Bei Rot der Kinder wegen!
Hat auch mit NATO-Bomben zu tun
Jeder kennt wahrscheinlich die Plakate an deutschen Ampeln: "Bei Grün der Kinder wegen!" Fast jeder hält sich daran, - und wenn bis zum Horizont kein Auto in Sicht ist! Ja, wohl selbst noch, wenn ein Nashorn aus dem Gebüsch heraus auf ihn zustürmte! Nur die ganz naiven Kinder wagen es manchmal zu fragen: "Aber wenn doch gar kein Auto kommt, warum gehen wir dann nicht rüber?" Nach der ersten Litanei wagen sie es dann aber auch nicht mehr. Jedenfalls nicht, bis sie das Trotz-Alter der Halb- oder Dreiachtelstarken erreicht haben, ein Alter, das aber immer wenigere erreichen.
Der Staat hat natürlich ein Interesse daran,
daß die Untertanen seinen Befehlen folgen und nicht ihren
eigenen Wünschen und ihrer eigenen Vernunft. Je häufiger und
absurder die Befehle und je größer die Überwindung der eigenen
Vernunft beim Gehorchen, desto besser für den Staat. Der
Gehorsame mag kurzfristig einen Gewinn durch sein Gehorchen
erzielen, aber langfristig verliert und verblödet er, auch wenn
er klug sein gehorsames Verhalten rechtfertigen mag. An der Ampel
ohne Verkehr mag er drei Minuten verlieren, doch wenn die ganze
Gesellschaft zu Befehlsempfängern verkommen ist, wird es sehr
teuer für ihn werden, vielleicht ein Auge, ein Bein oder auch
zwei, sein ganzer Besitz, sein Leben und das seiner Familie. Die
Herrschenden werden ihn, wenn sie ihn erst genügend zum
hirnlosen Gehorcher dressiert haben, wieder losschicken in ihre
Kriege für ihre Profit- und Machtinteressen. Der Staat wird
sich, wenn der Bürger erst wieder sein Selbständigkeit
aufgegeben hat, an größere, "ungehorsame"
"Feind"staaten, als die, die er bisher feige von oben
herab in die Knie bomben konnte, heranwagen und auch im Inneren
wird er Regimegegner nicht mehr nur mit leichten Geld- oder
Gefängnisbußen entkommen lassen, sondern sie total vernichten.
Die verfassungswidrigen Existenzvernichtungen aufgrund von Willi
Brandts Berufsverboten hat der brav an roten Ampeln
wartende Untertan schon hingenommen, ebenso die Folge Denkverbot,
und vieles mehr, und noch mehr wird folgen.
Es besteht natürlich ein Zusammenhang zwischen dem Abbau
politischer Freiheiten und dem Abbau der individuellen
Freiheiten. Wer sich damit abfindet, daß er nicht entscheiden
kann, welche Geschwindigkeit angebracht ist, wird sich leichter
damit abfinden, daß Meinungsäußerungen, Parteien oder
Religionen verboten oder verfolgt werden. Über den Abbau der
politischen Freiheiten ist schon viel geschrieben worden (aber
leider zu wenig beachtet worden. Der Radikalenerlaß
zieht!), mit dem Abbau von individuellen Freiheiten zum Beispiel
im Straßenverkehr (Hausbau wäre anderes gutes Thema, dort ist
die Zwangsuniformierung nämlich schon eingeführt, bei der
Kleidung wagt man es noch nicht ganz.) hat man sich so
stillschweigend abgefunden. Aber viele der Verbote im
Straßenverkehr sind geradezu absurde, eine Beleidigung des
gesunden Menschenverstandes, und völlig überflüssig. Statt auf
Schilder (außer zur Regelung der Vorfahrt sind Schilder fast
überflüssig) und versteckt lauernde Polizisten achten zu
müssen, sollte der Autofahrer sich lieber auf den Verkehr
konzentrieren können.
So sieht´s aus:
Da werden Autobesitzer, auch wenn ihre Autos nur zwanzig
Zerntimeter ins Parkverbot hineinragen, bestraft, da wird schon 2
km vor einer Autobahnbaustelle die Geschwindigkeit auf sinnlose
60km/h reduziert (oft fährt der entnervte Autofahrer dann an der
Baustelle wieder schneller als einen Kilometer vor der
Bausstelle.Die Wahrscheinlichkeit einer Radarfalle ist da aber
auch am höchsten.) oder - was tatsächlich passiert ist - einem
Radfahrer, der an einer nächtlichen Fußgängerampel nicht extra
abstieg und den Knopf drückte, sondern gleich hinüberfuhr, weil
kein Auto kam, bekommt nicht nur eine Geldstrafe, sondern sogar
noch drei Punkte in Flensburg! (Mit einem Fahrzeug bei Rot über
die Ampel!) Oder von einem jungen Mädchen, das ihr völlig
nacktes Mountainbike mal kurz ausprobiert, wird eine Strafe von
120 DM verlangt, keine Klingel 20DM, kein Schutzblech 20 DM,
keine Lampe vorn 20 DM, keine Lampe hinten 20DM, keinen
Rückstrahler 20DM, etc.
