Als Adjuna aus seiner Vision erwachte, stand Bhagavan Vyasa vor ihm. Der alt ehrwürdige Archarya war nieder zur Erde gekommen, um Adjuna zu ermahnen: "Wie damals vor der Vernichtung der Kshatriya-Rasse, stehen wir wieder an der Schwelle der Zerstörung. Unfruchtbar sind des Menschen Pläne, selbst seine gut durchdachten, gut gemeinten, weisen, ohne des Schicksals Hilfe; wenn das Schicksal gegen ihn ist, ist selbst Weisheit machtlos; doch ist das Schicksal ihm freundlich gesonnen, gereichen ihm selbst Narrheiten zum Vorteil. Die Opfer widrigen Schicksals werden erst verführt, verlieren dann völlig das Gefühl für Recht und Unrecht. Die Zeit, die große Zerstörerin, nimmt keinen Knüppel und bricht des Menschen Schädel nicht, sondern durch das Verwirren seiner Urteilsfähigkeit läßt sie ihn falsch handeln, zu seiner eignen Vernichtung. Die Zeit, die kommen wird, wird Städte, Dörfer, die Ameisenhaufen und Sumpfnester ausradieren, Oberflächen polieren, die Eiterbeulen werden nicht rausgeschnitten, sondern mit dem gesunden Muskelfleisch ausgerissen, nur blanke Knochen werden bleiben und Knochenmehl und Knochenasche. Selbst Edelsteine werden schmelzen. Jahrtausende des Schweigens werden folgen, ehe die Welt wieder neuen Mut zum Gebähren finden wird. Doch sei nicht erschüttert, das ist deiner nicht würdig, - gegen das Schicksal kann keiner. Tue deine Pflicht, in der kommenden Zeit ist richtiges Verhalten wertvoller und wichtiger denn je. Ich segne dich, Adjuna: Du sollt der letzte Mensch sein, der diesen Erdboden betritt. Und ich sage es noch einmal: Tue deine Pflicht."
Und da wußte Adjuna, daß er nicht sterben konnte, bevor er nicht seine Pflicht getan hatte. Und er wußte auch, was seine Pflicht war.
Das letzte Kapitel
Als Adjuna aus seinem Alptraum erwachte, war die Welt eine Alpwirklichkeit, eine noch größere Alpwirklichkeit, als sie vor dem Traum schon war.
Die Welt stand in Flammen, endlich in Flammen, im atomaren Feuer. Und zwar an allen Ecken. Bei den Indern waren die Eier der Plutoniumbrüter bei Bombay geschlüpft, die Küken flogen nach Pakistan und verwandelten sich in Sonnen, und auch die islamische Bombe war fertig und flog über indische Städte und verwandelte sich in Sonnen; beide Völker sonnten sich im Angesicht ihrer militärtechnischen Erfolge. Die Inder fragte sich, sollte die Yuga schon zu Ende sein, sie hatte doch gerade erst angefangen, es waren doch eigentlich noch 428 000 Kali-Jahre nach. Und die Pakistanis freuten sich auf die wunderbaren Huris, die ihr Paradies bevölkerten, und die ihnen allen zur Verfügung stehen würden, da sie in einem heiligen und gerechten Krieg gegen die Ungläubigen starben, Jungfrauen, die immer klimaxierten, rhythmisch kontrahierten, aber nie menstruierten.
Nur die Frauen Pakistans hatten nichts, vorauf sie sich freuten, da das moslemische Paradies keine Lustknaben für sie kannte.
Aber die Welt hatte noch mehr Ecken. Drei Ecken trafen sich am Mittelmeer, wo jedem die Abrahamitische Ehe zu eng geworden war. Ehe zu dritt war ja auch Unsinn. Wo sich doch drei immer stritten.
Sie koalierten und kollidierten, aber irgendwie störten jeden die anderen Partner bei der Eigenliebe und Selbstbefriedigung.
Und so lief man seiner Religion entsprechend hinterm Kreuz oder Halbmond oder Magen David her und befriedigte sich selbst seinen Vernichtungstrieb.
Und in den Freidenkerstädten hatte es Geschäftsleute gegeben, die geheimes Militätwissen an die Nichtwisser und Nichtdenker der religiösen Landschaft verkauft hatten, so daß diese dabei waren, die Freidenkerstädte zu überrennen, - und nicht einmal die Hure Rahel, wenn sie sie kriegten, ließen sie am Leben, obwohl doch die Bibel das ausdrücklich verlangte. Der sterbenden Bevölkerung war das natürlich recht.
Alle sahen es so überdeutlich, was man immer geahnt hatte: Das Beste, was man mit Menschen machen konnte, war sie umzubringen. Jeder sah, daß es das Beste war, und jeder tat sein Bestes, es zu tun. Immer dem anderen tat man es an, verständlich, denn es tat weh, wenn man es bei sich selbst machte.
Und es gab so viele, viele, viele, viele, viele vielevieleviele zu ermorden, denn die Erdbevölkerung hatte sich dank humaner Enzykliken, oder Enzykliken à la "Humanae Vitae", wie sich so eine Vermehrungsanleitung mal nannte, auf viele, viele, viele, viele, viele vielevieleviele Milliarden gesteigert. Aber es war nicht das Privileg der Katholiken gewesen, sich zu vermehren, auch die Religionsführer der anderen Konfessionen und Religionen waren so vernünftig gewesen, darauf zu achten, daß die Zahl ihrer Kredoisten und ihr Anteil an der Weltbevölkerung sich nicht durch Geburtenkontrolle verschlechterte. Nur Atheisten waren so unvernünftig gewesen, beim Gebärwettstreit nicht mitzumachen. Jetzt sollten sie das Nachsehen haben.
Adjuna erinnerte sich an seinen Mord am Missionar. Ja, das war ein kleiner, letzter, lächerlicher Versuch gewesen, die Welt vom Irrsinn der Religion zu befreien, und er erinnerte sich auch an seine eigenen antireligiösen Predigten, auch das waren vergebliche Versuche gewesen, das Unwissen aus der primitiven Urzeit der Menschen war nicht zu stoppen gewesen, zu viele Menschen waren selbst primitiv, und zu vielen religiösen Predigern waren zu viele Mittel zur Verfügung gestellt worden, um das Volk zu verführen.
Jetzt erlebte die Dummheit wieder Triumphe und alte Feindschaften lebten wieder auf. Man hatte den Unterschied zwischen der Gottähnlichkeit Jesu und der Gottgleichheit des Erlösers, Homoiouisie und Homousie, und mit oder ohne göttlicher Gebärerin, wiederentdeckt; und an noch anderer Stelle war der noch größere Unterschied von der Gottessohnschaft Jesu und einem Jesu, der ein bloßer Bote Gottes war, jedoch ein geringerer als Mohammed aufgestoßen; Sure 9, Satz 30: Und es sprechen die Nazarener: "Der Messias ist Allahs Sohn." Allah schlag sie tot!
Bloß Allah brauchte die Menschen dazu.
So hatte eine Hochrüstung, ein Rüstungswettlauf, stattbefunden, totaler und radikaler als damals, als sich noch die Ideologen stritten, ob über die Produktionsmittel einzelne Kapitalisten oder einzelne Parteibonzen verfügen sollten.
Aber Ideologien ließen sich leichter auf den Mist werfen, und damals war der kollektive Selbstmord der Menschen mißlungen, schlichtweg ausgefallen, trotz all der langen Vorbereitung und der hohen Investitionskosten.
Die Investition in Waffen hatte aber die Waffenhersteller reich gemacht, und die Zerstörung der Waffen während der allgemeinen Entspannung danach hatte sie noch einmal so reich gemacht, doppelt so reich, und alles auf Kosten der Steuerzahler, wieder Gläubige, diesmal Idioten, die an einen Staat glaubten und seine Herrschaft, Herrlichkeit und Allmacht.
Politiker, die den Waffenfabrikanten all die Aufträge und all das Geld zugeschoben hatten, verloren angesichts der Geldgiganten, die sie gezüchtet hatten, immer mehr an Bedeutung; sie wurden langsam zu Lohnabhängigen der Industriebosse, die dafür bezahlt wurden, vor dem Volke ihren Text aufzusagen, sonst hatten sie nichts mehr zu sagen.
Die Texte schrieben die neuen Bosse, und sie schrieben Texte, die auf neue Antagonismen hinwiesen, wie das Beten mit gefalteten Händen statt mit erhobenem Hintern oder das Essen des Eis von der spitzen statt von der stumpfen Seite, und so hofften sie, die Bonanza vom großen Kommunismus/Kapitalismus-Konflikt zu wiederholen. Aber auch ihnen wurde das Steuer aus der Hand genommen von ihrer eigenen Züchtung.
Aber bei dem großen Krieg ging es nicht mehr um Sieg oder ums Überleben, es ging nur noch darum, wem die Ehre zukam, alles zu vernichten.
Diese Ehre würde aber zweifellos den meisten
zukommen, dachte Adjuna, wie immer dem Volke, den Massen mit all
ihren massenhaften Hurrraaaa-Schreiern, ja, der Pöbel hat wieder
Schuld daran, und Pöbel zu sein, das ist nicht das Privileg der
Proletarier, unteren Kaste und Unberührbaren, sondern Pöbel
findet man selbst unter den Privilegierten, Pöbel sind all die,
die feige und unselbständig mit den Massen gehen und nichts
Eigenes sein wollen. Sie machen die große Vernichtung erst
möglich ---- nötig.
An der pakistanisch-indischen Grenze fing das große Morden an. Hier war uraltes Kulturland, wo der göttliche Funke zum ersten Mal den Menschen traf, zündete und einen fanatischen Menschenhaß und Feuerbrand entfachte, der fortan als Religion, Mythos, Mord und Autodafé durch die Welt geistern sollte wie Nebelschwaden oder mehr noch wie Rauch und Dreck vom Ausbruch eines Vulkans.
Der Gott Vishnu war als Chrishna zur Erde gekommen, in jüdischer Umgebung war aus ihm Jahrtausende später Christus geworden, Mohammed hatte das Christentum gesehen und daraus einen verbesserten Eingottglauben gemacht, und jetzt stand man sich auf indischem Boden gegenüber und erkannte sich nicht.
Die beiden verfeindeten Heere stießen aufeinander, zuerst wie im Schlagabtausch sich pickende Kampfhähne und sich gegenseitig hin- und herschiebende Bullen, dann brodelte das Schlachtfeld auf wie eine Hexenküche, um schließlich wie ein Gemisch von Säure und Lauge zur Ruhe zu kommen - als Leichenfeld, als neutrale Nekropole, als kontaminiertes Tabuland für Noch-Lebende.
Annihiliert wie Materie und Anti-Materie hatten sich auf diesem Feld laut indischer Propaganda die besten Söhne Indras und die bösen Söhne des Anti-Gottes Vritra, der in diesem Falle Allah hieß.
Während sich diese Söhne an der Front beschossen hatten im heroischen Kampf Mann auf Mann und das als Menschenmasse, starb hinter der Front eine Stadt nach der anderen den Atomtod.
Die Pakistani hatten nur Verachtung für die
indischen Teufelanbeter und Gemüsefresser, mit einem
Allah-Akbar, Großer-Gott, auf der Zunge starben sie unter den
großen Bomben der Vegetarier. Sie hatten eine fünfte Kolonne in
Indien, die ihnen aber nichts nutzte, da ihre eigenen großen
Bomben nicht diskriminierten. Großer Gott, wir brauchten
wählerischere Waffen. - Natürlich wußte auch der frommste,
daß Gott nicht lieferte.
im nU klatschten auf dem ganzen globus heerE aneinander, samsaptakas, selbstmordkommandos, natürlich hatten sie ihre BEfehle, abeR sie hatten auch ihren mordwillen und haß in sich, das war etwas eiGenEs und doch etwas fremdes, gepflanztes, gepflegteS. der grund für die mensCHeNabknAllerei war nicht erwähnenswert, kein richter hätte einen mörder wegen eines solchen grundes freigesprochen. Grund war, daß man den anderen nicht mochte, ein bißchen seine äußere erscheinung nicht und ganz und gar nicht die ProPaganda, die sich in seinem innern festgesetzt hatTe.
Die Welt war zum Großen Kampf angetreten. Liebevoll sprach man vom Großen Kampf, vom Harmageddon, und vom Großen Preis. Der Große Preis, den es bei diesem Endspiel angeblich zu erringen galt, war die absolute Herrschaft über die ganze Welt, also diesmal sollte es wirklich ein Krieg sein, der alle Kriege überflässig machte. Nach der letzten Entscheidungsschlacht würde die Zeit des langen Friedens beginnen, das Millienium der Liebe und Gewaltlosigkeit, der Sieger würde schon alle Gewalt unterdrücken. Und die Liebe würde nicht die geschlechtliche Liebe der Geilen sein, sondern die reine Liebe der Religiösen, der Päpste oder Mullahs, oder der Ideologen. Es würde das eine oder das andere sein, aber es sollte nicht Beides sein. Die Zeit nach dem Großen Kampf sollte ohne Antagonismen sein, dafür kämpfte man.
Beim Großen Kampf, da hatten die Propheten und Erlöser ihren großen Paradetag, besonders die Doomsday-Propheten.
Weltuntergangsapostel wurde man, indem man ein Leben lang verachtet, abgelehnt und erfolglos lebte, Beleidigung, Spott und Fußtritte von seinen Mitmenschen erhielt statt Anerkennung, Achtung und Liebe, indem man den Haß der anderen erlitt und sich einem keine andere Möglichkeit der Rache bot, als die übernatürliche, metaphysische Rache der Doomsday-Prophezeiung.
Der Johannes der großen Offenbarung war nicht nur extrem unsauber gewesen, da er sich nie gründlich wusch, sondern er war auch, was seine kretinen Predigten betraf, nicht sehr erfolgreich gewesen, die meisten, die ihn gehört hatten, hatten ihn verlacht wegen seines albernen Christentums und weiter ihr lustiges Leben gelebt. Das war der Giftwurm gewesen, der an seiner Seele fraß, und ihm seine Rachephantasien gab - wie eine Lullaby zur Beruhigung.
Er war ein armer Hanswurst gewesen, häßlich, schwächlich, dümmlich; den Damen konnte er nicht imponieren; verführen und ins Bett kriegen konnte er sie schon gar nicht; einem männlichen Faust- und Ringkampfe ging er aus dem Weg, da ihm die Muskeln fehlten; auch das Schwert verstand er nicht zu führen.
Dieses elende Wesen rettete sich und seine Selbstachtung, indem es sich einen Menschensohn phantasierte, dem ein scharfes, zweischneidiges Schwert aus dem Halse hing.1 Er hatte endlich im hohen Alter verstanden, was ein inuitischer Angakoq schon in jungen Jahren begriff, nämlich, wie man trotz Mängel und Schwächen großartig erschien.
1 Ich empfehle dem Leser, sich an dieser Stelle einmal mit der Offenbarung des Johannes vertraut zu machen.
Jetzt sprach Johannes mit der Autorität Gottes hinter sich, direkt hinter sich im Hinterkopf, und nicht nur an Heiden, sondern an jedem und jeder nahm er seine Rache; wer immer ihn auch aus welchen persönlichen Motiven auch immer hatte mißachtet, der bekam jetzt den Haß Gottes zu hören; eines Menschen Gott war jedoch immer nur ein Abbild des Menschen in seinem Innern, ein inneres Selbst, ein inneres Möchte-Gerne-Groß.
Die christliche Prophetin Isebel der Gemeinde zu Thyatira war sympathisch, erfolgreich und attraktiv, alles Eigenschaften die Johannes vor seiner großen Gottestrickvision nicht besaß. Seine Rache traf also auch sie: "Siehe, ich werfe sie auf ihr Bett (!) und werfe in große Trübsal, die die mit ihr die Ehe gebrochen haben, wenn sie nicht lassen von des Weibes Werken, und ihre Kinder will ich zu Tode schlagen."1 + 2
1 Offenbarung 2:22-23
2 Die Offenbarung ist nach Meinung der Christen und laut Vorwort direkt von Gott offenbart worden, der einzige Teil des NTs, der für sich die direkte Autorschaft Gottes in Anspruch nimmt. Christlichen Abtreibungsgegnern, die den Tod unschuldiger, ungeborener Kinder beklagen, sollte der obige Fluch zu denken geben. Es lohnt sich nicht, die Welt überzubevölkern für quatschige, religiöse Vorstellungen, die nicht einmal einem Blick in die Bibel standhalten. Gott ist der Baby-, Kinder- und Erwachsenenmörder par exellence. Gut, daß es ihn in Wirklichkeit gar nicht gibt, schade, daß er so viele Gläubige hat. - Oder schade, daß es ihn in Wirklichkeit gar nicht gibt, sonst hätten wir jemanden, an dem wir uns für all die Morde rächen könnten.
