Adjuna und seine Leute fanden andere paradiesische Inseln in den weiten Tiefen des fernen Pazifiks.
Die Marshallinseln.
Es war im Jahre 1954 gewesen und es war der erste März gewesen.
Kurzbeschreibung.
Marshallinseln, harmlose Palmenpinsel, zwei Atollenketten: die 16atollige Ratakkette und die 18atollige Ralikkette mit den berühmten Atollen Bikini und Eniwetok; Entdeckung der Marshallinseln durch Weiße: 1529; 1885 deutsches Schutzgebiet, `Schutz' Euphemismus für `Nutz', `Ausnutz', ab 1920 japanisches Mandatsgebiet, ab 1947 unter den treuen Händen der Amerikaner: amerikanisches Treuhandgebiet.
Bikiniatoll, 36 kleine Inselchen, unter den treuen Händen der Amerikaner wurden die Bewohner dieser Inseln evakuiert, deportiert, nein, eigentlich weggelockt mit Geld und dem Versprechen baldiger Rückkehr. Die Bewohner fühlten sich mit den Almosen der Amerikaner fürstlich bezahlt und willigten ein, die Inseln mal kurz für Atomversuche auszuleihen - für zwölf Jahre bis 1969.
Die Einwohner des Bikiniatolls liefen übrigens nicht immer im Bikini rum, wie so manch ein Weißer, südseeromantik nachhängend, träumen mag. Tatsächlich liefen die Frauen schamlos oben ohne herum - jedenfalls bevor sie vom christlichen Prüdheitsbazillus angesteckt wurden. Und die Erfinder des Bikinis benannten ihren zweiteiligen Damenbadeanzug auch nicht nach dem Atoll, weil die Damen dort so etwas trugen, sondern weil ein Girl in dem neuen Badeanzug bei einem Boy eine so bombastische Wirkung erzielte wie die tollen Bomben, die die amerikanische Regierung gerade auf dem Bikiniatoll ausprobierten. Es war übrigens gerade in dieser Zeit, wo man sich so übermäßig vor einem Angriff der Sowjetunion fürchtete, daß die USA `eine Nation unter Gott' wurde und `In God We Trust' auf die Geldscheine drucken ließ.
Aber bei aller Beschwörung und allen Beschwörungsriten, das Gottvertrauen war nicht groß genug, man setzte auch auf atomare Überlegenheit, vielleicht folgte man auch dem Rat `Hilf Dir selbst, dann hift Dir Gott', was natürlich nur eine dumme Art war, zu sagen, daß Gott als Helfer nichts taugte; nur die dummen Sprücheklopfer im Pentagon bei allem Einsatz der Hochphysik durchschauten ihre eigenen Sprüche nicht und was man ihnen als Kleinkinder eingeimpft hatte. Ihre Bomben auf jeden Fall hatten es in sich.
Die tollen Bomben schafften es nicht nur, einige der Inseln dem Erdboden gleich zu machen, sondern sogar, sie einige Zentimeter unter die Meereshöhe zu pusten, also auszupusten, unter Wasser zu drücken.
Diese Experimente waren Vorbereitungen für den christlichen Kampf des christlichen Amerikas gegen angeblich atheistische Teufel oder teuflische Atheisten. Atheist und Diabolus im gleichen Terminus waren für christliche Hirne kein Hindernis, Humbug oder Paradoxon, keine Antonyme, sondern Synonyme. daß es gerade die Atheisten waren, die ohne Teufel waren, und es nur der Gott oder die Gottesidee oder die Gottesideeträger waren, die den Teufel brauchten und wie den lieben Gott auch tatsächlich hatten, nämlich im Geschirrschrank gleich neben den fehlenden Tassen, das sahen die AtomBombenChristen nicht.
Der große Kampf von Gut und böse fiel damals aus. Es blieb bei Schreckschüssen.
1969 kehrten die Einheimischen auf ihre Inseln zurück, 1978, also 9 Jahre später, schlug den Amerikanern ihr christliches Gewissen und sie evakuierten die Inseln ein zweites Mal - wegen der radioaktiven Verseuchung.
Der erste März 1954 war ein denkwürdiger Tag - auf dem Eniwetok-Atoll - kein Massaker, nein - nur ein toter, japanischer Fischer und 22 weitere schwer strahlengeschädigte, die auch bald verendeten.
