Die große Vision: Kurukshetra.

Schlag deinen Bruder tot, denn er fühlt wie du den Schmerz.

Schlag auch den Fremden tot, denn eigentlich ist er auch ein Bruder von dir.

Was machen wir mit den Schwestern?

Das weiß ich nicht.

Macht ihnen auf keinen Fall Kinder!

Die Kurukshetra-Schlacht

Es war am Vorabend des Untergangs der großen Kriegerkaste, der Kshatriyas, die der Erde eine unerträgliche Last geworden waren, eine Todessehnsucht trieb sie wie bei den Lemmingen - unaufhaltsam, unabänderlich.

Die Kauravas, die hundert Söhne des blinden Dhritarashtras, wollten den Pandavas, den fünf Söhnen ihres Onkels Pandu, das Königreich, das diese aufgrund eines verlorenen Würfelspiels für dreizehn Jahre hatten verlassen müssen, nicht zurückgeben. Deshalb rüsteten beide Seiten zum Kampf. Elf Akshauhinis, das hieß elfmal 109 350 Infantrie, 65 610 Kavallerie, 21 870 Streitwagen und ebenso viele Elefanten, hatte Duryodhana, der älteste Sohn Dhritarashtras, mobilisiert, viele große Helden und Könige waren auf seiner Seite. Die fünf Pandavas hatten sieben Akshauhinis mobilisiert, außerdem hatte sich ihnen Krishna angeschlossen, allerdings nur unbewaffnet als Arjunas Wagenlenker.

Sanjaya, der Wagenlenker König Dhritarashtras, der in dessen Auftrag ins Lager der Pandavas gefahren war, kam zurück in den Palast der Kauravas in Hastinapura. Vor dem König und den hundert Prinzen erstattete er Bericht: "Yudhishthira besteht darauf, daß man ihm Indrapastra zurückgibt."

"Und wie fühlt er sich mit seinen sieben Akshauhinis gegen unsere elf?" wollte Duryodhana wissen.

"Zuversichtlich, daß er gewinnt."

"Wie kommt er denn dazu?"

"Krishna ist auf ihrer Seite, und Krishna ist göttlich, Krishna ist unbesiegbar."

"Was für eine kuriose Vorstellung!"

"Was ich sagen will: Wenn wir eine Waage hätten und Krishna säße in der einen Schale und das ganze Universum in der anderen, sie würde zu seiner Seite hin ausschlagen, denn er ist der, der das Weltall dreht, der Herr der Zeit und der Zeiten Ende, der, der die Illusionen schafft, der wir

erliegen."

"Selbst wenn Krishna die ganze Menschheit töten würde, es würde mich weder beeindrucken noch berühren", antwortete Duryodhana.

Auch die Pandavas berieten, was sie tun sollten. Bhima, der Stärkste der Brüder, den man auch den Wolfbäuchigen nannte wegen seiner Gefräßigkeit, meinte: "Wir sind gleichen Blutes wie sie. Laßt uns versuchen, den Frieden zu erhalten." Lächelnd sprach Krishna: "Es ist lustig, dich zu beobachten. Mal rennst du hin und her wie ein gefangener Panda und brüllst nach Rache und einandermal steckst du deinen Kopf zwischen die Beine, bist wie ein Berg, der gewichtlos geworden ist, wie ein Feuer, das kalt ist, läufst mit zitternden Knien umher und redest wie eine wiederkäuende Kuh."

"Du reißt alte Wunden in mir auf. Nicht aus Feigheit riet ich zum Frieden, sondern ich wollte meinen Cousins noch eine Chance geben."

"Das weiß ich ja, Bhima", erwiderte Krishna, "doch, laß nie Ärger und Haß deine Sinne verwirren. Lerne zu lächeln selbst im Angesicht einer Katastrophe."

Man einigte sich dann, Krishna zu den Kauravas zu schicken, um noch einmal zu versuchen, den Frieden zu retten. Doch als Draupadi das hörte, sprach sie unter Tränen zu Krishna: "Du weißt, Krishna, wie die Kauravas mich beleidigt haben, sie verdienen kein Mitleid. Ich, die Tochter König Drupadas, geboren vom heiligen Feuer des Yajna-Altars, Schwester von Dhrishtadyumna, der dein Freund ist, wurde an diesen Haaren vor die versammelten Könige gezogen, als ich nur mit einem einzigen Stück Stoff bekleidet war, und meine fünf Männer, die die größten und mächtigsten Helden dieser Zeit sein sollen, sahen untätig zu. Oh, Schande über Yudhishthira, Bhima, Arjuna, Nakula und Sahadeva, die mich in meiner größten Not allein ließen. Nur du, du halfst mir damals. Mit deiner Magie verhülltest du mich vor den Augen der lüsternden Meute. Oh, Dunkelhäutiger, sind wir nicht verwandt? Bist du nicht ein Selbstgeborener wie ich? Bin ich nicht deine Shakti? Wirf das Feuer der Vernichtung auf die Söhne Dhritarashtras. Wenn Yudhishthira, Bhima, Arjuna und die Zwillinge mich nicht rächen wollen, mein alter Vater wird es tun, oder meine Söhne. Dreizehn Jahre lang trug ich meinen Haß; ich finde nicht eher Ruhe, als daß sie alle tot sind. Oh, hilf mir, o Krishna!"

"Weine nicht, ich verspreche, daß die Kauravas Frauen bald weinen werden wie du, weil ihre Männer im großen Krieg gefallen sind. Glaub mir, sie sind schon so gut wie tot."

So fuhr Krishna nach Hastinapura. Der weise und ehrbare Vidura begrüßte ihn dort als erstes: "Du kommst zur unrechten Zeit. Duryodhana ist in schlechter Stimmung, gute Ratschläge zu hören." - "In einer edlen Sache zu versagen ist mir immer noch edel genug."

Krishna riet Dhritarashtra und seiner Frau Gandhari zum Frieden mit den Pandavas, aber die beiden alten Leute hatten nicht die Macht, ihre Söhne umzustimmen.

Duryodhana plante sogar Krishna gefangenzunehmen, aber sein Vater erfuhr davon und schimpfte: "Du, Narr, du bist wie ein Baby, das schreit, weil es den Mond haben will. Du willst Krishna einsperren; siehst du nicht, daß du genausogut versuchen könntest, den Wind in der Hand zu halten?"

Krishna bestieg seinen Wagen, um sich auf den Rückweg zu machen. Er fuhr noch bei Kunti, der Mutter von Yudhishthira, Bhima und Arjuna vorbei.

"Sag meinen Söhnen, daß sie sich nicht zu fürchten brauchen. Sag Arjuna, daß, als er geboren wurde, eine Stimme vom Himmel rief: Kunti, Kunti, dieser Sohn wird selbst Indra in seiner Herrlichkeit übertreffen."

Dann fuhr Krishna noch bei Karna vorbei und sprach zu ihm: "Du bist der Sohn einer unverheirateten Jungfrau, aber du kennst die Schriften, du weißt, daß ein solcher Sohn den als Vater akzeptieren soll, den seine Mutter heiratet. Kunti ist deine Mutter, und du bist rechtmäßig Pandus ältester Sohn. Komm mit mir und akzeptiere die Pandavas als deine Brüder!"

"Als Jungfrau gebar mich meine Mutter Kunti nach ihrer Vereinigung mit Surya, dem Sonnengott, aber sie warf mich als Baby weg, ohne mir meine Samskaras zu geben, obwohl diese vierzig Reinigungsrituale das Recht eines jeden Kshatriyas sind. Der Wagenlenker Adhiratha fand mich, und die Liebe zu mir füllten seiner Frau Radhas Brüste mit Milch. Sie ist meine Mutter, nur sie erkenne ich als Mutter an. Und die Kauravas sind meine Freunde, obwohl ich nur der Sohn eines Wagenlenkers bin, haben sie mir Reichtum und Macht gegeben. Und jetzt, wo sie meine Hilfe brauchen, verlasse ich sie nicht."

Er umarmte Krishna. "Sollten wir die große Schlacht überleben, so sehen wir uns hier wieder, sonst in Indras Heldenhain."

Dann kehrte Krishna traurig zu den Pandavas zurück.

Kunti war verzweifelt, als sie hörte, daß der Krieg unvermeidlich war, und sie ging zu Karna, um ihm zu sagen, wer er sei.

Karna tat, als wüßte er von nichts, und stellte sich als Radhas Sohn vor.

"Du bist nicht Radhas Sohn und Adhiratha ist nicht dein Vater. Du bist kein Suta, sondern ein Kshatriya. Du warst das erste Leben in meinem Leib. Surya, der Gott, dessen Strahlen alle Dinge sichtbar machen, ist dein Vater. Oh, Sohn, deine Geburt war göttlich, mit goldenen Ohrringen und einem Harnisch, der wie die Sonne strahlte, kamst du zur Welt. Weil du nicht weißt, wer deine Brüder sind, dienst du Duryodhana, aber es ist ein Unrecht. Folge Dharma und schließe dich deinen Brüdern an."

Selbst Karnas Vater Surya erschien vom Himmel und sprach: "Deine Mutter hat recht, folge ihrem Rat, es wird dir zu Größe gereichen."

Doch Karna antwortete: "Was ihr über das Dharma sagt, ist nicht recht. Die Kauravas respektieren mich, wie die Vasus Indra respektieren, und ich habe ihr Brot gegessen, und mit meiner Hilfe hoffen sie, den Ozean des Krieges sicher zu überqueren. Verließe ich sie jetzt, so wäre das eine Schande, die ich weder in dieser noch in der nächsten Welt abwaschen könnte. Ich bin kein Betrüger. Aber ich verspreche, vier deiner Söhne nicht zu töten, nämlich die, die mir im Kampfe unterlegen sind, also Yudhishthira, Bhima und die Zwillinge. Nur Arjuna werde ich töten und diesen Triumph genießen oder Arjuna wird mich töten, was auch ein glorreiches Ende wäre."

Darauf Kunti: "Das Schicksal ist allmächtig, o Krishna, ein schweres Verhängnis lastet auf den Kauravas, sie sind verdammt, verblendet, verloren und verleitet durch die böse Gier und Bosheit irgendeines schrecklichen Karmas. Oh, großer, feindvernichtender Held, vergiß dein Versprechen nicht, wenn die Missiles auf dem Schlachtfeld um dich schwirren!" Und Kunti wisperte: "Mein Sohn, mögest du gedei'n!"

"So soll es sein."

Yudhishthira zog mit seinen Soldaten zur Ebene von Kurukshetra; Friedhöfe, Begräbnisstätten, Tempel und andere heilige Orte meidend, um weder Götter noch Geister weder zu vergraulen noch zu vergrätzen.

Am heiligen Hiranvati schlug man dann das Lager auf, hob einen Graben aus und baute eine Befestigung: Einen Wall von Waffen, hinter Schilden und Brustplatten staken Speere und Lanzen, Äxte und Schwerter, Köcher und Schafte, Hunderte von Elefanten sah man; von einem Stahlmantel geschützt, aus dem scharfe Stachel hervorragten, ähnelten diese wandelnden Berge riesigen Igeln. Und es gab die besonders ausgeklügelten Waffen der großen Helden, deren Kampfwagen Felsen und Gebirgen gleichkamen oder besser Vulkanen und Vulkanketten, denn von den Gipfeln konnten sie brennende Flüssigkeiten in die feindlichen Reihen schleudern und das Schlachtfeld in ein Meer von Feuer verwandeln, andere besaßen Pfeile, in deren Hohlkörper sich Giftschlangen verbargen, oder deren Spitze Skorpionnadeln waren, einige gewaltige Speere wurden von ausströmenden, brennenden Gasen angetrieben, konnten über dem Feind explodieren und einen tödlichen Schauer abregnen.

Am Vorabend der Schlacht fiel vom wolkenlosen Himmel das helle Blut, die Götter kotzten, die Elefanten trompeteten, Pferde wieherten, Schakale heuelten, Meteore flammten auf, Tote erschienen und verkündeten das Ende der Zeiten.

Am nächsten Morgen standen sich die beiden Armeen dann gegenüber, wie zwei gepeitschte Ozeane am Ende einer Yuga.

Man einigte sich über die Regeln der Kriegsführung: Soldaten sollten nur mit ähnlich bewaffneten Gegnern kämpfen, wenn jemand seine Waffe verlor, niederlegte, oder wenn er floh, so sollte er nicht angegriffen werden, auch nicht, wenn er schon mit jemandem in einen Kampf verwickelt war, oder ein Angriff ihn unvorbereitet getroffen hätte. Soldaten, die um Gnade baten, sich zurückzogen oder entwaffnet wurden, Wagenlenker, Tiere, Versorgungstruppen, Trommler und Bläser, alle sollten ausgespart werden. Nur Methoden, die mit dem Dharma zu vereinbaren waren, sollten benutzt werden. Und an einem jeden Tag sollte der Kampf mit Sonnenuntergang beendet werden.

Bhishma, den die Kauravas zu ihrem Heerführer gemacht hatten, rief den unter seinem Kommando stehenden Prinzen zu: "Helden, glorreiche Möglichkeiten liegen vor euch, die Tore des Himmels sind weit geöffnet. Ein glückliches Leben mit Indra und Brahma erwartet euch. Folgt dem Kshatriya-Dharma. Ein Kshatriya will nicht im Bett, will nicht durch Krankheit sterben, sondern auf dem Schlachtfeld."

Vyasa sprach zu Dhritarashtra: "Die Zeit für deine Söhne und die kriegerischen Könige ist um. Wenn du sie im Kampfe fallen sehen willst, so verleihe ich dir übernatürliche Sehkraft."

"Oh, Heiliger, wer möchte denn seine Verwandten sterben sehen!"

"Ist es nicht unser Fleisch und Blut, sind es nicht unsere Brüder, die dort drüben angetreten sind? Ich giere nicht nach ihrem Königreich und weder nach Rache noch Ruhm. Dieser Krieg wird die ganze Kaste vernichten. Ist es nicht besser, passiv den Tod zu erdulden, als zu töten und die Welt zu entvölkern?" so klagte Arjuna tief bekümmert und wollte seine Waffen von sich werfen.

"Du beklagst die, die kein Beklagen verdienen. Der Weise aber beklagt weder die Lebenden noch die Toten", entgegnete ihm Krishna: "Auch wenn der Körper vernichtet wird, das unbezwingbare Atman lebt weiter. Daher, steh auf und kämpfe! Wer immer das Atman als Schlächter sieht, und wer immer es erschlagen sieht, weiß nichts über das Atman, denn weder schlägt es, noch wird es erschlagen. Wie eine Schlange sich häutet, der Baum seine Blätter verliert, der Mensch seine Kleider wechselt, so wirft das Atman ein Leben ab und lebt weiter in einem anderen, das neu ist. Gib deinen Kummer auf, Arjuna, er ist unmännlich und steht der himmlischen Erfüllung im Wege!"

Aber Arjuna sprach: "Ich sehe nichts Gutes darin, seine Verwandten zu töten."

"Sind nicht alle Kriege, Kriege gegen Brüder! Du bist ein Kshatriya, dein Handwerk ist der Krieg, tue deine Pflicht! Tat ist mehr als Untat! Untätigkeit hält nicht einmal den Körper zusammen, weniger noch die Welt. Töte ich nicht handeln, die drei Welten geräten ins Wanken, Werte würden verwässern, Adharma triumphieren, und alle Wesen würden zugrunde gehen. Mein ist der Pfad, dem alles folgt. Und obwohl ich die vier Kasten aufgrund von Guna und Karma schuf, bin ich nicht wirklich ihr Schöpfer, denn ich habe kein Auge für die Früchte meines Schaffens, das ist, weswegen sie mich nicht binden. Handle auch du, Arjuna, aber handle selbstlos! Den Unwissenden, den Respektlosen und den Ungläubigen erwartet Untergang und der Zweifelnde hat keine Freude weder hier noch dort. Schwinge das Schwert der Erkenntnis gegen die Zweifler, Lästerer und Ungläubigen an das Atman! Unsichtbar bin ich gegenwärtig überall und alle Wesen leben in mir, doch ich bin nicht in ihnen. Ich bin der Betrug im Betrüger, die Hinterlist im Hinterlistigen, die Kraft des Kräftigen und die Schwäche des Schwachen, die Tugend des Tugendhaften, aber auch die Krankheit im Kranken, für die Sprache bin ich der Laut, für die Schrift der Buchstabe, unter den Poeten bin ich Vyasa, unter den Asketen Ushana, unter den Kriegern Arjuna, unter den Yadavas Krishna. Weder die lebende noch die unbelebte Natur existiert ohne mich."

"Ich habe von deiner Größe gehört, o Krishna. Wenn du mich für würdig hältst, gib mir Offenbarung. O Tausendarmiger, zeige dich mir in deiner vierarmigen göttlichen Form."

"Sieh, meine göttliche Form, viel-farbig, viel-förmig, wie nie ein menschliches Auge sie je gesehen hat. Sieh das gesamte Universum in mir sich drehen, sieh, was immer du sehen willst!"

