Chinareise
Erste Novemberhälfte 2006
Obwohl mich seit meiner Jugend (liegt schon
etwas zurück) fremde Länder, Kulturen und Reisen
begeistern - ich habe zum Beispiel nach meinem verspäteten
Abitur 1970 wohl ein Dutzend Mal Gebrauchtwagen für den
Verkauf in den Nahen Osten gefahren, vom Erlös habe ich mich
eineinhalb Jahre in Asien herumgetrieben (hauptsächlich
Indien, danach Thai und Kambodscha, bis die Khmer Rouge mich u.
a. vertrieben), bevor ich das erste Mal in meiner jetzigen
Wahlheimat Japan ankam -, hat mich China im Gegensatz zum bunten,
fantastischen Treiben Indiens nie interessiert. Es erschien mir
zu grau, zu diszipliniert, langweilig. Die vielen Chinesen, die
man in Südostasien traf, waren alle fleißig und
erfolgreich auf wirtschaftlichen Erfolg aus. Besuche in Hongkong
und Taiwan (liegen auch schon 30 Jahre zurück) unterstichen
diesen Eindruck. - Fleiß um des Geldes wegen liegt mir
eigentlich fern.
Selbst als meine (jap.) Frau vor 25 Jahren eine Reise entlang der
"Seidenstraße" bis in den Westen Chinas
unternahm, bin ich nicht mitgefahren. Das öde,
kommunistische Grau der Städte der Sowjetunion von einer
Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn von Nachodka nach Europa
steckte mir noch zu abschreckend in den Knochen.
China ist zweifellos ein Land, in dessen langer Geschichte der
"Einzelne" besonders stark unter den
"-ismen", denen die Massen anhingen oder zumindest
duldeten, gelitten hat: Despotismus, Bürokratismus,
Konfuzianismus (Konfuzius selbst war Beamter, nämlich
Polizeichef. Seine Lehre beschränkt sich aufs Gehorchen:
Gehorchen der Tradition, Gehorchen dem Kaiser, den Eltern, egal
wie wenig sie taugen, Gehorchen dem Manne - naja, schön,
eine gehorsame Frau zu haben. Da fällt mir ein: Bei mir ist
noch die Stelle einer Nebenfrau frei!) und dann als Letztes
(sicher nicht) hatten die Chinesen auch noch Kommunismus, sogar
eine besonders schreckliche Abart des Kommunismus, den Maoismus,
der ihnen mit Kulturrevolution Kulturvernichtung und mit
Landreform wohl die größte Hungersnot (mit möglicherweise
30 Millionen Toten) in der Menschheitsgeschichte bescherte.
Sowohl Mao Tse-tung und die autoritären Strukturen der KPCh
als auch Taiwans Militärdiktatur unter dem christlichen
General Tschiang-kai-schek dürften es dank traditioneller,
konfuzianischer Kriecherei gegenüber Autoritäten bei
den Chinesen leicht gehabt haben. (Westl. Diktatoren bemühten
dafür übrigens mal den alten Plato.)
Noch ein Tip für Westler, die mit Gedanken spielen, einen
Ehepartner mit konfuzianischem, kulturellem Hintergrund zu
heiraten: Nach über 30 Jahren in einer solchen Ehe rate ich
nur zu einer Waisen!
Doch China hat sich gewandelt. Chinesen verhungern nicht mehr mit
Ideologien gefüttert. Alles ist freier geworden, aber
besonders die Wirtschaft. China boomt. Spätestens 2008 soll
China, gemessen am Bruttoinlandprodukt, England vom Platz 4 der
Weltrangliste (nach USA, Japan und D.) verdrängt haben. Alle
sind begeistert und investieren in China. Selbst wir haben
chinesische Aktien. - Aber nüchtern betrachtet, ist es für
einen 1,3 Mrd.-Menschen-Staat (weit mehr Menschen als der ganze
"Westen" zusammen aufbringt, 10x mehr als Japan)
eigentlich keine große Leistung - sogar eine sehr
schlechte.
Hätten die Chinesen sich nicht von ihren Führern mit
Ideologien abspeisen lassen, sondern von Anfang an in Freiheit
individuell ihr Glück gesucht, Mainland China wäre
heute (wie Singapur und die Chinesen in Südostasien)
wirtschaftlich besser drauf, schon Weltspitze. Chinesen sind tüchtig,
das merkt man sofort, wenn man ihnen begegnet.
Was mich an China schon immer interessiert
hat, ist die Sprache. Chinesisch ist
(bekanntlich) eine tonale Sprache, d. h. die Tonhöhe bzw.
der Tonfall enthält eine Information. Eine Genialität,
aber man braucht spitze Ohren und musikalisches Talent für
eine solche Sprache. (Besitze ich beides nicht.) Chinesen können
dank der Tonalität ihrer Sprache mit wenigeren
Mundbewegungen mehr als wir mitteilen. Die Mundbewegungen werden
dem Chinesisch-Anfänger allerdings einige Zeit schwer
fallen.
Chinesisch erscheint mir unter den Sprachen so etwas wie
Stenografie unter den Schriften zu sein. Kennt man in unserer
digitalisierten, elektronischen Welt überhaupt noch
Stenografie? Zur Stenografie gehört unter anderem die
geniale Idee Vokale durch Abstand bzw. Höhe zwischen
Konsonanten auszudrückten. Eine neue Dimension, die eine
Information enthält und nichts kostet. Die arabische Schrift
ist auch fast eine Kurzschrift, Vokale werden durch den einfachen
Strich "Alif" und/oder kleine, diakritische Zeichen
ausgedrückt oder einfach erraten. Für die wenigen
Vokale des Arabischen geeignet, für Iranisch, Maledivisch
(korrekt heißt die Sprache Divehi) etc. eigentlich nicht.
Laut Frederick Bodmers "Die Sprachen der Welt" war
Chinesisch wahrscheinlich nicht immer einsilbig und tonal. Aus in
einer alphabetischen Schrift verfassten, tibetanischen Texten aus
dem 7. Jahrhundert schließen Sprachforcher, dass Chinesisch
einst zweisilbig und flektierend war. Die Wortendungen wurden
wahrscheinlich im Laufe der Zeit verschluckt. So entstanden eine
Unmenge von Homophone. Um die zu unterscheiden, erfand man die
Tonunterschiede. Im Deutschen kann man mit Betonungsunterschieden
nur bei einigen kleinen Wörtern wie "ja"
Unterschiedliches ausdrücken: "Ja!" "Jâ!?"
"Já?" "Jà." Bei größeren
Wörtern klappt's nicht. - "Bank?" - "Nein, Bànk!"