Wer geschlagen und getreten wurde besonders in der Kindheit und Jugend, einer Zeit, in der sich der geschlechtliche Geschmack formte bei den Menschen, der neigte leicht zu sadomasochistischen Fantasien: "Welche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich!"1
Johannes Fantasien überstiegen noch die von Marquis de Sade, obwohl dessen Offenbarung `Les 120 Journées de Sodome' die kommenden KZs der Modernen, der Juntas und Klerofaschisten, und des Zweiten Mittelalters schon sehr gut vorweggenommen hatte, aber natürlich vom ersten Mittelalter beeinflußt war. Ein Visionär übertraf den anderen. Was für eine Vision!
"Und es ging heraus ein anderes Pferd, das war feuerrot. Und dem, der darauf saß, ward gegeben, den Frieden zu nehmen von der Erde und daß sie sich untereinander erwürgten, und ihm ward ein großes Schwert gegeben."2
"Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, des Name hieß Tod, und die Hölle folgte ihm nach. Und ihnen ward Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und Hunger und Tod und durch die wilden Tiere auf Erden. Und da tat es das fünfte Siegel auf und ich sah unten am Altar die Seelen derer, die getötet waren um des Wortes Gottes und um ihres Zeugnissen willen. Und sie schrieen mit großer Stimme und sprachen: Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächest nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? Und ihnen wurde gegeben einem jeglichen ein weißes Kleid, und ward zu ihnen gesagt, daß sie ruhen müßten noch eine kleine Zeit, bis daß vollends dazu kämen ihre Mitknechte und Brüder, die auch noch sollten getötet werden gleich sie."3
1 Offb. 3:19 2 Offb. 6:4 3 6:8-11
Viele geistigarme Gläubige hatten immer wieder aus der Apokalypse die Kraft geschöpft, sich gegen intelligentere Mitmenschen zu behaupten, und die Hoffnung gefunden, am Ende doch noch trotz ihrer Mängel zu triumphieren.
Der Weltuntergang gehörte wie die Hölle zum Drohmaterial der Religionen und Religiösen, nicht nur der christlichen. Da die Endzeit aber in den westlichen Industrieländern in eine christliche Zeit fiel, wurde der johanneschen Offenbarung und den Endzeit-Kapiteln der Evangelisten besondere Bedeutung beigemessen.
Eigentlich hatten die christlichen Evangelisten die endzeitlichen Visionen eines Juden wiedergegeben, aber da dieser Jude mit dem christlichen Messias identisch war, störte sich trotz erneut aufblühendem Anti-Semitismus wieder keiner der etablierten Christen an diesem Widerspruch. für sie war der wegen des Großen Krieges zu erwartenden Weltuntergang auch ein Kommen Christi, ein Wiederkommen Christi, das sie erwarteten. Atheisten hätte gerne darauf verzichtet, ebenso Pazifisten und Menschenfreunde.
Aber hier die letzten Wehen und das Kommen Christi direkt aus der Bibel - aktualisiert - Matthäus, Markus, Lukas1 als Mixtum compositum: "Wahrlich, ich sage euch: Es wird nicht ein Stein auf dem anderen bleiben. - Sag uns, wann wird es geschehen. Was werden die Zeichen sein? - Es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin's, ich bin der Christus, und sie werden viele verführen. Folget ihnen nicht! Wenn ihr aber höret von Kriegen und Kriegsgeschrei, so fürchtet euch nicht. Es muß so geschehen. Aber das Ende ist noch nicht da. Es wird sich erheben ein Volk wider das andere und ein Reich wider das andere. Erdbeben, Pestilenz und Inflation. Auch werden große Schrecknisse und Zeichen vom Himmel geschehen: Bombengeschwader, Interkontinentalraketen, atomare Konflagration. Aber vor all diesem werden sie die Hände an euch legen und es werden euch überantworten die Führer und Gaufürsten an ihre KZ-Schergen und Henker. Die Synagogen werden brennen und viele von euch werden getötet werden. Und ihr Juden werden gehasset werden in meinem Namen und viele Anfechtungen werdet ihr erleiden. Viele Propheten werden sich erheben, falsche Lehren werden gepredigt werden in meinem Namen, und viele werden sich verführen lassen. Der Unglaube wird überhand nehmen, die Gebote werden nicht mehr geachtet werden, der Sabat nicht mehr geheiligt werden, stattdessen macht man sonntags frei. Und was ich als Jude zu euch Juden spreche, wird den Gojim der Welt gepredigt werden und dann wird das Ende kommen. Die heiligen Stätten werden zerstört werden von christlichen Fanatikern, wie einst von Kreuzrittern so auch von Bomberpiloten. Wehe aber den Schwangeren und Säuglingen! Die Strahlenschäden sind groß, mißgestaltet werden sie heranwachsen. Eine große Trübsal wird sein, wie sie nicht gewesen war vom Anfang der Welt. Und manch einer wird die große Not ausnutzen und sagen, er sei der Christus oder sein Vertreter auf Erden oder er sei ein Prophet. Und sie werden Wunder tun und große, heilige Zeichen und Gesten, sich bekreuzigen, knien, den Dreck des Erdbodens küssen und die Hände gen Himmel recken. Glaubt diesen Lügnern nicht! Sie wollen sich nur bereichern und meinen wenigen Auserwählten, deren Rettung ich schon lange vorherbestimmt habe, verführen. Wenn jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus! oder da ist sein Vertreter auf Erden! so gehet nicht hin und glaubet es nicht! Wo Aas ist, da sammeln sich die Geier. Seid weder Aas noch Geier! Bald nach der großen Trübsal werden Sonne und Mond ihren Schein verlieren, die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden ins Wanken kommen. Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes mit starken Scheinwerfern an den Himmel gemalt werden. Und bald danach werde ich selbst die Wolken des Himmels durchbrechen mit großer Kraft und Herrlichkeit in einem energiereichen Raumfahrzeug. Die Triebwerke werden tönen wie tiefe Trompeten, ach nein, wie helle Posaunen. Und die Matrosen meines Raumschiffs werden die Auserwählten einsammeln. Die betrügerischen Bekreuziger und Sakramenter und Scheinwerferbetätiger und Himmelsbemaler und Büßer und Beter werden nicht darunter sein. Die Auslese erfolgt nach eigenwilligen Gesichtspunkten. Da werden zwei auf dem Feld sein, der eine wird angenommen, und der andere wird verworfen werden; zwei werden mahlen an der Mühle, der eine wird angenommen, der andere wird verworfen werden, da sitzen zwei in einem Auto, der eine wird angenommen, der andere wird verworfen werden; (hoffentlich bleibt der am Steuer als Verworfener auf der Landstraße!). Wahrlich, ich sage euch: Das Menschengeschlecht wird nicht eher vergehen, bis nicht alles geschehen ist! Dann aber ist das Reich Gottes nahe, welches sich im interstellaren Raum befindet. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte nicht! Schnell noch ein paar Diätvorschriften: Hütet euch, daß euere Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen!"
1 vgl. Matth. 24, Mark. 13, Luk. 21, 5-34
Warum sollten nur religiöse `Messiahs' die Ankunft der Endzeit propagieren, warum nicht auch Atheisten?
Es gab aber auch atheistische Endzeit-Propheten, wie Holmgeirr der Inselsperr, die lehrten, daß, wenn die Menschen den Religionen weiter Glauben schenkten, dann würden sie sich eines Tages so unversöhnlich bekriegen, daß sie die apokalyptischen Visionen ihrer Religionen verwirklichten und das Ende ihrer Existenz herbeibombten.
Die einen phantasierten den Untergang, die anderen führten ihn aus.
Beim Großen Kampf, da hatten die Ausführer ihren großen Paradetag. Es gab sie in den verschiedensten Ausführungen.
Im Großen Kampf, da war der Mensch endlich wieder der Kriegsknecht, der er immer sein wollte.
Im Großen Kampf: Die Soldaten, die kämpfend starben, man brauchte sie eigentlich gar nicht, denn die Todesmaschinerie des Krieges arbeitete auch ganz gut ohne sie. Doch ließe man die Männer zu Hause unter den Bombenteppichen der Luftangriffe, so bestände die große Gefahr, daß sie loszögen, die Herren Kriegs- und Waffenlobbisten zu suchen, um sie zu erschlagen.
So war es besser - so entschied man -, erst einmal konventionell mit Pistölchen und Kanönchen Krieg zu führen, - um die Massen zu faszinieren und zu dezimieren.
Erst danach sollten die modernen, hochtechnischen Waffen die Entscheidung herbeiführen.
Der Mensch war Kriegsknecht - ein Knecht von der Idee, Krieg zu führen, besessen.
Ein Knecht des Krieges, ein Knecht der Gewalt, die sein Leben bestimmte.
Ein Unfreier, der glaubte für die Freiheit zu kämpfen.
Bäng bäng!
Angetreten stand er, ein jeder nach seiner Art:
Der Europäer stand wie ein greiser General, voller Würde und voller Müdigkeit, er hielt sich immer noch für das Zentrum der Welt (schließlich hatte er ja die Welt entdeckt), obwohl er geographisch gesehen der Wurmfortsatz Asiens war und militärisch ein Anhängsel des WASPenlandes. Er klammerte sich ängstlich an diese Großmacht wie einst die Griechen an den römischen Busen oder Po, ängstlich und würdelos, nur den vermeintlichen Barbaren gegenüber versäumte er nicht, mit seiner Würde zu imponieren.
Der Europäer stand Gewehr bei Fuß, vorsichtig hob er es ein bißchen an, um zu prüfen, ob es auch nicht zu schwer sei. Die moderne Technik und allgemeine Automation hatte ihm so viele Handschläge abgenommen, daß seine Muskeln verkümmert waren. Jetzt stand er Waffe bei Fuß, um seinen WASPen-Freunden einen Freundschaftsdienst zu erweisen und sich zu verteidigen; er sehnte sich aber zurück nach seinem Ohrensessel vor dem Videoschirm. Konnte man da nicht den Krieg auskämpfen? War einem so etwas nicht schon oft vorgemacht worden? Jetzt stand er plötzlich frierend im Freien.
Es war nicht nur ernst, es war auch kalt.
Der Europäer träumte von seiner schönen, gemütlichen Welt: Seit die Städte verrohrt waren, lieferten die Fabriken alles aus ihrer komplizierten Technik direkt frei Haus auf Knopfdruck. Sollte man das jetzt wirklich alles aufs Spiel setzten? Vielleicht wurde alles kaputtgebombt, all der Komfort, all die `conveniences'. Selbst zu kochen brauchte man nicht mehr: das Essen, künstliche, hygienisch einwandfreie Speisen aus Biochemiefabriken, gesünder und wohlschmeckender als jede Naturkost, kam ebenfalls jeder Zeit per Knopfdruck direkt ins Haus. Dem Soldaten lief bei dem Gedanken an Biochemo-Bissen das Wasser im Mund zusammen.
Eine Granate schlug in seiner Nähe ein und riß den Soldeten aus seinen Träumen. Wo war er? Ah, auf dem Schlachtfeld, es hatte Bumm gemacht, die Schlacht ging also los. Er warf sich, wie er es gelernt hatte, auf den Boden. Dreckiger Boden dachte er. Dreckiger Krieg. Er hatte, als es Bumm gemacht hatte, ein Bißchen in die Hose gemacht. Nur ein kleiner Kloß. Aber es war unangenehm. Zu Hause, da hatte er ein schönes, modernes Bad. Nicht einmal selbst zu waschen brauchte man sich darin. Man setzte sich in der Bade-Box auf einen Sessel, und der Raum füllte sich von selbst bis zum Hals mit Warmwasser, in dem kleine Bürstenbälle flottierten und die Haut frottierten, rieben, reinigten und gleichzeitig massierten. Aus der Sitzplatte des Sessels erschien automatisch eine Hand, die die Gesäßfalte entlang auf und ab fuhr zur Reinigung und Erheiterung. Außerdem erschienen von der Rückseite des Sessels zwei Hände, die das Gesicht, die Haare, den Kopf wuschen. Finger, die in Ohrlöffel und Wattestäbchen endeten, reinigten ihm sogar die Ohren. Die Erinnerung an die Sauberkeit tat ihm gut, jetzt wo er so schmutzig war.
Er erinnerte sich jetzt an ein Gespräch mit einem Konsumverweigerer, der hatte behauptet: `Die Natur hat alles gut eingerichtet, wir brauchen nicht dazwischen zu greifen. Den Ohrenschmalz muß man nur so weit entfernen, wie man mit dem kleinen Finger kommt. Man nehme keine Hölzchen oder anderen Reiniger, denn man stopft damit den Dreck nur nach innen. Ein Ohr sorgt für sich selbst.'
Er hatte damals gesagt: `Du bist also der Meinung, daß die Natur alles gut eingerichtet hat und selbst für alles sorgt. Aber was ist mit dem After, der ist doch nicht selbstreinigend, sonst brauchten wir die Spül- und Abwischanlagen an unseren Toiletten doch nicht?'
Der Konsumverweigerer hatte darauf geantwortet: `Nein, solche Anlagen brauchen wir nicht, denn die Natur hat uns Arme gegeben, die gerade lang genug sind, um dort selbst abzuwischen.'
`Igitt, was für ein Gedanke', so hatte er damals empört reagiert... ...und jetzt lag er hier in der Scheiße und wußte nicht, ob er die Hose runterziehen sollte, um da unten abzuwischen, oder ob er sie lieber oben lassen sollte, was auch hieß, die braune Masse am Gesäß zu lassen, oder vielleicht die Beine runterkleckern zu lassen, dafür aber behielte er die Hände am Schießprügel und konnte wie ein Schießhund aufpassen, ob sich Feinde zeigten.
`Machen wir uns nichts vor', gähnte der europäische Soldat, diesmal Gewehr bei Backe, Wange für feine Leute, die auch angesichts des Krieges nicht den Sinn für überkorrekten Sprachgebrauch verloren, `Europa, das gewiß einmal viel geleistet hat, ist müde geworden, und mit ihm jeder einzelne Europäer.'
Der erlösende Dornröschenschlaf sollte nicht auf sich warten lassen. Kein Paukenschlag konnte ihn mehr wachkriegen.
Lassen wir Europa hinter uns. Endlich will ich Großes sehen, will wieder Optimismus und Wagemut um mich wittern und barbarische Grobheiten grölen hören, wie sie ein jedes Volk zur Morgenröte seines Aufstiegs von sich gibt.
Mit Optimismus und Wagemut gingen all jene Völker in den Großen Krieg, die nichts hatten außer den großen Hunger, denn jetzt plötzlich hatten sie eine Waffe in der Hand, das war doch schon immerhin mal was, ein Anfang. Woher hatten sie die Waffen? Von den Schwellenländern, von ehemalig armen Ländern, die jetzt an der Schwelle zum Reichtum standen und dachten, im großen Waffengang schneller durch die Tür zu kommen.
Es war die wirtschaftliche Entwicklung schuld.
Arbeit war in den reichen Industrieländern zu teuer geworden, so wanderte die Arbeit ab in arme Länder, eigentlich wanderten die Fabrikationsanlagen ab. In den armen Ländern wurde man dadurch ein bißchen reicher.