"Würden tausend Sonnen am Himmel explodieren, es wäre nur ein Bruchteil deiner Pracht, o Krishna. Ich sehe die Götter alle in deinem Körper, Brahma auf der Lotus, ich sehe die Heiligen und die Nagas. Flammen aus deinem Mund brennen die drei Welten. O Krishna, meiner Seele ist der Friede genommen. Bhishma, Drona, Karna, Dhritarashtras hundert Söhne, Könige und Krieger sehe ich in deinem Mund, zermalmt von deinen Zähnen, viele Helden eilen in deinen Mund, du kaust die Welt, leckst dir die Lippen. Oh, habe Erbarmen!"

Krishna antwortete: "Ich bin Kala, der Zerstörer der drei Welten. Selbst wenn du dich weigerst zu kämpfen, keiner dieser Soldaten wird überleben. Sie wurden alle schon von mir getötet, so ist es Zeit, daß sie durch dich sterben. Also kämpfe, der Tag gehört dir! Ist nicht das Universum ein riesiges Zauberrad? Ist nicht Brahma die Narbe? Suche Schutz bei ihm, vertraue dich ihm an, doch hindere nicht den Lauf des Rades, was zermalmt werden muß, wird zermalmt."

Da Arjuna sah, daß der Lauf der Dinge unvermeidlich war, ergab er sich in sein Schicksal, ergriff seinen Bogen Gandiva fester, bereit zum Kampf.

Als sich die mächtigen Heere gegenüberstanden, stieg Yudhishthira von seinem Streitwagen und ging auf die feindlichen Reihen zu, um seinen Lehrer, den altehrwürdigen Bhishma, zu begrüßen.

"Du bist mein Guru. Ich begrüße dich. Gib uns die Erlaubnis, gegen dich zu kämpfen, und deinen Segen."

"Ich bin zufrieden mit dir. Du bist wahrhaft mein Shishya. Bitte und ich erfülle dir jeden Wunsch, nur nicht den Sieg. Der Mensch ist der Sklave seiner Habe, doch die Habe gehört niemandem, ist niemandes Sklave. Mein Besitz bindet mich an die Kauravas."

"Du bist mein Guru. Ich weiß, daß du uns gut bist. Wir erwarten nicht, daß du dein Wort, das du den Kauravas gegeben hast, brichst. Doch sage uns, wie man dich im Kampfe besiegen kann, denn wir wissen, daß du unbesiegbar bist."

"Da ist niemand, nicht einmal unter den Göttern, der mich im Kampf besiegen könnte."

"Dann sage uns, wie man dich töten könnte."

"Es ist nicht möglich, mich zu töten. Die Zeit meines Todes bestimme ich selbst."

Yudhishthira akzeptierte es und ging zu Drona. "Unbesiegbarer Drona, ich begrüße dich."

"Ich begrüße dich, Yudhishthira. Oh, der Mensch ist ein Sklave seiner Habe, doch die Habe ist niemandes Sklave. Bitte mich um alles, nur nicht um den Sieg. Du weißt, ich werde für die Kauravas kämpfen, aber für euren Erfolg werde ich beten."

"So sei dies meine Bitte: Bete für uns, doch kämpfe für unsere Cousins. Und noch eins, o ehrenwerter Guru, sage uns, wie es möglich ist, dich im Kampfe zu besiegen."

"Das ist unmöglich. Solange ich lebe, könnt ihr nicht siegen."

"Wie ist es möglich, dich zu töten."

"Nicht wenn ich kämpfe, kein Lebender hat die Kraft, mich dann zu töten, sondern wenn ich die Waffen niederlege und meditiere, dann tötet mich."

Als nächstes ging Yudhishthira zu Kripa, wiederholte seinen Gruß und erhielt den gleichen Segen, ebenso bei Shalya, dem König von Madras.

Der schreckliche Krieg begann kurz vor der Mittagssonne. Die Erde bebte und brüllte unter arger Bedrängnis.

In den Reihen der Pandavas sah man Bhishma wüten wie eine Sichel im Gras, sein Palmyra-Banner schoß durch das Gewühl wie ein Hai durch die Fluten. Elefanten, in die Genitalien geschossen, brüllten vor Schmerz. Man versuchte, ihn aufzuhalten, aber unbeirrt, wie die heiße Sonne alles brennt, zog er seinen Weg. Verzweiflungsschreie ertönten jedesmal, wenn Bhishma seinen Bogen so spannte, daß er fast einen Kreis bildete, und zwanzig, dreißig, manchmal gar hundert und mehr vergiftete Pfeile auf einmal auf die Erde regnete.

"Er zerstört uns wie Feuer trocknes Gras." "Seid geduldig", erwiderte Krishna: "Shikhandin ist auf eurer Seite, es ist vorausgesagt, daß Shikhandin Bhishma töten wird und Dhrishtadyumna Drona."

Ein rücksichtsloser roter Rinnsal begann zu fließen,

eine Mischung aus Fleisch und Blut,

die Hüllen toter Elefanten seine Felsen,

die Herzen der Gefallenen sein Quell,

die ausgestochenen Augen sind wie Perlen,

sie rollen in der Flut,

die Seelen sind ein Hauch,

sie streifen über die Wellen,

ein Strom zum Ozean der anderen Welt.

Bhishma erschien in einer Vielfältigkeit von Illusionen. Nur seine Geschosse sah man wirklich. Hunderte mutiger Könige stürzten auf Bhishma wie Motten in Flammen.

Arjuna konnte dem nicht mehr zusehen. "Fahr mich zu Bhishma", sprach er. Und Krishna lenkte den Streitwagen mit den weißen Pferden dorthin, wo Bhishma wie eine Sonne im Glanze strahlte. Von einem Pfeilregen war ihnen die Sicht versperrt, doch Krishna lenkte den Wagen geschickt und wich allen Pfeilen aus.

Arjuna schoß Bhishmas Bogen entzwei, schnell nahm er einen anderen, aber auch den schoß er entzwei, immer wieder schoß Arjuna und immer wieder nahm Bhishma neue Bogen. "Wunderbar, höchst wunderbar, es ist großartig mit dir zu kämpfen, Arjuna."

Krishna fuhr in scharfen Kursen, um den Pfeilen auszuweichen, aber es gelang nicht immer, und bald sahen sie beide, Krishna und Arjuna, wie Stachelschweine aus.

Unfähig, sich noch länger zu beherrschen, sprang Krishna vom Wagen und brüllte: "Heute tötet meine göttliche Chakra Bhishma!" Um den Zeigefinger seiner rechten Hand wirbelte ein Diskus, die tausendsonnenhelle, rasierklingenscharfe Chakra. Der Erdkreis zitterte, als Krishna losstürmte.

Sein Gewand zuckte in der Luft wie silberne Blitze von den Wolken.

"Komm, o Gott der Götter, töte mich, was ist nobler als Tod von deiner Hand? Mein Ruhm wird die drei Welten bewegen." "Du bist schuld am heutigen Geschlachte." "Schicksal ist es."

In der Zwischenzeit hatte Arjuna Krishna eingeholt und überwältigt. "Beherrsche dich! Hast du deinen Schwur vergessen, nicht zu kämpfen?"

Krishna und Arjuna zogen sich zurück.

Die Sonne sank, es wurde Nacht und wieder Tag. Bhima und seine Soldaten besiegten die Elefantendivision der Kauravas. Das Feld gehörte ihm, im Zentrum stand er, wie Shiva, der Schwinger des Dreizacks, auf dem Bestattungsfeuer. Aber Duryodhana befahl den Gegenangriff. Ein Pfeil traf Bhimas Brust und er brach zusammen. Abhimanyu, Arjunas Sohn von Subhadrâ, und Ghatotkacha, Bhimas Sohn von der Rakshasin Hidimbâ, und viele andere Pandava-Soldaten kamen, um ihn zu retten. Die Kauravas wurden abermals bezwungen. Bhima aber erholte sich schnell wieder.

Es wurde Nacht und die Nacht verging, die Sonne ging auf, vielen zum letzten Mal.

Dann wurde es wieder Nacht und blutbedeckt zogen sich die Helden zurück, planten den nächsten Tag, preisten einander Taten und schliefen.

Am siebten Tag zeigte Yudhishthira großes Können auf dem Schlachtfeld. Und als die Sonne wieder hinter den westlichen Hügeln verschwand, floß ein Strom auf dem Schlachtfeld mit Blutwellen. Schakale streiften umher, abscheulich heulende Geister und Rakshasas ergötzten sich an den Leichen. Die Helden ruhten, zogen sich die Pfeile aus ihren Körpern und wuschen ihre Wunden mit Weihwasser. Poeten sangen die Lieder des Sieges, Brahmanen beteten, und einige spielten Instrumente. Niemand sprach vom Krieg.

Am achten Tag kämpfte Duryodhana mit dem Rakshasa Ghatotkacha, aber mußte fliehen.

Streitwagen ohne Mannschaft rasten herrenlos umher, und wieder lagen Tausende von Kriegern leblos auf dem Feld, in die Welt Yamas geschickt vom Totenhändler Bhishma. Überall verstreut lagen Tausende von Streitwagen; Streitäxte, zerbrochene Räder, glänzende Rüstungen neben verdrehten Körpern, Kücher, Bögen, Schwerter und edle Häupter mit den Ohrringen der Kshatriya-Kaste, lederne Fingerschützer, Handschuhe, Elefanten und Pferde.

Arjuna versuchte abermals, Bhishma zu besiegen, aber mußte fliehen.

Am Abend sprach Yudhishthira zu Krishna: "Bhishma vernichtet meine Krieger wie ein Elefant Unkraut zertrampelt. Wir rennen gegen ihn wie Insekten gegen eine Wand von Feuer." "Gehe zu ihm. Bitte ihn um Rat. Er ist dein Guru."

Und die Pandavas gingen mit Krishna zu Bhishams Zelt.

Nach der Begrüßung und dem üblichen Austausch von Höflichkeiten sprach Yudhishthira: "Wenn du kämpfst, ist dein Bogen zum vollen Kreis gespannt und dein Glanz so blendend wie die Sonne. Wie können wir dich besiegen?"

"Solange ich lebe, könnt ihr nicht siegen. Solange ich meine großen Bögen und die anderen Waffe habe, können selbst die Götter und die Anti-Götter mich nicht besiegen, ja nicht einmal Indra kann mir schaden. Aber wenn ich mich weigere, meine Waffen zu gebrauchen, kann selbst der gemeinste Soldat mich besiegen. Ich kämpfe nicht mit Waffenlosen oder Pferdelosen, nicht mit Streitwagen ohne Banner, nicht mit Feiglingen und Furchtsamen und nicht mit Frauen. Auf eurer Seite kämpft Shikhandin. Shikhandin war eine Frau - Amba - in ihrem früheren Leben. Die Geschichte ihrer Geburt ist euch bekannt. Arjuna soll Shikhandin beim Angriff vor sich halten. Ich benutze meine Waffe nicht gegen eine Frau."

Sie dankten ihm und gingen.

Arjuna aber war schockiert vor Scham. "O Krishna, er ist mein Guru. Als Kind spielte ich auf seinem Schoß. Soll ich ihn so hinterhältig töten?"

"Was geschrieben steht, wird geschehen. Du bist ein Kshatriya. Tue nur deine Pflicht."

"So laßt Shikhandin der Grund für Bhishmas Tod sein."

Der neunte Tag verging mit großem Gemetzel in den Reihen der Pandavas.

Aber am zehnten Tag sagte Bhishma zu sich selbst: Ich bin des Tötens müde. Ich habe keinen Wunsch mehr, länger zu leben.

Da griff Arjuna mit Shikhandin an. "Schneller, schneller", trieb Arjuna den wie vor dem Donnergott Zitternden an: "Du bist der einzige, der ihn töten kann."

"Es hat keinen Sinn, daß ich kämpfe", dachte Bhishma, während die Pfeile in ihn eindrangen: "Krishna hilft Arjuna und ich habe geschworen, Shikhandin nicht zu bekämpfen. Es ist Zeit, daß ich die Gabe nutze, die ich bekam, als mein Vater Satyavati heiratete, die Wahl meines eigenen Todeszeitpunkts."

Und Bhishma sagte lächelnd zu Duhshasana gewandt: "Man kann sehen, das sind Arjunas Pfeile, sie kommen in einer geraden Linie wie ein ununterbrochener Strom und durchschlagen meine stärkste Rüstung."

Keine zwei Finger breit waren auf Bhishmas Körper ungetroffen, als er aus seinem Streitwagen sackte. Er fiel mit dem Kopf in östliche Richtung. Er lag auf einem Bett von Pfeilen, sein Körper wollte nicht den Boden berühren. Die Sonne befand sich noch auf ihrer südlichen Bahn. Vom Himmel hörte man Stimmen: "Bhishma ist tot." "Nein, ich lebe."

Ganga, die Mutter Bhishmas, die Tochter des Himalayas, schickte heilige Männer in der Form von Schwänen zu ihrem Sohn. Sie stiegen auf vom See Manasa und erschienen an seinem Bett von Pfeilen und klagten: "Warum sollte dieser große Held sterben zur Zeit der südlichen Sonnenbahn?" Und als sie in südliche Richtung davon flogen, drehte Bhishma seinen Kopf in ihre Richtung.

"Niemals, o Schwäne, werde ich sterben während des südlichen Solstitiums. Mir ist es gegeben, den Zeitpunkt meines Todes selbst zu wählen. Ich werde erst sterben, wenn die Sonne ihre nördlichen Bahnen erreicht hat."

Die Pandavas und Kauravas stellten ihre Kämpfe ein, und eilten zu Bhishma, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.

"Edle Krieger, göttergleiche Helden, seid willkommen! Ich werde hier auf diesem Bett von Pfeilen ruhen, bis die Sonne sich nach Norden neigt. Aber wenn die Sonne in ihrem siebenpferdigen Streitwagen über den nördlichen Himmel zieht, will ich vom Leben Abschied nehmen wie ein guter Freund vom anderen. Wer dann noch am Leben ist, möge zu mir kommen. Könige, hebt einen Graben um mich aus. Ich möchte allein sein in meiner Anbetung der Sonne."

Und als Ärzte erschienen, sagte er noch: "Ich brauche keine Ärzte. Ich habe das höchste Glück eines Kshatriyas erreicht. So wie ich sollte jeder Kshatriya sterben. Wenn ihr meine Leiche verbrennt, verbrennt sie mit den Pfeilen!"

Dann sagte er noch, daß er durstig sei, und man brachte ihm die köstlichsten Getränke, aber die wollte er nicht.

"Arjuna, gib du mir zu trinken!" Und Arjuna schoß einen mit Mantras besprochenen Pfeil tief in den Erdboden und Wasser sprudelte hervor.

"Genau, was ich wollte."

Das Wasser aber kam von Gangas Brust.

Der Kampf wurde fortgesetzt. Drona führte jetzt die Armeen der Kauravas zu vernichtenden Angriffen in die Ränge der Pandavas.

Und wieder floß der Fluß von Blut,

Gehirn und Kot der Fluten Schaum,

Lanzen wie Schwertfische in der Strömung tanzen,

die Haare wie Algen sich balgen,

nur die Helden gehen hinüber, den grausigen Weg,

Keulen wie Krokodile, Pfeile wie Schlangen.

Hunderte trägt es zu Yamas Haus.

Und Duryodhana bat Drona: "Fange mir Yudhishthira lebend!" "Das soll geschehen, doch lenkt mir Arjuna ab. Er ist mein Schüler und lernte zu viel von mir, und er trägt Waffen, die ihm von Indra und Rudra gegeben wurden."

Und die Könige der Kauravas spendeten den Brahmanen Gold und schworen mit lauter Stimme, Arjuna zu töten: "Wenn es uns nicht gelingt, Arjuna zu töten, wenn wir in Furcht fliehen, so soll die tiefste Region der Hölle unser sein, dort, wo die Säufer erleiden ihre Pein und der, der seines Gurus Weib verführt, und der, der seine Frau während der Periode berührt, und der, der den Hilfesuchenden abweist, und der, der den Hungrigen nicht speist, und der, der Eunuchen triezt und Kühe striezt, und der, der zur Lüge bereit, die Wahrheit entweiht."

So forderten sie Arjuna zum Kampf. Und Arjuna blies seine gewaltige Muschel, die goldene Devadatta, und er blies so heftig, daß alles erstarrte, die Wolken am Himmel, der Rauch des Feuers, das Laub der Bäume, die todessehnsüchtigen Helden, und auch die Pferde standen paralysiert mit weitgeöffneten Augen und pißte und kotzten Blut. "Seht euch noch einmal die Welt an, bevor ihr sterbt!" rief Arjuna und wie ein hungriger Löwe verzehrte er die Selbstmordkommandos.

Der König von Pragjyotishas, der hehre Bhagadatta, griff mit seinem Riesenelefanten Supratika Bhimasena an. Der Rüssel des Tieres packte Bhimas Streitwagen und schleuderte und zerschmetterte ihn. Bhima flüchtete unter den feindlichen Elefanten und schlug das Tier in seine empfindlichsten Teile, bis es verrückt wurde und wie eine Töpferscheibe tanzte. Als Dasarna mit seinem Elefanten das Biest dann angriff, flüchtete Bhima schnell von unter Bhagadattas Elefanten. Dasarnas Elefant aber wurde von Supratikas Stoßzähnen getötet.