Wie verzweifelt unser Gegenüber auch "Bank" anders
betont, wenn er sonst nichts sagt, werden wir nie erraten, ob er
nun ein Geldinstitut oder eine Sitzgelegenheit meint. Chinesen
sind uns da voraus. Aber Homophone sollen trotz der 4
Tonunterschiede (im Kantonesischen sogar 6, ebenso im
Vietnamesischen) noch immer ein Problem sein.
Die Chinesen haben noch einen zweiten Lösungsweg gefunden.
Ich erkläre das mal auf Deutsch: Nehmen wir an, Auto, Apfel
und Ameise hießen nach einer längeren Phase der
Mundfaulheit nur noch "A". Wenn jemand "A"
sagt, wissen wir also nicht genau, was er meint, also - so die
chinesische Lösung - bezeichnet man hinter dem "A"
noch die Gattung oder etwas anderes Definitives, so dass es z. B.
A-Maschine, A-Birne, A-Insekt, A-Stuhlgang etc. heißt und
man zweisilbige Wörter hat.
(Auch Japaner haben Homonymen-Probleme, meine Webseite zum Thema http://www.hpo.net/users/hhhptdai/japanisch.htm)
Trotz der obigen Schwierigkeiten glaube ich, Chinesisch gäbe
wegen der hohen Informationsübermittungsrate und der
einfachen, relativ logischen Grammatik (wie SPO etc.) wie
Englisch eine gute Weltsprache ab. Kann mich täuschen, hab
nur anderthalb Jahre hier in Japan im dritten Programm Chinesisch
gelernt und einen kurzen Sommerkurs hinter mir. Außerdem müßte
eine Form des Chinesischen, am besten Mandarin, erst einmal
Verkehrssprache in China werden. Noch können sich die Leute
von Shanghai, Kanton, Peking etc. zwar über die Schrift,
aber nicht über die Sprache verständigen.
Das Erlernen der vielen Schriftzeichen (mind. 3000, ideal 6000)
wird meiner Meinung nach überbewertet. Wer bei uns die 26
Buchstaben kann, kann noch lange nicht schreiben.
"Fahrrad" schreibt man nicht "Farrat". Da
gibt es auch viel zu lernen. - Als wir im Sommer in D.
"Omas" Fahrrad gestohlen meldeten, war nur ein einsamer
Polizist auf der Wache. Er konnte also keinen besseren Alphabeten
bitten, sondern musste selbst das Protokoll aufnehmen. Er schrieb
zu unserem größten Entsetzen fast jedes Wort falsch.
So schwer ist Orthographie! - Vom Fahrrad haben wir natürlich
auch nie wieder was gesehen.
Die chinesische Schriftzeichen sind schon sehr alt, wohl 4000
Jahre. Schon damals voll ausgebildet. Seit der Vereinigung Chinas
(221 v. unserer Zeitrechnung) fast unverändert.
1958 wurden viele ch. Schriftz. unter der kommunistischen
Diktatur stark vereinfacht. (Unter Diktaturen geht so etwas verhältnismäßig
leicht. Peter I. und Lenin haben auch das Kyrillische vereinfacht
und die jap. Militärregierung im 2. Weltkrieg das
Japanische.) Diese vereinfachten Zeichen werden auch in Singapur
benutzt, aber nicht von Hongkong und Taiwan.
Da wir japanische Kanji (Schriftzeichen) beherrschen, konnten wir
von dem Geschriebenen um uns herum sehr viel verstehen - ob immer
richtig, wissen wir allerdings nicht. (Auch fast alle
Fernsehprogramme hatten Untertitel, weil viele Leute die
Hochsprache nicht gut verstehen.)
Da meine Frau fleißig arbeitet, hatte sie keine Zeit, sich
wie ich auf die Sprache vorzubereiten. Von Mao bis zur
Unkenntlichkeit vereinfachte Zeichen musste ich ihr erklären.
Z. B. von den 9 Strichen fürs Fliegen sind nur noch die
ersten 3 geblieben, "Maschine" (ki) schreibt man jetzt
vereinfacht wie Japanisch "Schreibtisch" (tsukue).
"Fliegender Schreibtisch?" - "Nein,
Flugzeug!"
Die 1958 durchgeführte Schreibreform halte ich für
Mist, zumal einige der Zeichen noch heute komplizierter sind als
die japanische Version. Z. B. Tugend (jap.: toku, chin.: dé)
hat im Ch. einen Strich mehr. Deutschland schreibt man auf Ch.
mit diesem Zeichen, während man es auf Jap. mit dem Zeichen
für "allein, einsam" (doku) schreibt.
Zwischen jap. und chin. Zeichen gibt es auch viele "false
friends". "False friends" sind Begriffe, bei denen
man denkt: "Oooh, das ist ja wie in meiner
Muttersprache!" Ist es aber nicht. - Wie oft habe ich auf
meinen Reisen schon Deutsche sagen hören: "I become
money."! - Never, but you might become a father or a
millionaire or a fool...
Das jap. Zeichen für "jdn treffen", bedeutet auf
Ch. "können", "usw. (nado)"
"warten", das im Westen für Tätowierungen so
beliebte, jap. Zeichen für Harmonie (wa) steht im Ch. ganz
banal für "und"!
Auch einige Wörter sind "false friends": Brief
schreibt man auf Japanisch mit den Zeichen für Hand und
Papier, auf Chinesisch bedeutet dieses Hand-Papier
Toilettenpapier, etc.
Zum Schluß möchte ich noch einen verbreiteten Irrtum
klarstellen: Japanisch und Chinesisch sind völlig
verschiedene Sprachen. Japanisch ist so leicht auszusprechen wie
Spanisch (nur 5 Vokale), jap. Prädikat steht am Ende des
Satzes, eventuell gefolgt von einer Negations-Endung. Bevor man
einen Satz nicht zu Ende gehört hat, weiß man nicht,
ob ja oder nein! Das Schwerste am Japanischen ist die Höflichkeit
und die Rücksicht, die man auf die Gefühle des Gesprächspartners
nehmen muss. Witz und selbst ehrliche Meinungsäußerungen
bleiben da meist auf der Strecke, während Schmeicheleien
schnell das für uns erträgliche Maß überschreiten.
Chinesen geben sich nicht mit so etwas ab. Sie sind daher sehr
viel gesprächiger und kontaktfreudiger als Japaner. Sie
haben auch keine Scheu vor Ausländern. Wir waren zwar
erstaunt, wie viele Englisch konnten, aber auch die, die kein
Englisch konnten, machten sich auf Chinesisch und mit
Zeichensprache verständlich, während Japaner so oft
einfach vor Ausländern blockieren, selbst wenn der sie auf
Japanisch anspricht.
Blick auf das nächtliche Pudong (http://de.wikipedia.org/wiki/Pudong).