Eigentlich hätte die Entwicklung wie folgt weitergehen sollen: In den reichen Ländern Arbeitslosigkeit, Verarmung, dadurch kein Konsum, kein Absatzmarkt mehr. Aber kein Problem für die Fabrikanten! Die Arbeiter, die in den Entwicklungsländern an den neuen Fabrikanlagen arbeiteten, erstreikten sich höhere Löhne, wodurch in ihren Ländern ein neuer Absatzmarkt und neuer Wohlstand entstand. Nach diesem System wären alle armen Länder reich geworden, bis die Arbeit in ihnen durch Streiks immer teurer und teurer geworden wäre, bis sie das Niveau der ehemaligen Industrieländer, wo durch die hohe Arbeitslosigkeitsrate das Lohnniveau natürlich immer tiefer gesunken wäre, erreichte. Dann wäre es egal geworden, wo man produzierte, Arbeit und Wohlstand hätte sich auf der ganzen Welt ausgebreitet, am Ende wären Lohn- und Preisniveau auf der ganzen Welt gleich.
Es war nicht so gekommen. Die Regierungen der armen Länder hatten auf die ersten Streikenden schießen lassen, in der Annahme, sich und den ausländischen Fabrikanten einen Gefallen zu tun. Die hatten auch tatsächlich eine Belohnung dafür gezahlt. Um die Bevölkerung auch weiter in Schach zu halten, wurde immer mehr Militär und Polizei benötigt. Schließlich fühlte man sich so stark und mächtig mit all den willigen Militärmenschen, den Robot-Mörderhülsen, daß man meinte, gemeinsam mit den armen und hungernden Völkern eine Armee aufstellen zu können, die beim Großen Kampf die Trophäe erheische.
Pancasila und Panafrika gegen Panamerika und die Eu.
Pan-Islam gegen eine katholisch-protestantische Koalition - und ein russisch-orthodoxes Land, das nicht friedlich abseits stand und zuschaute (keine respektable Großmacht tat so etwas, wenn Weltkriegs-Zeit war!), sondern Angst hatte, daß, wenn es nicht mitmischte, nichts von der Beute abbekam. Da man im Zarenreich wohl meinte, daß mehr Beute in den westlichen Industrieländern zu holen sei als anderswo, und man außerdem einen gesunden Haß auf die papistischen und protestantischen Ketzer hatte, die in Friedenszeiten so frech ihre Missionare ins Land geschickt hatten, fiel die Entscheidung leicht.
Und bei diesem Wahnsinn hielten sich noch immer einige Städte der Freiwisser und Freidenker. Auch wenn sie ihre überlegenen Waffen und die unsichtbaren Wälle ihrer Städte verloren hatten, durch ein besonderes System der Tarnung überlebten viele. Dieses System nannte sich Im-Klosett-Verkriechen.
Außerdem waren es Freiwisser und Freidenker gewesen, die den Mond kolonialisiert hatten. Und ihre plötzliche Abhängigkeit von den religiösen, irdischen Ökonomien stieß ihnen übel auf. Wie die nordamerikanischen Kolonien Großbritanniens Unabhängigkeit vom britischen Mutterland gefordert hatten, so hatten die Mondkolonisten Unabhängigkeit von Muttererde gefordert. Aber die irdischen Ökonomien hatte diese Unabhängigkeit immer verweigert wegen der Ausbeutung der Erzlager.
Erde und Mond waren also bewohnt von Menschen. Aber das Menschsein als Gemeinsamkeit zu haben, hieß nicht unbedingt, daß man viel gemeinsam hatte. Wie auf Erden also auch auf Mond.
Die irdischen Abgesandten, die die freiheitlich gesonnenen Mondsiedler in Schach halten sollten, wurden aber, als zu große Spalten die Erdenmenschheit entzweiten und der fürchterliche Krieg zwischen ihnen tobte, nach einem kurzen, aber mühsamen Gemetzel beseitigt. Und auf dem Mond herrschte Einigkeit darüber, daß das ein gutes Werk gewesen war.
Die Siedler des Mondes fühlten sich sicher. Sie glaubten, sie hätten einen sicheren Ort, einige glaubten sogar, sie hätten den sichersten Ort. Und sie hielten sich sogar für überlegen, was Raumschiffschlachten betraf. Weil man über eine große Raumflotte verfügte, glaubte man, den außeratmosphärischen Raum zu beherrschen, wie einst die legendären Engländer die Meere.
Andererseits dachte man, die durch den Krieg schwächer werdende Erde werde eine leichte Beute werden. Und man erinnerte sich des alten Grolls, den man auf die Erdregierungen hatte, von denen man sich so mühsam die Unabhängigkeit abgerungen hatten.
Und fortan kreiste der Mond wie ein Geier über der Erde. Ein auf Aas wartender Geier.
"Man erdachte sich eine Kriegslist. Da man den Mond mit Antriebsdüsen lenkbar bemacht hatte, konnte man ihn dichter an die Erde heranfliegen, aber sich aber auch von ihr entfernen. Man holte den Mond dichter an die Erde heran, schleifte die Mondberge und schüttete sie in die Erdmeere, verschüttet so submarine Städte und Siedlungen. Dadurch wurden auch die Meeresfestungen der Erdbewohner, riesige, befestigte Inseln teilweise überschwemmt, teilweise auf dem Landweg erreichbar. Mit Riesenmaschinen, wie sie die Erdbewohner nicht benutzten, nicht benutzen konnten, da ihre Straßen zu eng waren, stürmten die Lunauten die Burgen und Energielager der Erdwürmer. Die Kruste der Erde bebte unter diesem Krieg, als wollte sie die Plagegeister abschütteln. Aber die Lunauten bissen sich fest und es waren nur die Erdenbewohner, die litten."
"Nein, so kommt es nicht wirklich. Das ist das Programm eines Computerspiels für junge Mondlinge. Damit sie lernen, wer ihr Feind ist."
Der Mond zog weiter seine gewohnte Mondbahn, er
war zu weise aus einem Computerkinderspiel ernst zu machen. Er
war so weise wie ein Geier, der Warteschleifen über dem
Todeskampf Verendender flog.
Wie trat nun der Nordamerikaner an?
Wie drängte er in den Tod?
Ohne Furcht und Verstand, und doch verstand er es, andere vorzuschicken.
Nordamerika, das erst in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends nach der Zeitrechnung des vorvorletzten Erlösers von weißen Herrenmenschen und schwarzen Sklavenmenschen überflutet worden war, die Einheimischen verdrängend, mordend, ausrottend, hatte mit indianischer Strenge eine hohe Blüte, Macht und Reichtum erreicht, erkämpft, doch in den Städten blühte der Straßenkampf und Terror, denn die Erdgeister,1 indianische Seelen, die keinen lebenden Indianer zur Inkarnation fanden, gönnten den neuen Menschen nicht den Segen des Friedens, Ruhe, Reife und Zufriedenheit. Die Erdgeister aber waren primitiv. Das Christentum der weißen Herren, in der Alten Welt schon fast überwunden oder umgelogen zu einem modernen DeÏsmus, war hier wieder zu primitiver Magie und Zauberlehre geworden. Mit der Wissenschaft hatte man es ähnlich getrieben. Einst hatte man sie primitiv fanatisch hochgetrieben. Dann hatte man sie primitiv fanatisch verdammt. Man genoß fundamentalchristlich die Produkte der Wissenschaft, deren Existenz man leugnete, flog in Superjets um den Globus, um die Flache Welt zu propagieren. Und Kultur? Zu lange schon hatten sich die Erdgeister kultiviert gegeben, hatten mit Messer und Gabel gegessen und sich bemüht, mit den Leuten der Alten Welt zu konversieren. Jetzt hatten sie wieder Sehnsucht nach entvölkerten Gegenden, öd' und leer, Ebenen mit vereinzelten Büffelherden und noch einzelneren Menschen, harten, unmenschlich harten, einsamen Menschen, stolz und aufrecht wie eine Felswand, entmenschlicht, scharfe, gefühllose Gesichtszüge, Menschen, die ebensogut Wind oder Stein hätten sein können, übermenschlich, unheimlich.
1 `Ahnengeister in Amerika' ist eine Beobachtung, die einmal C. G. Jung machte (Studienausgabe bei Walter: Seelenprobleme der Gegenwart, S. 146ff). Ich selbst konnte einmal eine ähnliche Beobachtung machen, nämlich, als ich hier in einem Tokioter Stadion die in der Art von Waschmittelwerbung abgehaltene Propagandaveranstanltung des amerikanischen Evangelisten Billy Graham zwei Stunden lang auf meine Sinne einhämmern ließ (Zum Glück war ich robust genug und endete nicht behämmert als Jesus und Billz Graham Fan). Dabei zauberte er allerdings nicht, sondern beließ es bei seiner primitiven Show bei Lügen und Bekenntnissen zu Verbrechern wie den Kreuzrittern. Für so einen hielt er sich selbst, und er forderte die japanischen Christen (ca. 1% der Bevölkerung) auf, ebenfalls wie Kreuzritter zu werden. Zum Glück leistete ihm keiner Folge.
Daß es primitiv war, kann ich beschwören, aber daß ein Erdgeist in ihm inkarniert war, nicht.
Magie und Zauberei findet man in Büchern der Christian Science.
Der britische Biologe und Nobelpreisträger von 1960 für Physiologie Peter Brian Medawar ist der einzige mir bekannte, eminente Wissenschaftler, der sich die Mühe gemacht hat, mit wissenschaftlichen Mitteln dem pseudowissenschaftlichen Obskurantentum eines Gustav Jungs oder eines Teilhard de Chardin zu entgegnen.
Übermenschlich, unheimlich war der Drang, mit dem sich die Amerikaner alten Schlages, dieser schwarzweißrotgelbe Eintopf, in Krieg und Tod drängen sollte.
Die Erdgeister sollten lange warten auf ihren Neuen Indianer und die Büffelherden, in der Tat mußten sie sehr sehr lange warten, warten bis sich wieder Leben regen sollte, und das sollten Mikrobien sein. Die Wartezeit sollte selbst Geistern zu lang werden. Dem zweiten Gesetz der Thermodynamik gehorchend, flossen sie vorher ab in Entropie.
Sollte alles sinnlos gewesen sein? Die neuen
Mikrobien freuten sich ihres Lebens, führten ihre Kriege, doch
waren sie sich dessen noch unbewußt.
Afrika, Panafrika, die Vereinigten Staaten von Afrika, auch sie traten an zum Großen Krieg. Nicht alle Nationen Afrikas machten mit in der Föderation. Die Araber hatten auf Grund ihrer Religion zu einer eigenen panarabischen Großmacht zusammengefunden. Für den Krieg aber bildeten sie eine Allianz mit den Afrikanern. Nur zu gern ließen sie die afrikanischen Heere durch die Sahara dem europäischen Kontinent zustreben. Die Afrikaner sollten die ersten sein, der Araber wollte sich gern mit dem zweiten Platz zufrieden geben.
Der panafrikanische Staat war in gewisser Hinsicht das Gegenteil des nordamerikanischen Staates. Während man in Nordamerika von einer ehemaligen Blüte bergab ging, strebte man in Afrika aufwärts. Hier wie dort gab es hochmoderne Zentren neben Slums und primitiven Landgemeinden, Reiche neben Armen, die Hunger litten, und da es keine Geburtenkontrolle gab, wurden die Gegensätze immer grasser.
In Nordamerika gab es zwar wesentlich mehr Reiche als in Afrika und auch viele Wohlhabende, aber in Afrika hatte die kleine Elite der Reichen und Gebildeten mehr von ihrem Reichtum. Ungehemmter bedienten sie sich wie alle Neureichen. Die ehemaligen Neureichen Amerikas hatten sich mitterweile alle alte Adelstitel angeeignet und sich in das Korsett feiner Lebensformen eingezwängt. Habgier war offizell tabu, Wohltätigkeit nach außen hin die wichtigste Tätigkeit, die unaufrichtigste Tugend. Im Geheimen kämpfte man genauso brutal wie Straßengangs um Reviere und Macht und mehr Reichtum, sogar um ein tugendhaftes Ansehen. Solchen Eiertanz erwarteten die Neureichen Afrikas nicht von ihren Mitreichen. Sie protzten offen mit ihrem Reichtum und dachten nicht daran, den Armen wenigstens als Geste eine Almose zukommen zu lassen. Sie zahlten Hungerlöhne und als die maschinelle Fertigung billiger kam, setzten sie die Leute auf die Straße. Aufstände wurden sofort blutig niedergeschlagen.
Da die Armen aber vom Hungern kraftlos waren und es ihnen auch an Mut fehlte, waren sie weder für die Reichen noch für die Regierenden ein Problem, gesättigte und übersättigte Massen waren schwerer zu regieren, meinte jedenfalls die Power Clique, deshalb protestierten sie auch als die UN Notnahrung schicken wollte. So etwas sei Kolonialismus. Bei den Armen verbreiteten sie das Gerücht, daß die Weißen sie mit der Notnahrung vergiften wollten. Impotent machende Gifte seien darin, Seuchen, noch schlimmer als Aids. `Mit dem Weizen wollen die Weißen uns wieder versklaven', hieß eines der Machtworte der Marktführer und Herrschenden. Als ob die Weißen noch Sklaven brauchten.
Die Armen Afrikas waren zwar unterernährt, aber nicht wie in Amerika obdachlos, denn die UN hatte für die Armen Kapselwohnungen zur Verfügung gestellt. Da die einheimischen Regierungen sie verteilt hatten und die Armen nicht lesen konnten, ernteten die Einheimischen die Dankbarkeit.
In so einer Kapsel war man sehr geschützt. Die Tsetse-Fliegen und Moskitos konnten einem darin nichts anhaben, auch vor Regen, Wind und Sonne war man geschützt. Manch einer weinte beim Einzug vor Freude. - Und schwor ewige Dankbarkeit an die falsche Adresse.
Diese Kapseln waren eine ursprünglich in Japan gemachte Erfindung, die dort als Kapselhotel bei Geschäftsreisenden sehr populür gewesen war. Eine solche Kapsel war praktisch eine drei Meter lange Plastikhülse mit ein Meter achtzig Breite oder besser Durchmesser, denn die Ecken und Kanten waren stark gerundet. Jede Kapsel besaß eine eingegossene Steckdose und eine Lampe, die nie kaputt ging, allerdings oft nicht brannte, da die Stromversorgung für die Slums meist abgeschaltet war. Dem Eingang gegenüber war ein Plexiglasfenster angebracht, das aber meistens nur wenig natürliche Helligkeit hereinließ, denn die Kapseln waren in stabilen Rahmen eingehängt, dreireihig übereinander leicht versetzt, wobei die Eingänge alle zur gleichen Seite lagen und wegen der leichten Versetzung über nebeneinander stehenden Leitern einzeln zugängig waren. An die Seite mit dem Plexiglasfenster stieß im allgemeinen schon die Rückseite des Parallelblocks. Die meisten verfluchten also das kleine Fenster. Einige hatten sich beim Versuch, das Ding zuzunageln, ihre Kapsel versaut, denn die Hülse platzte leicht, riß und splitterte. Auf jeden Fall entstand ein Loch in der dünnen Haut, so daß Feuchtigkeit sogar Regen reinkam. Um das Wasser wieder loszuwerden, schlug man ein Loch in den Boden und zerschlug dabei oft aus Versehen gleich die Decke des unter einem Wohnenden. Wegen akuten Platzmangels hatte man in den meisten Städten gut verankerte und verstrebte Gerüste mit Plattformen errichtet, die es ermöglichten, die Kapseln zu achtzig bis hundertstöckigen Konstruktionen aufzutürmen, also höher als die Cheops-Pyramide, die übrigens auch zufällig von solchen sich über viele hundert Quadratkilometer hinziehenden Konstruktionen umgeben war. für Leute, die ein bißchen Geld hatten und die Extra-Kosten nicht scheuten, gab es statt der `Government-Gratis-Hülse' eine Luxusausführung zu kaufen mit zum Beispiel Doppelwänden, Klimaanlagen, Fernseher etc. Aber an den Enden der langen Gänge lief sowieso immer ein großer Bildschirm, der viel von den Verdiensten der eigenen Herrscherclique zu berichten wußte.
Die Herrschenden aber fütterten in ihrem Zynismus den Armen nur Religion und afrikanische Tradition. Da ehemals weiße Missionare mit ein paar frommen Geschichten aus dem Neuen Testament die Anbetung Jesu erreicht hatten, und die Panafrikanisten sich fürchteten das kaputtzumachen - wer eine Religion kaputtmacht, macht vielleicht alle Religion kaputt, so war ihre Furcht -, spannen sie einen neuen Faden über Äthiopien und Ägypten zu Jesu als einen Negroiden. Sie lagen damit wahrscheinlich richtiger als die, die einen blonden Jüngling Jesu propagierten.