Bhagadatta vernichtete alles um sich her. Wie Indra auf Airavata im Kampf gegen die Asuras stand er auf dem Rücken seines Tieres. Großen Schaden richtete er an, und das Geschrei auf Seiten der Pandavas war groß.

Arjuna hörte es von dort, wo er eintönig immer neue Kriegerreihen niedermachte. "Den Samsaptakas habe ich genug gegeben. Jetzt muß ich meinen Brüdern zur Hilfe kommen." Und er kehrte den Selbstmordkommandos den Rücken zu, aber sie riefen ihn zurück. Da drehte er sich noch einmal um und tötete noch ein paar Hundertschaften.

Krishna hetzte die Pferde, und Arjunas Kampfwagen jagte auf Bhagadatta zu, der auf seinem hohen Tier thronte wie die Götter auf Meru.

Bhagadatta, obwohl von unbezwingbarer Energie, war uralt, er war so alt, daß seine Haut in Lappen von ihm hing, und hätte er die Haut seiner Stirn und seiner Augenbrauen nicht mit einem Seidentuch festgebunden, so hätten sie seine Sicht behindert.

Arjuna setzte ihm schwer zu; er aber, obwohl schon verletzt, griff nach seiner Vaishnava-Waffe, hauchte ihr mit Vishnus Mantra Leben ein und schleuderte sie auf Arjuna, aber Krishna sprang vor und empfing diese alles zerstörende Waffe an seiner Brust, wo sie sich in eine Girlande verwandelte.

"Warum tust du das? Hast du nicht geschworen nur mein Wagenlenker zu sein? Wenn schon, dann hilf mir, wenn ich in Not bin, aber nicht, wenn ich auf meinen Füßen stehe."

"Mit dieser Waffe ist es eine besondere Geschichte. Ich gab sie Naraka, dem Erden Sohn, als mein viertes Ich nach tausendjährigem Schlaf erwachte, und machte ihn so unbesiegbar; nicht einmal Indra und Shiva sind immun gegen diese Waffe. Bhagadatta bekam sie von Naraka und jetzt kehrt die Waffe zu mir zurück. Vishnus Mantra kann nur Vishnu nicht töten. Bhagadatta aber ist unbewaffnet und du lebst. Töte ihn schnell, so wie ich den Antigott Naraka tötete!"

Zuerst schoß Arjuna einen langen Pfeil zwischen Supratikas Augen. Wie ein Blitz einen Berg zersplittert, wie eine Schlange sich in einen Ameisenhaufen bohrt, so traf Arjunas Pfeil und drang in den Körper des Tieres ein. Das Tier gehorchte nicht mehr, stand wie angewurzelt, fiel.

Der nächste Schuß zerschnitt Bhagadattas Seidentuch. Er sah nichts mehr. Dann fühlte er einen mondsichelförmigen Pfeil in seiner Brust das Herz zerschneiden. Der große Mann fiel wie eine alte Buche vom Sturm.

Währenddessen hatte Duryodhana die Einkreisung Yudhishthiras Armee befohlen, und zehntausend goldene Banner tragende Könige umkreisten die Pandava-Krieger. Sie hatten geschworen, bis zum Tode zu kämpfen. Ihre mit Sandelpaste eingeschmierten Körper glänzten in der Sonne.

Yudhishthira sprach zu Arjunas Sohn Abhimanyu: "Es gibt nur vier Helden, die diesen Kreis sprengen können: Dich, Arjuna, Krishna und Pradyumna. Arjuna kämpft gerade mit Bhagadatta. Helfe du uns!" "Mein Vater lehrte mich in diese Formation einzudringen, aber ich gehe wissend, daß ich nicht zurückkehre." "Keine Angst. Schneide einen Pfad und wir folgen dir."

Abhimanyus Pferde galoppierten los. Karnas jüngerer Stiefbruder stellte sich ihm in den Weg, aber ein einflügeliger Pfeil von Abhimanyus Bogen schnitt ihm den Kopf ab. Selbst Karna selbst mußte beim Ansturm des jungen Helden fliehen. Abhimanyu fuhr durch die feindlichen Reihen wie die glorreiche Sonne am Zenit. Aber die Bresche, die er geschlagen hatte, wurde schnell von Jayadratha, dem König der Sindhus, mit seinen Männern geschlossen. Und Abhimanyu war vom Heer der Pandavas abgeschnitten. Aber heldenhaft foch er, die ihn umgebenden feindlichen Helden, und es war nicht einer da, der ihm ebenbürtig war. Selbst wenn sie alle auf einmal auf ihn einstürmten, so wehrte er sie noch mit Leichtigkeit ab.

Dem Acharya Drona füllten sich die Augen vor liebevoller Hingabe und Bewunderung mit Tränen. "Hat es je einen Krieger gegeben, der diesem Jungen gleichkäme!" rief er aus, als er selbst im gemeinsamen Angriff mit Ashvatthaman, Kripa, Sakuni, Salya und noch vielen anderen großen Kriegern gegen ihn nichts ausrichten konnte.

Rüstungen zerbrachen, Waffen wurden zerschossen, Blut floß, und immer mehr stürzten in panischer Angst davon.

Karna ging zu Drona und klagte: "Abhimanyu setzt uns fürchterlich zu. Seine Pfeile zerstören unsere Moral."

"Ja, er weiß zu gut, wie man mit Waffen umgeht. Solange er bewaffnet ist, ist er unbesiegbar. Aber es ist möglich, seine Waffen zu zerstören, die Sehne seines Bogens zu zerschießen und die Zügel seiner Pferde."

Diesen Rat folgend, zerschoß Karna Abhimanyus Bogen und Kritavarman tötete seine Pferde und Kripa schlachtete seine beiden Wagenlenker. Da sprang Abhimanyu nur mit Schwert und Schild bewaffnet zum Angriff, und wenn er sprang, so schoß er durch die Lüfte wie Garuda, der König der Vögel. Und unerschrocken kämpfte er wie das Kshatriya-Dharma inkarniert.

Ein scharfer Pfeil Dronas, von hinten geschossen, zerbrach das Diamanten verzierte Heft von Abhimanyus Schwert, und Karnas Pfeile durchdrangen seinen Schild; so machten sie ihn verteidigungslos. Er aber sammelte sich einen Streitkolben und stürmte damit auf Dronas Sohn Ashvatthaman, der aber schnell aus seinem Streitwagen sprang, bevor dieser unter der Wucht des Schlages krachend zerbrach.

Schon schlägt Duhshasanas Sohn auf Abhimanyu ein, und während der junge Held noch taumelnd sich zu verteidigen sucht, wird er gänzlich übermannt niedergemacht.

Ein Freudengeschrei ertönte in den Reihen der Kauravas, und einige tanzten barbarisch um die Leiche des jungen Helden. Aber den Guten rollten die Tränen. "Unsere Leute haben den Ehrenkodes der Kshatriya vergessen; es wird böse mit uns enden."

Selbst die am Himmel kreisenden Geier kreischten empört.

Ein Krieger getötet durch viele Krieger, wie ein Elefant durch viele Jäger. Da lag er auf dem Feld, wie der Mond verschluckt von Rahu zur Zeit der Finsternis, wie ein ausgetrockneter Ozean, wie ein ausgebrannter Wald, wie die Welt am Ende der Zeit.

Und die liebliche Stunde des abendlichen Zwielichts kam. Die Sonne stand tief am westlichen Horizont. Langsam verschwand sie und nahm mit sich den Glanz der Schwerter, Waffen und Schilde, der Ornamente und Diademe.

Nachdem Arjuna und Krishna die gnädige Göttin des Zwielichts geehrt hatten, kehrten sie zum Lager zurück.

"Wo ist mein Sohn Abhimanyu? Ich sehe meinen gazellenäugigen, immer lächelnden Sohn Abhimanyu nicht? Ist er tot? Liegt er auf dem Feld im roten Bad des Blutes wie eine gefallene Sonne? Oh, was wird seine Mutter Subhadra sagen? Was Draupadi?"

Krishna tröstete ihn: "Tod kommt zu allen Helden, die nicht vom Schlachtfeld zurückkehren."

Und Vyasa erschien extra. "Du kennst die Natur des Todes", sprach er: "Es ist nicht recht, daß du über die Toten trauerst wie die Ungelehrten."

Arjuna aber schwor: "Morgen töte ich Jayadratha, den die größte Schuld trifft!" Und er ergriff seinen Bogen Gandiva und zupfte an der Sehne. Das Schwirren erfüllte die Nachtluft. Krishna blies seine Muschel Panchajanya und Arjuna seine Devadatta. Schrecklich erzitterten die vier Ecken der Welt und die oberen und unteren Regionen.

Jayadratha war der Sohn Vriddhakshatras, des großen Königs der Sindhus. Bei seiner Geburt wurde vorausgesagt, daß er einen Heldentod sterben würde, denn einer der größten Krieger aller Zeiten würde ihm den Kopf abschlagen.

Alle Lebenden müssen sterben, aber kaum einer, wie weise und mutig auch immer, begrüßt es. Tief bekümmert, murmelte Vriddhakshatra einen Fluch: "Wer immer veranlaßt, daß der Kopf meines Sohnes auf den Boden rollt, dessen Kopf soll augenblicklich zerspringen."

Als Jayadratha das Mannesalter erreichte, wurde er zum König gesalbt, und sein Vater zog sich in den Wald zurück, um in einem Ashram nahe der Ebene, die das Schlachtfeld der Kurukshetra-Schlacht werden sollte, seinen Lebensabend in religiösen Übungen zu verbringen.

Jetzt, wo Jayadratha von Arjunas Schwur hörte, fürchtete er sich sehr und wollte fliehen. Aber Duryodhana versicherte ihm, daß die gesamte Armee morgen nur eine Aufgabe haben werde, nämlich ihn zu schützen, und daß es für Arjuna unmöglich sein werde, auch nur in seine Nähe zu kommen.

Drona meinte zu ihm: "Du bist ein Kshatriya. Der Tod sollte keinen Schrecken für dich haben. Kämpfe mutig wie deine Ahnen!"

Am nächsten Morgen gab Drona Jayadratha den Befehl zwölf Meilen hinter der eigentlichen Front mit Somadatta, Karna, Ashvatthaman, Shalya, Vrishasena, Kripa und deren Truppen in sichere Stellung zu gehen.

Drona ordnete dann den Hauptteil der Armee in der Lotus-Formation an, unterstützt von einer stachelköpfigen Streitmacht. Dahinter erst stand Jayadratha. An der Spitze aber stand Drona in seiner weißen Rüstung auf seinem Kampfwagen. Hoch über ihm wehte sein Banner mit dem Hirschfell und der Opferschale und flößte der Kauravas-Armee Mut ein.

Arjuna griff zuerst Drona an, aber mußte einsehen, daß er unbesiegbar war. "Partha, laß uns keine Zeit verlieren", sprach Krishna zu Arjuna: "Es hat keinen Sinn einen Brahmanen, der keine Erschöpfung zu kennen scheint, zu bekriegen." Und sie wichen dem alten Acharya aus und bohrten sich in die feindlichen Reihen. Immer neue Armeen warfen sich ihnen entgegen. Die Bhojas wurden vernichtet, Kritavarma und Sudakshima besiegt. Srutayudha versuchte Arjunas Vorrücken zu verhindern. Ein harter Kampf entstand, in dem Srutayudha seine Pferde verlor. Er schleuderte einen Streitkolben auf Krishna. Einst hatte Srutayudhas Mutter Parnasa durch lange Buße Varuna gnädigt gestimmt und um den Segen gebeten, daß ihr Sohn niemals von einem Feind getötet werde. Varuna hatte ihr diesen Streitkolben gegeben und gesagt, daß niemand ihn besiegen noch töten könne, solange er diese Waffe habe, doch dürfe er sie nie gegen einen Wehrlosen benutzen, da sie dann zurückschnellt und den Schwinger der Waffe tötet. So starb Srutayudha.

Als nächstes stellte sich der König von Kamboja mit seiner Streitmacht Arjuna in den Weg und kämpfte einen harten Kampf, bis er und seine Leute ausgestreckt am Boden lagen und zu den Toten zählten.

Dann griffen Srutayu und sein Bruder Asrutayu von beiden Seiten an. Für einen Moment war Arjuna von Schlägen, die ihn hart trafen, benommen, aber Krishna ermunterte ihn wieder, und er tötete die zwei Brüder und deren Söhne.

Noch einmal wurden sie angegriffen, diesmal von Duryodhana, der aufgrund seiner Klagen von Drona dessen bezauberte Rüstung erhalten hatte, die ihn schützen sollte, aber Arjuna schoß auf alles, was aus dieser Rüstung hervorragte, bis Duryodhana es vor Schmerz nicht mehr aushalten konnte und zu Fuß floh, denn alles, Pferde und Gefolge, war schon tot, getötet von Arjuna wie nebenbei.

Dann endlich erreichten sie Jayadrathas Armee. Krishna blies seine Muschel und alle Krieger um den Sindhu-König erzitterten, denn sie hatten nicht erwartet, daß Arjuna bis zu ihnen durchkommen würde, und sofort machten sie ihre Streitwagen fertig; Bhurisravas, Chala, Karna, Vrishasena, Kripa, Salya, Ashavatthaman und Jayadratha.

In der Zwischenzeit kämpfte Yudhishthira erfolgreich gegen die Hauptstreitmacht der Kauravas. Satyaki setzte Drona schwer zu, hundertundeinen Bogen zerschoß er dem alten Acharya, ohne daß der auch nur einen Pfeil abschießen konnte, doch dann mußte Satyaki vor Erschöpfung dem Nie-Erschöpften weichen. Yudhishthira, in großer Angst um Arjuna, da er nur Krishnas Muschelhorn hörte, aber bat Satyaki, sich, obwohl abgemerkelt, bis Arjuna und Krishna durchzuschlagen, doch der schon Erschöpfte konnte nur langsam durch die feindlichen Reihen vorrücken. Und als Yudhishthira lange Zeit nichts vom ihm hörte, schickte er Bhima hinterher.

Und wie ein Löwe weniger noble Tiere verjagt, so richtete Bhima unter den Feinden Verwirrung an. Als er an Drona vorbei wollte, schrie Drona: "Halt, hier bin ich, dein Feind! Erst mußt du mich besiegen, bevor du weiterkannst. Dein Bruder Arjuna ging mit meiner Erlaubnis, aber dich lasse ich nicht durch." "Was? Brahmane! Mein Bruder ging mit deiner Erlaubnis? Ich will dir sagen, er brach deinen Widerstand und nur aus Mitleid hat er dich nicht getötet. Aber ich kenne eine solche Rücksicht nicht." Und brüllend wie ein Löwe stürzte Bhimasena mit seiner Keule auf Drona und zerschlug seinen Streitwagen. Vor Bhimas Schlägen flüchtend, sprang Drona in einen neuen Wagen, den Bhima auch zerschlug. Acht Wagen verlor Drona insgesamt und viele seiner besten Männer - durch Bhima.

Bhima stürmte weiter in die Nähe von Arjuna, mit dem er sich vereinigen wollte. Da erschien Karna. Bhima hatte keinen Wunsch mit ihm zu kämpfen, sondern wollte nur zu seinem Bruder, doch Karna versperrte ihm den Weg und forderte ihn mit Pfeilen heraus.

Ein schrecklicher Kampf begann. Der Unterschied zwischen diesen beiden Helden war augenfällig. Da der gut aussehende, lotusgesichtige Karna, der ein strahlendes Lächeln wie die Sonne selbst zeigte, als er angriff und rief: "Dreh mir nicht den Rücken zu! Du bist doch kein Feigling!" Hier der vor Wut schäumende Bhima, jede Bewegung war brutal und voller Kraft.

Bhima, der zornig Rasende, schleuderte seine Sperre in Karnas Richtung, aber der wich mit eleganten Hüft- und Kopfbewegungen aus, und immer noch lächelnd schoß er gut gezielte Pfeile zurück.

Während Karna alles mit Leichtigkeit zu machen schien, stürmte Bhima schnaufend und pustend durch den Pfeilregen wie ein brünstiger Bulle durch die geschlossene Stalltür oder ein Keiler durchs Unterholz. Er beachtete die Pfeile nicht, die ihm Wunden schnitten. Und bald sickerte das Blut an allen Stellen aus seinem Körper und er sah aus wie ein Asoka-Baum in Blüte, aber es war ihm egal, sein Leben selbst galt ihm nichts mehr, nur Rache nehmen wollte er, denn er konnte die Verletzungen und Beleidigungen, die er, seine Brüder und Draupadi erlitten hatten, nicht vergessen.

Bhima zertrümmerte Karnas Streitwagen, so daß er, übers Feld gehetzt, um sein Leben zu einem neuen Wagen laufen mußte, und auch den rammte und zerfetzte Bhima. Immer mehr kam Karna in Bedrängnis, das Lächeln war ihm schon längst vergangen.

