gab, die atomare Pestilenz
ihnen die Zukunft wegfraß. Sie waren Mensch genug, zu glauben,
das sei ein Verlust, Mensch genug, an den Menschen zu glauben,
aber das war zu wenig, Speziesegoismus, sie waren wenig, sie
waren gering, aber die besten, die Adjuna hatte finden können.
Als Fernando Cortez 1519 mit einer kleinen Flotte von Kuba nach Westen aufbrach, seiner Spürnase für Gold folgend, stieß er auf ein Land, das er spontan Nueva España nannte, Neu-Spanien. Seine Spürnase trieb ihn die Gebirgswände hoch und nach einem anstrengenden Marsch lag vor ihm im Tal die größte Stadt der Welt, die Millionenstadt Tenochtitlán. Noch nie hatten die spanischen Ritter soviel Pracht gesehen, Tempelpyramiden, Paläste, Türme, überall glitzerte Gold, funkelten Edelsteine.
Cortez riskierte alles, um diese Stadt zu besitzen. Er zerstörte sogar seine eigenen Schiffe, damit es kein Zurück mehr gab, sondern nur noch ein Vorwärts zum Gold. Er hatte Glück. Es dauerte keine zwei Jahre, die eingeschleppten Pocken zermürbten den Kampfwillen der Bevölkerung und die Stadt wurde sein, viel mehr die Ruinen der Stadt. Cortez zerstörte die Stadt restlos und raubte alle Schätze. Auf den Ruinen baute er seine neue Stadt: Mexiko.
Es war dieses unglaubliche Ereignis, daß die spanischen Konquistadoren antrieb, sie immer wieder weiter und weiter trieb: Vielleicht lag schon hinter den nächsten Bergen neuer, unermeßlicher Reichtum. Jede Legende, jede Andeutung ließ sie gleich loshecheln.
1539 war Bruder Marcos, ein Franziskaner, mit wenigen Begleitern darunter einem Schwarzen auf Seelensuche für die allerchristlichste Kirche. Er war in Cíbola, das später nach dem alten Wunschtraum Neu-Mexiko genannt wurde. Dort sah er eine riesige Stadt, eine glänzende Stadt, Hawikúh; vielleicht glänzte sie in der Sonne, jedenfalls nicht von Gold. Der allerchristlichste Missionar wagte sich aber nicht dicht genug heran, sondern sah die Stadt nur von weitem. Mutig pflanzte er in aller Heimlichkeit ein Kreuz und nahm das Land für seinen König in Anspruch.
Seinen schwarzen Begleiter hatte er mit einigen Indianergetreuen in die Stadt Hawikúh geschickt, und die hatten bei ihrer Rückkehr berichtet, daß die Bevölkerung den Schwarzen getötet hatte, wahrscheinlich weil sie ihn für einen Teufel hielt. Da hatte sich Fray Marcos gedacht: Wenn die in einem Schwarzen einen Fray Diablo sehen und ihn töten, vielleicht töten sie auch mich.
Für die Bevölkerung des Amerikanischen Kontinents hätte es sich natürlich gelohnt, rechtzeitig so viele wie möglich von den weißen Teufeln zu töten. Aber im Nachhinein schlau sein, war leicht.
Auf jeden Fall lief Bruder Marcos schnell zurück nach Ciudad de Mexiko, also Mexiko-City, und erzählte von der großen, prächtigen Stadt, die er gesehen hatte, und daß es nur die erste von sieben prächtigen Städten sein sollte.
Das war dem Gobernador genug, um gleich eine Militärexpedition von 300 Mann loszuschicken.
Die Teilnehmer dieser Expedition erlebten aber eine große Enttäuschung, als sich herausstellte, daß Hawikúh keine goldene Stadt war, sondern nur ein sechsstöckiges Dorf aus Lehm und Ziegeln, die restlichen fünf der angeblich sieben Zuñi-Städte, in Wirklichkeit waren es bloß sechs - eine Zahl so ganz ohne Magie -, waren noch ärmlicher.
