Auf Reise in China und Japan April/Mai 2010

Die Besucher meiner Webseiten sind herzlich eingeladen, uns zu begleiten.

Für die, die nicht über meine Eingangsseite (http://www.hpo.net/users/hhhptdai/arachnoideenindex.htm) auf diese Seite gestoßen sind: Ich lebe in Japan. Ich habe in jungen Jahren Deutschland verlassen - das war Anfang der 70er - und mich im Nahen Osten und in Südasien herumgetrieben. In Japan lebe ich mit Unterbrechungen, seit ich wegen der drohenden Machtübernahme der Khmer Rouge Ende 1974 Kambodscha verlassen habe. (Siehe auch meinen Kommentar zum Vietnam- und Kambodscha-Krieg http://www.hpo.net/users/hhhptdai/vietnam.htm und vielleicht Vietnam- und Kambodscha-Reise 2001 http://www.hpo.net/users/hhhptdai/vietnamreise.htm )

Im Vorfeld unserer Reise wurde Kritik geübt, dass ein "Libertärer" wie ich nach China fährt, wo "man Regimegegner wie Liu Xiaobo zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt". Kurz die Fakten zum Fall: Xiaobo wollte in China einen Regierungssturz durch öffentlichen Ungehorsam herbeiführen und wurde wegen Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt. Das BRD StGB § 81(1) sieht übrigens noch höhere Strafen für ein solches "Vergehen" vor:
„Hochverrat gegen den Bund: 1.) Wer es unternimmt oder durch Drohung mit Gewalt 1.den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu beeinträchtigen oder 2. die auf dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland beruhende verfassungsmäßige Ordnung zu ändern, wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder mit Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren bestraft.“
Trotzdem ist Kanzlerin Merkel "bestürzt" über die Strafe (spiegel.de, 25.12.2009).
Als freiheitliebender Mensch ist man auf diesem Planeten überall ganz und gar am falschen Ort: Überall Staaten mit Drecksregierungen und zwischen den Staaten ist auch kein Platz: Aus meinem "Adjuna" http://www.hpo.net/users/hhhptdai/adj.htm dazu:

>>Der Staat - ein Nachkomme Stock schwingender Lüstlinge

Wir leben nicht freiwillig im Staat, unterm Staat; überall sein Gesetz, sein Wort, sein Gesetzeswort, seine stehlende Hand, sein waffenstrotzender Wahnsinn, Vernichtungswahnsinn, an dem auch der Bestohlene eine Schuld trägt.
Mag dieses unwürdige Gebilde auch dem Pöbel Freigehege, Stall und Hühnerhag und -hof sein und seine Hackordnung für manch einen Instinktbedürfnis, selbst Hühnerzüchter befinden sich darunter, für mich ist er die alte Kette und Schmach, der Nachkömmling stockschwingender Lüstlinge, gern würde ich diesem fetten Monster den Rücken zudrehen, aber wäre ich auch noch so schmal, ich könnte mich nicht zwischen die Staaten zwängen, man würde mich selbst als Flunder oder Briefmarke noch zerreißen. <<

Und wer die BRD, Österreich, EU oder die USA, die zehnmal mehr Leute einlocht als China, erträgt, der sollte sowieso das Maul halten. In der BRD wurde gerade erst - wie widerlich, dreckig verlogen doch Politiker sind! - ein Horst Mahler ohne jede Schelte der Kanzlerin für seine Meinung zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Merkel hatte sich noch extra empört, dass der 51jährige Xiaobo ein alter Mann sei, wenn er aus dem Knast kommt. Was ist wohl der 73jährige Horst Mahler nach seinen 13 Jahren Haft? Und in Österreich wurde der Autor Gerd Honsik für seine Meinungsäußerungen zu 5 Jahren Haft verurteilt (später auf 4 Jahre reduziert) usw. Unterdrückung und Gedankenpolizei gibts überall. Aber selbst wenn man mit großen Themen wie, ob Meinungen richtig oder falsch sind, nichts zu tun haben will, im Kleinen, im Privatleben gibt es gerade in der BRD viel Unterdrückung: Haus und Garten darf man nicht gestalten, wie man will, und Auto fahren darf man schon gar nicht, wie man will. Da muss man seine Vernunft ganz auf der Strecke lassen.