Als Duryodhana Karnas Bedrängnis sah, schickte er seinen Bruder Durjaya zu Hilfe, aber Bhima tötete ihn wie nebenbei, seine andere Hand zerschlug mit der Keule Karnas neuen Wagen.

Und wieder stand Karna ohne Wagen da. Duryodhanas Bruder Durmukha kam mit seinem Wagen zur Rettung. Während Karna noch in den Wagen kletterte, trafen neun Pfeile Durmukha, und Karna mußte mit ansehen, wie auch dieser Bruder Duryodhanas in seinem eigenen Blut verendete. Vor Trauer gelähmt stand Karna.

Fünf weitere Söhne Dhritarashtras, nämlich Durmarsha, Dussaha, Durmata, Durdhara und Jaya, kamen um dem bedrängten Helden zu helfen. Zuerst beachtete Bhima sie nicht, aber als sie zu lästig wurden, tötete er sie.

Duryodhana schickte dann seine sieben Brüder Chitra, Upachitra, Chitraksha, Charuchitra, Sarasana, Chitrayudha und Chitravarman Karna zu Hilfe. Sie kämpften mutig und mit großer Geschicklichkeit, aber fielen einer nach dem anderen.

Tränen überströmten Karnas Gesicht, als er sah, daß sich so viele Söhne Dhritarashtras seinetwegen geopfert hatten, und er bestieg einen neuen Kampfwagen mit frischen Pferden und begann mit aller Zähheit einen neuen Kampf.

Wie Gewitterwolken stießen die beiden Gegner zusammen, und eines der wunderbarsten Zweikämpfe der Geschichte wurde ausgetragen. Die Helden beider Seiten, Krishna, Arjuna und Satyaki von den Pandavas und Burisravas, Kripacharya, Ashvatthaman, Salya, Jayadratha und viele andere von der Kauravas Seite, unterbrachen ihre Kämpfe und sahen bewundernd den beiden gewandten Kämpfern zu. Für beider Können hatte man Jubel und Ausrufe der Bewunderung.

Duryodhana aber fürchtete, daß Bhima Karna töten würde, und schickte noch einmal sieben Brüder. Einer nach dem anderen fiel, von Bhimas Pfeilen getroffen.

Vikarna, der als letztes fiel, war am beliebtesten von allen. Als Bhima auch diesen mutigen Krieger tot umfallen sah, rief er tief bewegt aus: "Vikarna! Du warst gerecht und wußtest, was Dharma war. Aber ich mußte selbst dich töten. Dieser Krieg lastet wie ein Fluch auf uns."

Karna schloß die Augen, angesichts der vielen Toten. Als er die Schlacht wiederaufnahm, glühte sein Gesicht von wildem Haß, wütender selbst als Bhimas. Bhima verlor seine Wagenlenker und Pferde, und der nun unbewegliche Wagen war auch bald zerbrochen. Einen letzten Speer warf Bhima auf Karna, der im geschützten Wagen stand und ihn abwehrte, dann stürmte er mit Schwert und Schild los, aber schnell hackten Karnas Pfeile Schwert und Schild in Stücke. Die Stücke warf Bhima Karna entgegen und zerbrach damit sogar noch einen Bogen. Dann, hinter den Leichnamen von Elefanten Deckung nehmend, setzte Bhima den Kampf fort. Alles, was er fand, schleuderte er Karna zu, nicht nur Hartes und Gefährliches wie zerbrochene Waffen, Wagenräder, Deichseln, Fahnenstangen und Steine, sondern auch Leichen, abgehackte Glieder, Pferdekadaver, je selbst Elefantenköpfe, und Karna mußte nun neben Pfeileschießen auch den Wagen immer wieder ausräumen, damit er nicht unter der Last zusammenbrach. Trotzdem hätte Bhima wohl diesen Kampf nicht mehr lange durchgestanden, wenn nicht Karna sich an das Versprechen, das er Kunti gegeben hatte, erinnert hätte, nämlich nur einen ihrer Söhne zu töten, und dieser eine sollte Arjuna sein.

Endlich brach auch Satyaki durch die Reihen und erschien bei der Schutzarmee von Jayadratha, zu der auch Bhurisravas, der Sohn Somadattas, gehörte.

Es bestand eine alte Familienfehde zwischen den beiden. Denn einst, als Devaki, die gesegnete Mutter Krishnas, noch ein junges Mädchen war, hielten viele junge Prinzen um ihre Hand an, und auch Somadatta und Sinti fochten ihretwegen einen Kampf aus. Sini gewann und nahm Devaki in seinem Wagen mit sich. Und seitdem sind die beiden Klans, Sinis Klan und Somadattas Klan, miteinander befeindet. Satyaki war Sinis Enkelsohn, Bhurisravas Somadattas Sohn. Da sie sich auf entgegengesetzten Seiten der Kurukshetra-Schlacht befanden, war es nur natürlich, daß Bhurisravas, sofort als er Satyaki sah, den jüngeren Krieger herausforderte.

"O Satyaki, lang habe ich dich gesucht. Wie Indrajit Dasarathas Sohn Lakshmana vernichtete, so wirst du heute sterben und ins Totenreich gehen, zur Freude, höchsten Herzensfreude, manch einer durch dich ihres Mannes beraubten Witwe."

"Zeige deine Tapferkeit im Kampf und töne nicht wie leere Donner in Herbstwolken!"

Und ein schrecklicher Kampf entbrannte, in dem beide etwa gleiche Geschicklichkeit zeigten. Sie beraubten sich zuerst ihrer Pferde, dann ihrer Kampfwagen und ihrer Bögen, dann zerhackten sie sich ihre Schilde und zerbrachen ihre Schwerter, und mit bloßen Händen packten sie sich zum Kampf um Leben und Tod.

Arjuna konzentrierte sich auf jede Bewegung Jayadrathas und beachtete diesen Kampf zwischen Satyaki und Somadattas Sohn nicht, aber Krishna bangte um Satyaki: "Satyaki ist erschöpft. Bhurisravas wird ihn töten." Aber Arjuna beachtete es nicht.

"Satyaki kam nach anstrengender Schlacht hierher und war gezwungen Bhurisravas Herausforderung anzunehmen. Ein unfairer Zweikampf. Wenn wir ihm nicht helfen, wird Bhurisravas ihn umbringen."

Gerade als Krishna das sagte, stemmte Bhurisravas Satyaki hoch und schmetterte ihn krachend auf den Boden. Die Kauravas-Armee jubelte: "Satyaki ist tot!"

Krishna drängte weiter: "Satyaki ist fast tot. Jemand, der kam, um dir zu helfen, wird vor deinen Augen getötet, und du tust nichts."

Arjuna befand sich in einem großen Gewissenskonflikt. "Weder habe ich Bhurisravas, noch er mich herausgefordert. Wie kann ich meine Pfeile zu ihm schicken, wo er gerade im Kampf mit einem anderen verwickelt ist? Ich schrecke davor zurück." Schmerzhaft schielte er zu den beiden hinüber, während er sich gegen Jayadratha verteidigte. Bhurisravas hatte einen Fuß auf den ausgestreckten Körper Satyakis gestellt und mit einem vom Boden aufgelesenen Schwert holte er aus, um den Ohnmächtigen zu erschlagen. Da schoß Arjuna mit der Geschwindigkeit des Lichts einen Pfeil und im nächsten Augenblick fiel der Arm mit dem Schwert zu Boden.

Verwundert drehte sich Bhurisravas um. "O Sohn Kuntis. Das hätte ich nicht von dir erwartet. Es geziemt einem Krieger nicht, in dieser Art feige von hinten zu schießen. Wie willst du diese unritterliche Tat deinem Bruder Dharmaputra erklären? Oh, wer hat dich diesen Trick gelehrt? Hast du es von deinem Vater Indra oder von deinen Gurus Drona und Kripa? Welcher ritterliche Ehrenkodex erlaubt diese Tat? Kein Mensch von adligem Blute hätte so unehrenhaft gehandelt. Du hast leichtsinnig deine Ehre beschmiert. Aber ich sehe, es war dein Umgang, die schlechte Gesellschaft mit dem verachtungswürdigen Krishna." So klagte Bhurisravas, dem der rechte Arm abgeschossen war, Arjuna und Krishna an.

"O Bhurisravas, du bist alt und das Alter scheint deine Urteilsfähigkeit geschmälert zu haben. Du beschuldigst uns grundlos. Sollte ich mit ansehen, wie ein Freund, der mir wertvoll wie eine rechte Hand war und sein Leben für mich im Kampf riskierte, ermordet wird, wenn er hilflos auf dem Boden liegt. Die Hölle hätte ich verdient, wenn ich da nicht eingegriffen hätte. Wo ist der ritterliche Ehrenkode, der sagt, daß man sein Schwert erheben soll, um einen Ohnmächtigen und Hilfslosen zu erschlagen? - Ich erinnere mich auch, wie du vor Freude gebrüllt hast, als man meinen Jungen Abhimanyu, der schwankend und erschöpft, seiner Waffen beraubt, mit aufgerissenem Brustharnisch auf dem Schlachtfeld umzingelt stand, erschlug. Wo ist deine Ehre, Bhurisravas?"

Bhurisravas antwortete nicht; mit der linken Hand schüttete er seinen Kücher aus und auf die Pfeile setzte er sich in Meditation.

Arjuna aber sprach weiter: "Mutige Helden, die ihr seid und Freunden treue Freunde, ein jeder von euch, ihr werdet mich verstehen. Ich habe geschworen, jeden Freund in Bogenschußnähe zu beschützen. Ich kann keinem Feind erlauben, einen meiner Freunde zu töten. Das ist ein heiliges Gelübde." Und zu Bhurisravas gewandt: "O Edelster unter den mutigen Helden, du selbst hast viele beschützt, die deine Freunde waren. Du weißt, was uns auch passiert, es sind unsere eigenen Irrtümer. Es ist ungerecht, mich anzuklagen. Wenn schon, dann laß uns die Gewalttätigkeit, die das Kshatriya-Leben regiert, beklagen!" Und Bhurisravas senkte sein Haupt traurig in Zustimmung.

Satyaki aber, wieder bei Bewußtsein, sprang auf, riß das Schwert, das Bhurisravas vormals schwang, an sich und schlug dem in Yoga auf seinen Pfeilen Sitzenden den Kopf ab, während alles um ihn in Horror schrie. Weder Krishna noch Arjuna konnten es verhindern.

Die Götter und die Siddhas murmelten Bhurisravas "Willkommen" zu. Jeder verdammte Satyaki. Doch der behauptete, es sei ein Feind der Familie gewesen, der ihn töten wollte, und in welcher Haltung er auch immer sei, er habe das Recht, ihn zu töten.

Gegen Haß und Zorn sind Ehrenkode und Dharma machtlos.

Die Sonne begann zu sinken.

"Die Stunde der Entscheidung ist gekommen, o Karna", sprach Duryodhana: "Wenn Jayadratha bis zum Einbruch der Nacht nicht getötet ist, hat Arjuna sein Gesicht verloren und wird sich selbst töten. Und mit dem Tod Arjunas ist der Untergang der Pandavas sicher und die ganze Welt wird unser und wir werden die absolute Macht haben. Arjuna schwor etwas Unmögliches im Augenblick größter Gedankenlosigkeit, denn die Götter wollten seinen Untergang. Es ist nicht mehr lange bis Sonnenuntergang. Laßt uns alles tun, um Jayadratha bis dahin zu schützen."

Der Kampf tobte weiter. Arjuna tat alles, um zu Jayadratha durchzukommen, aber viele große Krieger beschützten ihn, viele fielen.

Arjuna, Savyasachin, der er war, benutzte mal die eine Hand, mal die andere Hand zum Schießen. Beide säten Horror und Schrecken.

Sowohl die Kauravas als auch die Arjuna sahen immer wieder westwärts, denn der Tag ging zur Neige.

"O Krishna, die Sonne verschwindet bald hinter den Asta-Hügeln." Krishna, der sah, daß Arjuna nicht recht voran kam, sprach: "Ich werde meine magische Yogakraft benutzen und Dunkelheit über die Sonne ausbreiten. Jayadratha wird sich dann in Sicherheit wiegen und herauskommen. Töte ihn dann, wenn er nicht auf der Hut ist!" "Gut."

Und Krishnas Yoga verdunkelte die Sonne. Erleichtert blickten die Kauravas dem letzten verschwindenden Sonnenstrahl nach, auch Jayadratha. "Er sieht in die dunkle Sonne. Schieß ihm den Kopf ab! Aber paß auf, daß er nicht auf den Boden fällt, denn, wer das verursacht, dem wird der Kopf in hundert Stücke zerspringen."

Arjuna nahm einen mit Mantras beseelten Pfeil, den er lange mit Parfüm und Blumen verehrt hatte, und schoß. Der Pfeil schnitt Jayadrathas Kopf mit solcher Leichtigkeit ab, wie ein Habicht einen Spatzen vom Ast wegträgt. Schnell schoß Arjuna Pfeile hinterher, so daß der Kopf durch die Luft segelte und schließlich in dem Schoß des Königs Vriddhakshatra, Jayadrathas Vater, landete. Der Alte saß in seiner abendlichen Meditation vor seinem Ashram. Als er aufstand, rollte der Kopf auf den Boden. Augenblicklich zerbarst Vriddhakshatras Kopf. Vater und Sohn gingen zusammen in das himmlische Reich für mutige Krieger ein. Arjuna blies triumphierend sein Muschelhorn. Als Yudhishthira es hörte, klopfte sein Herz höher, und mit größerem Optimismus führte er seine Leute gegen Dronas Armee.

Die Nacht war schon hereingebrochen, aber an diesem vierzehnten Tag der Schlacht wurde der Kampf mit Sonnenuntergang nicht eingestellt.

Wie Leidenschaft und Zorn zunahmen, so nahmen Regeln und Rücksichtnahmen ab.

Die Nacht aber war die Zeit der Dämonen, und Ghatotkacha, Bhimas Sohn von seiner Asura-Frau, wütete mit seiner Armee der Anti-Götter so heftig gegen die Kauravas, daß Tausende und Zehntausende in Minuten ihre Opfer wurden.

"O Karna, töte diesen Dämon sofort, oder die Armee überlebt bis zum Morgen nicht mehr!" bat Duryodhana. Und Karna nahm die Lanze, die Indra ihm einst gegeben hatte, weil dieser Gott der Götter sich beschämt gefühlt gehabt hatte, als Karna ihm die göttlichen Waffen und Ohrringe, mit denen er geboren worden war, geschenkt gehabt hatte. Aber es war immer noch ein schlechter Tausch für Karna gewesen, denn die Waffe wirkte nur einmal tödlich, das eine Mal aber todsicher. Deshalb hatte er sie immer für den unvermeidlichen Kampf mit Arjuna aufbewahrt. Aber in dieser gespenstischen Nacht, übermüdet und unmittelbar bedroht, schleuderte er sie auf den Giganten. So fiel Bhimas Sohn Ghatotkacha.

Die Blutschlacht tobte weiter. Immer mehr schlossen die Augen vor Müdigkeit und Erschöpfung. Es war Mitternacht, als Arjuna rief: "Ihr alle, die ihr müde seid, legt euch schlafen! Doch wenn der Mond aufgeht, laßt uns weiterkämpfen."

Und beide Armeen schliefen, schliefen auf Pferderücken, an den Hälsen der Elefanten und auf dem Boden. Sie schliefen geharnischt, das Schwert in der Hand. Sie schliefen erschöpft wie der Liebhaber am Busen einer wunderbaren Frau.

Der Lord der Lilien, der silbergraue Mond, entstieg der Unterwelt und überflutete das Feld mit silbrigem Hauch. Zarter Nebel wallte über die Ebene. Und das Heer der Helden erhob sich Welle für Welle. Der Kampf wurde weitergekämpft. Krieger, die die Welt zerstören, in der Hoffnung auf den Himmel.

Drona wütete wieder mit Schrecken in den Reihen der Pandavas. "Solange er seine Waffen nicht zur Seite legt, ist er unbesiegbar", sagte Krishna zu den Pandavas: "Vergeßt Dharma und die strengen Regeln des Krieges. Wenn er zum Beispiel hört, daß sein Sohn Ashvatthaman erschlagen wurde, so wird er sich weigern weiterzukämpfen. Also laßt jemanden ausrufen, daß Ashvatthaman gefallen ist."

Arjuna und seine Brüder waren von diesem Vorschlag schockiert. Aber schließlich nach langem Zögern sagte Yudhishthira: "Ich werde diese Sünde auf mich nehmen."

Ist es nicht befremdend? Aber als der Ozean am Anbeginn der Welt umgerührt wurde und das tödliche Gift hervortrat, um die Götter zu vernichten, kam da nicht Rudra und trank es? Nahm Rama nicht, um einem Freund zu helfen, die Sünde eines Meuchelmordes auf sich? Und so trat Yudhishthira hervor und entschied die Schande auf sich zu nehmen, als es keinen anderen Weg gab.