Fast jeder Autofahrer kann von Nonsense-Verboten und
Nonsense-Strafen berichten, aber nicht nur Autofahrer selbst
unbescholtene Fußgänger, ja selbst Kinder. Kurz aus meinen
persönlichen Erfahrungen mit der Polizei (wobei ich den
Polizeiterror, den ich als langhaariger Hippy und als Teilnehmer
an Vietnamdemonstrationen erlebt habe, mal außen vor lasse):
Schon 1960, ich fahre freihändig auf einem Radfahrweg, ein ein
Meter breiter Grünstreifen trennt mich von den Autos, 2 DM
Taschengeld weg wegen Freihändigfahren. Ein anderes Mal wasche
ich für 2 DM ein Auto (heute würde wahrscheinlich gleich ein
fanatischer Kinderschützer den Autobesitzer wegen Kinderarbeit
vor Gericht schleppen, damals war man noch nicht ganz soweit),
ich renne aus der Tür, zehn Meter nach links bei rot über die
Ampel, es kam weit und breit kein Auto und ich war in Eile, bums,
ein Bulle nimmt mir meine 2 DM wieder ab. Er schämte sich nicht
einmal, mir zu erklären, daß er, wenn ich gleich bei der Tür,
also 10m vor der Ampel über die Straße gerannt wäre, mir kein
Strafmandat gegeben hätte.
Schon damals dachte ich mir: Wenn man einem unschuldigen
Menschen, der niemandem etwas getan hat, so skrupellos das schwer
verdiente Geld abnehmen kann, wegen irgendwelcher blöden Regeln,
dann wird man auch, wenn Jude sein, wieder verboten wird, Juden
einfangen gehen. Da hatte ich als 10jähriger wahrlich einen
prophetischen Gedanken. "Juden" gab es in der Folgezeit
noch genug, bloß hießen sie nicht mehr Juden, sondern
langhaarige Gammler, Studenten (um ´68), Kommunisten (wie zur
Nazi-Zeit!) , Sannyasins, Scientologen, Sektarier und 1999
besonders mörderisch: Serben (wie zur Nazi-Zeit!).
Aber zurück zum Straßenverkehr:
Im letzten Sommer wurde ich mit 30 DM bestraft, weil ich ein
neues, wegen irgendeiner kleinen Schule eingerichtetes
Geschwindigkeitsverbot von 30km/h nicht beachtet hatte. Ich war
36km/h gefahren. Es war Ferienzeit und spät am Nachmittag und
außerdem waren keine Kinder weit und breit zu sehen. Ein
Geschwindigkeitsverbot von 30km/h wegen Schule gilt aber 24
Stunden am Tag.
Da gerade vorher, bei meiner Mutter in der Wohnung eingebrochen
und die Rente und ein paar Wertsachen geklaut worden war, worauf
den herbeigerufenen Polizisten nichts Besseres einfiel, als mit
den Schultern zu zucken und zu fragen: "Wie soll man die
denn kriegen?" wußte ich, wem man die Leute von Polizei
zuzuordnen hatte.
Auf dem Bußgeldbescheid stand, ich könne Einspruch erheben,
dabei falle aber auf jeden Fall eine Bearbeitungsgebühr
von 30 DM an. Das erinnerte mich doch glatt ans fromme
Mittelalter, das ja auch mit Vernunft und Freiheit arg in Krise
stand: Ersäuft die als Hexe verdächtigte Frau, ist sie
unschuldig, schwimmt sie oben, wird sie als Hexe verbrannt.
Brrrh, hoffentlich gibt es kein zweites Kommen einer solch
bescheuterten Zeit.
Einen kleinen Blick in den Bußgeldkatalog:
Bei Rot über die Ampel, dabei andere nicht gefährdet:
DM 100,- und 3 Punkte.
Wenn man andere nicht gefährdet, warum dann eine Strafe? frage
ich mich.
Kind ohne vorschriftsmäßige Sicherung
befördert: DM 60,-, bei mehreren Kindern DM 75,-.
Es hilft nichts, man kann die Bekannten, die dummerweise Kinder
haben, aber ohne Auto gekommen sind, nicht mehr schnell mal nach
Hause fahren, ohne sich strafbar zu machen. Oder sollen sich auch
Kinderlose Kindersitze anschaffen? Vielleicht ein neues Gesetz
für alle Eventualitäten? Wer hatte da eigentlich seine Aktien
drin, oder wem was gespendet? Das war doch niemals
Sicherheitsfanatismus, höchsten für einige Dumme aus dem Volk
(wahrscheinlich haben sie auch "Hurra!" geschrien als
Serbenmorden angesagt war. Dumme fressen ja so ziemlich alles.)