Aber kommen wir endlich zur eigentlichen Reise:
Wir, meine Frau und ich, wohnen im Nordosten Japans in Iwaki, 230 km von Tokio. Zur Fähre Kobe - Shanghai fuhren wir, da wir es eilig hatten, mit unserem Auto (siehe http://www.hpo.net/users/hhhptdai/autoseite.htm) über die Autobahn.
Deutsche werden über die Höhe der Autobahngebühren staunen:
Die erste Strecke bis Tokio kostet für ein "normales" Auto und unser Auto ist ein normales Auto, wenn es auch nicht so aussieht, 4800 Yen. Wäre es über 5 m lang und nicht 2,79 m, sondern 2,80 m hoch wäre es eine Nummer größer und etwas teurer! (100 Yen entsprachen z. Z. ca. 0,90 Euro.) Diese Autobahn ist neu und sehr gut ausgebaut. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit ist deshalb für japanische Verhältnisse sehr hoch, am höchsten (!), beträgt aber trotzdem nur 100 kmh.
Die Stadtautobahn durch Tokio kostete 700 Yen.
Die Strecke bis in die Nähe von Kobe kostete 11100 Yen (also rund 100 Euro). Diese Autobahn ist älter und kurvenreicher. Hätte ich in einem besseren Auto gesessen und nicht auf dem Fahrgestell eines über 20 Jahre alten Lkws hätte mich die Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 kmh aber sicher zum Wahnsinn gebracht. Interessant, dass der Ausdruck "Das bringt mich auf Achtzig" im Deutschen ein Synonym für "Das macht mich wütend" ist.
Die Stadtautobahn durch Kobe zum Hafen kostete uns noch einmal 500 Yen.
Aber im Hafen von Kobe konnten wir dann unser Auto für 9000 Yen einen ganzen Monat parken. Zwei Nächte haben wir im Auto übernachtet und am Tage Kobe und Osaka besichtigt.

Die Bilder unten wurden im Merican Park in der Nähe des Hafens gemacht. Merican? Was heißt das? Als Japan Mitte des 19. Jahrhunderts von General Perry aus seiner "splendid isolation" wachgerüttelt wurde, hatte es noch keine scharfen Ohren für das verschluckte A in "American", so fand das Wort Merican Zugang zur japanischen Sprache.

Verbotsschilder auch hier, ein bisschen netter als "Zuhause", siehe auch meinen Text Japaner als Schildbürger

Drachen steigen zu lassen, scheint aber noch nicht verboten zu sein.

Habe noch nie so viele kleine Drachen an einer Schnur gesehen.

Erhaltene Spuren des großen Hanshin-Awaji-Erdbebens vom 17. Januar 1995. 6434 Leute verloren damals ihr Leben.



Das Osaka-Schloss auf einem Love-Hotel. 1975 hatte ich zuerst bei verrückten Hippies in einem Kofi-Shoppu (= Café) in Tennoji (in Osaka) gewohnt. Wie verrückt? Die Leute nannten ihren Laden "Mantohihi" (= Bergpavian)! Leider war das Stadtviertel völlig umgebaut und nicht wieder zu erkennen.
Love-Hotels sind in Japan sehr populär, da junge Leute oft in billigen Unterkünften, deren dünne Wände wenig Privatsphäre bieten, wohnen. Wir haben uns auch dort für zwei Stunden eingemietet, hauptsächlich um richtig zu baden, denn leider findet man die berühmten Badehäuser nicht mehr wie früher an jeder Ecke. Japaner baden wie Deutsche heutzutage zu Hause.

Und so sieht das richtige Osaka-Schloß aus.

Vor der China-Reise einen Abstecher zur Chinatown in Kobe.

Auf der Fähre nach Shanghai...

Das sind wir. Hier sitzen wir zwar zusammen, aber wir haben die billigste Klasse genommen, Kojen, acht in einer Kabine, und die sind nach Geschlechtern getrennt. Man kann auch in noch größeren Sälen auf Futons schlafen.
Hin und Zurück kosten 30 000 Yen, plus 3000 Yen verlogene Surcharge für hohe Treibstoffkosten.
In meinem Zimmer kam ich mit einem Japaner ins Gespräch, der Chinesisch studiert hatte und schon 15 Jahre in China lebte. Ein wahrer Freigeist. Er liebte das Leben in China gerade wegen der Freiheit dort. Chinesen hatten seiner Meinung nach viel mehr geistigen Spielraum als Japaner und wenig Respekt vor Vorgesetzten, und der Regierung glaubten sehr viel weniger Leute als in Japan. Tatsächlich haben viele Japaner wie ja auch Deutsche das Hündische so richtig intus, dass sie die idiotischsten Verbote auch dann noch befolgen, wenn die staatliche Überwachung ihnen nicht auf die Pfoten schaut.

Meine kleine Frau vor der großen Akashi-Kaikyou-Brücke über dem japanischen Inlandmeer.

  Japanischer Text ist komisch. Etwa wie "Verboten des Besteigens". Aber so sind Chinesen. Sie nehmens nicht so genau. Ich selbst sage ja auch immer: "Das Wichtigste ist, Fünf gerade sein zu lassen".

Kai in Shanghai. Immigration, Zoll etc. Auf unserer Reise im November 2006 (http://www.hpo.net/users/hhhptdai/chinareise2006.htm) stand hier noch gar nichts. Man wühlte nur in staubiger Erde herum.