Wenn der bleiche Mörtel jener hohen Wände je golden geglänzt hatte, dann war dafür entweder die Goldgier, das Wunschdenken, des Beschauers oder der Schein der untergehenden Sonne verantwortlich gewesen; beides Dinge, die in der materiellen Welt der frommen Spanier wertlos waren.
Die Spanier trieben sich noch ein bißchen in der Gegend herum, entdeckten den Grand Canyon und am oberen Lauf des Rio Grande noch zwölf weitere Tiwas oder Pueblos, Dörfer, wie sie diese Termitenbauten nicht unähnlichen Lehmhochhäuser mit Einstieg vom Dach nannten.
Von den Bewohner verlangten die Spanier Proviant, wenn sie ihnen schon kein Gold wegnehmen konnten; als es kälter wurde, brauchten sie auch noch Decken; als es dann ganz kalt wurde, verlangten die Spanier, daß man für sie ein Pueblo räume. Die Indianer lehnten sich dagegen auf. Die Spanier zerstörten zwei Pueblos, töteten ein paar oder ein paar hundert Dorfbewohner, bevor sie in einem dritten Pueblo wohnen durften. Die bedrängte Bevölkerung suchte jetzt Schutz bei den Göttern, die auf dem nahen Oku Piñ, dem südlichen Weltberg, wohnten. Mutter Wind und die Spinnenfrau schickten ihnen einen Indianer aus der großen Prärie: einen großen Lügenerzähler. Die Spanier waren sofort begeistert und folgten seinen Lügen und die Pueblobevölkerung hatte endlich wieder ihre Ruhe.
Vierzig Jahre lang hatte sie Ruhe. In der Zwischenzeit hatten die Spanier der mexikanischen Urbevölkerung alles Gold und Edelmetall geraubt und waren selbst daran gegangen, zu schürfen und Stollen in den Berg zu treiben, treiben zu lassen.
Chihuahua erlebte einen Silberboom, immer mehr Prospektoren kamen ins Land und wurden reich. Einige alte Männer, Teilnehmer der ersten Expedition an den Rio Grande, erinnerten sich, daß die Berge, die sie damals gesehen hatten, genauso ausahen, wie die Sierras von Chihuahua. So trat Neu-Mexiko wieder in das Blickfeld der Spanier. In den 90er Jahren des 16. Jahrnunderts gab es zwei wilde Expeditionen ins Land der Pueblos. Aber dem spanischen König waren Eigenmächtigkeiten mittlerweile zu unheimlich geworden. Wer sich nicht durch seine bürokratischen Mühlen drehen ließ, mußte bestraft werden. Der Anführer der ersten Expedition wurde von spanischen Soldaten aufgebracht und in Eisen gelegt, die zweite Expedition kam weiter, viel weiter, zu weit, nämlich dahin, von wo es kein Zurück mehr gab.
Spanien hatte seit Kolumbus eine große Wandlung durchgemacht. Abenteurer wie Cortez hatte für sich und die spanische Krone ein Riesenreich zusammengeraubt, megalomanische Zerstörungen und Gemetzel angerichtet. Ein bißchen meldete sich beim spanischen König vielleicht das Gewissen, ein schlechtes Gewissen, vielleicht auch bei der spanischen Öffentlichkeit. Das Wort conquest hatte einen anrüchigen Klang angenommen und wurde deshalb damals immer häufiger durch das Wort pacification ersetzt. 400 Jahre vor Vietnam!
Pacification hieß Befriedung, und da der König meinte, daß Entdeckungsreisen zu wichtig waren, um von Glücksrittern und Leuten, die königliche Gesetze mißachteten, durchgeführt zu werden, schickte er 1598 einen Mann, der gründlich durch alle staatlichen Mühlen gedreht worden war, los. Dieser offizielle Friedensstifter hieß Don Juan de Oñate. Er sollte den Einheimischen die gütige Hand des Königs nahebringen. Mit den wilden Gemetzeln sollte ein für alle mal Schluß sein.