Bhima erschlug mit seinem eisernen Streitkolben einen riesigen Elefanten, dessen Name Ashvatthaman war, und mit all der Macht seiner Stimme rief er: "Ich habe Ashvatthaman getötet!" Und im Moment stand Drona kraftlos da, aber er vermutete eine Lüge, da er seines Sohnes Größe kannte, und schlug weiter auf die Feinde ein.

Aber während er noch kämpfte, erschienen über dem Schlachtfeld die Heiligen Vishvamitra, Jamadagni, Bharadvaja, Gautama, Vasishtha, Kashyapa und Atri zusammen mit allen Abkömmlingen Brighus und Angiras, um Drona in Brahmas Reich zu holen, und sie sprachen: "Schäme dich, du, ein Brahmane, und kämpfen! Leg deine Waffen zur Seite. Denk an die Vedas, folge der Wahrheit, kehre zur Ewigkeit zurück. Die Zeit deines Lebens auf Erden ist um."

Tief bekümmert um das Schicksal seines Sohnes wandte sich der Acharya an Dharmaputra, sicher in der Annahme, daß Dharmaputra nicht die Unwahrheit sagen würde, nicht einmal für die Herrschaft über die drei Welten.

Als Drona so fragte: "Yudhishthira, ist es wahr, daß mein Sohn tot ist?" fürchtete Krishna, daß Yudhishthira jetzt doch nicht lügen könnte, und flüsterte ihm zu: "Wenn Drona noch einen halben Tag überlebt, sind die Pandavas vernichtet, denn Dronas Brahmastra-Waffen sind von unüberkommbarer

Potenz. Eine Lüge, um sein Leben zu retten, ist keine Lüge. Lügen gegenüber einer Frau, in der Ehe, um eine Kuh zu retten oder eine Brahmanen, sind keine Lügen. Lüge und rette dich und deine Brüder!"

"Er wird dir glauben", sprach Bhima, "obwohl er mir nicht geglaubt hat. Die drei Welten wissen, daß du ehrlich bist."

Da rief Yudhishthira: "Ashvatthaman ist tot", und fügte flösternd hinzu: "der Elefant."

Bisher war Yudhishthira über der Welt mit ihrer Unwahrheit erhaben gewesen, aber jetzt war er ein Stück Erde geworden, irdisch wie jeder von uns. Auch er wollte den Sieg und war dafür zur Lüge bereit, so befand er sich jetzt auf gemeinsamer Straße mit dem Rest der Menschheit.

Als Drona auch von Yudhishthira hörte, daß sein viel geliebter Sohn tot sei, verlor er, wie Krishna vorausgesagt hatte, jegliches Interesse am Kampf und jegliche Bindung zum Leben, ein jegliches Bedürfnis erkaltete in ihm, als wäre es nie vorhanden gewesen.

Bhima näherte sich ihm mit harten Worten: "Brahmane, du hast die dir zugedachte Aufgabe deines Lebens verlassen und des Kshatriyas Handwerk der Waffen angenommen, so hast du vielen mutigen Königen, Prinzen und Kriegern den Tod gebracht. Wärest du nicht von dem Weg der Pflichten, der dir durch deine Geburt zugedacht war, abgewichen, wären diese edlen Helden noch am Leben. Ihr Brahmanen lehrt uns, daß Gewaltlosigkeit das höchste Dharma sei, und daß die Brahmanen die Schützer und Pfleger dieses Dharmas seien. Und doch hast du die Weisheit, die dir gehörte von Geburt, verraten und verachtet und schamlos das Mordhandwerk ergriffen. Es ist dein und unser Unglück gewesen, daß du dich zu solcher Sünde hast herabgelassen."

Aber Drona hatte schon jeden Lebenswillen verloren. Er warf seine Waffen weg und setzte sich in Yoga auf den Boden seines Wagens und fiel in Trance. Er meditierte über Brahma, Wahrheit und Om.

Ein transzendenter Schein stieg von seinem Körper auf gen Himmel. Nur fünf sahen Mahatma Drona die Welt der Sterblichen verlassen, nämlich: Sanjaya, Arjuna, Krishna, Yudhishthira und Ashvatthaman. Die anderen dachten, er wäre immer noch in Meditation versunken.

Dhrishtadymna kletterte mit gezogenem Schwert in Dronas Kampfwagen und schlug dem vorgebeugt Sitzenden mit einem Hieb den Kopf ab.

"Oh nein!" schrie Arjuna, aber Dhrishtadyumna hörte nicht. Nachdem er Drona getötet hatte, schleuderte er den blutenden Kopf am weißen Haar triumphierend den Kauravas entgegen, die vor Furcht erzitterten.

So starb der fünfundachtzigjährige Drona, der auf dem Schlachtfeld mehr Kraft und Energie gezeigt hatte als ein Sechszehnjähriger, von der Hand Dhrishtadymnas, wie vorausgesagt.

Und hier ist seine Geschichte: Drona, der Sohn des Brahmanen Bharadwaja, hatte als Kind eine Freund, Drupada, der der Sohn des Königs von Panchala war. Gemeinsam studierten sie die Vedas und Vedantas in der Einsiedelei von Dronas Vater. So intime Freunde waren sie, daß Drupada öfters sagte, er werde, wenn er König sei, Drona die Hälfte des Reiches abgeben.

Später, als Drona mit Kripas Schwester verheiratet war und einen Sohn, Ashvatthaman, bekam, begehrte er für beide Wohlstand, etwas, was ihm vorher gleichgültig gewesen war. Zuerst ging er zu Parasurama, denn er hatte gehört, daß der seinen Reichtum an Brahmanen verschenke, aber er kam zu spät, Parasurama hatte schon alles verschenkt und wollte sich in die Wälder zurückziehen. Doch besorgt, nichts für Drona tun zu können, bot er ihm an, ihn im Gebrauch der Waffen zu unterrichten. Drona war einverstanden und wurde so ein unvergleichlicher Meister der Militärkunst, wert in dieser kriegerischen Zeit als Lehrer von Prinzen an jedem Hofe herzlich willkommen geheißen zu sein.

In der Zwischenzeit hatte Drupada nach dem Tode seines Vaters den Thron von Panchala bestiegen. Drona, der sich an die Freundschaft ihrer Jugend erinnerte, ging zu ihm. Am Hofe stellte er sich als einen alten Freund vor; doch Drupada hatte sich sehr verändert, machttrunken tönte er: "O Brahmane, wie kannst du dich meinen Freund nennen? Wie kann Freundschaft existieren zwischen einem gekrönten Haupt und einem umherwandernden Bettler? Was für ein Narr mußt du sein, daß du glaubst wegen einer längst vergangenen Bekanntschaft, dich Freund eines Königs nennen zu können! Wie kann der Arme der Freund eines Reichen sein, wie ein dummer Bauernlümmel der eines Gelehrten, wie ein Feigling der eines Helden? Ein vagabundierender Bettler kann nicht der Freund eines Herrschers sein. Nein, nein, das geht nicht." und so wurde Drona aus dem Palast gejagt.

Als nächstes ging er nach Hastinapura, wo er dann der Lehrer der Pandavas und Kauravas wurde; und als sie die Kunst der Waffen gemeistert hatten, schickte er sie in den Krieg gegen Panchala mit der Aufgabe, Drupada im Kampfe zu besiegen und gefangen zu nehmen. Als Drupada nun gefangen vor ihm stand, sprach er lächelnd: "Großer König, fürchte nicht um dein Leben. Als Jungen waren wir Freunde, aber du hast es vergessen und mich entehrt. Du sagtest, nur ein König könne der Freund eines Königs sein. Nun sieh, ich bin ein König, denn ich habe dein Königreich erobert, und trotzdem suche ich Freundschaft mit dir. Ich werde dir die Hälfte des Reiches geben, denn du glaubtest ja, daß Freundschaft nur unter Gleichen möglich sei. Wir werden also gleich sein." Und Drona setzte Drupada frei und ehrte ihn als Freund.

Aber Drupadas Stolz war schwer verletzt. Da Haß nie verlöscht und nur wenige Dinge schwerer zu ertragen sind als verletzte Eitelkeit, bekam der Haß auf Drona und der Wunsch nach Rache das herrschende Motiv in Drupadas Leben, und er führte viele Tapas durch, fastete und opferte den Göttern, um sie gnädig zu stimmen, so daß sie ihm einen Sohn schenkten, der Drona töten würde. So wurde Dhrishtadyumna geboren.

Drona lag jetzt erschlagen, angesichts dessen klagte Arjuna: "O Yudhishthira, es ist deine Schuld. Du hast gelogen um des Sieges willen. Die drei Welten werden von deiner heimtückischen Tat sprechen, wie sie von Ramas Meuchelmord an Vali sprechen. Und ich, ich habe es nicht verhindert, die Schande fällt auch auf mich."

Niemand sagte etwas darauf, nur Bhima: "Bah, du plapperst wie ein Eunuch. Wir sind Kshatriya, wir müssen siegen. Vergebung paßt den Göttern, Brahmanen und Gurus. Wir sind Kshatriya, und wir haben eine andere Pflicht."

Dhrishtadyumna fügte hinzu: "Hast du vergessen, was sie Draupadi antaten? Sechs Pflichten hat ein Brahmane: das Durchführen von Ritualen, zu lehren, Wohltätigkeit zu üben, Geschenke anzunehmen, Zeremonien beizuwohnen und die heiligen Texte zu studieren. Wo steht, daß ein Brahmane kämpfen soll? Er benutzte übernatürliche Waffen, um unsere Soldaten zu töten. Er war ein falscher Brahmane. Mit falscher Magie täuschte er uns. Gut, daß er tot ist. Hör auf, uns anzuklagen! Lerne kämpfen, der Krieg ist noch nicht aus!"

Nach Dronas Tod wurde Karna Generalissimo der Kauravas Armee. Und Karna sprach: "Ich habe einst geschworen, die Pandavas und Krishna zu vernichten. Und ich werde meinen Schwur halten. Fürchtet euch nicht, die Pandavas sind schon so gut wie tot."

Krishna aber sprach zu Arjuna: "Ihrer großen Helden sind nicht mehr. Nur Karna ist übrig. Töte ihn, und die Schlacht ist geschlagen, der Sieg

euer."

Und wieder tobte die Schlacht.

Der Zweikampf zwischen Ashvatthaman und Arjuna glich zwei sich umkreisenden Planeten. Donnernd brüllend bewarfen sie sich mit Wolkenmassen von Pfeilen.

Arjuna schoß ziegenohrige Pfeile auf Ashvatthamans Pferde und sie brannten ihm durch, trugen den Wagen weit vom Feld.

Krishna und Arjuna wandten sich wieder den Samsaptakas zu, dieser eingeschworenen Selbstmordtruppe, und mähten gleichmäßig die Reihen nieder. Wie eintönig Krieg doch sein konnte!

Die Soldaten lagen gefallen auf dem Boden, verrenkt die Glieder, ein Bild der Schönheit, Blut beschmierte Zähne gaben ihren Gesichtern den Liebreiz reifer Granatäpfel, einige fielen wie gefällte Sandelbäume, roten Saft von sich spritzend. Menschen starben durch Menschen zu Tausenden und aber Tausenden. Waffen, Schirme, Schilde, Flaggen, Fahnen, Körper und Glieder fielen zur Erde, zerschmetterte Schädel; und die Gesichter der Toten wie zerknitterte Lotusblüten, und welke Girlanden strahlten eine vergangene Herrlichkeit aus.

Am nächsten Tag sprach Karna: "Heute töte ich Arjuna, oder er tötet mich."

Duryodhana war damit einverstanden und bat Shalya, den König von Madras, Karnas Wagenlenker in diesem Kampfe zu sein. Wütend erwiderte Shalya: "O Sohn Gandharis, du beleidigst mich. Warum sollte ich, der ich Karna in jeder Weise überlegen bin, sein Wagenlenker sein?"

Duryodhana aber sprach die süßen Worte: "Du hast ja recht und niemand hat an deiner Größe gezweifelt. Du bist sogar größer als Krishna, genauso wie Karna größer als Arjuna ist. Und du weißt zweimal so gut mit Pferden umzugehen wie Krishna, deshalb brauchen wir dich."

"Ich freue mich, daß du so etwas sagst, vor all den Kriegern hier. Also gut, ich werde die Pferde zügeln, aber nur unter der Bedingung, daß Karna es mir nicht übelnimmt, was immer ich ihm sage."

Das akzeptierte Karna.

"Vier Arten der Rede sind ehrbaren Männern unwürdig, als da sind: Selbstverachtung und Eigenlob, schlechte Reden über andere und Schmeicheleien. Trotzdem will ich über mich reden, um dir Selbstvertrauen zu geben. Was Aufmerksamkeit, Voraussicht und Manövrierfähigkeit anbelangen, so fahre ich den Wagen so gut wie Indras Wagenlenker Matali."

"So fahre mich dorthin, wo die fünf Pandavas sind. Ich will sie bekämpfen, besiegen, vernichten."

"Du hast eine armselige Meinung von den Pandavas. Du vergißt, was für große Gegner sie sind. Schnell wirst du deine Worte bereuen, wenn du den Donnerknall des Gandiva-Bogens hörst. Wenn seine Pfeileschauer den Himmel verdunkeln, wirst du alles vergessen, was du jetzt gerade eben gesagt hast."

Es nicht beachtend, schrie Karna: "Auf in den Kampf!" Und die ganze Armee jubelte ihm zu.

"Was für ein wunderbarer Anblick! Was für ein Aufgebot von Macht!" So sah Karna verliebt seine Armee. "Selbst Yama, der Totengott, könnte Arjuna heute nicht retten, all die Götter nicht, selbst wenn sie wollten."

"Du bist eingebildet, die Macht steigt dir zu Kopfe. Du redest, wie du nicht reden solltest."

Und mit seinem weißen Streitwagen gezogen von weißen Pferden tauchte er wie ein Schwan in die feindliche Armee. Schnell tötete er siebenundsiebzig Krieger und zehn Streitwagenhelden. Zuerst erreichte er Yudhishthira, dem er gleich seinen Kampfwagen ruinierte. Schnell kletterte Yudhishthira in einen Ersatzwagen, der von elfenbeinfarbenen Pferden mit schwarzen Schwänzen gezogen wurde, und flüchtete. Karna jagte hinterher, kam seitlich und berührte Yudhishthira mit seiner Hand, die verziert war mit den Glückszeichen des Blitzes, des Schirmes, das Hakens, des Fisches, der Flagge, der Schildkröte und des Muschelhorns. Es wäre ihm ein Leichtes gewesen, Yudhishthira zu töten, aber er erinnerte sich an das Versprechen, das er Kunti gegeben hatte, und deshalb verspottete er ihn nur: "Auf der Flucht, o edelster Kshatriya? Hast du die Pflichten eines Kshatriyas vergessen? Studiere die Vedas, führe heilige Rituale durch! Und lauf, lauf, kleiner Sohn Kuntis, und störe uns nie wieder! Kämpfe keine großen Schlachten und sprich keine harten Worte, und wenn, dann nicht gegen uns, sondern gegen deine Brüder. Komm, lauf zu Krishna und Arjuna. Ich töte niemanden wie dich." Und zu Shalya gewandt, sagte Karna: "Fahre mich als nächstes zu Bhima!"

Bhima stand wie ein Drache, Wut schnaubend, bereit, den aufgestauten Zorn langer Jahre auszukotzen. Ein Berge zertrümmernder Pfeil Bhimas begrüßte Karna. Wie vom Blitz getroffen, brach er zusammen. Shalya flüchtete mit dem Unmächtigen. Die Kauravas-Armee stürzte auf Bhima, um eine Verfolgung zu verhindern, und die Armeen der Pandavas stürzten Bhima zur Hilfe. Der Zusammenstoß der Armeen war wie der Zusammenstoß von Ozeanen; die Brecher, die sich auftrürmten, waren Leichenberge.

Als Karna wieder zu sich kam, sagte Duryodhana zu ihm: "Schnell, nutze das Chaos, greife jetzt an!" Karna schüttelte seinen Bogen drohend und suchte Arjuna.

Yudhishthira war tatsächlich zu Arjuna geflohen und machte ihm schwere Vorwürfe: "Was taugt deine Armee? Karna lebt. Fürchtest du dich vor ihm? Hast du nicht, als wir noch im Dvaita-Dschungel waren, geschworen, ihn zu töten? Du hast Krishna als Lenker, du heißt das Affen-Banner, dein Bogen ist sechs Ellen lang. Wovor fürchtest du dich? Gib deinen Bogen Krishna und laß ihn die Arbeit tun! Besser man hätte dich abgetrieben als diese Schande."

Da zog Arjuna sein Schwert. "Bist du verrückt! Was willst du mit gezogenem Schwert? Ich sehe niemanden, der den Tod verdient", mischte sich Krishna ein.

Arjuna, wie eine wütende Schlange atmend, erwiderte: "gIch habe geschworen, jeden zu töten, der sagt: Gib deinen Gandhiva-Bogen einem anderen! Und dieser König hat gerade eben diese Worte gesagt. Das verzeihe ich ihm nicht. Ich muß meine Schwüre halten. Ich habe meine Prinzipien."