Überhaupt hatten die Neureichen soviel Selbstbewußtsein entwickelt, daß sie alles Afrikanische und besonders die schwarze Hautfarbe für überlegen hielten. Ja, sie waren Rassisten geworden. Ihre Luxusstädte waren für Weiße und sogar Hellschimmernde Tabu. Kein Weißer aber wagte es, sie dafür zu kritisieren, um nicht selbst als Rassist verschrien zu werden. Schließlich hatte man es ja mal selbst nicht besser gemacht, man, das waren eigentlich die Vorväter gewesen.
Jede Kitschvorstellung, die der Westen von Afrika einst gehabt hatte, griffen die Neureichen begierig auf, um sich und den Massen eine afrikanische Identität zu geben. Selbst Menschenfleisch aßen sie wie einst ihre Vorfahren und wie es auch einer ihrer großen Könige der Neuzeit getan habe sollte.
Die großen Pyramiden und Pyramidenmalereien hatten sie auf die Idee gebracht, sich als reiche, regierende Rasse durch die Körpergröße von den Massen abzuheben. Zum Zeichen ihrer Würde ließen sie die Hypophyse zwischen ihren Hirnhälften anregen zur Überproduktion des Wachstumshormons Somatotropin und die neuen Pharaonenkinder entwickelten sich so zu übergroßen Menschen, die riesige Marmorpaläste brauchten mit riesigen unterirdischen Bunkern weitab von den Plastikslums der kleinen Leute.
Aber selbst bei einer Größe von 2,50m fühlten sich die großen Leute irgendwann nicht mehr sicher vor den vielen vielen, kleinen Leuten, für die sie keine Arbeit und kein Brot hatten. Da war es günstig, die Überflüssigen aufzuhetzen gegen die Un, die vom reichen Westen kontrolliert wurde. Die Un wurde zum Untier erklärt, das die schwarzen Menschen verschlingen wollte.
Das traf sich gut, da auch im Westen, also in den ehemals reichen Industriestaaten, immer mehr soziale Unruhe entstand. Arbeit war nicht mehr für alle da. Die Armen lagen auf der Straße. Jeden konnte es jeder Zeit selbst treffen. Sparen konnte man kaum noch, da die gewohnten Lebensansprüche sehr hoch waren, aber leider immer teurer und unerreichbaren wurden, und da die Steuern und Sozialabgaben ebenfalls sehr hoch waren. Was die Leute aber besonders ärgerte, war, daß ein großer Teil ihrer Steuern direkt an die Un ging und nicht der eigenen Gemeinde zugute kam. Auch für diese Leute wurde die Un zum Untier, das ihnen ihren Lebensstandard wegfraß. Aber die Großen des Westens dachten mit den Gaben der Un, die ganze Menschheit wie ein gebändigtes Tier, das aus der Hand fraß, in der Hand zu halten.
... und das Tier biß doch.
Während die Un an die Afrikaner die Wohnwaben verteilen ließ, verteilten die Pharaonenkinder Handfeuerwaffen an die armen Massen und schickten sie los in den Norden, um sich selbst das zu holen, was die reichen Industrienationen ihnen angeblich immer vorenthalten hatten. Eigentlich half man den Pancasilanern und den Mohammedanern, die ihren Glauben schwer bedroht sahen, durch christliche Wirtschaftssanktionen. Das größte Problem dieser Tripelallianz aber war die Überbevölkerung. Irgend jemand mußte ausgerechnet haben, daß, wenn der größte Teil der unnützen Bevölkerung und alle Bewohner der Feindländer tot waren, die Erde wieder ein ganz schöner Platz zum Leben werden könnte.
Vorderindien war das Vorbild. Das Vorbild für alle Kriegstreiber. Vorderindien war laut Legende ein nackter Haufen fickender und gebärender Menschenwürmer gewesen, ein Haufen Lebender und Leichen, sich selbst fressend, unbelehrbar. Die Mullahs, Magier und Megamenschen beider Seiten waren auf diesem Subkontinent gezwungen gewesen, einen gegenseitigen Ausrottungskrieg anzuzetteln.
Und die Un hatte sich wie immer bei Konflikten eingemischt.
Angeblich, um glaubwürdig zu bleiben, hatte sie, als es zur Halbzeit etwa hundert Millionen zu hundert Millionen stand, nuklear-militärisch eingegriffen, als die beiden Kriegsparteien trotz Verwarnung weiterschießen wollten. Der ganze Subkontinent war zur Abschreckung ausgerottet, abgebrannt worden, weil die Kriegsparteien sich geweigert hatten, Frieden zu schließen.
Jetzt stank die Erde nach Schwefel und verbrannten Proteinen. Brach lag die verkohlte Erde des Subkontinents. Nur verklebte Körper reihten sich aneinander. Doch es war nur der Pöbel, dessen Leichen hier den Boden vergeblich düngten. Die Reichen und Edlen waren gerettet. Der Pöbel hatte sich gern geopfert. So großherzig konnte Pöbel sein.
"Dieser grausige Schritt war notwendig geworden, da die Bevölkerung Argumenten zum Trotz auf ihren mystischen Standpunkt beharrte, Kinder wären von den Göttern gesandt, was zur Folge hatte, daß ein gefährlich brodelnder Menschenkessel entstand, der an den Rändern, Indus, Himalaya und Brahmaputra, überzubrodeln drohte", meinten einige zynische Herrenmenschen der Un, obwohl sie dem Prunkmännchen in ihrer westlichen Heimat das Recht gaben, die Abtreibung außer bei klerikaler Indikation, also Gefahr hoher Kritikfähigkeit, bei Strafe zu verbieten.
"Das Land kann aufgeforstet werden. Da kann eine neue Lunge der Welt entstehen", meinte ein anderer. Ein Kapitalist der Sauerstoffbranche protestierte, er sah schon die Bonanza, die er für seine Kinder visionierte, gefährdet.
Als die Tripelallianz auf Europa zu marschierte, lief die Diplomatie auf Hochtouren, Afrika und die Inselstaaten wollten nicht im atomaren Feuer untergehen, Zivilisten sollten geschont werden, nur die Statisten, die mit der stummen Nebenrolle, sollten fallen.
Das war nur fair. Die Zivilbevölkerung umzubringen, war ein Kriegsverbrechen, so hatte der Völkerbund früher einmal entschieden.
Warum eigentlich?
Warum war es richtig, Soldaten umzubringen, junge Männer, die von einer aufgehetzten Zivilbevölkerung losgeschickt wurden, ob sie nun wollten oder nicht?
Es war eines der Mysterien der Zeit, warum man die Ermordung von Zivilisten für unmoralischer hielt als die von jungen Männern, die halbe Kinder waren, als man ihnen die Mordwaffen in die Hand drückte.
Man versprach sich also gegenseitig, die Zivilbevölkerung zu schonen, aber schon die ersten Bomben, die man auf die Waffenschmieden schmiß, fielen absichtlich in einem großen Bogen um die Fabriken auf die Werkswohnungen.
Schnell versprach man sich, wenigstens konventionell zu bomben, und erst ganz zum Schluß die modernen Massenvernichtungsmittel einzusetzen.
Das versprach man sich gern. Denn was Rang und Namen hatte, wohnte damals unter der Erde wegen der aggressiven ultravioletten Strahlung der Sonne, der Sicherheit vor Überfällen und vor allen Dingen der Angst vor Bomben, besonders auch vor Atombomben. Die unkonventionellsten Bomben aber waren HBB; H-BohrBomben, die die unterirdischen Städte ausgruben.
Die Superreichen waren plötzlich besorgt, daß sie Waffen produziert hatten, die auch ihnen schaden konnten. Auf deeen Profit hätte man verzichten sollten!
Uranfabriken an Drittwelt-Länder, was hatte doch die Elterngeneration für Fehler gemacht.
Pancasila hatte sich ausgedehnt und ein größeres Wohlstandsgebiet erobert als einst die Japaner, ganz Südostasien war in seiner Hand, auch Australien und Neuseeland. Eines der Glaubensthesen, um die im Großen Kampf gefochten wurde, war die Anzahl der irdischen Kontinente. Da Australien eine südostasiatische Insel geworden war, gab es offiziell nur noch fünf Kontinente, nur Amerika und die Eu beharrten halsstarrig auf Australien als eigenen Kontinent.
Die weiße Bevölkerung dieser neuen, südostasiatischen Inseln - sie wurde zusehends durch die Zuwanderung asiatischer Pioniere zu einer unbedeutenden Minderheit - machte sich das Leben so schwer wie einst Indianer und Aborigines, besonders dadurch, daß sie sich hartnäckig weigerte, den erlösenden Glauben des Propheten anzunehmen. Der Prophet war der einzige, der ihre Leiden hätte mindern können. Aber die meisten Weißen wollten Jesus, jetzt mehr denn je. Ihre Priester hatten recht gehabt, wenn es einem dreckig ging, kehrte man sich zu Gott. Natürlich nur, wenn man als Kind mit der Gottes-Idee gefüttert, geimpft und rektal behandelt worden war und man auch die Zeit des Wohlstands nicht genutzt hatte, um sich über diese Idee klarzuwerden, sondern nur gefressen und gefaulenzt hatte.
Auf jeden Fall erlitt manch ein Christ den Tod, weil er nicht mit erhobenem Hintern den falschen Gott anbeten wollte, wo ein Atheisten seinen Tormentoren schon mal den Gefallen tat, sich so absurd zu verhalten, um sein einziges, wertvolles Leben zu retten, - um sein einziges Scheißleben noch ein bißchen länger mit Ekel anzufüllen.
`Moslemischer Pazifikrand' hieß der Schlachtruf.
Man hatte eine heilige Scheu vor den alten Kulturländern China, Korea und Japan, die so großzügig Kredite gaben und Waren und Waffen so preisgünstig lieferten, aber man hatte auch einen Erzfeind auf der anderen Seite des Pazifiks: das WASPenland. Dort wollte man hin, und die Islamic Nation of America, die islamischen Brüder Amerikas, aus der Unterdrückung befreien.
Den WASPen gefiel die Idee, konventionell zu kämpfen mit Soldaten. Das war eine gute Gelegenheit, das ganze Land mal auszumisten vom Bevölkerungsüber- und -ausschuß. Besonders lästig waren die vielen Latinos geworden. Den WASPen gelang es, ganz Süd- und Mittelamerika für ein großes Bollwerk des Christentums zu mobilisieren. Die ganze Pazifikküste bis Feuerland, ja, sogar bis in die Antarktis hinein, wegen der Rohstoffe, wurde eine einzige Verteidigungslinie.
Man war aber in der Defensive. Noch. Wie man meinte. Überall tauchten plötzlich riesige Unterseeboote auf und spuckten ihre Krieger aus, manche bis weit hinter die Defenslinien. Die schnellen Nahkampfhüpfer rissen eine Menge Verteidiger in den Tod, bevor sie selbst umkam. Auch die großen, überseeischen Meeresgleiter hatte es mit Hilfe von Spiegeln und falschen Radarreflektoren zu so perfekter Tarnung gebracht, daß man sie erst bemerkte, wenn sie wie eine Tsunami auf Land platschten und ihr kriegerischer Inhalt im Handstreich die Befestigung nahm.
Die Herren des WASPenlandes machten sich große Sorgen, als sie sahen, daß den Feinden die Landung auf dem amerikanischen Festland gelungen war, auch wenn der Brückenkopf nur in Peru war.
Riesige Menschenmassen strömten von dort auf den Kontinent. Um sie zu vernichten, mußte man vielleicht sein eigenes Land zerstören. Man hatte zwar Hemmung davor, aber wenn der Feind sich in den letzten Urwäldern des Kontinents verkroch, blieb einem keine Wahl. Die Wälder mußten wieder entlaubt werden, wie früher einmal in Indochina. Wie sollte man die feindlichen Soldaten konventionell erschießen, wenn man sie unter einem dicken Laubdach nicht sah? Die neuen Entlaubungsgifte waren auch nicht mehr so schädlich wie Agent Orange, sondern töteten nur kurzzeitig ohne langzeitige Schädigung. Das war jedenfalls, was die Chemiebosse behaupteten.
Südamerika war schnell verloren oder gewonnen, je nach dem auf welcher Seite man stand. Und wenn der Papst einmal geglaubt hatte, mit südamerikanischen Vielvermehr-Katholiken die Welt zu erobern, jetzt unter moslemischem Druck zeigte es sich, daß es den meisten egal war, was sie glaubten, Hauptsache, sie durften was glauben. Mit Überzeugung traten sie der neuen Religion bei, und behielten doch ihre alte Magie. Sie halfen jetzt der Tripelallianz im Kampf gegen die weißen Teufel.
Die WASPen riegelten Südamerika mit riesigen Minenfeldern am Isthmus von Panama ab, außerdem bombte man den Panamakanal so breit, daß die beiden Ozeane zusammenflossen. U-Boote von Pancasila schlichen durch die Öffnung, bevor sie vermint wurde, und tauchten wenig später im Mississippi auf und spuckten ihre Soldaten ans Ufer. Sie waren aber zu wenige, und jeder Amerikaner hatte seine eigene Waffe, selbst Schulkinder schossen sich ihre Moks oder Mokkas, wie sie die Eindringlinge nannten.
Gemein war nur, daß die Eindringlinge Spielverderber waren. Als der Kommandant seine letzten Leute sterben sah, entließ er im Untergang schreckliche Gemeinwaffen, Würmerbomben, die ganz New Orleans unterwanderten und den Erdboden tanzen ließen. Ganz New Orleans wurde so zerstört. Als es vorbei war, zuckten die herrschenden WASPen mit den Schultern: Eine Stadt verloren, das konnte man verschmerzen.
Sie hatten gerade aufgeatmet, da tanzte der Erdboden in Baton Rouge und dann in Mobile und Jackson. Was war geschehen? Die Würmerbomben fraßen sich weiter durch den Erdboden. Sie fraßen die Erde und schissen Bomben aus. Sie waren tief und gewaltig und intelligent. Sie wußten, wo die nächste Stadt zu finden war. Sie waren nicht konventionell.
Amerika drohte mit atomarer Vernichtung, wenn die Würmer nicht hinter den 30° Breitengrad zurückgezogen würden. Die Tripelallianz lenkte ein. So wurde Florida, das innerhalb des WASPenlandes sowieso zum Problemgebiet geworden war, von den Würmern total zerfressen.
Einst zeigten die Würmer so überdeutlich: Daß man den einfachen Lanzer gar nicht brauchte. Große, ferngelenkte oder Computer gesteuerte Maschinen hätten genauso gut, gegeneinander krachen können und eine Entscheidung herbeiführen können. Bloß hätte man dann weiter das lästige Problem der Überbevölkerung gehabt.
Außerdem wer so argumentierte, hätte genauso gut sagen können, die verfeindeten Nationen hätten ja gegeneinander Schach spielen können oder ein Fußball-Match machen können. So etwas war doch unrealistisch. Im Krieg wollte man Tote sehen, Blut, Leiden und Verkrüppelte.
Übrigens konnten ferngelenkten Waffen doch ganz gut das Problem der Überbevölkerung lösen - sogar besser, am aller Besten sogar.
Die Würmer hatten gerade Florida zerstört und ihre Herren lenkten sie als nächstes ins Meer, damit sie sich dem pro-WASPisch-faschistischen Kuba zuwandten und es zerstörten, da griff das russische Zarenreich ins Kriegsgeschehen ein. Es wollte Alaska wieder haben, obwohl es noch lange nicht alle Bodenschätze Sibiriens ausgebeutet hatte.
Durch die Hintertür betrat es den amerikanischen Kontinent. Sie waren nicht die legitimen Betreter des Landes, wie die Hopi-Indianer sofort wußten, aber sie waren mächtig, verfügten über riesige Waffenarsenale.
Aus der Tripelallianz war über Nacht eine Quadrupelallianz geworden. Und der neue Gegner war mächtig und gut organisiert und hatte massenweise Atomwaffen für den Endkampf.