Ankunft in Shanghai: Begann gleich mit einer großen
Enttäuschung: Ich hatte mich so darauf gefreut, mit der von
Deutschen gebauten Magnetschwebebahn (Transrapid
in Shanghai: http://www.getting-around.de/artikel_87_1.html?L=81 und http://www.maglev.de/index.php?de_msb_cn) vom Flughafen zur Stadt mit 430km/h zu fahren und
auch so ein stolzes Foto wie viele Webmaster, die Shanghai
besucht haben, mit mir und der Geschwindigkeitsangabe ins
Internet zu bringen. Leider fuhr der Zug an der schnellsten
Stelle nur 301km/h. Ob man das Vertrauen in deutsche Technologie
verloren hatte, oder ob Seitenwinde dafür verantwortlich
waren, weiß ich nicht. - Auf jeden Fall wollen die Chinesen
in Zukunft selbst mehr solche Strecken bauen. Zwar gibt es auch
in China Frösche etc. und sogar Umweltschutz scheint ein
sehr aktuelles Thema zu sein, aber dass Frösche wie in D.
den Ausbau eines Maglev-Netzes in China verhindern, bezweifle
ich.
Apropos Frösche. Frösche werden in China gegessen.
Chinesen essen alles, was Beine hat - außer
Tisch und Stuhl, und alles, was fliegt, außer Flugzeuge,
sagt man.
| Hier übrigens eine Froschmahlzeit (Neben den 20 Fröschen waren noch 30 ganze Knoblauchzehen und ebensoviele Ingwerstücke in der Pfanne. Es war auch zu salzig, wie fast alle Speisen in Ch. Die Froschknochen waren so weich, dass ich sie mitgegessen habe.) |
Die ch. Währung ist
der RMB (Renminbi, bedeutet so was wie Volksgeld), auch
"yuan" oder umgangssprachlich "kuài"
genannt. 10 RMB circa 1 Euro.
Am ersten Abend in Shanghai sagte uns ein einfaches Restaurant
dank seiner übersichtlichen chinesischen Speisekarte draußen
vor der Tür zu. Alle Preise unter 20 RMB. Innen wollte man
uns unbedingt die englische Speisekarte geben. Solch teure Preise
gab es doch gar nicht auf der Liste draußen. Die nette
Kellnerin gab in ihrem gebrochenen Englisch glatt zu, dass die
englische Speisekarte höhere Preise hatte. Wir haben dann
nach der chinesischen bestellt, unter anderem
"shudofu", stinkendes Tofu. Ich esse ja hier in Japan
gern Kusaya, einen dank alter (200jähriger?) Soßen
stinkenden Einlege-Fisch vom Izu-Archipel, aber das stinkende
Tofu, das man in Shanghai gerne zu essen scheint, verursachte mir
Ekel - und noch nachts Alpträume.
Die Froschmahlzeit oben am nächsten Tag kostete übrigens
in einem anderen Restaurant auf der chinesischen Speisekarte 68
RMB und auf der engl., die man uns extra holte, um uns auf einem
Foto zu zeigen, wie die bestellten Frösche zubereitet
aussehen, 88 RMB. Übersetzungsarbeit scheint sich in China
zu lohnen.
| Ein wirklicher Leckerbissen war
dieser Krebs, den wir im BAODAO XIEYE YOUXIAN
GONDSI http://www.e-chinahotels.com/restaurant/crab/baodao/
(Tel.: 6321-2010) gegessen
haben. Dieses Restaurant ist ein "Geheimtip"
unter Japanern. Die Gäste scheinen ausschließlich
Japaner zu sein. Selbst ich wurde von der chinesischen
Bedienung automatisch auf Japanisch gefragt, ob ich eine
Reservierung hätte. Echter Shanghai-Krebs ist zwar berühmt und begehrt, aber der kleine Kerl rechts hat Schnaps gesoffen und ist im Schnaps ersoffen. Und ein solcher Suff wirkt sich ganz wunderbar auf den Geschmack aus. Habe ich je etwas Leckereres gegessen? Ich kann mich nicht erinnern! Wir wurden in diesem Restaurant auch über 800 RMB los. Achtung, kann leicht noch teurer werden! |
| Übernachtung: Wir
hatten in Shanghai drei verschiedene Hotels: 1.) Metropole Hotel, 180 Jiang Xi Lu, feines Hotel mit goldenen Gepäckwaggons und livrierten Portiers etc. Doppelzimmer sollte 650 RMB kosten, man war aber sofort zu einem Preisnachlass von 150 RMB bereit. Bei Vorauszahlung hätten von Japan aus das Zimmer für etwas über 300 RMB bekommen. 2.) Das wegen billiger Dormitories unter Backpackern beliebte "Captain-Hostel" http://www.hostels.ws/Captain-Hostel.html . Wir hatten ein Doppelzimmer mit Bad für 450 RMB (besser als Zi. im Metropole H.). Wir hätte auch für 550 RMB das Zi. im 5. Stock mit Aussicht auf den Huangpu und Pudong genommen, wenn die IC-Karte für die Tür funktioniert hätte. |
| 3.) Broadway Mansion
Hotel. Zwei Nächte im 11. Stock für 798 RMB pro
Nacht (von Japan aus reserviert wegen der schönen
Aussicht auf den "Bund" (Flußuferpromenade)
und die nachts erleuchteten Hochhäuser von Pudong. (Der Park links unten war zur Kolonialzeit für "Hunde und Chinesen verboten".) Ganz rechts: Eine riesige Hochhauswand, die nachts zu einem Bildschirm wurde. Unten: Der erstaunliche Tunnel, eine Art Geisterbahn, mit der man unter dem Huangpu-Fluß für 40 RMB zur anderen Seite kommt. (Es gibt auch eine Fähre für 2 RMB.) |
@ |
| Chinesen scheinen festliche Beleuchtung, wie sich hier in der "Altstadt" am Yuyuen(-Garten) zeigt, zu lieben. |
Wirklich Positives: Immer
schönes Wetter mit bis zu 25C. November ist eine gute
Reisezeit! Viele Touristen klagen ja auf ihren Webseiten über
Regen.
Shanghai besonders, aber auch die anderen Städte, waren
nicht nur im Zentrum relativ sauber. Da viele Chinesen Elektroräder
(richtig schöne, stabile E-Motorräder) statt knatternde
Hondas benutzen, ist die Luft in den Städten soviel besser
als in Saigon (siehe http://www.hpo.net/users/hhhptdai/vietnam/RB.htm) oder anderen südostasiatischen Städten.
Die Leute sind sauber und werden auch auf Plakaten zu Sauberkeit
angehalten. Kaum Müll auf den Straßen, und Graffiti
wie in deutschen Städten gibt es überhaupt nicht.
