Manchmal begegnete er Karawanen, neugierig kam er jedesmal herunter mit der Hoffnung, stolzen Menschen zu begegnen, in deren Mitte er hätte aufwachsen wollen. Aber immer wieder flog er aufgeschreckt und angewidert davon, wenn sie sich in den Staub der Wüste warfen, um einem Gott zu gefallen. Und wenn er die Leute von ihrem Gott erzählen hörte, dann dachte er, gäbe es einen solchen Gott, der alles kann und nichts tut, nichts, um die Leiden zu mindern, sondern im Gegenteil, dem der natürliche Tod und die natürliche Qual der Krankheit nicht genug ist, und der daher noch den unnatürlichen, Menschen gemachten Tod fordert und die Folter im Diesseits und im Jenseits, gäbe es wirklich einen solchen Gott, sollte man ihn anspucken. Aber es gab ihn nicht. Ein Strolch, der an die Macht wollte, hatte diesen Strohgott einst für sich ausgepolstert, ausgestopft, geschustert, zu gut, wie man sah, der Gott überlebte den Strolch.
Die Fackel, die das Stroh verbrennt, fehlt noch, weil so viele Augen blind sind. Wer Augen hat, der sehe!
Adjunas Augen waren nicht blind; er schwebte
noch immer über der großen Wüste, da sah er in der Ferne, es
flackern, Feuer züngeln am Wüstendorn, als er näher kam, ein
buntes Volk. Es tanzte. Sie hatten Sträucher gesammelt und
angezündet. Strauch trocken, brennt gut. Jetzt tanzten sie und
sangen dazu, sie freuten sich auf den Braten, den einige
kräftige Burschen über die Flammen hängten. Es waren schöne
Menschen, sie erinnerten Adjuna an Indraprastha, an die Menschen
seiner alten Heimatstadt. Ihre Augen waren groß und rund und
offen, keine Gier, kein Haß hatte ihre Stirn in Falten gelegt
oder ihre Augen verkniffen. Besonders die Frauen blickten mit
sehr schönen, blinkenden Augen herausfordernd und frei, und
alberten und neckten die Burschen. Sie zeigten frech ihr ganzes
Gesicht und sogar meist noch mehr, waren nicht wie sonst hier zu
Wüste und Ödland üblich verschleiert.
Back to Holger Hermann Haupt's Home Page.
Back to Literatur-Seite.