Unter dem Zaren war Rußland nach dem Zusammenbruch wieder auferstanden zu neuer Blüte und Einheit. Jedenfalls sah es immer so aus auf den häuslichen Videoschirmen. Wenn man von einigen hohen Beamten, dem Adel und der Regierung absah, schien es dem ganzem Volke gleich zu gehen, jeder bekam die gleiche Menge Futter und die gleiche Art von Übernachtungswabe, und jeder bekam, Tests entsprechend, seine zwölf Stunden Arbeit und seine zwölf Stunden Freizeit zugeteilt. Es war auch der einzige Staat, wo man sich noch völlig natürlich ernährte und vermehrte, was hieß von landwirtschaftlichen Produkten und ohne Wehenbeschleuniger, pain-killer und Obstetrik und natürlich auch ohne Kondom oder Anti-Baby-Pille, was natürlich Hungersnöte mit sich brachte. Die Russen rauchten auch immer noch richtigen Tabak, während im hoch entwickelten Westen nur noch rauchfreie Drogensticks erlaubt waren. Russische Soldaten mit ner Kippe im Mund waren bei der Eroberung Alaskas gute Ziele für amerikanische Scharfschützen. Aber der Große Zar konnte die paar kleine Raucher leicht verschmerzen.
Die Erd- und Naturverbundenheit, die natürliche Ernährung, schwere Arbeit und strenge Kontrolle machten zusammen mit der Propaganda die Leute in diesem Staate - Mütterchen Rußland nannten die Bewohner ihn zart - wohl zu den glücklichsten Menschen der damaligen Zeit.
`Obwohl wir arm sind, sind wir glücklich', hatte ihnen Väterchen Zar so oft vorgesagt. Eins war auf jeden Fall richtig: Obwohl dieser Staat eigentlich einer der ärmsten war, war er einer der am besten gerüsteten. Das war die Folge einer Missionsaufgabe, die der Zar vom Christentum über den Propheten Karl Marx, dem Erlöser Lenin und dem Halbgott Stalin mit in sein orthodox-christliches Gottkaisertum gebracht hatte. Es war für ihn wichtig geworden, daß auch andere christliche Konfessionen erkannten, daß Christus Kommunist gewesen war und Christsein nur heißen konnte, alles mit allen teilen, also Kommunismus. Nach dem Chaos des Zusammenbruchs hatte er so seinem Volke wieder neuen Halt gegeben. Kommunismus und Christentum, was ein Antagonismus gewesen war, hatte in seinem Gottkaisertum eine Harmonie gefunden, bloß schade, daß das Volk immer noch so viel soff und nicht verstand, Wohlstand zu erwirtschaften. Die bürokratische Hierachie war ein anderes Problem dieses Riesenreiches. Gut durchorganisiert und gut durchbürokratisiert, konnte man wohl sagen.
Nachdem die Heere Alaska erobert hatten, wußte man nicht weiter, weil Befehle von oben ausblieben. Die WASPen hatten Frieden angeboten und keine Antwort erhalten, da das russische Heer aber beim Picknicken war, gedacht: Die sind mit Alaska zufrieden.
Sollen sie's haben, wir haben jetzt andere Sorgen.
Da ging den Russen beim Picknick das Essen aus und sie wurden immer unruhiger. Bürokraten hatten offensichtlich wieder versagt. Der Zar selbst ordnete das Vorverschieben der Front an, als seine Soldaten zurück zu Mütterchen Rußland wollten, weil sie hungrig waren.
Die WASPischen Soldaten waren völlig überrascht, als die großen Kriegsmaschinen plötzlich wieder loshauten, Wälder und Berge in Splitter hackten. Die neu eroberten Ölquellen dienten den Russen für eine der konventionellsten Waffen: Feuer.
Eine Feuerwalze mit Ventilatoren zur Weißglut gebracht, rollte, überrollte WASPische Verteidigungsanlagen im Norden. Und von Florida hoch krochen die bombenden Würmer. Die WASPischen Herren drohten Pancasila noch einmal mit atomarer Vernichtung, wenn die Würmer den 30° Breitengrad überquerten. Aber diesmal kam die atomare Vernichtung Retour von Rußland: Wenn ihr Pancasila vernichtet, vernichten wir euch atomar.
Jacksonville war die erste größere Stadt hinter dem 30° Breitengrad. Sie wurde evakuiert. Und als die Würmer sie erreichten und die Erde und die Hochhäuser hochstieben von den Explosionen, da ließen die WASPischen Herren von schrecklicher Furcht getrieben, ihre schlimmsten Waffen auf diese Stadt nieder, Wasserstoffbomben mit Flammenlanzen zum Tiefenbohren. Tief unten im Erdreich, tiefer noch als die Würmer detonierten sie und rissen ein unförmiges Loch in den Boden, das größer war als Jacksonville. Die Detonation verkrümelte nicht nur die Würmer, sondern kippte den ganzen Kontinent, daß der Mississippi nach Norden abfloß in den Michigan-See und die ganze Ostküste bis Long Island sich im Atlantik nasse Füße holte. Eine Umweltkatastrophe unermeßlichen Ausmaßes, Klärgruben und schlimmer noch Öltanks waren ausgelaufen und bildeten eine Schlickschicht, die mit dem Golfstrom über den Atlantik zog.
Es war abzusehen, wer konventionell oder wie
auch immer am Verlieren war:
Mutter Erde!
Ehre Deine Mutter Erde,1
auf daß Deine Tage lange währen.
Sie ist ein Stück von Dir
und Du bist ein Stück von ihr.
Sie gebar Dich, gab Dir Leben
und einen Leib.
Unzertrennlich bist Du mit ihr verknüpft.
Ihr Schicksal ist auch Deins.
Deins auch ihrs.
Sie leidet mit Dir
und Deine Freude wäre auch ihre.
Doch Du bist nicht wirklich froh.
Freue Dich auch um ihretwegen.
Überhäuft sie Dich nicht mit Gaben?
Greife nicht zu gierig zu.
Nicht im Haben liegt das Heil,
sondern in Einkehr
und innerer Ruh.
1 Der Anfang
dieses Textes (2 Zeilen) ist `den verlorenen Schriftrollen der
Essener' übersetzt von Dr. Ed. Bordeaux Szekely entnommen.
Das europäische Theater.
Mittlerweile am europäischen Kriegsschauplatz oder Kriegstheater, wie man es auch nannte. Denn das waren Kriege: gigantische Theatervorstellungen, Theater auf dem Theater, Theatrum mundi mit beweglichen Figuren und unbeweglichen Puppenspielern, théâtre de la cruauté des ästhetischen Schocks und der sublimen Höhepunkte, aber auch ein lustiges Trauerspiel, ein trauriges Lustspiel, absurdes Theater mit absurden Handlungen und vielen absurden Toten, die starben für eine absurde Schnapsidee. Schade, daß auch die Nüchternen mitstarben.
Konventionell zu kämpfen war gut. Die ersten Wellen der Afrikaner - sie kamen in Wasserfahrzeugen der primitivsten Art - hatte man gut abgewehrt. Alle Mittelmeerstrände, Ausflugziele einer friedlichen Vergangenheit, waren zu Leichenhalden geworden. Nur das schlecht verteidigte Sardinien hatten die Afrikaner nach hunderttausend Gefallenden auf ihrer Seite erfolgreich erobert. Den ersehnten Reichtum des Nordens suchten sie auf dieser Insel vergeblich.
Die zweite Angriffswelle war schlimmer. Es waren die Araber, und die hatten mit Ölmillionen sich ein modernes Waffenarsenal im WASPenland zusammengekauft. Damals beim Kauf hatten sie behauptet, sie brauchten die Waffen, um sich gegen Israel, dem Land der Verheißung, zu verteidigen.
Absurderweise waren sie damit durchgekommen, obwohl Israel einer der treusten Verbündeten der WASPen gewesen war. Die meisten Juden waren sowieso sehr WEiß. Sie gehörten dem dreizehnten Stamm an und waren von ihrem Blute her Khazaren, Blutsverwandte der Hunnen und Magyaren,1 Nachkommen von gläubigen Juden, die ihr Judentum wie eine Religion angenommen hatten, aber keine wirklichen Kinder Abrahams gewesen waren.
1 vgl. Arthur Koestler, "The Thirteenth Tribe: The Khazar Empire and Its Heritage".
Viele Isrealiten aber waren aufgeklärte, wissenschaftlich nüchtern denkende Menschen. Sie lebten auf dem Land, weil sie das Judentum ihrer Vorfahren nicht wie Atheisten, die christliche Eltern hatten, einfach abschütteln konnten. Es klebte an ihnen wie ein Aussatz dieses Jüdische, dabei war es doch bloß eine Religion wie jede andere auch, wie hundertausende andere auch.1 Selbst als 100%iger Atheist blieb ein Jude ein Jude, und selbst atheistische Juden fanden das meist nicht einmal verwunderlich.2
1 Selbst in meiner Wahlheimat Japan, von dem man eigentlich sagt, daß es atheistisch sei und keine spirituellen Werte kenne (laut Umfrage der Yomiuri-Shimbun glaubten 1995 nur 20% der Japaner an irgendeine Religion), gibt es, wie ich neulich (Mai 1995), als die Aum-Sekte wegen ihres Sarin- Anschlags auf die Tokyoer U-Bahn für Schlagseiten sorgte und Religion aktuell wurde, aus der Zeitung entnehmen konnte, über 184 000 eingetragene Religionsgemeinschaften, die alle steuerfrei existieren, also mit anderen Worten: Die Ungläubigen finanzieren mit ihren höheren Steuern den religiösen Quatsch der Leichtgläubigen mit. Wer sich den Luxus Religion leistet, der soll ihn auch bezahlen! Und nicht mit Steuerfreiheit belohnt werden!
2 Ich bin in meinem Leben öfters in der `peinlichen' Situation gewesen, daß sich mir gegenüber ein Staatsbürger der USA bzw. Israels vorstellt und dazu sagt: "Ich bin Jude." Wahrscheinlich, weil ich vorher gesagt hatte, daß ich ursprünglich aus Deutschland käme. Ich antworte dem `Juden' dann immer freundlich lächelnd: "Oh, interessant, ich bin Atheist." Es ist mir dabei sogar schon passiert, daß mein Gegenüber mir sagte, daß er auch Atheist sei, woraus sich dann ein interessantes Gespräch entwickelte.
Da es keinen Gott gab, konnte kein Gott ihnen das Land gegeben haben, soviel wußten sie als Atheist, und doch lebten sie auf dem `gelobten Land', weil sie die Anklage fürs Anders-Sein in den sogenannten christlichen Ländern nicht ertragen konnten.
Aber das war ein Verbrechen: das Land war die Heimat der Palästinenser. Nach dem zweiten Weltkrieg waren 4 Millionen Palästinenser vertrieben worden. Sie waren wie die Indianer Amerikas oder die Juden Deutschlands zu Beginn der national-sozialistischen Arisierung, als die Juden noch fliehen konnten, behandelt worden und der Westen hatte zugeschaut oder sich Wild-West-Filme angesehen, wo der Sieg der weißen Rasse über die Rothäute wie eine Corrida de toros zelebriert wurde.
Auch den meisten Arabern war das Schicksal der Palästinenser egal gewesen. Sie waren aber auch immer zu hilflos gewesen gegen die übermächtigen, westlichen Verbündeten Israels. Erst die Pan-Islamische-Union hatte den Muskel, mit Israel aufzuräumen.
"Man erinnere sich nur einmal daran, wie hilflos wir Araber damals waren, als wir untereinander noch so zerstritten waren wie Deutschland vor dem Zollverein. Westliche Mörderpräsidenten konnten wegen irgendwelcher Terrorismusverdachte ungestraft Mordausflüge in arabische Teilstaaten anordnen und ausführen lassen, die Israelis ebenfalls. Man denke einmal daran, wie viele Mordausflüge die Israelis mit ihren Bombern auf Flüchtlingslager der Palästinenser gemacht haben, oder die WASPen, z. B. als auf die Berliner Discothek La Belle ein obskures Attentat verübt wurde und ein US-Soldat starb, da haben sie in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1986 mit 35 Bombern die beiden größten Städte Libyens Tripoli und Benghazi kaputtgebombt und mal schnell dabei 70 Menschen ermordet,3 oder der WASPische Mörderpräsident Clinton, der als Vergeltung für ein angeblich geplantes Attentat auf den WASPischen Ex-Präsidenten Massenmörder Bush während seines Kuwaitaufenthalts (gemerkt hatte keiner etwas von dem Attentat und die Kuwaitis hatte die mutmaßlichen Attentäter später auch wegen nicht erwiesener Schuld freigelassen!), also dieser Mörderpräsident ließ als Rache für einen fragwürdigen, mißlungenen Präsidenten-Mord mal schnell 23 Raketen vom Typ Cruise missile aus seinem Zwinger zum Zerfleischen irakischer Bürger. Diesem wahllosen Massenmord des WASPen-Präsidenten fiel auch die international namhafte Malerin Leila al-Attar zum Opfer.4 Die Täter und Führer der verschiedenen Mordkommandos kamen im WASPenland nie für ihre Morde auf den elektrischen Stuhl, obwohl das Land für Mord die Todesstrafe durchaus vorsah. Die Täter blieben auch nach der Tat mit ihrem Hintern auf dem Präsidententhron. Jetzt, wo wir genug haben von Kolonialismus, Imperialismus und Demütigungen und losmarschieren, um alle Täter, Mitläufer, Handlanger und Hurraschreier, die uns immer böse gewollt haben, zu bestrafen, da nennt der Westen uns blutrünstig. Aber ihr im Westen habt euch uns gegenüber nie fair verhalten. Eure eigenen, demokratischen Grundregeln Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit galten nie für uns und die arme Welt, jetzt zahlen wir euch mit gleicher Münze zurück!"
3 siehe "Die libysche Herausforderung" von Karam Khalla
4 siehe " Ketzerbriefe Nr. 42, Falschenpost für unangepaßte Gedanken" vom AHRIMAN-Verlag.
Atheisten konnten sagen: `Weil es keinen Gott gibt, konnte kein Gott den Juden das Land geben', aber die Pan-Islamische-Union sah es anders: Da es nur einen Gott gab, Allah, und der auf ihrer Seite war, waren die Israeliten ein illegitimer Dorn im arabischen Leib.
Aber Israel war gefährlich. Es hatte atomar aufgerüstet. Als die arabischen Nationen sich geeint hatten, hatte die Union ein `faires' Angebot an den jüdischen Staat gerichtet: Langsamer Rückzug aus dem besetzten Gebiet in alte Wirtsländer oder neue und Übergabe des Bodens an die arabischen Autoritäten. Eine traumhafte Forderung, wie sie die Hopis, Navajos, Irokesen, Sioux und Crees, und wie sie alle hießen, auch gerne ihren weißen Landwegnehmern gestellt hätten.
Einige Juden hatten eingesehen, daß das Land nicht mehr zu halten war und hatten sich eine neue Heimat gesucht im Westen, aber ein fanatischer, frommer Rest wollte ausharren. Sie hatten trotz ihrer Religion gelernt, wie man die atomaren Feuer entzündete. Aber sie zerstörten nur zwei arabische Städte mit ihren Bomben. Die beiden heiligsten, Mekka und Medina. (Jerusalem wäre die drittheiligste gewesen.) Es schreckte die Araber aber nicht ab, sondern entfachte ihren Zorn.