Unten: 1. ) Mülleimer in einer einfachen Wohngegend. Eine
Seite für brennbaren Müll, die andere Seite für
unbrennbaren, der kleine Kasten an der Seite für Batterien.
2. ) Praktische Stangen zum Wäschetrocknen. 3.) Selbst im
20. Stock wird die Wäsche noch an der Luft getrocknet.
| Links das "Lüse",
Zeichen für "grün" und
"Farbe", heißt "Öko". Auch
in China gibt es Ökoprodukte. Seit 1990 werden sie
mit dem Symbol rechts gekennzeichnet. Das Symbol ist so
zu erklären: Oben die Sonne, in der Mitte eine
Knospe, rechts und links Blätter. (Für Leute,
die irgendwelche anderen natürlichen Vorgänge
in dem Symbol erkennen.) Man kann das Zeichen auf
Produkten in Supermärkten finden, aber die meisten
Leute kaufen bei einfachen Händlern nicht abgepackte
Lebensmittel. Das ist billiger, aber nicht unbedingt für
Touristen. Auch die Olympiade 2008 soll eine "Lüse Àoyùn", eine grüne Olympiade werden. |
| Kèlóng = klonen. Selbst in China, wie bei uns im Westen, wurde die Angst vors Klonen geschürt und in den Supermärkten werden auch ausdrücklich "ungeklonte" Lebensmittel angeboten. Darüber hinaus haben die Chinesen aber noch ein ganz anderes Klon-Problem: Autos werden in China illegal geklont!!! |
Auto-Klonen geht so: Man
nehme ein Auto, am besten VW-Santana, von denen scheint es am
meisten zu geben, gibt diesem Auto die gleiche Farbe und Nummer
(!), wie ein Auto, das schon registiert ist, und fährt damit und spart sich die
Versicherung, Steuern, Strafmandate etc. Bei Fahrerflucht wird
man auch nicht (so leicht) erwischt.
Ob Autofahrer in China überhaupt
Strafmandate erhalten? Es gibt zwar unangenehm viel Polizei, aber
um den Verkehr scheinen sie sich kaum
zu kümmern. Ich bin ja auch dafür, dass man bei Rot
über die Ampel fährt, wenn nichts kommt, statt blöde
rumzustehen, und ich freue mich über den Abbau von
Reglementierungen wie in Shared Spaces wie in Bohmte in Deutschland, aber in China nutzt man
die kleinste Lücke im Verkehrsfluß und mogelt sich
auch bei Rot da hinein. Der
vorfahrtberechtigte Verkehr nimmt Rücksicht und weicht aus.
Klappt wunderbar! Das zeigt, wie stark Chinesen gemeinsam vorwärts
streben, ...und gutes Augenmaß und gute Reaktionen, Dinge,
die uns schon lange abhanden gekommen sind.
Die vielen herumlungernden Bullen scheinen übrigens wie bei
uns auch keinen Schutz für Geschäfte zu gewähren.
Wie bei uns sieht man, dass Geschäfte extra von privaten
Wachmännern geschützt werden.
Diese kleinen, lustigen Dreiräder wird wahrscheinlich keiner
klonen:
| Trolleybusse, wie der hier in Beijing, sind, wie wir festgestellt haben, echte Hybrid-Fahrzeuge. Neben dem Elektromotor haben sie einen Diesel. |
| Solche Bronzestatuen wie in deutschen Städten gibt es auch in China. Außerdem gibt es wie in Europa kitschige "Eisenbahn", die die Fußgängerzonen rauf- und runterfahren. |
| Plakate, links für Kabarett und Cancan, rechts für eine Aufführung von Hans Christian Andersens Märchen "Des Kaisers neue Kleider". Auf Chinesisch ist der Titel richtig wie im Deutschen. Die Japaner nennen das Märchen aber "Der nackte Kaiser". |
Mehr Positives: Buntes
Treiben auf den Straßen. Die Zeit der Mao-Uniformen ist
eindeutig vorbei. Die jungen Leute sind so modisch gekleidet wie
in Tokyo, aber sie strahlen mehr Optimismus und Energie aus als
ihre jap. Kollegen. Leider habe ich es versäumt, hübsche,
junge Mädchen zu fotografieren. Tut mir wirklich leid!
Während alte ch. Kunst streng in die Tradition eingebunden
und deshalb immer gleich zu sein scheint und eigentlich zumindest
für einen Laien wie mich ermüdend ist, zeigen moderne Künstler
Fantasie. Im Park am Ende der Nanjing Lu in Shanghai gesehen:
| Beachtet die Pumpkins! Vom amerikanischen Erpresserfest Halloween "Trick or Treat" scheint China auch schon infiziert zu sein - nicht nur Japan. |
| Von Shanghai sind wir mit dem Bus nach Hangzhou http://de.wikipedia.org/wiki/Hangzhou gefahren. Hangzhou nennt sich "das Paradies auf Erden". (Galerie der Stadt Hangzhou http://english.hangzhou.gov.cn/english/Gallery/past/index.html.) 99,9% der Touristen sind Chinesen. Schöner Xihu (Westsee), circa 15 km Umfang. Man ist bei der Umwanderung nie allein. Überall Touristen. Chinesen sind gut zu Fuß. Dieser Xihu ist Schauplatz der Legende von der Liebe der weißen Schlange zu einem Sterblichen in der Menschenwelt, `Bai She Zhuan', die ich in meinem "Adjuna" nacherzählte: http://www.hpo.net/users/hhhptdai/75Schlange(35KB).htm. |
| Da wir Frühaufsteher sind, bekamen wir mit, wie aktiv die Chinesen schon am frühen Morgen sind. Wie die Uferpromenade in Shanghai, so war auch das Ufer des Xihu morgens voll mit Leuten, die trainierten. Die hier links hauen mit stumpfen Schwertern um sich, andere machen Qi Gong, oder gar Gesellschaftstanz (!). Am Xihu war es so gar schwer für uns, ein Plätzchen zu finden für unsere eigenen Übungen. Da wir anders trainieren, als die Chinesen, sammelten sich schnell Schaulustige. - Vielleicht lag es auch an meinem Bart. Ich bin es ja gewohnt, dass man mich Weihnachtsmann nennt (Als ich jung war, nannte man mich Jesus. Meine persönliche Erfahrung bestätigt die Theorie, dass Jesus im Alter Weihnachtsmann wurde.) - oder gar Osama Bin Laden, als der in Mode war. Hier hörte ich zum ersten Mal auch "Karl Marx". Ganz scheinen die Chinesen ihren Kommunismus also noch nicht vergessen zu haben. |
| Einige Leute üben auch
morgens auf dem Plaster mit Wasser ch. Kalligraphie, wie
der hier, der immer wieder Namuamidabutsu (Anbetung des
Amida-Buddhas) schreibt. Namuamidabutsu ist Japanisch,
wie es auf Chinesisch ausgesprochen wird, weiß ich
leider nicht. Wie man an der schönen Schrift erkennt, beherrscht der Mann sein Metier. Man beachte, dass er seinen Pinsel ganz am Ende hält! |