Zwei in Shanghai.
Gewohnt haben wir im Broadway Mansions. Gebaut im Jahre 1934, war dieses Hotel mit seinen 19 Stockwerken lange Zeit das höchste Gebäude Shanghais. Der Foreign Correspondents’ Club war in den 30er Jahren in dem Hotel untergebracht und die Korrespondenten nutzen die gute Aussicht, um über die japanische Bombardierung der Stadt im Jahre 1937 zu berichten. Das Hauptquartier der japanischen Armee war während des 2. Weltkriegs auch hier untergebracht.
Hotel war gut.
Die Gegend hinter unserem Hotel sah jedoch noch ein bißchen schäbig aus:

Im Hintergrund das Shanghai World Financial Centre (492m hoch). Stand 2006 auch noch nicht.

Es ist zwar nicht der höchste Wolkenkratzer der Welt, aber es hat den höchsten Skywalk der Welt. Die Gebäude, die zur Zeit eine größere Höhe für sich in Anspruch nehmen, tuen es dank elaborierter Antennentürme.

Wie man sieht, haben die Konstrukteure aus den Terroranschlägen auf das WTC gelernt und eine Öffnung für Flugzeuge zum Hindurchfliegen gelassen.

Von unten gesehen.

Natürlich waren wir auch oben:

Blick aus dem Fenster

Blick aus dem Skywalk-Fußboden-Fenster

Blick aus dem Klo-Fenster

  Beinahe wäre ich rückwärts durch die Scheibe gefallen.

Das zweigrößte Gebäude Chinas, der Jinmao Tower (nur 420,50m). Am Fuße gibts wieder "Verbot des Besteigens"-Schilder. Nicht so absurde, wie es erscheint. Ein Schuhverkäufer aus Anhui bestieg das Gebäude im Jahre 2001 - angeblich spontan, und der französische Spiderman Alain Robert bestieg das Gebäude im Jahre 2007, nachdem die Behörden seinen Antrag auf eine Genehmigung fürs Besteigen zweimal abgelehnt hatten, ohne Genehmigung.
Nicht, dass ich mich viel um Verbote schere, aber bestiegen habe ich den Tower nicht.

Ein wahres Kunstwerk dieses SWFC. Schlicht und schön. Und ähnelt doch einem banalen Flaschenöffner. Tatsächlich werden Modelle als Souvenir-Flaschenöffner angeboten.

Und ein neuer, höherer und schönerer Skyscraper ist schon im Bau:

Fotos von Plakaten an der Baustelle

Weitere Bilder aus Shanghai:

Durchfahrt für Pkws mit Sprengstoff auf dem Dach verboten?

Von Shanghai sind wir mit dem Zug nach Kunming gefahren. Abfahrt 18:40, Ankunft am übernächsten Tag morgens 8:15. 4-Bett-Abteil Soft-sleeper, pro Person 838 RMB (1 RMB = 0,118 Euro).
Gegen Mitternacht stieg eine junge Mutter mit ihrer kleinen Tochter zu. Sie hatten das Bett über mir und die Kleine weinte die ganze Nacht.

In China tragen Kleinkinder traditionell keine Windeln, sondern Hosen mit einem langen, offenen Schlitz. In Japan auch, aber Japaner haben diese Tradition schon abgelegt.
Diese Kleine, wie andere Kinder auch, hockte sich, als sie pissen musste, einfach hin und pisste durch ihren weit offenen Schlitz auf den Fussboden - im Abteil!
Kinderpisse scheint in China als sauber zu gelten. Damit sie nicht auch noch ihr großes Geschäft auf die Art erledigt, drücke ich hier am Digitalwörterbuch immer wieder das chinesische Wort für "Notdurft" und "verboten". Die Kleine plappert es begeistert nach. Verstanden hat sie es aber nicht.

Kunming

Hauptstadt von Jünnan (geschrieben mit den Zeichen für Wolke und Süden), sehr mildes Klima. Man sagt, hier herrsche immer Frühling, im Winter nicht zu kalt, im Sommer nicht zu heiß. Wirklich eine sehr schöne Gegend. Erstaunt waren wir auch über den hohen Lebensstandard hier in der letzten Ecke Chinas kurz vor der Grenze nach Laos und Myanmar.

In Kunming hatten wir zuerst ein Zimmer im 8ten Stock eines billigen Business Hotels, namens Home Inn, für 209 RMB , sehr sauber und gut. Trotzdem sind wir nach einer Nacht in die Backpacker-Absteige "The Hump" umgezogen. Da ist mehr los und Reisetips bekommt man auch. Zimmer war gleichwertig, aber leider war die Gegend nachts sehr laut.

"The Hump" hat Atmosphäre:

Bilder aus Kunming:

Tofu, ein quarkähnliches Nahrungsmittel aus Sojabohnen, kennt man ja mittlerweise auch im Westen, aber chinesischer Stink-Tofu ist völlig unbekannt. Sehr, sehr gewöhnungsbedürftig. Hier wird "Unter-dem-Himmel-Nummer-eins-Gestank" versprochen.