Das heilige Land war schnell überrannt. Aber die Qualen, die man der Bevölkerung antat, sollten lange und grausam sein. Jede moslemische Familie bekamen einen von den Kaaba-Schändern, um an ihm persönlich Rache zu nehmen für den einzigen Gott, den es gab:
"Und wer ist sündiger als wer verhindert, daß in Allahs Moscheen sein Name genannt wird, und sich beeifert, sie zu zerstören?"1
"Und sie sprechen: `Nimmer geht ein ins Paradies ein anderer denn Juden oder Nazarener.' Solches sind ihre Wünsche. Sprich: `Bringt her euren Beweis, so ihr wahrhaftig seid.'"2
"Und es sprechen die Juden: `Die Nazarener fußen auf nichts', und es sprechen die Nazarener: `Die Juden fußen auf nichts.' Und doch lesen sie die Schrift. Ebenso sprechen gleich ihren Worten die, so da keine Kenntnis haben. Allah aber wird richten unter ihnen..."3
"Und es sprechen die, welche kein Wissen haben: `Wenn doch Allah zu uns spräche oder du uns ein Zeichen brächtest!' So sprachen auch gleich ihren Worten die Früheren; ihre Herzen sind einander ähnlich; schon zeigten wir deutlich die Zeichen für Leute von Glauben."4
"Nicht werden die Juden und die Nazarener mit dir zufrieden sein, es sei denn, du folgtest ihrer Religion. Sprich: `Siehe, Allahs Leistung, das ist die Leistung.' Und fürwahr, folgtest du nach dem, was dir von der Kenntnis zuteil ward, ihren Gelüsten, so würdest du bei Allah keinen Schützer noch Helfer finden."5
"Die, denen wir die Schrift gaben und die sie richtig lesen, die glauben an sie; wer aber nicht an sie glaubt, das sind die Verlorenen."6
"O ihr Kinder Israels, gedenket meiner Gnade, mit der ich euch begnadete, und daß ich euch vorzog vor aller Welt."7
"Und als wir die Kaaba zu einem Versammlungsort für die Menschen und einem Asyl machten und sprachen: `Nehmt die Stätte des Erbauers Abrahams als Bethaus an', und wir Abraham und Ismael verpflichteten: `Reinigt mein Haus für die es Umwandelnden und darin Verweilenden und die sich Beugenden und Niederwerfenden!'"8
"Und als Abraham sprach: `Mein Herr, mache dieses Land sicher und versorge sein Volk mit Früchten, wer da glaubet von ihnen an Allah und an den Jüngsten Tag', sprach ER: `Und wer nicht glaubet, dem will ich wenig geben, alsdann will ich ihn stoßen in die FEUERSPEIN; und schlimm ist die Fahrt dort hinein.'"9
Neben Schlägen quälte man die gefangenen und gefesselten Israeliten besonders gern mit Feuerspein, ein langsames, gelindes Feuerlein.
Prometheus der Feuerbringer hatte den Menschen keinen Segen gebracht, sondern ein Stück Hölle in die Hand gegeben.
"Und sähest du nur, wie sie über das Feuer gestellt werden und dann sprechen: `Ach, daß wir doch zurückgebracht würden, wir würden dann nicht die Zeichen unsers Herrn Lügen zeihen und würden gläubig sein!"10
"Und sie sprechen: `Werdet Juden oder Nazarener, auf daß ihr geleitet werdet.' Sprich: `Nein, die Religion Abrahams, der den rechten Glauben bekannte und kein Götzendiener war, das ist unsere Religion.'"11
"Siehe die Ungläubigen - nimmer hilft ihnen ihr Gut noch ihre Kinder etwas wider Allah; sie sind die Speise des Feuers!"12
"Nach dem Brauch des Volkes Pharaos und derer, die vor ihnen waren, ziehen sie unsere Zeichen Lügen. Und Allah ergriff sie in ihren Sünden, denn Allah ist streng im Strafen!"13
"Sprich zu den Ungläubigen: `Ihr sollt Übermacht und im Dschehannam, dem Höllenfeuer, versammelt werden; und schlimm ist der Pfühl!"14
"Es ward euch ein Zeichen gegeben in zwei Heereshaufen, die aufeinander stießen. Ein Haufen kämpfte in Allahs Weg, und der andere war ungläubig. Sie sahen sie als zweimal soviel als sie selber mit sehendem Auge. Und Allah stärkt mit seiner Hilfe, wen er will. Siehe, hierin ist wahrlich eine Lehre für die Verständigen."15
"An einem Tage soll es an Dschehannams Feuer glühend gemacht werden, und gebranntmarkt werden sollen damit ihre Stirnen Seiten und
Rücken: `Das ist's, was ihr aufspeichertet für eure Seelen; so schmecket, was ihr aufspeichertet.´"16
Während die einen noch quälten und höhnten die habhaften Israeliten und die Muezzins Frommes ausriefen, tobte der Krieg weiter.
1 Koran 2. Sure (Die Kuh): 108. Satz, 2 105. Satz, 3 107. Satz, 4 112. Satz, 5 114. Satz, 6 115. Satz, 7 116. Satz, 8 119.Satz 9 120. Satz. 10 6. Sure (Das Vieh): 27. Satz, 11 2. Sure (Die Kuh): 121. Satz, 12 3. Sure (Das Haus Imrân): 8. Satz, 13 9. Satz, 14 10. Satz, 15 11. Satz, 16 9. Sure (Die Reue): 35. Satz. (RECLAM Taschenbuch: Übersetzung aus dem Arabischen von Max Henning)
Über den Bosporus stürmte eine große, arabisch-türkische Heeressäule auf den Balkan zu. Sie wollte ins europäische Herz. Wien sollte sie diesmal nicht aufhalten können.
Die Türken machten einen Abstecher nach Süden, um ihren Erzfeind Griechenland zu entwaffnen und zu entvölkern. Griechenland war in dieser ersten Phase des Großen Kampfes von seinen Alliierten genauso schändlich im Stich gelassen worden, wie Polen zu Beginn des Zweiten Weltkrieges.
Wenn Kleines sich an Großes schmiegt, wird Großes größer, aber das Kleine wird auch kleiner dabei. Hätten die Griechen sich soviel Zeit gelassen, wenn ihre großen Freunde Hilfe brauchten, hätte es dafür eins aufs Dach bekommen, jetzt bekam es selbst türkische Besatzung und vollen türkischen Terror wie einst die Armenier und Kurden zu spüren, und tröstende Versprechungen für eine ferne Zukunft von ihren großen Freunden.
Da die Türken Kemal Atatürks Erbe abgeschüttelt hatte, also seine Prinzipien Nationalismus, Säkularismus und Etatismus nicht mehr galten, oder viel mehr als Vergehen an dem einzigen Gott, den es gab, galten, war das größte Anliegen der Eroberer Griechenlands, die Griechen zum einzig rechten Glauben zu führen.
Islamische Kleriker und Gläubige hatten die Türkei mit dem gleichen Trick `reislamisiert', mit dem auch ihre christlichen Gegenstücke in Europa Europa `reevangelisiert' hatten, nämlich, indem sie sich im Bereich Wohlfahrt, Krankenpflege und Kindergärtnerei engagiert, bzw. mit salbungsvollen bzw. schmierigen Worten vorgedrängelt hatten und sich so unter den Untergebildeten ein übergroßes Heer an Unterstützlern bzw. Umstürzlern herangezogen hatten.
Für die Bekehrung Griechenlands zum Islam ging man nun den entgegengesetzten Weg: Statt Wohlfahrt Unwohlfahrt, Höllenfahrt. Wer nicht schnell genug begriff, wer der richtige Gott war, kam in Vernichtungslager, die nach dem Vorbild von Auschwitz und Jasenovac errichtet worden waren. Wer aber begriff, der durfte zur Belohnung mit auf den großen Feldzug gegen die Ungläubigen; - an der Front in vorderster Linie verstand sich oder als Handlanger. "Allah liebt die Märtyrer, die im heiligen Krieg sterben."
Einem Moslem war es verboten, in einem unheiligen Krieg zu kämpfen! Er durfte aber Mosleme, denen es an der vordersten Front zu heiß wurde und die in die hinteren Kaltfrontgebiete verduften wollten, erschießen.
Das Überleben an der vorderen Front war ein reines Glückspiel. Alles hing nur davon ab, ob man sich in der Nähe eines Granateneinschlags befand oder nicht. Rechtzeitig weglaufen brachte nichts, hinschmeißen schon eher was, aber immer weniger, je dichter es Granaten hagelte.
"Täusche ich mich oder werden die Explosionen wirklich größer?"
"Sie werden größer. Jede Partei ärgert sich über die Bomben der anderen und wirft aus Rache, immer größere Bomben zurück."
"Warum hat man uns überhaupt solche Schießprügel in die Hand gedrückt, wenn man doch bloß mit Bomben wirft?"
"Das weiß ich auch nicht."
Bäng!
Das islamische Heer hatte erstaunliche Mitstreiter bekommen: Die Russen und die Ukrainer. Erstaunlich war an diesem Bündnis, nicht so sehr das Christentum der Verbündeten, es war ja immerhin ein anderes Christentum als das des Westens, erstaunlich war, daß die neuen Freunde das ekligste fraßen, was sich ein Moslem vorstellen konnte: Schweinefleisch, und das in Mengen. Die neuen Waffenbrüder hielten den Weltrekord im Schweinefleischkonsum.
Besonders die Ukrainer. Jeder Ukrainer hatte immer ein großes Stück Salo, rohes, gesalzenes Schweinefett mit Schwarte, in seinem Tornister, dazu - igitt wie pfui - eine Flasche Vodka und ein Stück Schwarzbrot. So ausgerüstet war er glücklich und überstark.
Wenn man bedachte, daß sich einst moslemische Krieger über indische Vegetarier mokierten, obwohl der Koran doch gar nichts gegen Gemüse hatte, dann war die Duldung des Schweinefleischkonsumes der neuen Waffenbrüder erstaunlich.
Die Heere rieben sich weiter aneinander und die großen Bomben fielen immer weiter hinter die Linien. Aber noch fielen die ganz großen Bomben nicht.
Noch hatte das Endspiel nicht begonnen. Aber die großen Herren des Westens rieben sich schon die Hände. Beim Endspiel da hätten sie alle Trümpfe in der Hand. Das freute sie. Aber noch schickte sie in den konventionellen Krieg. Erst mal richtig ausbluten. Was am Ende noch in seinen Bunkern lebt, das pusten wir dann atomar weg. Dann gib's ein paar verseuchte Gebiete, aber der Rest bleibt verschont und da er entvölkert ist, wird er es auch lange bleiben.
Die Herren schwitzten über ihrem Kriegsspiel wie Schachspieler über ihrer Partie, die ganze Erde war ihr Spielbrett, die Soldaten ihre Bauern - oh, wie viele Millionen man doch zum Opfern hatte! -, Panzerregimenter waren die Läufer, die Luftflottenverbände die Springer, die Satelliten waren die Türme, die Aussichtstürme, die die Übersicht über das Spielfeld ermöglichten, die ABC-Waffen aber waren die kostbaren Damen des Spiels, mit denen man den feindlichen König, in diesem Fall die feindliche Herrscherclique, matt setzen würde.
Teilte das Volk die Spielbegeisterung seiner Herren? Ja, natürlich! Aber nicht alle hielten sich für das Volk.
Und wie war es mit dem Weinen? Tat man auch weinen?
Man weinte auch.
Natürlich weinte man auch.
Hatte man bei der großen Kurukshtra-Schlacht oder meinetwegen auch bei der Schlacht um Troya einst geweint, wenn die großen, edlen Helden fielen, jetzt war alles nur Statistik.
Hier oder dort, irgendwo an der Front kamen bei einer Kampfhandlung hunderttausend Leute um, so trauerten sofort hunderttausend noch lebende Kameraden um sie, drei Tage später, wenn den Familien die Todesmeldungen aus den Faxmaschinen ins Haus flatterten, weinten pro Gefallenen durchschnittlich vier weitere Menschen. In den Vielvolkstaaten der Angreifer waren es natürlich mehr - bis zu zehn oder gar zwanzig. So genau wußte man es nicht. In den Vielvolkstaaten gab es zwar viel Volk, aber wenige Statistiker.
In den westlichen Industrieländern war es in der ersten Zeit des Krieges so, daß statistisch gesehen für jeden Toten - und das galt auch für Bombenopfer - dreieinhalb Erwachsene und eins Komma ein Kind weinten. Auf Grund des fortschreitenden Sterbens sank diese Zahl freilich mangels lebender Verwandten und Bekannten im Laufe der Zeit; zur Halbzeit war die Zahl der Weinenden pro Toten auf eins gesunken, und bei Ende der kriegerischen Handlungen hatte diese Zahl die Null erreicht.
Andere Statistiken zeigten, daß die Eu den aus dem Osten anrollenden Verbänden nicht mehr genug eigene Truppen entgegenwerfen konnten. Die Treib- und Rohstoffe wurden auch knapp. Die Araber lieferten nichts mehr, die Bohrinseln der Nordsee hatten die eignen Öllager leergelutscht, Solarbatteriebatallione wurden mit Rauch und Sonnenverfinsteris zum Stillstand gebracht, auch an Metallen mangelte es, seit der Mond nicht mehr lieferte, und auch das Menschenmaterial, das man mal so im Überfluß hatte, war schon ziemlich verbraucht...
"Die vielen kleinen Leute sind gefährlich", so hatte man damals gedacht, als der Große Kampf gerade erst angefangen hatte, "laßt uns die mal ruhig losschicken, wenn die dezimiert werden, das kann nicht schaden, die sind sowieso zu viele. Jeder von denen hat in Friedenszeiten viel zu große Forderungen: Großraummobile für die Urlaubsfahrt, Stadtmobile für die Schaufensterbummelfahrten, Großraumkuppeln mit Swimmingpools, gigantische Wolkenkratzerwaben mit Klimaanlagen und Fitneßeinrichtungen, Arbeitsschutzgesetze und Anstrengungsvergütigungen etc., und alles auf unsere Kosten."
"Ich will ja nicht ums Geld klagen. Geld haben wir ja genug, aber den Platz, den die uns wegnehmen."
"Platz und sogar die Atemluft."
"All den Scheiß, den die Vielzuvielen konsumieren."
"Die sind gefährlich. Die können sich nicht mäßigen."
"Wie könnten sie auch, wo wir uns mästen."
"Uns gehört alles. Wir können ein kultiviert hochstehendes Leben führen. Aber die Vielzuvielen bringen mit ihrer Gier noch die ganze Welt zum Kippen."
So hatten die reichen, schönen, herrschenden Menschen beklagt, daß sie ihr Menschsein mit viel zu vielen häßlichen, kleinen, wertlosen Menschen teilen mußten und den Krieg als Problemlöser willkommen geheißen.
"Auf dieser Welt gibt es mehr Menschen als gebraucht werden, auch besonders bei uns im Westen. Laßt uns einen Drang erzeugen, der sie wie die Lemminge in den Tod ziehen läßt: Patriotismus, religiöser Fundamentalismus und Märtyrertum."
Damals hatte man sich in den allerobersten Chefetagen der westlichen Gesellschaft für die Reduzierung der Bevölkerung durch Fronteinsatz à la Großväterchen-Art entschieden, obwohl man gleichzeitig und zwar schon seit Jahrzehnten die Abtreibung verboten hatten. Aber so war das Leben immer gewesen: voller Widersprüche.
Jetzt, wo die Computer es klar ausgerechnet hatten, daß man den Krieg nicht konventionell gewinnen konnte mangels Masse. Die Bombe der Bevölkerungexplosion hatten die Gegner besser entwickelt. Da wurde man in den Chefetagen der Eu nervös. Sollte man schon unkonventionell losschlagen? Über die Atlantikbrücke1 kam der Befehl noch zu warten.
1 Bei `Atlantikbrücke' wurde nicht an eine futuristische Autobahnverbindung nach Amerika gedacht, sondern an den in Bonn beheimateten Verein "Atlantik-Brücke e. V.", in dem sich die Eliten von Politik, Wirtschaft und Medien mit ihren amerikanischen Gegenstücken beraten und ihre Handlungsweisen `koordinieren'. Für ein besseres Verständnis siehe "Das RAF-Phantom - Wozu Politik und Wirtschaft Terroristen brauchen" von Gerhard Wisnewski, Wolfgang Landgräber und Ekkehard Sieker.
Die Großen Führer von Berlin, Paris und London verfielen zunächst darauf, Abtreibung noch schwerer zu bestrafen, mit schwerer Zwangsarbeit in der Waffenproduktion und in Schützengraben-Schaufelbatallionen. Aber das war eine schlechte Lösung. Dabei wurden nur Frauen im gebärfähigen Alter in die Luft gesprengt. Besser und sinnvoller war überführte Abtreiberinnen für jede Abtreibung mit zehn Zwangsgeburten zu bestrafen.