Ein besonderes Erlebnis war der Thema-Park "Song-Dynastie" (http://www.chinahighlights.com/hangzhou/attractions/song-dynasty-town.htm) außerhalb von Hangzhou, ca. Dreiviertelstunde mit dem Linienbus für 2 RMB. Die ganze Anlage ist zwar schon sehr schön, aber die Show um Uhr 19:30 im Song Dynasty City Theatre sollte man sich unbedingt ansehen. Was in einer Stunde alles auf die Hauptbühne und die beiden Nebenbühnen gezaubert wird, ist atemberaubend. Schneller Themenwechsel, ganze Armeen galoppieren über die Bühne (in Wirklichkeit sind es wahrscheinlich keine zwei Dutzend Pferde, die immer wieder hinter der Bühne schnell zurückgaloppieren), auch das Thema der "Weißen Schlange", mit ihrem herzzerreißenden Protest "Haben nur Menschen ein Recht auf Liebe!" wird in 10 hektischen Minuten mit Laser- und Lichteffekten aufgeführt! (Ausführlicherer engl. Artikel mit Fotos: http://www.igougo.com/travelcontent/JournalEntryActivity.aspx?EntryID=51887 )
| Von Hangzhou sind wir mit dem
Schiff nach Suzhou gefahren. Das Schiff fährt abends
(Uhr 18:00) ab und kommt morgens gegen 7 an. Obwohl es
sich Paradies-Schiff nannte, hatte es den Anschluss ans
neue, saubere China ganz offensichtlich noch nicht
geschafft. |
Für "travellers on a shoe-string budget" vielleicht trotzdem interessant, weil man eine Übernachtung im Hotel spart. Platz im Schlafsaal kostet 80 RMB, in der Zweibettkajüte 130 RMB. Unten Adresse und Telefonnummer: |
Suzhou http://de.wikipedia.org/wiki/Suzhou_(Jiangsu) : Während Hangzhou von sich behauptet, das Paradies auf Erden zu sein, sagt man in Suzhou: "Der Himmel hat nur ein Paradies, aber die Erde hat Hangzhou und Suzhou."
| In Suzhou haben wir zentral im
Zhong Shan, 1585 Renmin Lu, Tel. 0512-68016008, für
280 RMB (2-Bett-Zimmer mit Bad) gewohnt. Links die
Aussicht aus unserem Zimmer. Sehenswürdigkeiten in Suzhou sind "the Humble Administrator's Garden = der Garten des untertänige (kotz) Verwaltungsbeamten http://www.ylj.suzhou.gov.cn/english/zzy.htm ", der Lion Forest Garten (ohne Löwen) http://www.ylj.suzhou.gov.cn/english/szl.htm und noch ein paar andere Gärten, die man gegen Eintritt besichtigen kann. Die große Nord-Pagoda haben wir auch bestiegen. Rechts unten die Aussicht. |
Ganze Blocks so reihenweise abzureißen, ist wahrscheinlich ohne Zentralmacht sehr schwierig. Ob konkret Rechte der Bewohner mißachtet wurden, weiß ich allerdings nicht. Reisende kritisieren oft, dass in China die alten Wohnviertel (Hutong) abgerissen werden. Vor 30 Jahren hat man aus dem gleichen Grund über Singapur geschimpft. Aber ich glaube, dass es für die Leute gut ist, in modernen, hygienischen Häusern zu wohnen. |
China wird ja so großartig vom Westen
wegen Menschenrechtsverletzungen angeklagt. Aber selbst der große
Menschenrechtswärter USA raubt nicht nur im Ausland. Die
US-Herrschaftsclique bedient sich auch im Inland und vertreibt
die Leute aus ihren Wohnungen. Webseiten zum Thema:
http://www.nj.com/news/ledger/jersey/index.ssf?/base/news-5/1163656215107360.xml&coll=1,
http://www.philly.com/mld/inquirer/news/local/states/pennsylvania/counties/philadelphia_county/philadelphia/16005464.htm,
http://www.townhall.com/columnists/JohnStossel/2006/11/08/property_theft_in_america, mehr bei http://www.castlecoalition.org/.
| Suzhou: Zwar gibt es einige schöne
Gärten, einige Kanäle (bei weitem kein Venedig)
und eine schöne Fußgängerzone mit auch am
Wochenende und am Abend geöffneten Geschäften,
also nicht diese Öde, die man in D. hat (Kein
Ladenschlußgesetz nimmt den Ladenbesitzern das
Menschenrecht über eigenes Eigentum, nämlich
den Laden und dessen Öffnungszeiten zu verfügen!).
Aber irgendwie enttäuschte diese Stadt. "Ne dreckige Großstadt... Da möchte ich doch glatt mal die Hölle bei den Chinesen besuchen." schrieb ein Internationaler Trainee von Volkswagen, der 2004 in China war, auf seiner Webseite http://www.rastlos.com/china2004/01.htm. Dem möchte ich mich fast anschließen. Obwohl die Straßenreinigung und auch die Kanäle, wie von den Leuten im Vordergrund des Bildes, saubergehalten werden, ist die Stadt von Industrieabgasen und Staub irgendwie grau und schmutzig. |
| Die meisten Fotos hat ja meine
Frau gemacht, aber hier durfte ich mal die Kamera haben:
Ein Bild meiner Frau im Schlafwagen von Suzhou nach
Beijing. Wie man sieht, alles picobello sauber und schick
- sogar mit Rose. Während der Nachtzug von Shanghai nach Beijing meist sehr früh, Tage oder gar Wochen im voraus, ausgebucht sein soll, soll man laut jap. Reisebuch von Suzhou aus leicht einen Platz bekommen, weil hier neue Waggons an den Zug angehängt werden. Unsere Erfahrung bestätigt das. Die Zeit der Diskriminierung von Ausländern ist vorbei: Bahnfahrten und auch Eintrittskarten für Besichtigungen kosten für Ausländer heutzutage nicht mehr das Doppelte, sondern Ausländer zahlen die gleichen Preise wie die Chinesen. Bei Privatunternehmen mag das aber nicht zutreffen. |
Letzte Station Beijing
| Im Beijinger Bahnhof wurden wir
von einer Frau angesprochen, die gegen Provision für
Hotels Gäste anschleppt. Da sie ein günstiges
Angebot (150 RMB) für ein relativ zentrales Hotel
machte, gingen wir mit ihr. Leider kam der Minibus des
Hotels nicht, so dass sie uns an ein anderes Hotel
vermittelte, das Qinan Hotel in der Tiantan Lu vor dem
Tiantan Park. Eigentlich sollte das Zimmer 250 RMB
kosten, aber man ging auf meinen Einwand hin sofort auf
150 RMB runter. Das Hotel hatte zwar ein süßes Zimmermädchen, das ganz eifrig auf Chinesisch auf mich einredete, aber nachdem wir den gegenüberliegenden Park mit dem Temple of Haeven http://www.travelchinaguide.com/attraction/beijing/heaven/ besichtigt hatten, verließen wir nach nur einer Nacht das Hotel, weil der Weg in die Innenstadt zu weit und die lange Qianmen Dajie (große Straße des Vortors) rechts und links nur Baustelle war. Siehe rechtes Bild. |
| Frühstück: Schon vor 30 Jahren in Taiwan war ich morgens von diesen fritierten Teigstangen (chin. "you tiao") begeistert. Bei solchen Bergen wie links sind die natürlich nicht mehr frisch. Die Youtiao rechts vor unserem Hotel Qinian kam gerade aus dem Fett. Man taucht Youtiao in heiße Sojamilch oder Reissuppe, aber ich esse die Teigstange am liebsten gleich so. |
Die "Youtiao", wörtl.