Eine Wasserstoffbombenexplosion, 600mal stärker als die Atombombe für Hiroshima, 18 bis 22 Megatonnen. Die Wissenschaftler waren entgeistert, sie hatten nur die halbe Stärke vorausberechnet, falsch gerechnet, verrechnet, mindestens 255 km hätte man von Ground Zero entfernt sein sollen, Folge der Verrechnung: insgesamt 287 Strahlenopfer; die Daigo Fukuryu Maru, das fünfte Glückliche Dachen-Schiff, mit den japanischen Fischern war sogar nur 60 km von Null entfernt gewesen, als die radioaktive Asche auf sie nieder regnete.
Aber Mehr, Mehr der Vernichtung, war nur von Nutzen, wollte man doch möglichst billig viele umbringen. Man konnte mit der neuen Bombe zufrieden sein. Man war der Sowjetunion weit voraus. Auch wenn die sogenannte feuchte Bombe am Erdboden festgeschraubt gewesen war und mit 60 Tonnen Gewicht nur sehr schwierig mit den damaligen Bombern unentdeckt in dicht besiedelte Gebiete der Sowjetunion hätte transportiert werden können. Im Rausch feierte man seinen Erfolg.
Die Freude dauerte bis zum 22. November 1955. Das Erwachen kam mit einem großen Knall, Bumm. Da nämlich bumste es, krachte es in Novaya Zemlya, UdSSR, 90 Megatonnen, die Krachwellen umliefen die Welt dreimal, und es war eine trockne Bombe bei der Lithium-Hydried zu Helium verbombt wurde, handlich und leicht transportabel. Und Nikita Chroschtschow versprach der Welt sogar 100-Megatonnen-Bomben. Der Krater von solch einer Bombe wäre wohl 100 Meter tief gewesen und drei Kilometer im Durchmesser.
Aber auch die Amerikaner beherrschten kurze Zeit später die Technologie der trockenen Bombe, begannen mit der Massenproduktion wie der alte Ford mit der Produktion seines T-Modells, und hielten schon bald dank ihres ausgezeichneten Kurzzeitgedächtnissen ihren eigenen Forscher, den in Ungarn geborenen Edward Teller, für den Erfinder der gleichen, aber er war nicht deren Erfinder, nur deren exponiertester Befürworter, er selbst nannte sich gern Vater der Wasserstoffbombe. Trotz seiner väterlichen Gefühle gelang es ihm nicht, daß die Amerikaner noch zu seinen Lebenzeiten mit dem Spielzeug, das der Vater ihnen geschenkt hatte, spielten, und so erlebte er nie die große Erlösung, und noch auf dem Totenbett mußte er sich sorgen, daß sich die Welt nie von dem Leiden, das auf ihr herrschte, befreien würde, um anorganische Glückseligkeit zu erreichen.
Nachtrag: für seine Verdienste in der Kernphysik erhielt Edward Teller 1962 den Enrico-Fermi-Preis. Enrico Fermi, ein aus Rom gebürtiger Amerikaner, hatte seinerseits 1938 den Nobelpreis für Physik bekommen, für die Entdeckung der Uranspaltung, er baute den ersten Kernreaktor der Welt (1942). Nobel hatte mit Dynamit gebumst und das Geld, das er damit machte, dem Frieden und der Wissenschaft gewidmet. Und so war ein Bums mit dem anderen verbunden über Zeit und Raum, auf der Erde knickte ein Grashalm, am Himmel platzte eine Supernova, Gott furzte im Peterdom, dem Präsidenten explodierten die Hoden und er ergoß sich heimlich anal - die Wähler durften's nicht wissen - in die Frau Präsidentin, während im fernen Indochina, dessen Bombardierung er angeordnet hatte, Menschen ihre Ärsche für immer zukniffen.
So viele Zufälle konnten nicht zufällig sein, sie mußten überwältigen, die Menschen überwältigen, die Menschen zu Mystikern machen, die Menschen von der ordnenden Hand Gottes überzeugen.
- Nur hartgesottene, wie Adjuna, fuhren
angewidert weiter, ohne ein einziges Mal zur Andacht
niederzuknien.
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