Die Leute wurde aufgerufen, eifrige Schnüffler zu werden, und den Behörden zu melden, ob sie in ihrer Verwandtschaft oder Nachbarschaft irgendwelche Frauen oder Mädchen kannten, die sich des Schwangerschaftabbruchs verdächtig gemacht hatten. Viele Leute verrieten gerne junge Frauen aus ihrem Bekanntenkreis. Es tat ja so gut, Verantwortungsgefühl zu zeigen. - Die Aufdecker durften die zehn Zwangsdeckungen an der Abtreiberin vollstecken, äh, vollstrecken.
Manche Leute dachten wohl, solche Maßnahmen führten zum Sieg: Geburten, um neue Krieger zu haben. Aber selbst die besten Wizards der Pharmaindustrie konnten kein Wachstumsmedikament herstellten, daß den Wachstum der Neugeborenen so stark beschleunigte, daß sie groß genug waren für den Frontgebrauch, bevor die Front unter dem Überdruck angreifender Horden zusammengebrochen war.
Das war vorauszusehen.
China, Japan und Korea waren zu diesem Zeitpunkt noch neutrale Staaten. Wirklich neutral waren sie nicht, denn sie lieferten Waffen und Berater an die Quadrupelallianz. Die WASPen waren sauer. Sie wollten auch mit Waffen beliefert werden, schließlich hatte man in Friedenszeiten ja auch viele Elektrogeräte und Automobile von ihnen importiert.
Der Sprecher dieser drei Ökonomien lächelten freundlich: "Ihr habt doch immer über unseren Exportüberschuß geklagt. Wenn wir euch jetzt auch noch mit Waffen beliefern, wird der Überschuß noch größer."
"Wenn ihr euch nicht wirklich neutral verhaltet und uns Waffen liefert und unseren Feinden keine mehr, dann werden wir euch mit einer Seeblockade bestrafen", drohten die WASPen.
Aber die Chinesen wiesen den WASPen nur höflich die Tür. Es kam für sie gar nicht in Frage, der Ami-Eu-Allianz zu helfen. Es war nicht, daß sie etwas gegen WASPen oder Europäer hatten. Als Mensch war ihnen jeder Mensch sympathisch, Gefühlsmenschen waren ihnen aber eher unsympathisch, von Unvernunft hin- und hergerissene Menschen mochten sie nicht. Es war vernünftig, weiter die Quadrupelallianz mit Waffen zu beliefern, damit sie den Krieg gewann, denn, wenn man es nicht tat, würde die Allianz verlieren. Wenn sie aber verlor, konnte sie nie die Kredite zurückzahlen, die sie China und den zwei anderen Ökonomien schuldete.
China wollte keinen Krieg. Es fand, daß es nicht die Probleme der anderen Staaten hatte. Es war selbstzufrieden. Die Strategic Defense Initiative, die es nach WASPischen Vorbild errichtet hatte, schützte das Land durch einen Raketenabwehrschirm. Das Projekt nannten die Chinesen übrigens nicht `star wars', sondern `Große Mauer 2000'.
Die Chinesen wollten hinter oder unter ihrer Großen Mauer in Ruhe gelassen werden. Sie hatten nicht wie die WASPen, die über ihrem eigenen Land einen noch gewaltigeren Schirm errichtet hatten, im Innern Probleme. Durch eine Einkind- bzw. Nullkind-(bei Unfähigen)-pro-Ehepaar-Politik war die chinesische Ökonomielandschaft in eine stabile Lage geraten, die einen gradlinien Weg der Wohlstandvermehrung ermöglicht hatte. Ehemalige Hungergebiete des Reiches waren verschwunden, entweder reich geworden oder durch sterilmachende Mittel entvölkert worden. Keine Morde, bloß Sterilität, also keine nachwachsende Generation.
Der Westen hatte immer gegen diese Mißachtung des individuellen, reproduzierenden Grundrechtes des Menschen protestiert. Es würde dem Westen ein Leichtes sein, diese alte Hetze der Menschenrechtsmißachtung jetzt für See-Blockaden und andere militärische Schritte gegen die Chinesen zu nutzen.
Die Japaner, die das gleiche Problem mit dem WASPenland hatten, wie die Chinesen, entschieden sich ihrem Charakter gemäß für eine andere Taktik: Sie versprachen auf die Wünsche der WASPen einzugehen. Sie prüften und prüften, bedachten die Anliegen der Bittsteller und kriegten nicht eine Bombe geliefert. Die ganze Produktion lief aber auf Hochtouren für das eigene Militär und die Vierer-Allianz.
Japan hatte mal einen Paragraphen in seiner Verfassung gehabt, der den Krieg als Mittel zur Konfliktlösung ächtete. Das war ein guter Paragraph gewesen. Er war in die Verfassung geraten, als die WASPen nach dem Zweiten Weltkrieg noch immer so vor der Martialität der Japanern zitterten, daß sie als Siegermacht die Japaner zwangen, in ihrer Verfassung den Krieg als Konfliktlöser für immer zu verleugnen. Doch fünfzig Jahre später war die Furcht gewichen. Man kannte nur noch die immer höflich lächelnden, bescheiden scheinenden, japanischen Geschäftsleute und Politiker, die einen immer zu verstehen schienen, immer zu allem `ja' sagten. Was die WASPen nicht wußten, war das `Ja' nur soviel hieß wie `das habe ich akustisch verstanden', aber niemals eine Zustimmung war.
Als die WASPen fünfzig Jahre nach dem Weltkrieg entdeckten, daß es da auf dem Globus ein Volk gab, daß zu allen ihren Vorschlägen `Ja!' sagte, freuten sie sich. Und sie sagten dem Volk, es solle sich doch wieder bewaffnen und seinen internationalen Verpflichtungen als Peace-Keeping-Forces nachkommen, und den WASPen aktiv helfen, Weltpolizist mit UNO-Mandat zu spielen. Und die Japaner sagten wieder `Ja' und rüsteten.
Und so kamen die Japaner wieder zu ihren Waffen, zu Hoch- und Höherrüstung. Besser wäre gewesen, sie hätten die ganze Welt überredet, den Krieg zu ächten.
Japanische Samurai-Seelen hatten seit der Meiji-Restauration mehrere gewaltige Veränderungen durchgemacht. Aus den ehemaligen Schwertkämpfern waren zuerst moderne Industrialisten und Militaristen geworden, dann nach verlorenem Krieg Pazifisten, die als realistische Kämpfer an der `corporate business frontier' Profite erwirtschafteten und als Geschäftemacher selbst die legendären, jüdischen Händler in den Schatten stellten.
Was diese Samurai-Seelen nie waren, waren ruhende, selbstzufriedende Menschen, selbst wenn sie als buddhistische Mönche meditierten, taten sie es übereifrig, gehetzt, gequält - sogar geprügelt.
- - -
"Der Samurai hatte gekämpft. Die Gegner waren überlegen gewesen. Was war edler, als übermächtige Gegner zu bekriegen! Er hatte verloren, seine Rüstung war zerschlagen, sein Schwert der zerschmetterten Hand entglitten, sein Köcher leer, seine Bögen entzweigebrochen. Blutend war er dem Blachfeld entkommen, durch den dunklen Wald gestolpert und vor einem Dorfe der Landarbeiter war er auf einem Buchweizenfeld eines Soba-Bauern zusammengebrochen. Der Soba-Bauer hatte ihn gefunden und zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter gepflegt, bis er wieder gesund war und aufstehen konnte. Die Tochter des Bauern hatte sich in ihn verliebt, und auch der Bauer selbst mochte den großen Mann, er wäre ihm recht gewesen als Schwiegersohn, auch wenn er alles verloren hatte. Er sprach zu dem Samurai: `Deine Feinde haben deine Burg erobert und suchen überall nach dir. Du kannst hier versteckt auf meinem Bauernhof als mein Schwiegersohn den Rest deiner Tage in Frieden verbringen, das Land pflügen und Hirse und Buchweizen ernten. Das Land ist groß, zwar nicht wie eine Grafschaft, aber es wird dir immer genug zu essen geben.' - `Oh nein', sprach da der Krieger, `ich muß Seppuku machen.' `Warum?'
fragte der Soba-Bauer. `Damit ich reinkarniert als Krieger neue Kriege kämpfen kann!' Und der Samurai nahm den Pflug des Bauern - nicht um Furchen in das Feld zu kratzen, sondern um sich damit über den Bauch zu pflügen und zu verblühen. So ungeduldig war er."
Nach diesem fernöstlichen Zwischenspiel zurück zum europäischen Schauspielplatz.
Der Westen sah von seinen Satelliten aus, daß sich eine schier unermeßliche Heeresmasse auf sein Land zu bewegte. Eine vorgeschobene Stellung nach der anderen wurde überrannt. Bald würden Berlin und Wien fallen, die katholischen Bollwerke gegen die Orthodoxie, Kroatien und Polen, waren schon gefallen. Da entschied man sich den Todesvorhang vorzuziehen.
Dieser Vorhang sollte das ganze Gebiet vom Balkan bis zum Baltikum, vom Schwarzen Meer bis zum Weißen Meer bedecken. Und die Decke, mit der man die Menschen zuzudecken gedachte, war geblümt, es waren die Blumen der Senfgaspflanze, aus ihnen rieselte giftig gelber Blütenstaub.
Es war nun aber nicht so, daß die Heerführer so vieler Krieger bei der Ausrüstung gespart hatten. Freilich, die Ausrüstung war eine Kostenfrage, und die Verteidigungsminister der armen Länder hatten sich gesagt: Ein junger Mann ist billiger als eine Gasmaske, also bekommen unsere jungen Männer keine Gasmaske. Die reicheren Länder hatten ihre Krieger aber alle gut ausgerüstet, sie hatten nicht nur Gasmasken für den Fronteinsatz, sondern auch Baracken und Mannschaftsräume und fahrzeuge mit eigener, sauberer Atmosphäre. Die ganz reichen Länder, die sogar Kriegswitwenrenten zahlten, hatten ihre Soldaten sogar mit schußsicheren Westen, Hosen und Hüten ausgerüstet.
Viele in diesem Gebiet noch lebende Zivilisten schlossen unter dieser Blütenstaubdecke für immer die sengenden, brennenden Augen, aber auch unter den Zivilisten hatten viele für diesen Augenblick vorgesorgt und sich Gasmasken angeschafft. Jetzt setzte man sie sich auf und sah mit dem Atemrüssel wie Rüsselschweine aus.
Die Giftgasdecke lag schwer auf dem Land, kein Windchen wehte sie für lange Zeit zur Seite, das Gift aber schlüpfte in die letzten Winkelchen. Keiner, der nicht über hermetisch abgeriegelte Räume verfügte, durfte seine Rüsselmaske abnehmen. Wer es doch tat, war sofort tot. Trotz voller Vorratskammern mußten die Leute hungern. Aber wer hungert, lebt, lebt vielleicht sogar zwei Monate bis zum Verhungern.
Wer unter diesem Todesvorhang ganz sicher zu Tode kam, das waren die Tiere, die Haustiere und die Tiere der Natur, alle Tiere von den Würmern und Insekten bis zu den großen Drachen und Wölfen. Einst hatte die Erde die Tiere auf die Erde gelassen, damit es durch Evolution einen Fortschritt des Lebens auf Erden gab und den Fortbestand desselben. Jetzt waren so viele Tiere tot.
"Die Erde ist ein denkendes Wesen, ein großes Gehirn, sie entwickelt Ideen und verwirft sie. Die Saurier wurden verworfen, der Neanderthaler und der Cro-Magnon-Mensch. In ihrer großen Weisheit wird sie auch den homo sapiens sapiens verwerfen. Atomare Vernichtung. Die Richtigen überleben oder die Falschen. Wird sie richtig denken? Sind's die Richtigen, werden sie friedlich bis zum Ende des Planeten hier leben, Wissen erwerben und sich das Überleben sichern. Sind's die Falschen, so werden sie sich immer wieder hochschaukeln bis zur neuen Vernichtung, bis eines Tages das Ergebnis gut oder zumindest zufriedenstellend ist oder der Versuch Mensch ganz aufgegeben wird. Die Erde ist wie ein Wissenschaftler, der plant und verwirft, wie ein Forscher, der eine Reihe von Versuchen durchgeht, bis er sein Ziel erreicht hat oder die Fruchtlosigkeit seiner Mühen erkennt."
"Die Erde ist ein mittelmäßiger Planet
auf mittelmäßiger Umlaufbahn um eine mittelmäßige Sonne am
Rande einer milchigen Straße, wie kann man hier große Gedanken
erwarten? Sie wird mit ihrem mittelmäßigen Gehirn
mittelmäßige Entscheidungen treffen."
Ehre Deine Mutter Erde,1
auf daß Deine Tage lange währen.
Sie ist ein Stück von Dir
und Du ein Stück von ihr.
Sie gebar Dich
und gab Dir Dein Leben und einen Leib.
Unzertrennlich bist Du mit ihr verknüpft.
Ihr Schicksal ist auch Deins.
Deins auch ihrs.
Sie leidet mit Dir
und Deine Freude wäre auch ihre.
Doch Du bist nicht froh.
Freue Dich auch ihretwegen,
sind wir Menschen doch umgeben von ihrem Segen.
Ein Füllhorn wäre sie uns,
tränken wir mit Maßen,
ein überreicher Tisch wäre für uns gedeckt,
äßen wir nur so viel wie uns schmeckt.
Großzügig gibt die Erde ihre Gaben.
Hielten wir ihre Gesetze,
könnten wir uns noch lange an ihrem Busen laben.
Doch zu gierig griff der Mensch nach ihren Gaben,
ohne nach der Zukunft zu fragen,
riß er ihr Narben,
die auch sein eigenes Gesicht entstellen
- zum widerlichsten Teufelsgesellen.
Ein Paradies wollte er schaffen,
ein Schlemmer- und Schlaraffenland,
doch eine Teufelshand
läßt ihn zur Hölle ins Inferno schlittern.
Was wird ihm bleiben
außer Heulen und Zittern
in Dunkelheit?
Reue vielleicht
- und viel Asche.
Der einzelne ist machtlos,
wenn die Massen
Mutter Erde
morden wollen,
morden sie auch ihn.
1 Die ersten zwei Zeilen des Textes sind `den verlorenen Schriften der Essener' übersetzt von Dr. Ed. Szekely entnommen.
Auch auf dem Schlachtfeld gab es Märchenerzähler:
"Das Märchen vom Nachklang
Es gab einmal ein Volk, das war fleißig wie die Bienen und hatte eine höherentwickelte Arbeitsteilung als die Ameisen; die einen regierten, die anderen experimentierten, Atomphysik, Biochemie, Astrologie, die einen den Untergang vorbereiteten, die anderen ihn in den Sternen voraussahen, die nächsten heilige Bücher studierten, interpretierten, wieder andere predigten, noch andere straften, und noch andere paßten auf, manche bauten, einige rissen nieder, manche sangen und musizierten, andere malten und modellierten, manch einer machte Spaß, und manch einem war alles ernst, und dann gab es noch überall die Handlanger.
Die ersten Spezies der menschlichen Morgenröte, Sumerer aus der Zeit vor der Sintflut, hatten ein langes Leben, wurden 30 000 Jahre alt, später, in der ersten Dynastie von Ur, nur noch knapp 1 000 Jahre, dann starb man, das heißt spätere Generationen, oft schon mit 30, 40 oder 50, dann dank Medizin zwischen 80 und 100 und dann schon meist mit 10, die Menschheit an der Schwelle zu einer noch kürzeren Lebensdauer, denn lange zu leben, wurde vielen sauer. Nennen wir die kurze Lebensdauer eine Abgewöhnungskur, denn drei Generationen später nur gab's kein Gebären mehr, aus Überdruß machten alle Schluß.
Nach dem menschlichen Abendrot
folgte die Nacht.
Der Mensch war eine Sonne,
besaß Schönheit und Macht.
Seinem Untergang folgte fröstelnde Kühle,
Leere und Armut und göttliche Andacht.
Wie einsam ist das All ohne ihn,
sprachen die Götter bei der Totenwacht.
Nach dem menschlichen Abendrot
folgte die Nacht.
Der Mensch war eine Sonne,
besaß Schönheit und Macht.
Der Welten Lauf ist ein Lied,
der Mensch war eine Strophe darin,
besaß seinen Sinn,
war eine Melodie,
hatte seinen Abgesang,
war ein Sänger,
hatte seinen Auftritt und Abgang,
war ein Ton
verklungen im Äon."