Fettstangen, werden auch "Yu Za Kuei",
deep-fried-devils, gründlich fritierte Teufel, genannt.
Dieser Name geht zurück in die Zeit von Konfuzius. Beamte
hatte den Gelehrten Yueh Fei fälschlich des Hochverrats
beschuldigt und seine Hinrichtung veranlaßt. Als dieser
Komplott aufgedeckt wurde, bestrafte man die Schuldigen mit einem
Bad in heißem Fett. Das Schicksal dieser bösen Teufel
und der Teigstangen ist also eng miteinander verbunden.
Für ein Frühstück am offenen Stand, Teigstangen,
Teigtaschen mit Fleisch gefüllt, Suppe, Sojamilch,
Pfannkuchen mit Gemüse oben drauf etc. haben wir für
zwei Personen meist nicht einmal 5 RMB bezahlt.
Unser zweites Hotel in Beijing war das "Tian Rui Inn
Hotel" (Wangfujing Dajie, 15 Baishu Hutong, Tel. 8610-6526
6699. Die Wangfujing-Avenue am Nord-Ende der Fußgängerzone
noch ein bißchen weiter, hinter der Kirche an der rechten
Straßenseite rechts einbiegen, nach ca. 100m ist es
links.).
Da nur die Suite eine richtige Badewanne hatte, nahmen wir die.
Soll "eigentlich" 1500 RBM kosten, aber man gab sie uns
für 550 RMB. Normale 2-Bett-Zimmer mit Dusche sollen 450 RBM
kosten.
Die Fußgängerzone der Wangfujing-Avenue ist das
glitzernde Zentrum Beijings. 1. Bild unten: Kaufhaus. Natürlich
sind wir auch zum Tiananmen-Platz gepilgert. 2. Bild: Auf den
Geldscheinen und da am Tor ist er noch, der Mao, sonst sieht man
ihn kaum. Ob bzw. wie viele Chinesen sich darüber im Klaren
sind, was Mao Tsetung für Leiden über die Bevölkerung
gebracht hat, dazu können wir leider nichts sagen. 3. Bild:
Im tibetanischen Lhasa waren wir nicht, aber auf dem
Tiananmen-Platz hatte man ein Modell aufgebaut.
Die Verbotene Stadt
9000 Zimmer bzw. nach einer anderen Version
9999 (in Worten: neuntausendneunhundertneunundneunzig) Zimmer
soll sie haben. (Die 9 ist wegen der gleichen Aussprache wie Glück
eine Glückszahl im Chinesischen. Im Japanischen ist 9 ein
Homophon von Leiden und wird deshalb gemieden.) Ich will
niemanden mit der Beschreibung der Zimmer langweilen. Eintritt
kostet nur 40 RMB. 5 Stunden sind wir da herumgelaufen. Riesig,
aber nicht das Tollste auf dieser Reise.
In der verbotenen Stadt lebte der Kaiser mit einer Unmenge von
Konkubinen (die Nachkommenschaft des Kaisers war wichtig) und mit
Eunuchen (als Diener). Während der Ming-Zeit wurde die Zahl
der Konkubinen allerdings auf unter hundert beschränkt.
Potenzprobleme? Die Konkubinen waren nach Rängen geordnet. Für
die oberen drei Ränge gab es nur jeweils eine Konkubine,
aber je niedriger der Rang, desto größer die Anzahl
der Konkubinen. (Für die Details siehe einschlägige
Werke!) Ich weiß es ja nicht genau, aber das mit dem
kaiserlichen Beischlaf lief wahrscheinlich so: Mit der
erstklassigen Konkubine verkehrte der Kaiser viele Male am Tag
sexuell, sagen wir 30x, mit der zweitrangigen 20x etc., die
niedrigste Kaste der Konkubinen kam wahrscheinlich nur einmal pro
Tag dran.
Chinesische Männer sollen zwar von der Anatomie her nicht
mit Größe gesegnet sein, aber die Performance ist außerordentlich.
Ein Engländer und ein Chinese trieben es mal eine Nacht lang
mit Prostituierten um die Wette. Der Engländer hatte für
jeden seiner drei Orgasmen einen Kreidestrich an die Wand
gemacht. Als der Chinese morgens ins Zimmer kommt, stöhnt
er: "Was!? Einhundertelf!! Einen mehr als ich! Verdammt!
Knapp verloren!"
Erste, interessante Fotos aus der Verbotenen Stadt:
| Da steht so etwas wie: "Ein
keiner Schritt nach vorn ist ein großer Schritt für
die Kultur." Ist wohl eine Verballhornung von Neil
Armstrongs berühmten Satz beim Betreten des Mondes. China war ja früher mal berühmt für seine "Nihao"-Toiletten. "Nihao" heißt "Guten Tag". Die Leute hatten früher in ihren Wohnungen keine Toiletten, sondern trafen sich grüßend zum "Geschäft" am "Gemeinschaftsloch". |
Abgesehen von einer Busstation, deren
Toiletten selbst fürs "große Geschäft"
nur 1m hohe Wände, keine Türen, keine Sitze, nur eine
Art Bach zw. den Beinen hatte, waren alle Städte, die wir
besuchten, ausreichend mit sauberen, kostenlosen, westlichen
Standards entsprechenden Toiletten ausgerüstet. Die
Situation war eigentlich besser als in Deutschland, wo es zu
wenige öffentliche Toiletten gibt und die auch noch kosten.