Ein Hakenkreuzler, für BRD-"Verfassungsschützer" zum Glück unerreichbar.

Luxusklo des obigen Tempelbezirks. Luxus wegen der Zwischenwände. Toiletten ganz ohne Zwischenwände gibts auch, sogar mit nur einer Längsrinne. Man hat dann die Wahl: Soll man dem Mitscheißer den Hintern oder das Gesicht zeigen. Habe solch eine Toilette tatsächlich - als Pissoirbenutzer – auf einem Busbahnhof gesehen, aber keine Fotos gemacht, da sie fleißig benutzt wurde, und ich mir nicht sicher war, ob da fotografieren willkommen war.

Reklame für Klobecken.

Kein Tempel, sondern Coffee and Beer gibts hier.

Straßenstatuen, auch in China heutzutage sehr beliebt:

Diese Figur fällt ein bißchen aus dem Rahmen. Benimmt sich wie ne offene Hose.

Im Grand View Park:

Im Hintergrund Xi Shan, die westlichen Berge (1889m hoch).

Kunst im Park. Es stand zwar "ohne Titel" daran, aber es handelt sich offensichtlich um eine Darstellung "Was Männer im Kopf haben".

In Jünnan leben 25 völkische Minderheiten. Im Yunnan Nationalities Museum, einem Freilichtmuseum, zeigen sie ihre Trachten und Tänze. Leider fielen am Tag unseres Besuches die Tänze aus. Es herrschte Staatstrauer wegen der Erdbebenopfer von Yushu in der Qinghai–Provinz (siehe http://www.chinadaily.com.cn/china/qinghai/index.html und http://www.mercycorps.org/qinghaiearthquake)

Auf dem Weg nach Xi Shan. Altes, chinesisches Sprichwort: „Wer Xi Shan nicht gesehen hat, hat Kunming nicht gesehen.“

Die Stadt Kunming in der Ferne

Auf dem Weg nach Long Men (=Drachentor).Altes, chinesisches Sprichwort: „Wer Long Men nicht gesehen hat, hat Xi Shan nicht gesehen.“

Viele kleine Tempel an der steilen Felswand.

Vor langer, langer Zeit lebte am Fuße der Xi Shan Berge ein Liebespaar. Der junge Mann war Steinmetz und er nahm sich vor, dem Vorbild von Da Yu, der das Drachentor Nordchinas geschaffen hatte, folgend, am Kliff des Luohanshan ein Drachentor aus dem Fels zu meißeln. Bevor er nicht fertig war, wollte er seine Geliebte nicht heiraten.
Er meißelte und meißelte und dann hatte er es geschafft. Das Drachentor mit Kui Xing, dem Gott der Prüfungen, bzw. Schutzgott der Prüflinge war fertig. Es war die Hoffnung der Leute, dass, wenn sie einen Tempel mit Kui Xing hätten, auch einer der ihren die Prüfung fürs Hohe Beamtentum am kaiserlichen Hofe bestehen würde.
Kui Xing wird immer mit einem Kalligrafie-Pinsel in der rechten Hand dargestellt. Und der junge Steinmetz, der jetzt schon gar nicht mehr so jung war, fand, dass der Pinsel noch etwas spitzer sein könnte. Und während er da noch ein bißchen nachbesserte, brach ihm Kui Xings Pinsel ab. Sein Werk so zerstört, stürzte sich der Steinmetz zu Tode. Und seine Geliebte, die ihn all die Jahre unterstützt, jeden Tag Lunchpakete gemacht und treu auf ihn gewartet hatte, weinte und weinte, bis auch sie tot war.

Nächste Station

Dali

Dali hat eine viereckige Altstadt, die von einer Stadtmauer mit gewaltigen Toren umgeben ist. Alles sehr schön, aber wie viele Tempelanlagen und Paläste eigentlich Micky-Mouse-Kram à la Disneyland, 20. oder gar 21. Jahrhundert. Chinesen haben ja bekanntlich während der Kulturrevolution mit Begeisterung ihre alten Kulturgüter kaputtgeschlagen.
Dass Regierung und Verwaltung jetzt soviel investieren, um an Stelle der zerstörten Sachen groß und prächtig Micky-Mouse-Kitsch zu errichten, finde ich nicht gut. Laut Lonely Planet Guide haben über 500 Mio. Chinesen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Da sollte man zuerst mal investieren, und es gibt noch viele Dinge, die nützlicher sind als dicke Stadtmauern und bunte Tempelanlagen.

Viele Gasthäuser und Restaurants sind mit viel Liebe fürs Detail sehr geschmackvoll hergerichtet.

Eines der Stadttore nach Sonnenuntergang



Straße mit fließend Wasser

Wir haben im YuYuan Guesthouse gewohnt. Diese Unterkunft war im Lonely Planet Guide besonders empfohlen. Zu Recht. Zimmer waren sauber und funktionell, und mit 80 RMB nur halb so teuer wie die kleineren Zimmer einer anderen Herberge wenige Meter weiter.