"Das Märchen vom göttlichen Menschen und seiner Allmacht
Der Mensch wurde immer göttlicher. Zumindest würde man das behaupten, wenn man seine Leistungen betrachtete, ohne ihn selbst zu sehen. Durch Gen-Manipulation war es ihm gelungen, neue Wesen zu schaffen. Alles war durch seine Hände gegangen, nichts vor seiner Besessenheit zu verbessern sicher, von den Mikroorganismen über Futterpflanzen bis zu den Haustieren, die er sich geschaffen hatte, und die ihm nützlicher als die herkömmlichen Haustiere erschienen.
Aber der Mensch war nicht nur Subjekt dieses Dranges, sondern auch Objekt: Großhirnige Denker, Muskelmenschen, geniale Musiker und andere Künstler, geschickte Techniker und Leute, die den Bedingungen der Schwerelosigkeit besonders gut gewachsen waren, waren geschaffen worden; großartige Sportler zu züchten, hatte man wie den Sport selbst aufgegeben, nachdem Spinnenmenschen mit zehn Meter langen Beinen und viele Tonnen schwere Turmmenschen auf der Bildfläche erschienen waren; aber auch Moden folgend veränderte sich das Bild des Menschen, die nordische Rasse, die schon immer ein schlechtes Verhältnis zu ihrem bleichen Aussehen und strohblonden Haar hatte, hatte sich genetisch schwarzhaarig gemacht und trug passend eine stolze Arabernase dazu, leider war ihnen wie allen eine unerwünschte Zugabe zuteil geworden, hier die südländische Laissez-faire-Mentalität, die man früher so verachtet hatte, und deretwegen man jetzt weltpolitisch gesehen immer bedeutungsloser wurde; dafür trugen Japaner und andere Asiaten jetzt blondes Haar; auch war es erreicht worden, Frauen weitere Becken für leichtere Geburten und aus ästhetischen Gründen große, feste Busen zu geben; überhaupt sah man jetzt zu viele Leute mit Idealfigur. Ideale Menschen allerdings waren nicht geschaffen worden; alle kränkelten irgendwie herum, Nervenzusammenbrüche waren an der Tagesordnung, und zufrieden war keiner und friedlich nur die, die eine Überdosis Beruhigungstabletten genommen hatten.
Der letzte Schrei aber war, das Wachstum zu stoppen, so daß die Mütter, die ein bestimmtes Stadium in der Entwicklung ihrer Kinder - meist das Säuglingsalter - besonders liebten, dieses, indem sie die weitere Entwicklung hinauszögerten, länger genießen konnten. Da eine solche Wachstum-Manipulation sehr teuer war, wurde sie nur von wenigen reichen Leuten wahrgenommen. Allerdings waren Institute entstanden, die solche Babys und Kleinstkinder an Frauen, die zwar den Drang hatten, jemanden zu bemuttern, sich aber scheuten, richtig Mutter zu werden, vermieteten. für solche Institute amortisierten sich die einmaligen Wachstumsmanipulationskosten durch die hohen Ausleihgebühren bis zum Eingehen der Kleinstkinder nach etwa zehn Jahren leicht.
Wir sehen schon, die göttlichen Fähigkeiten des Menschen beschränken sich auf sein Können. Wollen, können, machbar machen und dann machen,so konjugierte man sein Menschsein.
Ans Dürfen dachte keiner."
"Aber ähnelte man nicht auch hier dem Gott, der sich nicht fragte, ob er den Menschen überhaupt machen durfte?"
- - -
"Du irrst, Gott war zwar bei der Erschaffung des Menschen kurzsichtig, aber ganz unbedarft und blauäugig ist er nicht, er wird seine Schöpfung wieder zurücknehmen."
"Kein Zweifel, der Mensch wird zugrunde gehen und mit ihm vieles mehr, aber es wird gegen den Willen Gottes sein, denn der wird ohne sein Ebenbild leer und einsam sein, was ihm ein größeres Greuel ist, als manch einem Menschen."
"...das war das Märchen vom Mächtigsten."
"Nachdem wir nun das Märchen vom Mächtigsten gehört haben, ein kaukasisches Märchen, dem ich noch eine Zeile hinzugefügt habe.
Ein Schaf, das über das Eis gehen wollte und ausrutschte, schrie: `Eis, Eis, deinetwegen bin ich hingefallen. Bist du stark? Bist du vielleicht am stärksten von allen?' Aber das Eis antwortete: `Wie kann ich am stärksten sein, wo die Sonne mich doch schmelzen kann?' Da ging das Schaf zur Sonne und fragte: `Sonne, Sonne, bist du am stärksten von allen?' Und die Sonne antwortete: `Wenn ich am stärksten wäre, wie könnten die Wolken mich dann verdecken?' Da fragte das Schaf die Wolken: `Wolken, Wolken, seid ihr am stärksten von allen?' Und die Wolken antworteten: `Wenn wir am stärksten wären, wie könnten wir dann durch Regen vernichtet werden?' Und als das Schaf den Regen fragte: `Bist du am stärksten von allen?' antwortete der: `Wie könnte ich am stärksten sein, wo mich doch die Erde verschluckt?' Da fragte das Schaf die Erde: `Erde, Erde, bist du am stärksten von allen?' und die Erde antwortete: `Nein, sieh doch das Gras bohrt seine Wurzeln in mich hinein, und ich bin machtlos dagegen.' Da fragte das Schaf das Gras, ob es am stärksten sei. Aber das Gras antwortete: `Wie könnte ich am stärksten sein, wo doch ein Schaf mich pflücken und fressen kann?' Da sprang das Schaf vor Freude in die Luft und rief aus: `Mag ich auch ausrutschen und fallen, ich bin am stärksten, am stärksten von allen!'
Ein paar Tage später wurde es
geschlachtet."
Schafgulasch für hungrige Krieger, für die, die dann, als sie den Schritt von der Gulaschkanone vor die Mündung richtiger Kanonen taten, ins Gras bissen und die Pflanzen düngten.
Der Mächtigste war doch immer noch der, der die Kanonen hatte und fütterte, also der Mensch, der homo canonicus.
Seit der Westen mit Giftgas unkonventionell geworden war, wurde bombastischer gekämpft. Erst schoß man sich gegenseitig mit Mini-Nukkis, mit kleinen taktischen Nuklearwaffen, eine Einheit nach der anderen kaputt, dann hagelte es die großen Bomben der beschleunigten Neutronen auf die westlichen Industriegebiete. Diese verbesserten A-Bomben entwickelten eine relativ geringe Druck- und Hitzewelle und gaben den größten Teil ihrer Energie als radioaktive Strahlung ab.
Der Zar hatte das Flächenbombardement der westlichen Industrielandschaft mit solchen Bomben angeordnet. Seine Computer hatten ihm nämlich ausgerechnet, daß einer Besetzung nichts mehr im Wege stand, in so einem Fall leistete ein Bombenteppich von Neutronenbomben gute Dienste, denn jede Bombe zerstörte nur die Gebäude und Industrieanlagen in einem engen Kreis von 200 m, brachte aber die Leute in einem Umkreis von 3000 m um.
"Eine Waffe, die nur Menschen tötet, aber kaum Sachen zerstört, welch ein Segen, denn die Menschen sind ja im Moment das Wertloseste, besonders die feindlichen Menschen."
Der Westen aber konterte mit Dreiphasenbomben auf Moskau, Zünder aus Uran 235, Lithiumdeuterid als Fusionsmaterial und Uran 238 als Fissionsmaterial. Der Zar selbst fiel dieser Explosion zum Opfer.
In Rom war ein alter Papst gestorben, angeblich vor Gram ob der menschlichen Gottlosigkeit, Sündhaftigkeit und Gewalttätigkeit. Ein neuer war gewählt worden. Er brach mit der Tradition - oder kehrte zu einer älteren Tradition zurück. Da gerade Ostern war, wollte er wieder selbst den Segen `urbi et orbi' von der Loggia der Peterskirche spenden. Seit Adjuna einen Papst an die Balkontür genagelt hatte, hatte es kein Papst mehr gewagt, ins Freie zu treten, sondern jeder immer nur vom gesicherten Bunker aus über Bildschirme seine mit Friedensschwören bestickte Kreuzzughetze betrieben. Der neue Papst wollte anders sein. "Gerade in dieser schweren Zeit..."
Die Orthodoxen wußten es schon lange, ihr verstorbener Zar hatte es ihnen oft genug gesagt: `Von Rom geht die Vernichtung aus.' Von Rom waren tatsächlich viele Aufrufe zu neuen Kreuzzügen ausgegangen.
Und auch jetzt zu Ostern erwarteten die Leute vom neuen Papst neben Beschwörungen des Friedens und der Nächstenliebe eine Stärkung ihrer Kampfmoral. Eine große Menschenmenge versammelte sich vor der großen Kirche. Der neue Papst trat vor die Leute. Die Leute jubelten. Vom orthodoxen Rußland kam ein Gruß angeflogen in Form einer Neutronenbombe. Die Russen waren rücksichtsvoll. Aus Rücksicht auf die vielen Kulturschätze des Vatikans ließen sie diese Neutronenbombe ganz hoch über dem Vorplatz der Großen Kirche explodieren, so daß kein Sachschaden entstand. Nur die Menschen (und dazu gehörte auch der neue Papst), die waren natürlich tot.
Was waren nun die letzten Worte des servus servorum Dei, des Knechts der Knechte Gottes, des knechtigsten aller weltlichen Herrscher? Es waren die Worte: "Veni sancte spiritus!" Was darauf hindeutete, daß in diesem Jahr Ostern und Pfingsten auf den gleichen Tag fielen. Wie antwortete nun der Heilige Geist? Er antwortete: "Warum ich? Du kommst!" Selbst Himmelfahrt fiel auf diesen Tag.
Der Westen schlug natürlich zurück. Aber der Westen hatte viele Sorgen. Eine Sorge war die Umwelt. Man hatte gesehen, wie der gelbe Staub ein riesiges Gebiet zur Totenlandschaft gemacht hatte, und man fürchtete beim Einsatz der Nuklearwaffen die Langzeitschäden der radioaktiven Verseuchung.
Die Virologen des Verteidigungsministeriums hatten aber einen idealen Krankheitserreger synthetisch produziert und massenproduziert, der wirklich nur Menschen einen schnellen Tod brachte und schon bei anderen Hominoiden, wie Schimpansen, Gibbons, Gorillas, Pongos und Bonobos, nicht funktionierte. Die Virologen hatten sogar ein Gegenmittel für die eigenen Hominiden entwickelt. Den Virologen der Gegenseite aber würde der Virus dieser V-Waffe niemals die Zeit lassen, die Forschungsarbeit an einem Gegenmittel zu Lebzeiten zu Ende zu bringen, und einfach Interferon spritzen half bei ihm nicht.
Der Westen schöpfte Hoffnung angesichts dieser Bio-Wunderwaffe: "Wenn man Pflanzen, Tiere und Sachen läßt, wird sich das übrigbleibende Menschenhäufchen schon wieder aufrappeln können, aber wenn man auch die Pflanzen und Tiere vernichtet, hüllt sich die Welt in ewiges Schweigen. Die Feinde handeln unmoralisch, wenn sie so wahllos Neutronenbomben werfen."
Neben der Immunisierung der weißen, westlichen Menschen und der Infektionierung der Feinde verfiel man im WASPenland noch auf eine andere Kriegslist: Soldaten, Wissenschaftler und Wirtschaftskapitäne wurden durch kryonische Kryptobiosis konserviert für ein Leben nach der totalen Vernichtung.
"Soldaten-Tiefgefrierung! Krieger für nach dem Krieg! So gewinnen wir bestimmt!" verhießen die Prospekte der Kühltruhenfabrikanten.
Man vergaß, daß nach der totalen Vernichtung keiner mehr dasein würde, sie wieder aufzutauen.
Die virologischen Gifte des Westen sollten den Asiaten eine Lehre verpassen. Keine Große Mauer 2000, kein Raketenabwehrsystem sollte ihnen helfen können, die Viren trieben ganz einfach mit der vorherrschenden Windrichtung des Sommermonsuns vom Indischen Ozean her ins Land. Die Chinesen taten das nächstliegende. Sie evakuierten die überlebenden Bevölkerungsteile so schnell wie möglich nach Zentral- und Mittelamerika, Australien, Alaska und in die Mittelmeerregion, wo sie auch gleich als Volksmiliz im Kampfgeschehen eingesetzt wurden.
Die Japaner wurden von den Chinesen gezwungen, auch aggressiv gegen die WASPen vorzugehen. Die Kriegserklärung Japans beantworteten die WASPen mit großen Wasserstoffbomben, die sie in zehn Kilometer Tiefe im Japanischen Graben zündeten, dadurch lösten sie eine Kette von Erdbeben aus, die Japan halb ins Meer bröckeln ließ. Es war die überbevölkerte Osthälfte.
Während Europa mit all den Raketen, die die Quadrupelallianz und China besaßen, beschossen wurde und keine Erholung mehr fand, blieb dem WASPenland ein solcher Raketenbeschuß erspart. SDI, das Raketenabwehrsystem, hätte einen solchen Beschuß zur Raketenverschwendung gemacht. Ein guter Stratege verschwendete aber keine Raketen. Der Abwehrwall der WASPen hatte eine Schwäche. Diese Schwäche war unter der Erde. Die BomWü, die Bomberwürmer wühlten sich von allen Küsten her ins Land und wüteten unter der Zivilbevölkerung. Nur an den Wänden der großen Silos scheiterten sie.
Jetzt erklärten die WASPen auch noch dem Mond den Krieg. Der Mond war ihnen aus so vielerlei Gründen zum Ärgernis geworden: Einmal, weil die ehemaligen Kolonialisten das Mutterland nicht im Krieg gegen die feindliche Übermacht unterstürzten, zweitens keine Rohstoffe schickten, drittens war Ebbe und besonders die Flut wegen der leichten Kippung der tektonischen Platte von Nordamerika für die amerikanische Atlantikküste ein Problem geworden, und viertens, und das lag den WASPischen Häuptlingen besonders am Herzen, war ein feindlicher Mond bei einer Flucht ins Weltenall eine unberechenbare Gefahr.
Als die Lunauten merkten, daß den Erdlingen ein Mond, der über ihnen friedlich am Himmel zog wie zu Großvaters Zeiten, ein Ärgernis war, und einsahen, daß man ihnen hier unten auf dem Mond ihren Frieden nicht länger gönnte, entschieden sie sich zu handeln: Der Geier hatte lange genug gegiert, es war Zeit zuzugreifen.
WASPische Militärberater hatten behauptet, daß die Mondkolonien hoch verwundbar seien; eine einzige Brandbomde könne, wenn sie die Außenhaut einer Wohnsiedlung durchschlug, der ganzen Siedlung die Atemluft nehmen. Die Lunauten hatten aber ihr eigenes Raketenabwehrsystem. Es funktionierte sehr energiesparend, da die Gravitationskräfte des Mondes sehr bescheiden waren. Wenn immer die Erdlinge eine Rakete auf den Weg schickten, flog ihr vom Mond eine Hülse entgegen, die die Rakete einfing und in einem großen Kreis umlenkte, zurück zur Erde. Leider trafen die Lunauten dabei manchmal von der Quadrupelallianz kontrollierte Gebiete.
Die Erdlinge verfielen jetzt auf die Idee, zwei Raketen dicht hintereinander hochzuschicken. Die erste mit einer großen Sprengladung, um die Hülle wegzusprengen, die zweiten dann, der ja nichts mehr im Weg stand, mit dem Brandsatz.
Die erste Rakete flog in die Hülse und explodierte. Es blieb den Lunauten genug Zeit auch eine Hülse auf die zweite Rakete zu schießen und sie wieder umzulenken. Die Erdlinge versuchten es dann mit noch mehr Raketen dicht hintereinander, aber die Strecke Erde-Mond war zu lang, jede Rakete wurde eingefangen und umgelenkt. Man brauchte größere und stärkere Raketen, um durchzukommen. Es eilte, schnell schweißte man in dem Gerüst eines ausgebrannten Hochhauses eine riesiglange Rakete zusammen, die noch genug Kraft haben sollte mit der lunautischen Hülse au