In Japan gibt auch überall kostenlose Toiletten.
Die Verbotene Stadt wird für 2008 hergerichtet. Das sah dann
so aus:
Unten: Die Philosophie des Kaisers (und
eine tiefe buddhistische Weisheit). Von rechts nach links
gelesen: Nichts-Tun. Viele der kaiserlichen Räumlichkeiten
sind nach Frieden und Harmonie etc. benannt, sehr im Gegensatz
zum realen Alltag, zu dem Morde, Intrigen, Kriege, das Auspressen
der Bevölkerung, Gräuel und Grausamkeiten gehörten.
Zweites Bild: Verbotene Stadt von oben.
Der Kaiserpalast (die Verbotene Stadt), die Chinesische Mauer (nicht besichtigt), 12 bzw. vor Kreuzungen für Rechts- und Linksabbieger 14spurige Straßen, alles gigantisch, auch der Sommerpalast (http://de.wikipedia.org/wiki/Neuer_Sommerpalast_(Peking)) mit dem künstlich angelegten Kunming-See (http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/reisen/wke/index,page=1860924,topic=106700.html). Linkes Bild. Bescheiden dagegen die Unterkünfte der einfachen Leute im traditionellen Hutong. Rechtes Bild.
Essen:
| Ich sagte ja schon: Chinesen essen
alles, was Beine hat. 1. Bild. Schlage am Spieß,
natürlich ohne Beine. 2. Bild: Dafür haben die Skorpione am Spieß ein paar mehr. Wie schmeckten Skorpione? - Nach dem guten Fett, in dem sie fritiert wurden. Nicht an solchen Sachen verdirbt man sich den Magen, sondern an nur halb aufgewärmten Buffets in Hotels. Am letzten Tag hat es mich da auch noch erwischt. Ich war allerdings schon eine Woche lang durch eine Erkältung geschwächt - wahrscheinlich irgend so'n chinesisches Vogelgrippe-SARS-Zeug, an dem man in drei Tagen stirbt. |
Die Puppen der Seidenwürmer am Spieß
gegrillt, habe ich auch probiert. Von der Konsistenz her
marshmallowartig, aber natürlich nicht süß. Nicht
mein Geschmack. Liebe mehr das Knackige.
Spieße mit richtigen (großen) Fleischstücken (so
was Langweiliges) gab es natürlich auch. Am Foodmarket an
der Wangfujing Dajie kostete ein Fleischspieß 5 RMB, in
anderen Seitenstraßen nur 2 RMB. In Hutong-Gegenden gab's
den gleichen, großen Fleischspieß für 0,5 RMB.
Fernsehen: Da ich erkältet
war, gönnte ich mir die letzten Tage etwas mehr Ruhe und sah
viel fern. Chinesische Glotze bringt wie bei uns viel Seichtes
und Albernes. Und manch eine politische Nachricht und Meinung ist
wie bei uns kritiklos von Amerika übernommen, dass man sich
fragt, wo bin ich?
Was mir an Nachrichtensendungen positiv auffiel, war die schnelle
Folge der Themen und das Untermischen von Meldungen mit großem
Unterhaltungswert. Chinesen sind keine Schlafmützen, die
wollen Tempo! (Im Gegensatz zu Japan, wo eine Meldung, wie z. B.
die Entführung von Japanern durch Nordkorea vor 30 Jahren
100x durchgekaut wird, sehr zum Nachteil anderer Themen.)
Ch. Fernsehen brachte auch interessante Dokumentionen aus aller
Welt (z. B. Abenteuerreise v. Chinesen durch Afrika und westl.
Dokumentarsendungen) und aus China.
Unter anderem wurde im chinesischen Fernsehen sehr lobend und
ausführlich über ein Projekt der Hanns-Seidel-Stiftung,
nämlich über das Dorf Nanzhanglou in der
ostchinesischen Provinz Shangdong berichtet. Es war beeindruckend
zu sehen, wie sich das Leben der Dorfbewohner, die zuerst nur in
Lehmhütten (mit Schlangen und Ratten als ungebetene Gäste)
schlecht genährt lebten, in nur wenigen Jahren verbesserte.
Heutzutage haben sie feste Häuser, Fernsehen, Kühlschrank,
Moped, medizinische Versorgung, Supermarkt, Schule,
Gemeinschaftshalle etc. In der Gemeinschaftshalle hatte jede
Familie für einen Familienvertreter einen festen Platz, so
dass sie bei Besprechungen, die das Dorf betrafen, vertreten war.
Soviel direkte Demokratie möchte man sich wünschen.
(Siehe auch http://www.china.ahk.de/gic/biznews/industries/agriculture/china-198113.htm)
Religion: Ich weiß zwar nicht, wie stark
Chinesen noch an Staat und Partei glauben, aber ihre anderen Götter
sind nicht so aufdringlich, wie der Christen oder Mohammedaner
Gott mit "Du sollst anderen Leuten deinen Glauben
aufzwingen", sondern man macht es wie in Japan umgekehrt:
Man lässt sich von den Göttern nichts sagen, sondern
wirft ihnen ein Almosen hin und sagt ihnen, was sie zu tun haben.
Meistens sollen sie machen, dass man die Prüfung besteht
oder/und reich wird.
Obwohl es nur Almosen sind: Auch in China macht Religion fett,
wie man sieht:
Hier noch politisch nicht korrekte Buddhas. Wenn man in D. so keck das Hakenkreuz an der Brust zeigte, riskiert man Gefängnis. Von wegen Menschenrechte!
Sich die Götter zu Dienern zu machen
und nicht sich selbst zum Diener Gottes, ist nur ein Aspekt, der
zeigt, wie praktisch Chinesen sind. Im Alltag wird ein guter
Beobachter immer wieder diesen Sinn fürs Praktische,
fürs Unkomplizierte, Nützliche, Wichtige, Folgerichtige
entdecken.
Beispiel: Zweimal ist es mir passiert, dass der Taxifahrer, weil
er mit der Adresse nicht zu viel anfangen konnte, mir sein Handy
in die Hand drückt und sagt: "Nun gibt mal die Nummer
ein, damit ich fragen kann, wie ich da am besten fahre."
Auch bei der 1957 offiziell eingeführten Romanisierung des
Chinesischen dem Pinyin zeigt sich dieser Charakter: Das "ü"
in "Lüse" (=Öko) schreibt man wie wir oben
gesehen haben mit "ü", aber man schreibt es mit
"ü", weil es auch die Silbe "lu" gibt.