Taoistischer Micky-Mouse-Kram. Der linke Typ erinnert irgendwie an Don Quijote. Tempel war gerade fertig geworden und wurde eingeweiht, als wir da waren.

Erhai-See (= Ohrensee) mit 250 qkm der siebgrößte Süßwassersee Chinas, knappe Stunde Fußweg von Dali. Der junge Mann im Hintergrund wäscht gerade seine Wäsche im See.

 

Meine Frau hat zwar ausnahmslos jede Mahlzeit fotografiert, obwohl wir meist nur einfach und einheimisch gegessen haben, aber in dem Restaurant Yagudu (soll auf Tibetanisch "Lecker" heißen) haben wir uns mal Wein und ordentlich Fleisch gegönnt. Das Steak soll Yak sein, aber was die hier Yak nennen, sieht mehr nach Zwergrindern aus als nach den zottigen Viechern in den Höhen des Himalayas. Lecker war es auf jeden Fall. Rechte Mahlzeit ist Ente mit Crêpe.
Chinesen werden ja international geächtet, weil sie (angeblich?) Hunde und Katzen verspeisen.
Habe aber „Pudel mit Nudel“ vergeblich gesucht, auch andere Hunderassen standen nirgends auf der Speisekarte. Und den Haushund wollte auch keiner für mich schlachten. Schade.

  Dali ist eine sehr schöne Stadt. Selbst die Papierkörbe in den Straßen sind schön!

 

Nächste Station

Lijiang

Lijiang war uns aus Reisesendungen des japanischen Fernsehens NHK bekannt und zwar als alte Stadt mit vielen Wasserläufen, an denen die Bevölkerung noch ganz einfach und bescheiden wie auf dem Bild unten ihr Gemüse, Geschirr und im dritten Becken in Fließrichtung vielleicht dreckige Füße wäscht. Uns wurde aber schnell klar, dass dies nur für einen zigtausendsten Teil der Bevölkerung zutrifft. Die Altstadt ist ein riesiges Labyrith voll mit Souvenirläden. Durch die Straßen wälzten sich Menschenmengen, zu 99 % chinesische Touristen. Fand den Touristenrummel nicht so toll.

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Wir waren wohl von der Busfahrt erschöpft und deshalb zu früh schon am Osteingang der Altstadt ausgestiegen und gleich ins nächste Hotel gegangen. Ein unpraktischer, schlecht gelüfteter und entspechend muffeliger Laden, aber dafür um so toller hergerichtet:

  Das Waschbecken, unpraktisch und undicht.

 

Noch schlimmer: Der ganze Waschraum ein Aquarium!  

 

  Hier benutze ich diese Aquarium-Toilette.

Ob Chinesen, die ja traditionell "Nihao"-Gemeinschaftsklos (Erklärung siehe Reisebericht aus dem Jahre 2006 http://www.hpo.net/users/hhhptdai/chinareise2006.htm ) benutzen, so beobachtet, besser können?

Weitere Bilder aus Lijiang:

Schilder auch hier, aber hübscher als die müllartigen Schilder in Japan:

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Hier haperte es mal wieder ganz mächtig bei der Übersetzung: Slipper sind bekanntlich Hausschuhe. Gemeint ist hier aber nicht, dass wir aufpassen sollen, dass uns keine Pantoffeln an den Kopf fliegen, sondern wir sollen aufpassen, dass wir nicht ausrutschen.

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Die Westseite und schönere Seite der Altstadt. Bis hier hätten wir mit dem Bus fahren sollen.

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Was tut man nicht alles, um an das Geld der Touristen zu kommen – sogar reiten.

 Lijiang ist übrigens Naxi-Land. Die Naxis sind ein Volksstamm, der ethnisch mit den tibetanischen Qiang-Stämmen verbunden ist und matriachaisch ist. In ihrer Sprache werden Nomen durch den Zusatz „weiblich“ größer, Steine sind als weibliche Steine Felsen, als männliche Steine, bloße Steinchen etc. Was müssen Naxi-Männer doch für Männeken sein? fragt man sich da.
Einer hat uns in seinem Mikro-Bus mit in die Berge genommen. Er war ganz Macho und fuhr wie eine Wildsau mit 100 Sachen wohl doppelt so schnell wie alle anderen Verkehrsteilnehmer. Noch nie so viel Angst in einem Auto gehabt. Das Ding war überladen und schwer topplastig. War sein Fahrstil ein gewagter Versuch kein Diminutiv mehr zu sein?