"Schäme dich! Werde weiser! Dies ist keine Zeit, blöde Schwüre zu halten. Du redest von Prinzipien. Welches Prinzip sagt, daß du töten sollst? Ahimsa ist das höchste Prinzip. Lüge, wenn es sein muß, aber töte nie. Ich werde dir erklären, was die höchste Moral ist. Wahrheit ist Dharma. Nichts ist höher als Wahrheit. Doch Wahrheit ist eine komplexe Sache. Manch eine Wahrheit darf nicht geäußert werden, manch eine Unwahrheit ist zulässig. Manchmal wird Wahrheit zur Unwahrheit und Unwahrheit zur Wahrheit. Wenn das Leben in Gefahr ist, wenn die Ehe auf dem Spiele steht, ist Lügen zulässig. Um sich mit Frauen zu vergnügen, um eine Brahmanen zu schützen oder eine Kuh, ist Lügen erlaubt. In diesen fünf Fällen wird die Unwahrheit zur Wahrheit. Nur ein Narr wälzt sich in Wahrheit, ignorant des Unterschieds zwischen Wahrheit und Unwahrheit. Es ist besser zu lügen, um Dieben und Räubern zu entkommen, als bei ihnen zu bleiben. Güter, Leuten gegeben, die sie unmoralisch nutzen, wird kaum den Geber ehren. Und ähnlich ist es mit einer Lüge, die das Dharma erhöht; sie wird nicht als Lüge angesehen."

"O Krishna. Da ist nichts in den drei Welten, was du nicht wüßtest. Mein Schwur ist mein Schwur. Selbst Bhima hat geschworen, den zu töten, der ihn bartlos nennt. Was soll ich tun?"

"Yudhishthira war erschöpft und erregt, als er sagte, was er sagte, denn er hatte sich blamiert, war beleidigt worden. Sei erhaben über deines Bruders Zorn, geh und besämftige ihn, damit er die erlittene Schmach überwindet."

Dies geschah am siebzehnten Tag der Schlacht.

Während Karna und Arjuna über das Feld jagten, den Kampf mit anderen meidend, aufeinander losstürmten, griff Duhshasana Bhima im Durcheinander an. Ein Pfeil, strahlend wie die Sonne, mit Gold und Edelsteinen besetzt, schlug Bhima ohnmächtig. Doch schnell kam er wieder zu sich und stürmte mit ausgeholtem Streitkolben los, schreiend: "Ein Pfeil für mich, eine Keule für dich."

Von der Wucht des Schlages flog Duhshasana zehn Bogenlängen weit. Da lag er in seiner zertrümmerten Rüstung, sich krümmend vor Schmerz. Bhima erinnerte sich, wie er Draupadi einst an den Haaren herbeigezogen hatte, und Wut flammte in ihm auf, wie Feuer gefüttert mit Öl. Und vor den Augen Duryodhanas und Karnas und der ganzen feindlichen Armee setzte Bhima seinen Fuß auf den Hals Duhshasanas und schnitt seine Brust auf; mit den Händen schöpfte er das warme Blut und trank: "Süßer als Muttermilch, süßer selbst als Nektar ist dieser Trunk, der meinen Rachedurst stillt. Prost, Duhshasana. --- Ich bin fertig mit dir. Du starbst mir zu früh."

Den Soldaten sträubten sich die Haare: "Das ist kein Mensch, das muß ein Rakshasa sein." Und noch einmal bückte sich Bhima und nahm eine Hand voll: "Noch einmal trinke ich dein Blut, Duhshasana, verspotte uns jetzt, nenn uns Schwächlinge; heute spotten wir über dich." Und blutüberströmt tanzte Bhima, wie Indra tanzte, nachdem er den Anti-Gott Vritra getötet hatte.

So erfüllte Bhima seinen Schwur.

Und es war hier, daß Karna zum ersten Mal große Furcht fühlte, aber er begab sich zum Kampf, suchte Arjuna.

Und die beide Streitwagen näherten einander. Beide, Arjuna und Karna, trugen strahlende Rüstungen, zweischneidige Schwerter, hatten weiße Pferde, Yak-Schwänze fächerten ihnen, weiße Schirme schützten ihre Häupter, goldene Girlanden gaben ihnen Götterglanz, ihre Genicke wie von Löwen, ihre Haltung wie die des Pfaus und ihre Augen gerötet, von ungeweinten Tränen. Wie Bullen, wie tollwütige Elefanten, wie Giftschlangen, so suchten sie einander, wie mächtige Planeten am Ende einer weltzerstörenden Yuga, wie Sonnen, die sich gegenseitig verbrennen wollten, wie Galaxien zum Kampf angetreten, so drohten sie, Vernichtung ausstrahlend.

Karnas Panier war das Symbol der Elefantenfessel, Arjuna flog den seine schrecklichen Zähne fletschenden Affen.

Karna fragte lächelnd seinen Wagenlenker: "O Shalya, was tust du, wenn Arjuna mich tötet?" "Dann ist es meine Pflicht, Arjuna und Krishna zu töten."

Arjuna stellte Krishna die gleiche Frage: "Was tust du, wenn Karna mich tötet?" Krishna lächelnd: "Die Sonne mag fallen, die Erde zerschmettern, Feuer seine Hitze verlieren und Gold seinen Glanz, bevor Karna dich besiegt. Aber sollte es doch geschehen, so ist es ein Zeichen, daß der Welten Ende gekommen ist. Ich, ich werde ihn dann mit meinen bloßen Händen töten."

Das schreckliche Duell begann. Karna fühlte, daß er Arjuna gewachsen war, und als er Fehler in seiner Abwehr gewahr ward, schoß er einen lang verehrten schlangenschnauzigen Pfeil, den er in einem goldenen Kücher in Sandelholzpulver aufbewahrt hatte, auf Arjunas Kopf gezielt.

Schrecklich zischend, einen Schweif hinter sich ziehend wie ein Komet, so kam der Pfeil in einer geraden Linie angeflogen. Schnell preßte Krishna den Kampfwagen fünf Finger tief in den Matsch, und dieser Schlangenpfeil traf nur Arjunas Diadem, das schöne Ornament fiel zerbrochen zu Boden. Die Schlange dieses Pfeils aber kehrte zu Karna zurück und sagte: "Schieß mich noch einmal und Arjuna wird sterben!" "Wer bist du?" fragte er die grimmige Schlange. "Ein Feind Arjunas. Er tötete meine Mutter und ich suche Rache. Schieß mich noch einmal und der Sieg ist dein." "Karna schießt den gleichen Pfeil nicht zweimal, nicht einmal, um hundert Arjunas zu töten. Karna braucht keine Hilfe von außen. Geh und sei glücklich."

Da versuchte die Schlange alleine, Arjuna anzuspringen.

"Das ist die Schlange, deren Mutter du im Khandava-Forest getötet hast", sagte Krishna, und Arjuna schoß sechs Pfeile auf die fliegende Schlange. Und sieben Stücke krümmten sich am Boden.

Mit lautem Gebrüll steuerte Karnas Wagen auf Arjuna zu, aber Kala, der Lord der Zeit, Karnas Todesstunde kennend, näherte sich ihm unsichtbar und flüsterte ihm zu: "Karna, die Erde verschlingt dein linkes Wagenrad." Und Karnas Wagen begann zu kippen, sein linkes Rad versackte im Boden. Karna war verzweifelt: "Oh, die Tugendhaften, sie sagen, Lord Dharma schützt die Tugendhaften. Aber Dharma verläßt mich. Ich glaube Lord Dharma sind seine Jünger egal." Und er sprang vom Wagen, um ihn aus dem blutigen Schlamm zu heben.

"O Arjuna, großer Krieger, der du bist, wirst du doch nicht mein Mißgeschick ausnutzen. Du kennst doch die Regeln der Schlacht und der Ritterlichkeit. Laß mich meinen Wagen in Ordnung bringen!"

Arjuna zögerte, aber Krishna rief: "Pah, jetzt erinnerst du dich an Dinge wie Ritterlichkeit. Wo aber war deine Ritterlichkeit, als ihr Draupadi an ihren Haaren in die Sabha vor all die Könige und Prinzen zogt, als sie wegen ihrer Menstruation mit nur einem Sati bekleidet war? War es ritterlich, sie zu beleidigen und zu verhöhnen, ihr die Kleider vom Leib zu reißen? War es ritterlich, den Anblick der beleidigten Draupadi zu genießen? War es ritterlich, Dhramaputra im Würfelspiel zu betrügen? Ritterlich, ihm nach dreizehn Jahren Exil das Königreich nicht zurückzugeben? Ritterlich, zu versuchen, die Pandavas in einem Wachshaus lebendig zu verbrennen, zu versuchen, Bhima zu vergiften? Oder denk an den Mord an Abhimanyu. War das ritterlich? Eine Zunge, die Draupadi beleidigen konnte, die Lügen und hinterhältige Pläne formulieren konnte, sollte nicht von Ritterlichkeit reden, denn sie hat die Ritterlichkeit nie geehrt."

Karna ließ den Kopf vor Scham hängen, schweigend bestieg er seinen Wagen wieder, schnell schoß er Pfeile. Arjuna war überrascht. Das nutzte Karna aus. Er sprang wieder aus dem Wagen, um ihn eiligst aus der Blutpfütze zu heben, aber der Fluch lastete zu schwer auf ihm, Fortuna hatte den großen Krieger verlassen. Die Mantras der mächtigen Astras, die er von Parasurama gelernt hatte, wollte er aufsagen, aber sein Gedächtnis versagte ihm in dieser Stunde der Not, wie Parasurama einst vorausgesagt hatte.

"Töte ihn jetzt, wo er hilflos ist", befahl Krishna. Und Arjuna nahm einen schrecklichen Pfeil aus seinem Köcher: "Mögest du Karna ins Reich Yamas, des Todengottes, schicken."

Karnas Kopf fiel zu Boden. Aus seinem Hals sprudelte das helle Blut, füllte die Pfütze. Shalya floh vom Feld, hinter sich lassend die Leiche.

Der Kopf, der da zwischen Kot und Blut wie die Lotus mit den tausend Blütenblättern strahlte, gehörte einem Mann, der so mutig wie der tausendäugige Indra war und jetzt so tot wie die tausendstrahlige Sonne des Nachts.

Arjuna tötete Karna auf Befehl Lord Krishnas, in einer unfairen Situation. Nach dem damals herrschenden Ehrenkodex und den Gesetzen des Krieges war es ein großes Unrecht und durch und durch falsch. Wer konnte die Verantwortlichkeit für Übertretungen des Dharmas tragen, außer der Lord selbst?

Es ist Eitelkeit, zu glauben, durch rohe Gewalt und Krieg, Ungerechtigkeit zu beseitigen. Ein Kampf für Gerechtigkeit, geführt mit roher Gewalt, führt nur zu zahlreicheren Ungerechtigkeiten, und das Ergebnis: Adharma nimmt zu.

Duryodhana goß Weihwasser auf Shalyas Haupt, und setzte ihn so als Oberbefehlshaber ein, um den Rachezug zu leiten.

Mit großer Kraft schleuderte Yudhishthira eine mit vielen Mantras besprochene Lanze auf Shalya. Er sprang vor, als wolle er sie fangen, aber verfehlte und empfing das tödliche Geschoß in seiner Brust. Mit ausgestreckten Armen fiel er vorwärts; wie ein liebendes Weib ihrem Mann entgegenkommt, so schien der Erdboden sich zu erheben, um Shalya, den Bullen unter Männern, zu empfangen.

Wie am Busen einer teuren Freundin, so schien Shalya zu schlafen, mit Armen und Beinen die Erde umklammernd, bedeckt vom Blut und Kot der Schlacht.

Die letzte Hoffnung verloren, viele Krieger flohen. Aber die Söhne Dhritarashtras taten sich noch einmal zusammen zu einer letzten Anstrengung. Sie sollten sie nicht berleben.

Shakuni griff an. Aber als Sahadeva rasierklingenscharfe Pfeile mit Geierfedern schoß, fürchtete er sich und wollte wie die anderen fliehen. Sahadeva folgte ihm: "Sei ein Mann und kämpfe! Denk an deinen Betrug beim Würfelspiel! Heute bekommst du dafür bezahlt mit rasierklingenscharfen Pfeilen, die dir deinen Kopf abschneiden werden wie eine Mango vom Baum."

Sahadeva schoß ihm die Arme ab. Welche Wonne! Dann enthauptete ein breitköpfiger Pfeil diesen Teufel der Kauravas-Konspiration.

Duryodhana sah sich um und sah nur noch Feinde am Leben. Da floh er zum See Dvaipayana.

Streitkolben in der Hand stieg er in das Wasser und versteckte sich in der Tiefe des Sees. Mit seiner Geisteskraft erzeugte er die Illusion, daß das Wasser hart sei und er unerreichbar.

O Duryodhana, edelster der Bharatas, zerschlagen liegt deine Armee von elf Akshauhinis. Von Tausenden von Königen, die treu deine Sache verfochten - war es aus Stolz, war es aus Gier nach Macht oder aus Freundschaft - lebt keiner mehr.

Da kamen die drei Könige Kritavarman, Kripa und Ashvatthaman, die auch noch am Leben waren, an den See und sprachen: "Laß uns Yudhishthira bekämpfen, Duryodhana! Unsere Kameraden sind alle tot. Laß uns die Pandavas töten oder sterben wie unsere Freunde!"

"Nein, laßt uns ruhen. Ihr seid müde, ich bin auch müde. Jetzt ist nicht die Zeit zu kämpfen. Laßt uns bis morgen ruhen, morgen kämpfen wir besser als heute."

Ashvatthaman antwortete: "Steh auf! Kämpfe jetzt! Ich schwöre, wir gewinnen."

Und während sie so diskutierten, hörten Jäger es, und sie erinnerten sich, daß Yudhishthira überall Duryodhana suchte, und schlichen deshalb in sein Lager - öffentlich konnten sie dort nicht eindringen, da sie einer niedrigen Kaste angehörten - und verrieten Duryodhanas Versteck, wofür man sie reichlich belohnte.

Yudhishthira aber eilte mit seinen Brüdern und Krishna an den See.

Als Kritavarman, Kripa und Ashvatthaman die Pandavas kommen hörten, verließen sie Duryodhana.

Dann standen die Pandavas vor dem verzauberten Wasser. Yudhishthira sprach: "Da sitzt er im See und glaubt sich sicher vor der Hand Sterblicher, aber er soll uns nicht entkommen." Krishna: "Benutze deine eigenen magischen Kräfte und zerstöre seine Illusion. Nur mit Hexerei bricht man Hexerei."

Yudhishthira aber sprach lächelnd zum See: "O Duryodhana, warum versteckst du dich im Wasser? Willst du, nachdem du Volk und Familie vernichtet hast, selbst dem Tod entgehen? Steh auf und kämpfe! töte uns und regiere die Welt, oder werde getötet und gehe in Indras Himmel als mutiger Krieger ein! Denk an deine Geburt, du bist ein Kshatriya! Sagt nicht Brahma selbst, daß Kämpfen die höchste Pflicht in einem Kshatriya-Leben ist?"

Duryodhana antwortete vom Wasser aus: "Furcht ist überall und niemand ist ohne Furcht, doch glaube nicht, daß Furcht vor dir mich hierher brachte. Mein Streitwagen ist zerschmettert, mein Köcher leer, mein Harnisch verbeult und ich bin erschöpft."

"Lange haben wir dich gesucht, komm raus und kämpfe mit uns!"

"Alle meine Brüder und Freunde sind tot, alle, für die ich diesen Krieg geführt habe. Nichts zieht mich mehr hin zur Welt. Genießt diese öde Welt, diese Welt ohne Freunde, Pferde, Elefanten, ohne Bäume und Blumen, ohne Schönheit, sie gehört euch jetzt ganz allein. Genießt sie! Genießt sie nur, es gibt nichts mehr auf der Welt, für das sich noch zu kämpfen lohnt!"

"Wir weigern uns, die Welt als Geschenk anzunehmen. Kein Kshatriya nimmt Almosen an. Die Welt haben wir uns schon längst genommen, jetzt wollen wir dich. Du hast unsere Frau beleidigt und uns betrogen und belogen und zu töten gesucht, dafür sollst du sterben."

"Ihr habt eine ganze Armee, Waffen, Streitwagen und Freunde, aber ich bin allein und waffenlos. Wie kann ich eine Armee besiegen? Kämpft einzeln, einer nach dem anderen mit mir! Ich fürchte keinen von euch, nicht einmal Krishna. Wie die Zeit den Jahren begegnet, so will ich mich euch im Kampfe stellen, einem nach dem anderen, und wie die aufgehende Sonne der Sternen Licht verlöscht, so werde ich euer Lebenslicht auslöschen, und meinen toten Freunden so Tribut entrichten."