Hinter den Konsonanten "j" (gesprochen
"dsch"), "q" (gespr. "tsch") und
"x" (gespr. "sch") schreibt man kein "ü",
sondern nur ein "u", obwohl man es "ü"
spricht. Denn nach diesen Konsonanten folgt nie ein gesprochenes
"u". Was für eine Arbeitsersparnis! Warum sind
unsere Sprachreformexperten nicht darauf gekommen? Statt sich
über gemäßigte oder ungemäßigte
Kleinschreibung, die nur zu Mißverständnissen führt,
futile Gedanken zu machen, hätten sie die Umlautzeichen, wo
sie überflüssig sind, abschaffen sollen: "Bist du
gut zu Vogeln?", da weiß doch jeder, dass das
"o" "ö" gesprochen werden muss.
In Japan genießen die Chinesen leider keinen sehr guten
Ruf, was schade ist. Zum einen bohren Chinesen japanische
Erdgasfelder im Chinesischen Meer - wie einst Kuwait die
irakischen Rumaila-Ölfeld - von der Seite an, zum anderen
sind Chinesen, obwohl es hier gar nicht so viele Chinesen gibt,
außergewöhlich häufig an Einbrechen u. a.
Verbrechen beteiligt. Aber das zeigt auch wieder, wie praktisch
Chinesen sind: Wenn sich Verbrechen im eigenen Land wegen
drakonischer Strafen nicht lohnen, geht man eben ins Nachbarland,
wo man weniger Biß hat. Wenn die wüßten, wie
sanft richtige Verbrecher (nicht "Verkehrssünder",
Politisch-Unkorrekte und Meinungsdeliquenten!) in D. angefasst
werden, würde die alle nach D. drängen!
Laut eigenen Angaben werden in China pro Jahr an die 10 000 Leute
hingerichtet: http://www.tagesspiegel.de/tso/aktuell/artikel.asp?TextID=36924. Ein jap. Chinakorrespondent meinte, dass es für
Chinesen selbstverständlich ist, dass man hingerichteten
Verbrechern Organe entnimmt. Da Verbrecher der Gesellschaft
geschadet haben, geben sie mit ihren Organen der Gesellschaft
etwas Nützliches zurück. Es ist also eine Art
Wiedergutmachung. So sehe ich es auch. Allerdings bin ich nur für
Todesstrafe bei Mord, allerdings für jede Art von Mord, Ehre
etc. hin oder her. (Für Dumme: Notwehr ist natürlich
kein Mord. - Wird aber leider gerade im Westen leicht verfolgt
und bestraft!) (Zur Organentnahme: http://www.flensburg-online.de/diverses/china-hinrichtungen.html Fegt lieber vor der eignen Haustür! Ihr
blinden Hühner!)
Hinrichtungswagen mit Giftspritzen gelten als "großer
Sprung nach vorn" zur humaneren Todesstrafe: http://www.politikforum.de/forum/showthread.php?threadid=54458. China soll nach meinen Informationen tatsächlich
Drogenbesitz und sogar schon Prostitution mit dem Tode bestraft
haben. Schon ein bloßes Drogen- und Prostitutionsverbot
(wie in den meisten westl. Ländern) halte ich für ein
Verbrechen. Siehe mein "Konzept für Freiheit" http://www.hpo.net/users/hhhptdai/hp.htm.
Was mir noch Praktisches in Ch. aufgefallen ist:
Bestattungsunternehmen findet mal gleich vor den großen
Krankenhäusern! Keine falsche Scham!
Fazit: Mir hat es in China gefallen. Man hatte
mir zwar gesagt, ich würde es in China allein schon wegen
der vielen Raucher nicht aushalten, aber Chinesen nehmen beim
Rauchen sehr viel mehr Rücksicht auf ihre Mitmenschen als z.
B. deutsche Raucher, von denen die meisten selbst noch im
dichtesten Menschengedrängel rauchen.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass es für mich
interessant wäre, ein paar Jahre in China zu leben, um Land
und Leute noch besser kennenzulernen.
Diesmal haben wir nur Großstädte gesehen. Eigentlich
liebe ich aber das Ländliche und die Natur. Am liebsten würde
ich mit meinem eigenen Camperbus durchs Land fahren.
Ich hasse es ja zu fliegen, besonders die weite Strecke von Japan
nach D., eigentlich hasse ich aber sämtliche öffentliche
Verkehrmittel, weil ich als Fahrgast nicht in Kontrolle bin. Bin
nicht gern fremden Menschen auf Gedeih und Verderb ausgesetzt.
Ich denke mir, wenn ich einmal mehr Zeit habe (hoffentlich bald),
werde ich wie ein Zugvogel zum Sommer zw. meiner Wahlheimat Japan
und der alten Heimat Deutschland mit dem Auto hin- und herfahren.
Tatsächlich haben schon Leute China mit dem eigenen
Auto bereist:
Angelika Nido und Mario Wältys Bericht
über ihre Überlandexpedition von Wallisellen in der
Schweiz über China nach Australien mit einem Toyota
Landcruiser enthält zwei ausführliche und
hochinteressante Kapitel über ihre China-Erfahrungen:
http://www.swisstrans.com/overland_expedition/index.htm "...Hindernisse auf dem Weg über die
gewaltige Landmasse sind nicht etwa Gebirgszüge oder Gewässer,
sondern die von Menschen geschaffenen Grenzen, Bestimmungen und
Formalitäten." Gerade China war für die beiden in
dieser Hinsicht frustierend. Kann man gut nachfühlen.
Deutschland - China mit dem Auto hin und zurück: 30.104 Kilometern in 71 Tagen! http://www.chinafahrt.de/haupt.html, http://www.chinafahrt.de/tagebuch.html
Für die Strecke Japan - Deutschland könnte
ich mich aber auch nach Wladiwostok (statt nach Shanghai)
einschiffen lassen. Seit 2004 ist die Trans-Sibirien-Highway
fertig. Japaner sind sogar mit dem Solarmobil durch ganz Russland
bis Dänemark gefahren. 11 000km in 30 Tagen: http://jonasun.com/russia/ und
http://www.jonasun.com/~hiroweb/russianj-route.html
Auch ein deutscher Abenteurer war schon mit seinem Motorrad dort
unterwegs: http://www.ontheroad.de/aeltere_berichte/russland_i/
Weitere Links zu China:
Transrapid Video: http://www.getting-around.de/artikel_87_1.html?L=81
China ist unbeschreiblich! http://www.getting-around.de/Land_China.html
Reisebericht Shanghai: http://www.fht-stuttgart.de/Bauingenieurwesen/Partnerhochschulen/Berichte_Studenten_SH/Berichte_Studenten_SH/de
Reisetagebuch zweier Studenten http://www.ly-web.de/2.html
Das war's. Vielen Dank für den Besuch meiner Webseite!
Holger Hermann Haupt
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