Für die Altstadt Lijiang muss man als Tourist eigentlich eine Eintrittsgebühr von 80 RMB entrichten, aber an den Eingängen gibt es keine Kassierer. Geht man jedoch in ein Museum oder sonst wie kostenpflichtige Einrichtung, wie Park etc. (alles extra gemieden!), muss man neben der Eintrittsgebühr für diese Einrichtung noch zusätzlich diese Eintrittsgebühr für die Stadt entrichten. Es handelt sich also eigentlich um so ein ekelhaftes, räuberisches Inkasso wie „Kurtaxe“, neben Steuern ein zusätzlicher Raub am Bürger fürs bloße Betreten eines eigentlich öffentlichen Ortes.
Für die Berge gibt es auch eine Eintrittsgebühr von 80 RMB. An einer Mautstation, an der einheimische Fahrer nur eine geringe Straßenbenutzungsgebühr entrichten, wurde uns aber nicht nur 80 RMB für die Berge abgeknöpft, sondern auch noch 80 RMB für die Altstadt. So waren wir mit einem Schlag um 320 RMB ärmer. Der Gegenwert von 4 Übernachtungen im Doppelzimmer.

Die Berge waren allerdings schön:
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Dieser Wasserfall ist nicht natürlich, sondern wieder Disneyland, Teil einer gerade erst fertiggestellten Touristenanlage..

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Den sieht man überall. Neben Stalin und Hitler einer der größten Massenmörder des 20. Jahrhunderts. Vielleicht hat er sogar die meisten Menschenleben auf dem Gewissen. Auf jeden Fall ist er der einzige von den Dreien, der noch so offiziell an allen Ecken und auf Banknoten geehrt wird. Alle drei, ebenso wie Pol Pot, den man hier auch erwähnen sollte, waren Sozialisten, d. h. sie hatten eine geniale Idee für die ganze Gesellschaft. Da kommen Freiheit, Glück und Leben einzelner Menschen natürlich zu kurz. – Und viele furchtbare Menschen haben immer noch nicht die Schnauze voll von Politikern und Ideologen mit ihren Zwangsideen, die sie der ganzen Gesellschaft aufzwingen wollen!

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Noch nie so schlecht in China gegessen wie hier in Lijiang an pittoresquer Stelle direkt am Fluss. Total verkohltes Fleisch. Man lockt zwar eifrig Touristen herein, aber mit der Bedienung klappt es dann überhaupt nicht. Wir mussten immer wieder mahnen, dass man uns doch endlich auch den Reis und die Getränke brächte.

Teures, schlechtes Essen, Schimmel im Hotel, Touristenabzocke... Lijiang hat uns nicht gefallen. Wir setzten uns also nach zwei Tage schnell wieder in einen Bus, um zurück nach Dali zu kommen.
Wieder ein Kamikaze-Fahrer! Bei den kleinsten Lücken überholte er. Gegenverkehr und überholte Fahrzeuge mussten ständig abbremsen, damit es nicht zum Unfall kam. Plötzlich ein Polizeifahrzeug vor uns. Nun geht es wohl endlich in vernünftigerem Tempo weiter, dachte ich mir. Aber nach kurzem Zögern wurde das Polizeifahrzeug nach der gleichen Nötigungsmethode wie bisher überholt. Die Bullen sahen darin offensichtlich kein verkehrsgefährdendes Verhalten. Sie taten nichts.
In Dali wurde ich später aber Zeuge, wie die Polizei harmlose „Falschparker“  sogar abschleppte. Ein „Falschparker“ stand am Markt sogar gerade mal eine Wagenlänge ins „Naturschutzgebiet“ hinein.

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Hier auf dem Markt habe ich mir auch ein Paar leichte Schuhe für 10 RMB gekauft.

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Im Gedrängel des Marktes fielen mir zwei junge Leute auf, die sich hinter einem älteren Ehepaar drängelten. Ich wurde Zeuge, wie einer der Beiden mit langen Holzstäbchen dem Mann das Portemonnaie aus der Tasche zog, sich dann unbeholfen - also offensichtlich ein Anfänger - umschaute, ob auch keiner guckte, ohne zu merken, dass ich alles beobachtet hatte, und ihn deshalb scharf ansah. Dann verschwanden die Beiden in der Menge. Das ältere Ehepaar war auch in der Menge verschwunden.
Wie schlimm es mit Verbrechen in China ist, weiß ich nicht, da ich keine Statistik habe. Meine Erfahrung ist beschränkt: Als unser Bus mal zum Tanken hielt, wollten mir Leute in Militäruniform einen Feldstecher, erstaunlicherweise mit Zielkoordinaten, andrehen, der ihnen sicher nicht privat, sondern höchstens ihrer Einheit, gehörte.
Später in Shanghai auf der Expo hörte ich von Deutschen, die zum deutschen Pavillon gehörten, dass Kollegen der PC geklaut worden war und anderen, die sich leichtgläubig mit Chinesen angefreundet und gesoffen hatten, offensichtlich mit Schlafmittel im Bier (einem jap. Freund in Thailand auch schon passiert), Brieftasche mit Geld und Papieren entwendet worden waren.
Naja, gegen private Verbrecher hilft Vorsicht und Gegenwehr. Nur gegen die staatlichen Verbrecher ist man so gut wie hilflos. Aber immer dran denken: Auch die privaten arbeiten meist nicht allein. Und wenn man sich nicht schnell genug umdreht, hat man ein Messer im Rücken.

