Wie die Erde in einer geraden Linie im vierdimensionalen Raum-Zeit-Geschehen um die Erde kreiste, so zog Adjuna in einer mehr oder weniger geraden Linie in den Brüllenden Vierzigern immer wieder seine Kreise um die Welt; kreisen, kreisen, zustoßen. Überfälle und Landgänge wurden zunehmend schwerer wegen zunehmender Überwachung der Welt durch Weltpolizei oder besser -polizisten; es gab mehrere davon. Die meisten hatte gestreifte Flaggen, andere hatten grüne Flaggen, aber es gab auch welche mit roter oder schwarzer Flagge. Adjuna flog nicht mehr die Totenkopfflagge wie in seiner Jugend im Mittelmeer. Er war praktischer geworden, er pflegte jetzt zu sagen: Das Floß hier ist bloß Schiff, ohne Lappen.

Die beste Zeit hatten die Piraten, wenn sich die Weltpolizisten stritten, dann waren die Weltpolizisten zu sehr mit ihresgleichen beschäftigt und hatten keine Zeit für Verbrechensbekämpfung. Ein Marineverband Adjunas, der hauptsächlich aus Kriegern der Bajau-Seezigeuner bestand und in Gefangenschaft geraten war, wurde sogar wieder freigelassen, als die Behörden davon überzeugt waren, daß es sich bei ihnen nur um gemeine Verbrecher handelte und nicht um politische Gegner. Mit der Auflage in Zukunft nur noch Schiffe mit gestreiften Flaggen zu überfallen, waren sie freigelassen worden. Zweifellos hatte auch die Hautfarbe der Bajauis mit eine Rolle gespielt, denn bei dem großßen Gott, an den angeblich alle schwarzhaarigen, kaffeebraunen Menschen glaubten, mußten sie schwören, nie wieder grün beflaggte Schiffe zu plündern, was die Bajauis notgedrungen taten. Was blieb ihnen anderes übrig.

Damals war erst der Anfang eines neuen Konflikts sich am Anbahnen, die Halbmondigen gegen die Gestreiften. Später dann sollten sich die Gestreiften immer mehr bekreuzigen und die Streifen ihrer Flaggen sich immer mehr kreuzen, bis sich schließlich Kreuzkrieger und Halbmondmohammedaner gegenüberstanden.

Und die Kreuzer der Kreuzkrieger und die der Halbmondmohammedaner machten das Reisen zu Meer schließlich so unmöglich, daß die zivile Seefahrt, das Brot der Seeräuber, zum Erliegen kam. Aber auch auf dem Land kam das Ende der Zivilisation in Sicht.

Einige Optimisten wie Adjuna sahen sogar noch weiter.

Aber er mußte sich vom Besserwisser belehren lassen.

Besserwisser: Du glaubst, der Mensch wird dem Leben auf diesem Planeten ein für alle mal ein Ende bereiten. Das ist ein Irrtum. Das ist Größenwahn. Die Saurier haben es nicht mit ihrer Freßsucht geschafft, und der Mensch wird es nicht mit seinem Wahnsinn schaffen, erst wenn nach dem nächsten Kataklysmus die großße Stunde der Insekten kommt, wird sich die Hoffnung vielleicht erfüllen. Vielleicht werden vor dem endgültigen Ende auch erst noch die Königreiche der Bakterien und Viren aufblühen und erst sie, ins Anorganische zurückkriechend, dem Leben Lebewohl winken.

Es war eine Art Mißtrauen, das Adjuna und seine Leute auf den Sieben Meeren hielt. Nur kurz waren ihre Landgänge. Immer traten sie auf Narben. Und obwohl das Leben ihnen selbst Narben schlug, fürchteten sie sich, wenn sie Land betraten und sahen, daß es schlecht geheilt war, jeder Zeit wieder aufreißen konnten.

Auf dem Meer, da konnte man am Luftdruck und an den Wolken-formationen erkennen, wenn sich ein Sturm zusammenbraute, und man konnte sich darauf vorbereiten, die Segel raffen, die Luken fest verschließen, auf dem Land, da braute sich etwas anderes zusammen, und man wußte nicht recht, was es sein würde, und wie man sich davor schützen konnte und ob überhaupt, und ob nicht vielleicht gerade das Meer den einzigen Schutz bot.

Man hatte es aufgegeben, vor den Büllenden Vierzigern den friedlichsten der Kontinente zu umfahren. Die Roaring Fourties hatten einfach zu sehr an Mensch und Material gezerrt.

Man kreuzte jetzt den Stillen, Friedlichen Ozean. Es gab eine These, daß der versunkene Kontinent Muh auf dem Meeresboden des Pazifiks lag, aber noch hatte man keine Beweise dafür, und von selbst war der Kontinent auch nicht wieder hochgekommen, um sich zu zeigen.

Ein Ring von Feuer umgab den Friedlichen Ozean, Erdbebengebiete und Vulkane, Aconcagua in den argentinischen Anden, Catopaxi in Ecuador, Paricutin und Popocatepetl in Mexiko, Lassen, St. Helens, Shasta, Hood, Rainier, Katmai und Augustine in den USA, Fuji, Miharayama, Fugen und Sakurajima in Japan, Pinatubo, Hibokhibok und Mayon auf den Philippinen, Krakatau in der Sundastraße, Ruapehu, Ngauruhoe und Tongariro in Neuseeland.

Stürme quälten die Schiffe auch hier: der südwestliche Pampero drohte die Schiffe an der chilenischen Küste zu zerschmettern und der Paraca wollte einen verschlingen, einen stürmischen Chubasco mußte man vor der mexikanischen Küste abwettern, auch der Cordonazo de San Francisco, der Wirbelwind eines Heiligen, wollte einem etwas antun, konnte es aber nicht, der feuerheiße Ae brannte die Haut vor Hawaii, der böige Burga vor Alaskas Küste ließ die Glieder frieren, ein Kogarashi, ein Hokuhokusei, ein Nordnordwester, brachte kalten, aber günstigen Starkwind und ungünstigen Schnee, der das Deck glitschig machte, als man die Alëuten und Kurilen entlang halb am Wind nach Hokkaido segelte, es wurde Winter, im kalten Er-ji-ji-fung vor der Küste Chinas war man am ErErfrfrieren, der Yuh wehte juchhe vor Shanghai, man fing an, von den Tropen zu träumen, die Churadas brachten noch einmal winterliche Regenböen, als man sich auf dem Weg zu den schönsten der Südseeinseln, den Marianen, befand, der Nortadas versauerte einem die Küste Luzons, nicht umsonst hieß er schmutziger Wind, der phillipinische Zyklon Baguio brach einen Mast, der Colla einen zweiten, der auflandige Barat trieb die Schiffe gefährlich dicht an die Küste Celebes und in der Arafurasee trieb man vor dem Wambru, der sich zum Wamandai verstärkerwandelte, der Torres-Straße entgegen, bis sich der Wind zum Willi-Willi steigerte, einem tropischen Zyklon, der einen erst weiter in die eine Richtung trieb und dann in die andere und wie ein Wumera war man wieder da, wo man schon mal war, gefährlich dicht an den Korallen.


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