Oñate wurden die Titel gobernador, adelantado und captano-generalissimo verliehen, außerdem wurde er ermahnt, daß das Hauptanliegen der Expedition sei, das gute Werk der christlichen Kirche zu verbreiten, und tatsächlich sollte Oñate viel mit Patern kniend auf Wüstenböden herumrutschen, da die Verzweiflung oft sehr groß war auf seiner Expedition.
Schließlich fanden sie ein Pueblo. Die Bewohner schienen freundlich zu sein. Und in nur vierzehn Tagen hatten die Spanier ihre erste Kirche gebaut. Das Indianerdorf erhielt den Namen San Juan. In der Nähe errichteten die Spanier ihre eigene Stadt San Gabriel und erklärten sie zur Hauptstadt von Neu-Mexiko.
Nicht alle Indianerdörfer zeigten hospitalidad. Einige zeigten hostilidad. Die Acomas revoltierten und brachten damit die ganz Kolonie in Gefahr. Die Spaniern setzten deshalb alles daran, das Pueblo der Acomas, das sich wie eine mittelalterliche Burgfestung auf einem steilen Felsen befand, zu erobern. Eiserner Wille, glänzende Blechhemden und Arkebusen ermöglichten den Sieg, die Befriedung der aufständischen Bevölkerung.
Oñate zeigte jetzt, daß er den Wunsch seines Königs respektierte, und ließ einige Dorfbewohner das Gemetzel überleben. Die Gefangenen stellte er dann vor ein ordentliches Gericht, dessen Vorsitz er führte. Obwohl er die Angeklagten für schuldig befand am Mord seines Neffen und dessen Begleiter, verurteilte er nicht einen einzigen Acoma zum Tode. Sein gnädiges Urteil fiel folgendermaßen aus: Allen männlichen Acomas über 25 sollte ein Fuß abgehackt werden, außerdem sollten sie 20 Jahre Sklavendienste leisten, alle jungen Männer zwischen 12 und 25 sollten lediglich 20 Jahre Sklavendienste leisten, alle Frauen über zwölf sollten ebenfalls 20 Jahre dienen, die 60 Mädchen unter zwölf sollten nach Mexiko in ein Kloster geschickt werden und nie wieder zurückkommen, den Hopi-Indianern, die man in Acoma-Dorf gefangen hatte, sollte lediglich eine Hand abgehackt werden und dann sollte ihnen sofort die Freiheit geschenkt werden, damit sie in ihre Dörfer zurückkehren und von den Spaniern erzählen konnten.
Das Urteil wurde vollstreckt, das Land war befriedet, die Spanier befriedigt.
Im befriedeten Land wurden von den Spaniern ordentliche Verhältnisse geschaffen. Die Encomienda, ein Besteuerungssystem, wurde eingeführt: Indianische Haushalte mußten mit Naturalien, Mais und anderen landwirtschaftlichen Produkten - sie bauten über siebzig zum Teil sehr schmackhafte Gemüse- und Heilpflanzen an - die Ernährung der Spanier sichern, außerdem hatten sie eine bestimmte Anzahl von Baumwolldecken zu liefern. Und noch eine weitere Sache hatten der Gobernador eingeführt, um die Indianer vor der Willkür einzelner Spanier zu schützen, nämlich den Repartimiento, eine Art Arbeitsdienst, als ob die Indianer nicht genug Arbeit hatten. Das Repartimiento-System verpflichtete spanische Landbesitzer, wenn sie ihre Felder bearbeitet haben wollten, erst einen Antrag beim Gobernador zu stellen. Die Spanier betrachteten sich als Edelleute, viele waren auch wirklich Hidalgo, hijos de algo, Söhne von Etwas, Dons, Kümmeradel; es war unter ihrer Würde, sich die Finger schmutzig zu machen.