Und Duryodhana stürzte aus dem Wasser, Streitkolben in der Hand. "Die Götter sollen Zeuge sein, wie ich allein euch alle, einen nach dem anderen, erschlage, und dann urteilen, ob das ein fairer Kampf war." "War es fair, als ihr Abhimanyu tötetet? Dharma vergißt man nur zu leicht bei sich selbst. Schnalle deinen Harnisch um, verknote dein Haar und mach dich fertig zum Zweikampf. Wenn du einen von uns Pandavas-Brüdern besiegst, so soll das Königreich wieder dir gehören. Wen wählst du als ersten?" "Bhima, denn nur er ist mir ebenbürtig."

Krishna flüsterte zu Yudhishthira: "Es war leichtsinnig, ihm das Königreich zu versprechen. Was wäre, wenn er dich, Arjuna, Nakula oder Sahadeva für das erste Duell gewählt hätte? Mit seiner Keule hat er dreizehn Jahre an einer Eisenstatue geübt. Nur Bhima ist ein Gegner für ihn. Bhima hat Kraft, aber Duryodhana ist listig. List aber besiegt Kraft. Es war dumm, alle Vorteile so leichtsinnig aufs Spiel zu setzen, wie es dumm war, alles an Shakuni zu verspielen."

"Keine Angst", meinte da Bhima: "Ich töte ihn. Seht, meine Keule ist doppelt so schwer wie seine!" und an Duryodhana gewandt: "Bevor du jetzt stirbst, erinnere dich noch einmal an deine Verbrechen, denk an Varanavata, wo du uns lebendig verbrennen wolltest, denk an das Gift, das du in mein Essen kipptest, denk an den Betrug beim Würfelspiel, denk an Draupadi, der ihr die Kleider vom Leibe rißt, und bereite dich auf den Tod vor!"

"Was stehst du da und donnerst wie leere Herbstwolken? Sieh, ich bin hier, bereit!"

Und mit großem Geschrei stürzten die beiden aufeinander, die Kolben

krachten, Blitze zuckten durch den Nachthimmel. Schnell waren sie erschöpft und prusteten heftig, träge stießen sie immer wieder gegeneinander, wie halbverhungerte Katzen über einen Fetzen Fleisch kämpfen mögen."

Ja, der Krieg war hart gewesen für alle.

Lange taumelten sie mit ihren schweren Waffen umher. Eine Patt-Situation.

Dann machte Krishna zu Arjuna eine Bemerkung. Bhima solle Duryodhanas Schenkel zerschmettern, wie einst in der Sabha geschworen, als Duryodhana Draupadi gezwungen hatte, auf seinen Schenkeln zu sitzen. Bhima hörte diesen Hinweis und schlug seinen Kolben mit aller Macht gegen Duryodhanas Schenkel, der dann schwer verletzt zusammenbrach.

Ein schrecklicher Lärm kam aus den Eingeweiden der Erde. Fürchterliche Monster erschienen, ohne Kopf aber mit vielen Armen und Beinen, und sie tanzten. Seen und Brunnen spuckten Blut, Flüsse flossen in die falsche Richtung.

Bhima, außer sich vor Freude, tanzte um Duryodhana herum und trat ab und zu nach seinem Kopf: "Du lachtest, als man uns und Draupadi beleidigte. Du lachtest und wir lachen jetzt."

Yudhishthira war besorgt: "Bhima, trete ihn nicht, er ist ein König, er ist unser Cousin, er verdient unser Mitleid."

"Es ist mir egal, ob Bhima auf mich Hilflosen herumtrampelt, werden doch bald Krähen und Geier das Gleiche tun. Ein großer König war ich und im Kampf zu fallen war die Krone meines Lebens. Triumphierend gehe ich ins Swarga zu meinen Freunden."

Balarama, Krishnas älterer Bruder, der gerade von einer Pilgerreise zu heiligen Orten zurückgekommen war und diesen Kampf mit angesehen hatte, rief: "Nieder mit Bhima, denn er schlug unter den Nabel!" Und er hätte Bhima mit seinem Pflug erschlagen, wenn nicht Krishna dazwischen gekommen wäre: "Die Pandavas sind unsere Freunde. Sie sind die Kinder unseres Vaters Schwester. Bhima schwor einst in der Sabha, Duryodhanas Schenkel im Kampfe zu brechen. Jeder wußte das. Und es ist eine heilige Pflicht der Kshatriyas, einen Schwur zu halten. Bevor du Bhima verdammst, denk an all die Ungerechtigkeiten, die die Kauravas den Pandavas antaten. Voreilig zu urteilen, ohne die Reihe der Ereignisse, die zu einer Tat führten, zu berücksichtigen, führt nur zu Irrtümern und Fehlurteilen. Man kann sich nicht einen Akt aus einem Kontext greifen und den nur beurteilen, das wäre ein großes Unrecht. O Balarama, die Welt hat sich verändert, das Zeitalter Kalis hat begonnen, und die Gesetze des vorigen Zeitalters gelten nicht mehr. Für die nächsten 432 000 Jahre herrschen Verhängnis, Verdammnis und Ungerechtigkeit. Denke an Bhima als einen der letzten wackeren Männer, die ihre Schwüre hielten!" Doch Balarama blieb ungehalten und verlie den Ort

verärgert.

Yudhishthira hatte nichts gesagt, schweigend stand er abseits; als Krishna ihn ansprach, sagte er: "Es quält mich, daß Bhima den tödlich verletzten Duryodhana so mißhandelte. Ich sehe das Ende unseres glorreichen Geschlechts. Aber Bhima dachte an all die Jahre im Exil und all die Bosheiten der Kurus. Ich mochte ihn nicht aufhalten." Da kam Bhima freudestrahlend: "Der lange Kampf ist überstanden, alle Dornen entfernt, die Welt gehört uns."

"Dann laßt uns gehen", meinte Krishna: "Was sollen wir noch hier? Der sterbende Duryodhana verdient keine Sympathie. Er war ein Narr, fiel in schlechte Gesellschaft und ruinierte sich selbst. Was soll man noch Zeit an zerbrochenem Porzellan verschwenden?"

Duryodhana, in Agonie auf dem Boden ausgestreckt, richtete sich noch einmal trotz seiner Schmerzen halb auf. Wie eine schwanzlose Schlange sah er aus. Er zischte Krishna an: "Elender! Sklavensohn! War dein Vater Vasudeva nicht Kamsas Sklave? Du hast gar kein Recht mit Prinzen umzugehen. Du bist ein Schuft. Glaubst du, ich hätte nicht gesehen, wie du Bhima ein Zeichen gabst, er solle nach meinen Schenkeln schlagen, gegen die Regeln des Zweikampfes. War es nicht dein Rat, daß Arjuna, hinter Shikhandin versteckt, Bhishma angreifen sollte, weil du wußtest, daß er sich eher tödlich verletzen läßt, als gegen eine Frau kämpft. Und auch Dronas Ende veranlaßtest du, indem du Dharmaputra lügen ließest. Du warst der Vater der tödlichen Lüge aus Yudhishthiras Mund. Und als Drona, der seine Waffen weggeworfen und sich in Yoga-Position gesetzt hatte, um über das höchste Prinzip zu meditieren, von Dhrishtadymna erschlagen wurde, hast du nicht protestiert. Du warst es, der Karna verleitet hat, seinen tödlichen Speer auf Ghatotkacha zu werfen, statt ihn für Arjuna aufzubewahren wie all die Jahre. Und sicher hast du Arjuna verleitet, Bhurisravas den Arm abzuschießen, als er gerade im Zweikampf mit Satyaki verwickelt war. Den Tod des edlen Karna hast du veranlaßt, indem du Arjuna befahlst, ihn feige zu erschießen, als er gerade seinen Wagen aus dem blutigen Sumpf des Feldes heben wollte. Deine Hexerei ließ die Sonne untergegangen erscheinen, so daß der Sindhu König glaubte, der Tag sei vorbei, und erleichtert ins Freie trat, wo er von Arjuna umgebracht wurde. Oh, du Teufel, unser Untergang ist allein dein Werk!"

"O Sohn Gandharis, warum fügst du dir zu den Schmerzen der letzten Minuten noch solchen Ärger hinzu? Sieh, es waren deine eigenen Bosheiten, die zu deinem Ende führten. Bhishma, Drona, Karna und all die anderen Helden starben wegen deiner Sünden. Und jetzt hast auch du die Schulden deiner Gier auf dem Schlachtfeld bezahlt. Aber du stirbst den Tod eines mutigen Mannes. Du wirst in den glücklichen Teil des Himmels eingehen, der für die Kshatriyas, die ihr Leben auf dem Feld ließen, reserviert ist."

"Ich habe die Vedas und Vedantas studiert, ich habe den Brahmanen Geschenke gemacht, wie es in den Schriften bestimmt ist, ich habe die meerumgürtelte Welt überlegen regiert. Während ich lebte, stand ich auf den demütigen Häuptern Hunderttausender von Feinden. Vergnügen, die selbst die Götter nicht verachten, und nach denen Könige sich vergeblich sehnen, habe ich genossen und die höchste Macht. Und mein Tod als Krieger ist die Krone meines Kshatriya-Lebens. Ich gehe nach Swarga, wo meine jüngeren Brüder, meine Freunde und Verbündeten schon auf mich warten. Wer ist gesegneter, ich oder du, Krishna, der du weiterleben mußt in dieser unglücklichen Welt, verdammt bist, tagtäglich diesen Friedhof zu ertragen, in trostlosen Häusern den Gefallenen nachtrauern mußt und keinen Trost findest? Was bleibt denn da vom lang ersehnten Triumph außer einem Geschmack von Asche im Mund?"

Bei Duryodhanas letzten Worten schütteten die Götter wundervoll duftende Blumen auf den sterbenden Krieger und die Gandhavas spielten Musik und der Himmel wurde festlich erleuchtet. Vasudeva und die Pandavas aber fühlten sich klein.

Im Weggehen sagte Krishna zu den Pandavas: "Es ist Wahrheit in dem, was Duryodhana sagte. Ihr hättet ihn nie auf faire Art besiegen können, denn er und seine Leute waren im fairen Kampf unbesiegbar. Aber Betrug ist in Ordnung, wenn der Gegner stärker ist. Die Götter selbst sind nicht darüber erhaben. Wir folgten nur ihrem Beispiel."

Als Ashvatthaman, Kripa und Kritavarman hörten, daß Duryodhana niedergeschlagen am See lag, eilten sie zu ihm.

"Oh, Freunde, ich bin am Ende, ein hilfloser Reisender auf der Straße des Lebens. Ich gehe jetzt, um Drona, Bhishma, Karna und die anderen großen Helden zu treffen."

Ashvatthaman erwiderte ihm: "Oh, es ist wahr, was geschrieben steht: Alles ist vergänglich und nichts bleibt. Ein König, der die Welt beherrschte, mag einsam neben einem See im Schmutz verenden."

"Alles ist Brahmas Wille."

"O Duryodhana, ich schwöre bei all meiner Religiosität, ich werde heute

nacht Rache nehmen an den Pandavas."

"Bringt mir ein Tongefäß mit Wasser", bat Duryodhana da. Das Wasser goß er auf Ashvatthamans Haupt. "Hiermit setzte ich dich als neuen Oberbefehlshaber der Kauravas-Streitmacht ein."

Dann machten sie sich zum Lager der Pandavas auf. Unterwegs in der Dunkelheit des Waldes wurden Kripa und Kritavarman sehr müde, denn es war spät. Unter einem großen Banian-Baum legten sie sich nieder. Der nackte Boden ihr Prunkbett. Sofort schliefen sie ein. Nur Ashvatthaman blieb wach. Wut, Haß, Rache sind kein Bett, auf dem man schlafen kann. Diese übermächtigen Gewalten hielten ihn wach. Er mußte an den Tod seines Vaters denken und an Duryodhana. Wie konnte er sie rächen? Ein offener Kampf wäre Selbstmord.

Da sah er über sich in der Baumkrone Tausende von Krähen schlafen. Plötzlich erschien eine schreckliche Eule. Dieser grünäugige Räuber der Nacht zerriß die in der Dunkelheit hilflosen Rabenvögel, einen nach dem anderen. Der Boden wurde schwarz mit Krähenleichen und -federn, und die Eule war glücklich.

Ashvatthaman verstand diesen Hinweis. "Diese Eule lehrt mich etwas." Schnell weckte er seine Kameraden.

Er erklärte ihnen seinen Plan. Sie erröteten vor Scham. "Das ist ein großes Unrecht. Schlafende zu töten, das hat noch nie jemand vorher getan. Ein Verbrechen ohnegleichen gegen die Kshatriya-Sitte."

"Vieles verstieß gegen die Sitte. Mein Vater starb, als er sich zum Gebet niedergesetzt hatte, Bhishma durch eine Frau, Karna, als er seinen Wagen aus dem Matsch heben wollte, Duryodhana durch einen gemeinen Schlag unter den Nabel. Feigheit und Gemeinheit besiegten uns. Feigheit und Gemeinheit brachen die Dämme des Adharmas. Adharma überflutet die Welt. Eine neue Zeit ist angebrochen. Es ist nicht ein Tropfen Dharma übriggeblieben, dem wir folgen könnten. Heute nacht räche ich meinen König und meinen Vater."

"Laßt uns Dhritarashtra, den weisen Vidura oder die makellose Gandhari konsultieren und ihrem Rat folgen."

"Bah, verschiedene Menschen, verschiedene Meinungen, verschiedene Gründe. Jeder hält sich für intelligenter als seinen Bruder. Denkt, was ihr wollt. Ich gehe heute nacht und schlachte die schlafenden Pandavas und ihre Verbündeten, die Panchalas. Das ist meine Pflicht. Nichts macht mich glücklicher. Und sollte ich wegen dieser Tat verdammt sein, im nächsten Leben als Geier von Aas zu leben oder als Wurm durch den Mist zu kriechen, es ist mir gleich. Ich heiße auch eine solche Geburt willkommen. Ich schwöre, sie zu töten. Töte ich sie, wenn sie waffenlos sind, so können sie nicht in den Himmel der Helden."

"Wir sehen, selbst Indra könnte dich nicht von deiner Tat abbringen. Die Sünde, die du auf dich nimmst, soll auch unsere sein." "Den Weg, den du gehst, geh mit uns gemeinsam!" Und die drei spannten ihre Pferde ins Joch und jagten zum Pandava-Camp. Das letzte Stück gingen sie zu Fuß.

Eine schreckliche Kreatur bewachte den Eingang. Ashvatthaman schoß Wunderwaffen auf das Vieh, göttliche Pfeile mit Zauber besprochen, aber der Dämon verschlang sie nur wie Feuer Wasser. Einen schrecklichen Schaft schleuderte Ashvatthaman dann, er zersplitterte wie ein Meteor gegen die Sonne. Ashvatthaman zog ein himmelblaues, scharfes Schwert, wie eine Schlange schnellte die Schneide vor, doch der Dämon verschlang das Schwert, verschwunden war es wie ein Mungo im Loch.

"Großartig", rief Ashvatthaman aus: "Ich werde die Hilfe Shivas suchen, der die Girlanden von Menschenschädeln trägt, der sich Hara nennt, und dem kein Gott überlegen ist."

Und Ashvatthaman betete: "Ich suche deinen Schutz, o Shiva, o Schrecklicher, auch genannt Rudra, Ishvara und Girisha, wünscheerfüllender Shiva, gnadegebender Shiva, Lord des Universums, blauhalsiger, dreiäugiger Lord von Uma, filzhaariger Shiva, der du wanderst auf den Totenghats, gelobet seiest du. O rothaariger Zerstörer der dreifachen Stadt, Undurchdringlicher, Unüberwindlicher, Bullenreiter, Träger der Mondsichel an der Stirn, für dich schütte ich meine Seele ins Feuer. Ich bin dein Opfer. Oh, erweise mir Gnade!"

Da erschien Shiva persönlich, lächelnd sprach er: "Bisher habe ich die Pandavas und Panchalas geschützt, doch auch ihre Zeit läuft nun ab und ihre Leben neigen sich dem Ende." Und er gab dem Bittsteller ein glänzend geschliffenes Schwert, dann fuhr Shiva in Ashvatthamans Körper. So mit Shivas Energie angefüllt, loderte Ashvatthaman in Glorie wie ein Gott.

Im Panchala-Lager lag Dhrishtadyuman; die lange Schlacht überstanden, hatte er endlich Rüstung und Waffen abgelegt, allein lag er im großen Bett zwischen Seidenkissen und schlief, duftende Blumen lagen auf seiner Bettdecke verstreut. Ashvatthaman drang in sein Zelt ein und schrie: "Für die, die ihren Guru töten, gibt es keinen Himmel!" und riß ihn aus dem Schlaf, warf ihn auf den Boden und trat ihm ins Sonnengeflecht und in die Genitalien, bis er starb, an keinem Tier hatte man sich je so grausam vergangen. Dann ging er weiter zu Shikhandin und all den anderen.

Die Panchala-Krieger sahen einen Nachtmahr kommen, einen Alp des Todes, schwarz mit blutrünstigem Maul, blutbeschmierter Schnauze, mit karmesinroten Girlanden behängt und beschmiert mit Karmesinpaste. Es war eine alte Hexe, ihr monotoner Singsang die Sterbelieder. Fort zog sie Männer, Frauen, Pferde und Elefanten.