Für Erwachsene , die sich nicht
anschnallen, gibt es 40,- DM Verwarnungsgeld, für
Sturzhelm-nicht-Tragen 30,- DM.
In Entscheidungen, die das eigene Leben betreffen, ohne andere zu
gefährden, sollte sich der Staat nicht mit seines Drecksfinger
einmischen. Autos sind zum Fahren da, nicht zum Unfälle zu
machen, die meisten werden nie einen haben. Wie weit man sich auf
eine solche Ausnahmesituation vorbereitet, sollte jedem selbst
überlassen sein.
Der gleiche Staat schützt mich als Nichtraucher nicht vor dem
Rauch der Raucher. Auch wenn ich nicht will, ich muß den Dreck
überall mitrauchen. Rauchen ist ja in der Öffentlichkeit
erlaubt. Es bringt dem Staat ja viele Steuern ein. Ich bin für
die Abschaffung der Tabaksteuer, aber für ein striktes
Rauchverbot in der Öffentlichkeit, da der Rauch für die
Nichtraucher lästig und gesundheitsschädlich ist. Andere
Rauschgifte, die man sich in die Venen spritzt, wobei man also
Mitmenschen nicht in Mitleidenschaft zieht, verbietet der Staat
absurderweise.
Verbotswidriges Halten mit Behinderung
30,- DM. Behinderung ist ärgerlich, finde ich auch.
Im letzten Sommer (´99) fiel der entgegenkommenden Polizei mein
bunter VW-Bus http://www.hpo.net/users/hhhptdai/meinauto.htm mitten im größten Verkehr auf. Ein Auto mit dem
Pinsel bunt anzumalen, ist zwar noch nicht verboten, aber
verdächtig allemal. Das Polizeiauto wendete doch tatsächlich.
Ich weiß nicht, wie viele andere Verkehrteilnehmer dabei
behindert wurden. Jedenfalls verfolgten sie mich und gaben mir
von hinten Zeichen, daß ich halten solle, was ich gar nicht
gleich tun wollte, mit Rücksicht auf die anderen
Verkehrsteilnehmer, die beiden Fahrspuren in meiner Richtung
waren voll. Beinahe hätte ich mir also noch einen 40-DM-Verweis
für die Nicht-Befolgung polizeilicher Anweisung geholt.
Als ich hielt und diePolizisten an meinen Wagen kamen, sagte ich
ihnen: "Hier ist Halteverbot." - "Wir können
überall Leute anhalten." - Ich: "Ist ja gut, aber ich
denke auch an die anderen Verkehrsteilnehmer." Die
Polizisten haben sich dann von mir den Verbandskasten und das
Warndreieck zeigen lassen, geguckt, ob die Reifen nicht
abgefahren waren, und da sie nichts fanden, was sie mir anflicken
konnten, ließen sie mich weiterziehen!
Am Schluß noch eine Warnung: Bei Rot über die Ampel zu gehen, ist gefährlich! Auch wenn weit und breit keine Autos kommen. Im letzten Sommerurlaub in Deutschland ist es mir dabei passiert, daß eine keifende, völlig hysterisch gewordene Mutter mich auf so widerwärtige Art anschrie, wahrscheinlich weil ich in ihrer Gedankenwelt zu so etwas wie ein Mörder an ihren Kindern geworden war, daß ich mir jetzt vorstellen kann, daß das Überqueren einer Straße bei Rot durchaus bei einigen Untertanen Totschlagreflexe auslösen könnte. Schon Nietzsche sagte: Die Hunde hassen die Wölfe.
Hier in Japan sieht man das alles übrigens nicht so verkrampft. Die meisten Leute gehen hier wie selbstverständlich bei Rot über die Straße, wenn frei ist, selbst wenn ein japanischer Bulle daneben steht. Ich hab´ mal mit einem gesprochen. Er meinte, Strafmandate seien eigentlich nur für Autofahrer vorgesehen. und als er hörte, daß wir unsere Polizisten in Deutschland "Bullen" nennen, war er ganz aus dem Häuschen. Ein so starkes, prächtiges Tier! Wir Deutschen müssen aber sehr beeindruckt sein, von unserer Polizei. Ach, täte er doch in Deutschland seinen Dienst, meinte er noch, er würde sich so stolz wie Torrero fühlen.
Holger Hermann Haupt
home page: <http://www.hpo.net/users/hhhptdai/arachnoideenindex.htm>
Präambel des Parteiprogramms der Automobile-Steuerzahler-Partei
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