Diese geordneten Verhältnisse machten die Indianer aber nicht glücklich. Die Ernten der weißen Edelleute fiel in die gleiche Zeit wie die Ernte auf den eigenen Feldern, und wenn man selbst nichts erntete, konnte man sich nur schlecht ernähren und auch die Encomienda nicht leisten usw. Und alle Arbeiten wurden jetzt mit einer bisher unbekannten Freudlosigkeit gemacht, mußten so gemacht werden, weil die Spanier sonst sofort eine Art von Faulheit und Drückebergerei vermuteten.
Auch die vielen Missionare fanden eine Unmenge Arbeit für die einheimische Bevölkerung und besonders in ihrem Dienste durfte kein bißchen Freude über das Gesicht huschen. Riesige Kirchen mußten gebaut werden und Gemeindehäuser, Christus-Statuen geschnitzt, Vorgärten angelegt, Fußböden gescheuert, Fenster geputzt, Latein gepaukt, Psalme gelernt, fromme Gesänge eingeübt, religiöses Theaterchen mußte gespielt werden, richtige Aufführungen mit Jesus und Maria und so, außerdem mußten die frommen Patres bekocht und bedient werden und an allen Gottesdiensten mußte teilgenommen werden, von Anfang bis Ende, Introitus, Begrüßung, Schuldbekenntnis, Gloria, Tagesgebet, Pater noster, Vaterunser, Bibellesung in Latein, Evangelium, Homilie, Predigt, Credo, Fürbitten, Abbitten, Litaneien, Litaneien, Flehgebete, Vorbeten, Nachbeten, Epistel, Graduale, Lobpreisungen, Alleluja, Offertorium, Bereitung der Gaben, Gabengebet, Präfation, Sanctus, Hymnus Seraphicus, Hosianna, Hochgebet mit Wandlungsworten, Fürbitten für die Lebenden und die Toten, Vaterunser Friedensgruß Kommunion Brotnehmendanken BrotbrechendarreichenindenMundnehmenKelchnehmendankendarreichenanMundsetzenkippengießenschluckennichtschmatzennichtMundabwischenheiligesGesöff Gloriainexelsisdddeooooffertoriumsssanctusagnus-
deiiiiiaaaaah... bei Einschlafen Prügelstrafen ...Entlassung mit Segen. Dann wieder ran an die Sklavenarbeit!
Zu den idiotischeren Jobs gehörten die der Küster, Glockenläuter und Sänftenträger - einige der heroischen Kämpfer im Namen Jesu, die einst ein halbes Jahr unter größten Entbehrungen durch die Wüste geritten waren, waren mittlerweile so verfettet, daß sie kaum noch auf ihren eigenen Beinen stehen konnten. Aber den allerekligsten Job hatten wohl die Fiscales. Das waren Indianer, die von den Missionaren die Aufgabe bekommen hatten, dafür zu sorgen, daß die indianische Bevölkerung 100%ig an den vielen Gottesdiensten teilnahm. Vernachlässigungen wurden von den Missionaren strengstens bestraft.
Trotz des Gobernadors Bemühen, Ordnung zu schaffen, gab es aber noch Bereiche, in denen sich keine Ordnung schaffen ließ, ein solcher Bereich war das Gefühlsleben, Liebe zu den Spaniern ließ sich einfach nicht verordnen, ein anderer Bereich war das Triebleben, das machte besondern den vielen spanischen Edelmännern zu schaffen, nicht ausgelastet durch körperliche Arbeit waren sie in einer prekären Situation, spanische Edelfrauen gab es zu wenige und die wenigen waren auch noch meist zu edel, da mußten sie sich an den indianischen Frauen vergreifen. Leider mochten die indianischen Männer es genauso wenig wie spanische Männer, wenn man ihren Frauen das antat, und sie hätten von dem spanischen Vergewaltigern auch sofort auf dem Feld der Ehre Genugtuung verlangt, wenn nicht ein solcher Vorschlag zum Duell sofort mit dem Tode geahndet worden wäre. So kochte der Haß nur im Inneren. Mit den Patres gab es zum Glück nicht solche Probleme. Sie fanden Befriedigung beim Auspeitschen unfügiger Schäfchen, und dabei überwogen die männlichen Opfer, wie es unter Brüdern üblich war.