Ashvatthaman tobte durch das Lager wie der Lord der Zeit, der absolute Zerstörer. Die, die ihm entkommen wollten, wurden am Eingang von Kripa und Kritavarman niedergemacht. Feuer flammte auf, brannte nieder Zelt und Zeug, erlosch, und wieder herrschte düstere Dunkelheit, nichts als Finsternis.

Rakshasas und andere blutdürstige Kreaturen mit gigantischen Bäuchen, steinartigen Zähnen, rotbehäutet und mit blauem Hals, Glocken klimperten schaurig an ihren Körpern. Sie tanzten in Extase: "Süß, süß!" Sie verschlangen Mark und Bein, berauschten sich an Blut und Bregen, hopsten nackig scheißend, pissend, pollutierend durch die Gegend.

Ashvatthaman stand durchnäßt von Blut, Schwert in der Hand, als wär's ein Stück von ihm; das Werk vollbracht, die Tat getan.

"Alle sind tot, Panchalas und Pandavas, selbst die Söhne der Draupadi, selbst die Matsyas und Somakas, alle liegen geschlachtet wie die Krähen vom Banian-Baum. Laßt uns Duryodhana die gute Nachricht überbringen!"

Sie erreichten Duryodhana, als er noch am Leben war. Er, um den einst Brahmanen fuchsschwänzelten, lag da in seinem Elend, Füchse, Wölfe und Hyänen umschlichen ihn nun. Er hatte begonnen, Blut zu kotzen.

Weinend wischten sie ihm den Mund sauber. "O König, wir bringen dir gute Nachricht, es steht sieben zu drei, nur sieben Pandavas, die fünf Brüder, Krishna und Satyaki, leben noch gegen uns dreien. Alle Söhne der Pandavas sind tot und auch alle Kinder der Panchalas wurden getötet. Die Pandavas bleiben zurück ohne Kinder! Die Rasse ist zum Untergang verdammt!"

"Du hast getan, was weder Bhishma, noch Drona, noch Karna für mich zu tun vermochten. Mögest du gedeihen, Ashvatthaman! Im jenseitigen Heldenhain sehen wir uns wieder!"

So schied Duryodhana doch noch glücklich von hinnen.

Die Pandavas, als sie vom unerwarteten Untergang ihrer Armee erfuhren, brachen unter der Trauer zusammen. "Im Moment des Triumphes, des Sieges werden wir total zerstört. Der Verlierer gewinnt, der Gewinner verliert, der Vernichtete triumphiert. Draupadis Söhne, die den Angriffen der größten Krieger widerstanden, wurden wegen unserer Unachtsamkeit wie Ungeziefer vertilgt. Oh, wahrlich, wir sind wie Seeleute, die die wilde See sicher überquerten und dann im Hafen versinken."

Sie eilten zum Lager, sahen die Sterbenden und Gestorbenen, Freunde, Verwandte, Söhne, Berater und Verbündete.

Draupadi kam später, Trauer entstellte ihr schönes Lotusgesicht wie dunkle Flecken die Sonne. "Rache, Rache! Oh, räche sie, o Yudhishthira! Wenn du sie nicht rächst, verlasse ich diesen Totenacker nicht. Man sagt, Ashvatthaman wurde mit einem Juwel am Kopfe geboren, töte ihn und bringe mir diesen Juwel!"

Schnell schwangen sie sich auf ihre Streitwagen und jagten Gangas Ufer entlang, bis sie dorthin kamen, wo der dunkelhäutige, inselgeborene Vyasa von einer Gruppe Jünger umgeben saß und lehrte. Unter ihnen entdeckten sie Ashvatthaman, nur mit einem Gewand von Kusha-Gras bekleidet, Staub bedeckt und mit Salbe eingeschmiert. Bhima ergriff seinen Bogen und stürzte schreiend vor: "Er gehört mir!"

Ashvatthaman, der dachte, daß seine Todesstunde gekommen sei, rief eine Mantra, die er von seinem Vater gelernt hatte, auf. In seine linke Hand nahm er einen Grashalm, den beseelte er mit der Mantra, und verwandelte ihn so in eine furchtbare göttliche Waffe, und er betete: "Möge diese Waffe, die Pandavas zerstören." Und augenblicklich sprang ein alles vernichtendes Feuer aus dem Halm.

Bhima, der Ashvatthamans Absicht schon vorausgeahnt hatte, wandte sich schnell an Arjuna: "Schnell, schieß die große Anti-Waffe, die dir von Drona gegeben wurde!" Arjuna sprang leichtfüßig vom Wagen, Pfeil im Bogen, und flüsterte: "Möge diese Anti-Waffe Ashvatthamans Kraft brechen!" Und die Anti-Waffe explodierte in einen Ball von Feuer, genau wie Ashvatthamans es getan hatte. Vom Himmel hallte die Explosion wider, Tausende von Meteoren schienen auf die sich schüttelnde Erde zu fallen. Berge, Berge, Bäume bebten, Seen plätscherten über ihre Ufer.

Die zwei großen Rishis Vyasa und Narada, als sie sahen, daß die Waffen dabei waren, die drei Welten zu zerstören, traten dazwischen und neutralisierten ihre Vernichtungskraft. "Was tut ihr?" sprachen sie: "Die anderen Helden, die jetzt tot auf dem Feld liegen, hatten auch solche Spezialwaffen, aber benutzten sie nie. Seid ihr verrückt, solche Waffen auf die Menschheit loszulassen?"

Arjuna war bereit, seine Waffe zurückzuziehen: "Aber wenn ich es tue, wird seine Waffen uns vernichten." Mit großen Schwierigkeiten rief er seine Waffe zurück.

Vyasa sprach zu Ashvatthaman: "Weder Haß noch der Wunsch zu töten, veranlaßte Arjuna, die Waffe, die als Brahmastra bekannt ist, zu schießen, sondern er tat es in Notwehr. Ziehe auch du deine Waffe zurück! Verjage den Haß aus deinem Herzen und laß die Pandavas leben! Gib ihnen den Juwel von deinem Kopfe!"

"Dieser Juwel bedeutet mir mehr als alle Schätze der Welt. Dieser Juwel beschützt seinen Träger vor allen Waffen, vor allen Krankheiten und vor Hunger. Ich würde mich nie von ihm trennen, wenn es nicht du wärest, der mich darum bäte. Hier ist er. Aber mein tödlicher Grashalm kann nicht zurückgenommen werden. Einmal auf dem Weg wird er sein Werk tun. Er wird in den Leib der Pandava-Damen eindringen und ihre Leibesfrucht töten."

"So sei es denn, der Grashalm fahre in ihre Leiber, aber das Feuer muß enden."

Krishna lächelte Ashvatthaman an: "Als Viratas Tochter Uttara durch ihre Heirat mit Adhimanyu Arjunas Schwiegertochter wurde, sagte ihr ein Brahmane: Ein Sohn, Parikshit genannt, wird von ihr geboren werden, wenn die Pandava-Linie am Aussterben ist."

"Dann soll dieser Grashalm in Uttaras Leib eindringen und den Fötus zerstören, den du, Krishna, so gern beschützen würdest."

"Deine Waffe ist tödlich, und der Fötus wird sterben, aber weil du Kinder tötest, soll deine Strafe sein, daß du wanderst auf dem Angesicht der Erde für dreitausend Jahre ohne Freund und ohne jemanden, zu dem du sprechen kannst. Durch viele Länder wirst du kommen, ein einsamer Mann inmitten von Menschenmengen. Dein Körper wird einen faulen Gestank von Eiter und Blut ausssenden und du wirst dich verstecken wollen in einsamen Wäldern und dunklen Marschen. Alle Krankheiten, die Menschen befallen, werden dich auf deiner Erdenwanderung befallen."

Ashvatthaman gab seinen Juwel den Pandavas und zog sich dann in den Wald zurück.

Mit Krishna, Vyasa und Narada an ihrer Spitze eilten die Pandavas zum zerstörten Lager zurück, wo Draupadi ihrem Schwur getreu verweilte. Sie gaben ihr den Juwel.

"Rache war alles, was ich wollte. O Yudhishthira, König ohne Makel, es steht nur dir an, diesen Juwel zu tragen."

Und ihr zum Gefallen trug Yudhishthira den Juwel. Er schien an seiner Stirn so prächtig wie der Mond an Shivas.

Im Palast, wo der weise Sanjaya, Wagenlenker des alten Königs, Dhritarashtra vom Tod seiner hundert Söhne und der Armee erzählte, herrschte große Verzweiflung. Trostlos stand der alte König da, trostlos sah er aus wie ein Baum ohne Äste.

"O großer König. Deine Trauer ist nutzlos. Die elf Akshauhinis deiner Söhne und die sieben Akshauhinis der Pandavas zerrieben sich in dieser Schlacht; erschlagen liegen alle Könige, die sich deinen Söhnen und deinen Neffen anschlossen, deine Söhne sind tot, die Söhne deiner Söhne und die Söhne deiner Neffen, alle Feinde und Freunde sind gefallen, die ganze große Rasse vernichtet, zum Aussterben verdammt. So ist des Menschen Schicksal, er giert nach dem Honig und denkt nicht daran, daß er vom Baume fällt. Oh, trauere nicht, es ist unabänderlich, Karma ist unergründlich aber zwingend. Deine Söhne haben schon keine Beziehung mehr zu dir. Verwandtschaft endet mit dem Tod, und der zurückgelassene Körper war nur ein kleines Ereignis im unendlichen Leben der Seele. Leben kommen von nirgendwoher, gehen nirgendwohin. Darum ist nicht zu trauern. Aber die, die im heldenhaften Kampfe sterben, werden Indras Gastfreundschaft empfangen. Drum trauere nicht."

So sprach der weise Sanjaya, Dhritarashtras Wagenlenker, dem Vyasa übernatürliche Sehkraft verliehen hatte, damit er dem König von den Schlachtereignissen berichten konnte.

Einst lebte ein weiser Einsiedler mit Namen Mandavya im Urwald vor der Stadt, er widmete sich nur dem Studium der Schriften, der Wahrheit, der Buße und der Meditation. Als er eines Tages in Versenkung vor seiner Hütte im Schatten eines Baumes saß, kam eine Räuberbande, die von Rittern des Königs verfolgt wurde, und versteckte sich in der Hütte. Der Offizier des Königs fragte den meditierenden Mandavya, ob er gesehen hätte, wo die Räuber hingelaufen seien. Aber Mandavya, in Meditation vertieft, schwieg. Der Kommandant wiederholte die Frage ungeduldig. Keine Antwort.

Inzwischen hatten seine Begleiter den Ashram betreten und dort die gestohlenen Sachen und die Räuber entdeckt.

Der Kommandant dachte nun, daß Mandavya schweige, weil er in Wirklichkeit der Anführer der Bande sei, und er berichtete dem König davon.

Der König war natürlich empört, von einem Räuberhauptmann zu hören, der die Welt im Gewand eines Brahmaneneinsiedlers betrüge, und er befahl, den Mann zu pfählen.

So passierte es, daß dieser tugendhafte Einsiedler auf einem Spieß, den man vor seiner Hütte aufrichtete, aufgespießt wurde. Aber er starb nicht, kraft seiner Yoga blieb er am Leben. Andere Einsiedler versammelten sich um ihn und diskutierten die Angelegenheit mit ihm. "Was soll ich dem König Vorwürfe machen? Der König beschützt die Welt. Und ist nicht Irren menschlich?"

Der König, als er hörte, daß der Einsiedler noch am Leben war, eilte mit seiner Gefolgschaft in den Wald. Sofort ordnete er an, den Gepfählten herunterzunehmen. Dann warf er sich ihm zu Füßen und bat um Vergebung.

Mandavya war dem König nicht böse, sondern ging direkt zu Lord Dharma, dem göttlichen Verteiler von Gerechtigkeit. "Was habe ich getan, daß ich eine solche Pein verdiente?"

Lord Dharma, der die große Kraft des Rishis kannte, antwortete in aller Demut: "O Weiser, du hast Vögel und Insekten gequält. Bist du dir nicht bewußt, daß jede Tat, gut und böse, wie klein sie auch sei, unabänderlich Früchte treibt, gute oder schlechte?"

Mandavya war von dieser Antwort überrascht: "Wann habe ich dieses Vergehen begangen?" - "Als du klein warst."

Da sprach Mandavya diesen Fluch über Lord Dharma aus: "Die Strafe, die du über mich verfügt hast, übersteigt bei weitem das für Kinder- und Jugendsünden angemessene Maß. Werde daher als Sterblicher in der Menschenwelt geboren, damit du lernst, was Leiden heißt, und Menschsein, Menschlichkeit, und das rechte Maß!"

So kam es, daß Lord Dharma durch den Fluch Mandavyas als Sohn einer Dienerin niedriger Kaste, die zu Ambika gehörte, der Frau Vichitraviryas, der der Sohn Shantanus von Satyavati war, geboren wurde; sein Vater aber war Vyasa, der, da er, aus einer vorehelichen Beziehung Satyavatis mit dem Rishi Parashara hervorgegangen, praktisch Vichitraviryas Halbbruder war, nach dem Tode Vichitraviryas dessen kinderlosen Frauen Ambika und Ambalika besteigen sollte, damit die Sippe nicht ausstürbe. Den beiden Frauen aber war Vyasas Häßlichkeit so zuwider gewesen, daß die erste die Augen schloß und deshalb ein blindes Kind zur Welt brachte, Dhritarashtra, die zweite erbleichte, und ihren bleichen Sohn nannte man Pandu, den Bleichen, der Vater der Pandavas. Als Vyasa Ambika noch einmal nachts besuchen sollte, denn seiner Mutter Satyavati waren sowohl der blinde als auch der bleiche Enkelsohn suspekt, und sie wollte den glorreichen Fortbestand der Familie, legte Ambika eine Dienerin fürstlich geschmückt in ihr Bett; Vyasa bestieg sie, wohl wissend, daß er getäuscht wurde, und zur Welt kam Vidura, die Inkarnation Lord Dharmas. Vidura wurde von den Weisen und Großen der Welt als Mahatma verehrt. Sein Wissen und Können war ohnegleichen, und er war völlig frei von Haß, Ärger und anderen gefühlsmäßigen Bindungen. Schon als Zehnjährigen setzte ihn Bhishma als König Dhritarashtras Berater ein.

Vidura kam nun zu Dhritarashtra und gab ihm folgenden honigsüßen Trost: "Was wälzt du dich in Trauer am Boden? Steh auf und sieh dem Schicksal ins Antlitz, das Schicksal ist eine höhere Weisheit. Alles, was geschaffen, wird zerstört, alles, was sich hoch erhebt, fällt tief. Vereinigung folgt Trennung, Leben folgt Tod. Der Held und der Hasenherzige, der Draufgänger und der Drückeberger sind gleichermaßen verdammt zu sterben. Ein Kshatriya muß kämpfen und tut er es nicht, so verzögert er bestenfalls sein Ende. Aber in Wirklichkeit gibt es gar keine Flucht, wenn die Zeit gekommen ist. Man ist nicht da - dann ist man da - dann ist man wieder nicht mehr da. Das ist so und das ist nicht zu bedauern. Der Tod haßt niemanden, der Tod liebt niemanden, der Tod verschont nicht einmal die Götter. Wie der Wind die Gräser niederdrückt, so schneidet der Tod durchs Leben und drückt uns nieder zur Erde, die uns gebar. Das Leben selbst ist eine Karawane, das Ziel ist immer der Tod. Tausende von Müttern, Tausende von Vätern, Tausende von Söhnen, Tausende von Witwen, was trauern sie? Wessen Mütter, wessen Väter? Wessen Verwandte, Bekannte? Sie alle kommen und gehen. Wer sind wir, was sind wir, wessen sind wir? Wir alle kommen und gehen, und mit uns tausend Sorgen, tausend Ängste, tagtäglich. Der Weise ignoriert sie. Nur der Ignorante leidet. Unsere Zeit kommt, unsere Zeit geht. Die Zeit haßt nicht, die Zeit liebt nicht, die Zeit verschont niemanden. Die Zeit gibt, die Zeit nimmt, die Zeit schafft, die Zeit zerstört, die Zeit wacht, auch wenn alle Dinge schlafen, die Zeit überlebt, auch wenn alles stirbt. Jugend, Schönheit, Reichtum, Freundschaft, Wohlbefinden, Ruhm, alles ist vergänglich, nichts bleibt. Der Weise überwindet Freude wie Leid, so findet er Ruhe und Reife. Was immer wir halten wollen, ist kurzlebige Narrheit. Aber der Weise wie der Narr, der Reiche wie der Arme, des Lebens beraubt, befreit von Gier, vergeht in gleicher Weise in den Flammen des Bestattungsghats. Und nachdem sie zu Asche wurden, wer kann da noch sagen, wer reich, wer arm, wer schön, wer häßlich. Der Weise weiß, nur eins ist unendlich. Wie der Mensch ein neues Kleid anzieht und sein altes zur Seite legt, so verläßt das Atman einen Kör