Kein Verbrechen in meinen Augen, aber illegal, und lästig ist die Drogendealerei. Alte Tanten (angeblich aus dem Bai-Volk) quatschen einen ständig an: „Ganja, Ganja“. Riskieren die die Todesstrafe, oder gibt es die nur für härtere Drogen? Auf jeden Fall könnten die Frauen bei einer Legalisierung der Droge einen Laden aufmachen und brauchten nicht länger Touristen am Ärmel zu zupfen und „Ganja?“ zuzuflüstern.

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Wie „Madonna“ bei ihren Konzerten. Die Marktschreierei ist auch nicht mehr, was sie mal war. Sehr viel lauter geworden...

Dali liegt ja in einem Tal. Wo ein Tal ist, gibt es auch Berge. Wir waren auf eine anstrengende Bergwanderung eingestellt. Ein Stück mit der Seilbahn und dann 8 km zu Fuß und am anderen Ende im Sessellift wieder runter.

Seilbahn Made in Austria: daliIIberge1.JPG

Den Text haben die Österreicher aber sicher nicht verbockt: daliIIberge2.JPG oder doch?

Die anstregende Bergwanderung war dann ein einfacher Spaziergang ohne jegliches Rauf und Runter:

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Was für eine Leistung einen solch ebenen Weg in steilen Bergen zu bauen!

Ich habe ja schon erwähnt, dass vieles, „alte“ Tempel, Stadtmauern etc., eigentlich Mickey- Mouse-Kram sind, aber was jetzt kommt, ist nun wirklich „Disneyland“: Die Kulissen zum  Film  „Tian Long Ba Bu“.  Eintritt 52 RMB.

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In der Mitte der Mensch rundherum die Wände bzw. Gitter = Gefangener. Schriftzeichen sind doch gar nicht so schwer!

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Trotz der vielen Touristen und des hohen Eintrittgeldes reicht es nicht fürs Reinigen.

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Die obige Pagoda steht in der Filmkulissenstadt und ist echt und alt. Sie ist vier buddhistischen Mönchen aus Japan, die zur Zeit der Ming-Dynastie nach China gekommen waren, um zu studieren, gewidmet. 1380  gab es den Putschversuch eines Ministers. Da er im Verdacht stand, Unterstützung von Mongolen und Japanern erhalten zu haben, fielen diese vier harmlosen, japanischen Mönche in Ungnade und wurden nach Dali strafversetzt. Später machte China seine Grenzen dicht und eine Rückkehr nach Japan wurde unmöglich. Die Vier sahen ihre Heimat nie wieder und starben hier in der Fremde.

Nächste Station:

Shilin (= Steinwald)

shilin1.JPG Ankunft im schlimmsten Regen. Der Busfahrer war so nett, statt an der Bushaltestelle auf der anderen Straßenseite direkt vor dem Hotel, das sich übrigens „Jugendherberge“ nannte, zu halten, damit wir nicht so nass wurden. Wir waren die einzigen Gäste. An den Wänden konnten wir die gleichen Fließspuren, die es auch an den Felsen des Steinwaldes (mit feierlicher Erklärung für die Touristen) gab, bewundern.

Bilder aus dem Steinwald:

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Am Eingang. Zum Glück hatten wir am nächsten Tag wieder schönes Wetter.

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shilin4.JPG Shilin. Von rechts nach links lesen: „Lin“, also Wald besteht nur aus 2 Bäumen. Japaner haben auch große Wälder, für die man 3 Baumzeichen braucht.

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Bei den jungen Touristinnen war ich sehr populär. Dutzende wollten mich (!)   --- allerdings leider nur fotografieren. Ich habe aber auch nicht weitergefragt...

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Wieder

Kunming

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Ich laufe ja meist auf Birkenstock herum. Dieser gute Mann macht mir neue Sohlen unter meine abgelaufenen Latschen.

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Polizei, umweltfreundlich in abgasfreien Elektrokarren. Man sieht eigentlich viele Polizisten, aber sie machen einen sehr zivilen Eindruck, laufen im Allgemeinen ohne Schußwaffe und Knüppel herum. Selbst in Japan, wo von offizieller Seite immer rumgesponnen wird, wie friedlich und freundlich man doch sei, läuft noch der letzte Dorfbulle schwerbewaffnet mit Knarre und Knüppel herum. Ein beunruhigender Anblick.

Nächste Station wieder

Shanghai

shanghai2astorhousehotel.JPG Übernachtet haben wir diesmal im Astor House Hotel (chinesischer Name Pujiang Hotel http://www.pujianghotel.com/index.htm ).  1846 war es das erste moderne, westliche Hotel Chinas. Berühmtheiten wie Einstein, Bertrand Russell und Charlie Chaplin haben vor uns da gewohnt.