Der Stock diente den frommen Patres aber nicht nur für Prügel- und Prangerstrafen, sondern, nachdem sie herausgefunden hatten, daß sie ihren neuen Schäfchen keine größere Schande antun konnten, als die Haare abzuschneiden, auch noch für Scherstrafen.
Soweit überliefert wurde, gaben sich die Patres mit dem Scheren des Kopfhaares zufrieden. Inwieweit das ihre sexuellen Bedürfnisse befriedigte, wurde nicht überliefert. Überliefert wurde jedoch, daß die Geschorenen oft verzweifelt in die Berge liefen oder gar Selbstmord begingen.
Den Patres gelang es also letztendlich die Pueblos von der Wichtigkeit der Gottesdienstteilnahme und der anderen religiösen Gebräuche zu überzeugen, was ihnen nicht gelang, war, die Pueblos vom Unsinn ihrer eigenen, heidnischen Religion zu überzeugen. Die Pueblo-Indianer wollten immer wieder ihrem Bedürfnis, maskiert auf den Dorfplätzen herumzuhopsentanzen, nachgehen. Und als es dafür Prügelstrafen setzte, verzogen sie sich lediglich in ihre Kivas, ihre heidnischen Zeremonienkammern, und gingen dort ihrem schändlichen Treiben nach und wollten nicht aufhören mit ihrem heidnischen Tun.
Die Patres wußten lange Zeit nichts davon, da der Zugang zu den Kammern wie der Zugang zum Pueblo überhaupt äußerst beschwerlich war, nämlich über Leitern mußte man erst außen sechs Stockwerke hoch bis zum Dach steigen, um dann durch eine Luke im Inneren wieder einige Stockwerke hinunterzuklettern. Aber als die Patres herausgefunden hatten, daß der Teufel weiterhin angebetet wurde, war ihre Engelsgeduld am Ende. Sie zerstörten die Moscheen, wie sie die Kivas der Pueblos in Erinnerung an die maurischen Kriege, bei denen die Zerstörung heidnischer Gotteshäuser ja schon gerechtfertigt worden war, nannten. Die Pueblos bauten daraufhin neue Kivas in den Untergeschossen ihrer Hochhäuser. Als die frommen Patres auch das herausfanden, wurden sie noch ärgerlicher und hängten und folterten (oder umgekehrt) die heidnischen Priester wie einst Karl der Große, als er ein christliches Abendland schuf, was auch damals schon nur mit Repressalien klappte.
Die Spanier in ihrem großen Altruismus, in ihrer großen Selbstlosigkeit, brachten den Pueblos also den christlichen Gott der Liebe immer näher und dachten gar nicht daran, daß sie selbst auch Liebe nötig hatten, geliebt werden mußten. Wie hieß doch das fromme Geschwätz: Der Mensch lebt nicht von Brot allein - und von Religion schon gar nicht -; er braucht auch Liebe.
Die heiligen Fetische der Pueblos waren zerstört worden, und die Spanier paßten wie die Schießhunde auf, daß kein Indianer eine Maske aufsetzte oder Gebetsfedern in die Hand nahm oder eine Geste aus dem Ritenkanon der alten Religion machte oder Pohé-Yemo, den Lichtbringer dieses dunklen Irrglaubens, anrief, dem der Teufel gotteslästerlicherweise eine entfernte Ähnlichkeit mit dem christlichen Lichtbringer J. C. gegeben hatte.
Machten die Indianer doch etwas Ketzerisches, dann heizte man ihnen ein, wie die frommen Helden der heiligen Inquisition es in Europa taten mit den Ketzern und Juden und Hexen. Feuerholz sammeln und vieles mehr, das alles taten die Spanier für ihren Gott. Und wie zeigte er sich erkenntlich? Überhaupt nicht.
Es kam eine große Trockenheit übers Land. Wenn man den spanischen Berichterstattern Glauben schenkte, lagen die indianischen Leichen in den 70er Jahren des 17. Jahrhunderts nur so herum. Die Not war groß und die spanischen Edelleute erlaubten nicht, daß ihre Rationen gekürzt wurden. Sie nannten es Notwehr, denn es wehrte ihre Not ab. Natürlich rutschten sie mal in der Kirche auf den Knien herum und baten um Regen. Aber diese Art von Regenmachen funktionierte nicht. Und die Not hielt an.
Die Indianer aber kannten den Grund der großen Trockenheit. Sie war gekommen, weil die Franziskaner den Regentanz, das wichtigste Ritual für das Regenmachen, als heidnischen Zauber verboten hatten.
Es war Popé, ein entkommener Häftling, eigentlich ein junger, starker Mann, aber völlig vernarbt, da die Patres ihn der Folter unterzogen hatten, dem es gelang, die einzelnen Pueblos für einen Aufstand gegen die Spanier zu einen. 1680 erhoben sich in ganz Neu-Mexiko die Pueblos. Ihre Wut war riesig. Endlich konnten sie sich revanchieren.
In Spanien, da flammten noch die Autodafés und lobte man noch den Herrn, aber hier in Neu-Mexiko, da fackelte man die christlichen Kirchen ab, und wenn man sie faßte, die Priester gleich mit. Aber auch viele andere Spanier fanden den Tod.
Die Überlebenden flüchteten in den Presidio des Gobernadors, der befestigt war. Die Indianer zerstörten den umliegenden Ort Santa Fe. Nach neun Tagen hatte ihr Enthusiasmus schon mächtig nachgelassen. Sie hatten den Krieg gewonnen und waren zufrieden. Als der Governador mit den übriggebliebenen Spaniern aus seinem Fort floh, um sich nach Mexiko abzusetzen, zeigte sich, daß die Indianer nichts von der spanischen Hartnäckigkeit übernommen hatten: Statt die Fliehenden abzumetzeln, ließen sie sie ziehen.
Dabei hatten sie mehr Tote zu beklagen als die Spanier, wie überall wo sich Einheimische gegen Weiße auflehnten, selbst als Siegreiche mußten sie mehr zahlen als die Besiegten, wie in Vietman so auch schon hier. Ein Angiff auf den hilflos fliehenden Gobernador und sein Trüppchen hätte die Zahlungsbilanz aber ein bißchen ausgleichen können. Versäumt war versäumt.
Die Pueblos erlebten eine Renaissance. Popé wurde ihr oberster Medizinmann. Die alten Riten wurden wieder eingeführt, auch der Regentanz, und es regnete wieder. Popé schickte alle an den Fluß, damit sie sich mit dem Seifenkraut die Taufe abwuschen. Nachdem dieser Dreck ab war, verheiratete man die Ehepaare, die nur nach christlichem Zeremoniell getraut worden waren, neu. Alles, was an die verhaßten Spanier erinnerte, vernichtete man: Kleidungen, Rüstungen, Waffen, selbst so gute Waffen wie den spanischen Harquebus, und selbst die unschuldigen Obstbäumchen riß man aus. Ja, selbst die Benutzung des Rades wurde vom Medizinmann verboten. Aber man merkte schnell, was für eine Plackerei es war, Lasten ohne Hilfe von Rädern zu transportieren, so daß man die Rücknahme der Erfindung des Rades, wieder rückgängig machte.
Eigentlich war das Rad für die Indianer gar keine Erfindung, sondern eine Entdeckung, die sie in den Händen der Weißen gemacht hatten. Weder Erfindungen noch Entdeckungen ließen sich ungeschehen machen; das galt für Amerika ebenso wie für die Atombombe; groß war die Angst vor dem Tod und manch einer hätte den Göttern gern das atomare Feuer zurückgeben, aber das ging nicht, das letzte große Autodafé war so gewiß wie der individuelle Tod, ...es sei denn, es gelänge mit Hilfe von Genmanipulation den Menschen ihre Aggressionen zu nehmen und die Dummheit gleich mit. Aber schon schrien die Christen angesichts dieses großen Segens für die Menschheit, schrill schrieen sie: "Der letzte, große Frevel an der Schöpfung Gottes die Züchtung des seelenlosen Menschen!" Bei einem Menschen ohne Seele könnten sie keine Seele mehr retten, was die Religion überflüssig machen würde. Daß die Religion überwunden würde, war natürlich die andere, große Voraussetzung für das Überleben. "Wollen wir hoffen, daß es den Religiösen genauso wenig gelingt, die Kunst des Genhandwerkers zu vernichten, wie Popé die des Stellmachers", kommentierte Adjuna die
Situation.
Amerika blieb entdeckt und die Pueblos blieben es auch und die Räder rollten weiter.
Der Gobernador der Provincia hatte sich nach El Paso zurückgezogen, wo er eine Exilregierung gründete und abwartete.
Die Missionare, die die Revolte überlebt hatten, ließen ihre Zuhörer wissen, daß der Tod der 400 Spanier nicht das wirklich Traurige am Aufstand gewesen sei, sondern die vielen tausend indianischen Seelen, die durch den Rückfall ins Heidentum jetzt für immer verloren seien. Und man verdammte die Dummheit der Indianer. Sie hatten sich vom Teufel verführen lassen.
Irgendwann setzte Spanien einen neuen Governador für Neu-Mexiko ein. Er wurde mit der Reconquista beauftragt. Reconquista, was für ein schönes Wort! Es erinnerte an die Befreiung Spaniens vom heidnischen Joch der Mauren. Die wirkliche Reconquista hatte in Neu-Mexiko natürlich schon stattgefunden, als die Pueblos das Land für sich zurückeroberten, aber das wußten die Spanier nicht, weil sie es nicht sehen konnten. Sie sahen nur sich.
1693 war die zweite Reconquista abgeschlossen. Gobernador Diego de Vargas Zapata Juan de Leon hatte Neu-Mexiko zurückerobert. Um sich Ärger zu ersparen, vermied er es, zu streng zu sein. Er war auch der erste Governador, der einsah, daß die Pueblo-Indianer keine Lust hatten, den christlichen Pfad zu trampeln. Er ließ daher die neugeschmückten Kivas in Ruhe, unberührt.
Am bemerkenswertesten hatte sich der spanische Einfluß auf die Bevölkerung der Pueblos des 17. Jahrhunderts in der Bevölkerungszahl gezeigt. Sie sank von etwa 50 000 bei der ersten Begegnung mit Spaniern auf etwa 15 000 zur Jahrhundertwende, obwohl die Spanier keine Ausrottungspolitik wie die puritanischen Engländer in New England verfolgten.
Wie sich Neuengland von der Kolonialmacht England befreite, so befreite sich auch Neuspanien von Spanien. Mehrere Anläufe waren nötig. 1810 versuchte es Hidalgo y Costilla, erschossen, 1815 Morelos y Pavón, erschossen, erst 1822 gelang dem kreolischen Offizier de Itúrbide der Sieg der Freiheitsbewegung. Aus Neuspanien wurde Mexiko, Neumexiko blieb Neumexiko.
De Itúrbide ließ sich gleich zum Kaiser auf Lebenszeit krönen. Er hatte eine mächtige Soldateska im Hintergrund. Aber schon 1823, obwohl sein Leben noch gar nicht zu Ende war, hatte Mexiko keinen Kaiser mehr.
1824 gab sich Mexiko eine republikanische Verfassung. Es gab sich in den nächsten Jahrzehnten noch öfter Verfassungen, aber die Bevölkerung wurde davon nicht satt. Auch die Regierungen wechselten sehr oft. Bis die Nachricht von der neuen Regierung in Neu-Mexiko ankam, hatte man in der Hauptstadt oft schon wieder eine neue Regierung. Bis zum Jahre 1846 waren es mehr als zwei Dutzend.
Im Jahre 1846 überfielen dann die USA Neumexiko, um den Neumexikanern den Segen der Demokratie zu bringen, Demokratie nordamerikanischer Prägung. Dazu gehörte die Liberalisierung oder besser Legalisierung der Sklaverei - Sklaverei war bisher verboten gewesen -, sowie die Aufhebung vieler Beschränkungen, Restriktionen, besonders des Handels mit dem Norden und des Geld- und Goldflusses, abflusses, außerdem wurden den Pueblo-Indianern die Bürgerrechte entzogen; sie galten seit der Reconquista als gleichberechtigte Bürger, bzw. Untertanen; die Yankees wollten einfach nicht einsehen, warum man gerade den Pueblo-Indianern eine Extrawurscht braten sollte, die anderen Indianer waren ja auch rechtlos. Gleichheit war eines ihrer Grundsätze.
Aber die Yankees eroberten nicht nur das Land, sie nahmen den Neumexikanern auch die Sorgen der Verwaltung, des Handels und der Wirtschaft, des Bankwesens etc. ab. In der Folge verarmte allerdings die alte Oberschicht. Dafür gab es aber auch eine Menge Neureiche. Die Armen blieben natürlich arm, bloß die Indianer, die wurden noch viel ärmer.
1912 kam der große Augenblick. Neumexiko wurde als 47. Staat in die Union aufgenommen. Man hatte 66 Jahre warten und Neumexiko wie eine Kolonie behandeln müssen, weil solange die Yankee-Bevölkerung nicht stark genug war, um bei einer demokratischen Wahl zu garantieren, daß der Staat eine weiße Regierung bekam. Hispanier galten zwar offiziell als Weiße, aber wenn man genau hinsah - und das taten die Yankees, ihre Haut war doch ziemlich braun.
1922 kam es zu einem dramatischen Ereignis. Das Pueblo Tesuque, acht Meilen nördlich von Santa Fe, schloß seine Tore und trat in den Hungerstreik. Man wollte bis zum Tode hungern.
Die Weißen hatten die alten Landrechte, die den Indianern von den Spaniern zugesichert worden waren, nicht beachtet, immer mehr Indianerland hatten sie sich illegalerweise angeeignet. Zwar gab es damals schon Indianerreservationen, denn auch bei den Yankees hatte das Gewissen, wenn auch leise nur, angefangen zu ticken, und solche Reservationen wurden sogar von Regierungstruppen geschützt, aber von den Pueblos erwartete man Selbstschutz, was man mit ihrer hohen kulturellen Überlegenheit begründete. Es mochte ja sein, daß sie kulturell den Yankees überlegen waren, aber machtpolitisch gesehen konnten sie gegen die illegale Wegnahme ihres Landes wenig ausrichten, scheuchen, schießen, prozessieren, lange Gesichter machen, Rechtsanwälte bezahlen.
Jetzt hatte der neumexikanische Senator Holm O. Bursum klammheimlich in Washington einen Gesetzentwurf eingebracht, der all diese Landstreitigkeiten zu Gunsten der Weißen entschieden hätte, und außerdem noch staatliche Eingriffe in innerpueblische Angelegenheiten ermöglicht hätte. Da zwar die weißen Landdiebe, aber nicht die indianischen Landbesitzer das Wahlrecht besaßen, zeugte dies von großer, politischer Klugheit. Leider machten ihm Künstler einen Strich durch die Rechnung. Jawohl, Künstler. Viele Künstler, Maler, Schriftsteller, Komponisten, hatten sich in Neumexiko niedergelassen. Neumexiko, the Land of Enchantment, das Märchenland der Verzauberung. Sie liebten das Land und seine Urbevölkerung und fanden hier Inspirationen.
Als sie von der Bursum Bill vernahmen,
schreckten sie aus ihren Träumen auf und weckten auch die
amerikanische Öffentlichkeit. Der Gesetzentwurf wurde auf den
Mist geschmissen. Diesmal hatte die Demokratie nicht zu Gunsten
reicher Yankees funktioniert.
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