Shanghai-Shibofei (=Expo)

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Am Eingang: Der Andrang war enorm. Wie man sieht: Alles drängelt sich. Die chinesischen Medien überschlugen sich ja auch vor Begeisterung.

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Poster einer Zukunftsvision. Dieses idiotische Thema durfte natürlich nicht fehlen. Stahltürme mit Windmühlen, die einen Bruchteil der Energie, die man beim Bau hineinsteckt, bei günstigem Wind wieder hergeben. Globale Lügen dürfen auf Weltausstellungen nicht fehlen.

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Dieses chinesische Volontär-Mädchen wollte mir unbedingt von ihrer Heimatprovinz erzählen. Interessiert mich überhaupt nicht, aber junge Mädchen mag ich nun mal. Ich habe sie hier schon überzeugt, ihr Mikrofon auszuschalten und sich normal mit mir zu unterhalten. Freiwillige Helfer (viele mit guten Englischkenntnissen) gab es massenweise auf der Expo.

Die nächtliche Beleuchtung war sehr eindrucksvoll. Unser erster Expo-Besuch war abends. Abendeintritt 90 RMB.

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Oben: Pavillon von Taiwan

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Die Expo hatte einige organisatorische Schwachpunkte: Schlechte Verbindungswege war einer. Das Expo-Info-Kiosk im Stadtzentrum schickte uns in einen normalen Linienbus zur abendlichen Stoßzeit. Der Bus wurde übervoll und fuhr Umwege. Unterwegs wurde ich von aussteigenden Menschen aus dem Bus gedrängt und von meiner Frau getrennt. Beim Versuch doch noch wieder mitgenommen zu werden, zerquetschte mich fast die Tür.
Am nächsten Tag wollten wir es mit dem Expo-Sonderbus, der in der Nähe unseres Hotels abfuhr, versuchen, aber der war nur für Leute mit Expo-Eintrittskarten. Dummerweise hatte unser altehrwürdiges Hotel keine Expo-Eintrittskarten! Das Nachbarhotel Broadway Mansions auch nicht.
Wir entschieden uns also für ein Taxi. Aber irgendwelche Apparatschiks hatten auch das Taxinehmen verkompliziert. Normale Taxen durften nicht bis in die Nähe des Expo-Geländes, man musste dafür extra Expo-Taxen engagieren!

Der Eintrittspreis wurde auch verkompliziert: Peak Days kosten 200 RMB. Normaler Eintritt 160 RMB. Special admission 100 RMB. Habe lange an den leeren Schaltern herumdiskutiert, ob man mit der Sondereintrittskarte auch alles sehen kann, und da mir versichert wurde, das könne man, haben wir die dann genommen. Später beim Lesen des Kleingedruckten stellt sich heraus, dass special admission für Senioren über 60 (bei mir fehlt da noch ein ganzes Jahr), Behinderte und deren Begleiter, Kinder über 1,20 m (unter scheinen nichts zu kosten) etc. ist. - Naja, 60 RMB gespart.
Für den Vorverkauf galt einerseits je früher desto billiger, andererseits gab es aber auch eine Reihe von Einschränkungen, Peak Day etc. - auch sehr kompliziert.

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Der deutsche Pavillon... erinnerte mich an Hitlers Betonbauten an der Normandie. Die anstehenden Menschen davor schlängeln sich sehr viel mehr als nur einmal um das Gebäude. Meine Frau hat anderthalb Stunden angestanden, um reinzukommen. Fotos, die sie gemacht hat:

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Digitale Küche. Die digitale Mahlzeit macht aber niemanden satt. – Höchstens digitale Menschen.

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Viele Japaner haben von Deutschland eine Neuschwanstein-Kitsch-Vorstellung. In China wohl ähnlich, oder man ist auf dem Weg...

Die berühmte Kugel, die sich durch Interaktion mit Menschen verändert.

Während meine Frau lange anstand, um ein paar, populäre Pavillons zu sehen, bin ich herumgewandert, habe mit Volontärinnen geflirtet, und bin da hineingegangen, wo man nicht so lange warten musste. Fürs Hamburger Öko-Haus http://www.hamburg.de/contentblob/1332744/data/hamburg-haus-expo-shanghai-daten-fakten.pdf wie für andere Öko-Häuser in der Ecke interessierte sich überhaupt keiner.
Für chinesische Shipping Line, Railroad und einige andere Pavillons musste man zwar ca. eine Viertelstunde anstehen, aber innen war nichts los. Irgendein Organisationsunsinn?
Einige arabische Pavillons, die eigentlich nur Verkaufstände ohne Kunden (!) waren und riesige Ein- und Ausgänge hatten, musste man unbedingt vom Eingang her betreten. Chinesisches Wachpersonal ließ einen nicht durch die großen Ausgänge hinein. Habe mir bei den Arabern ein neues „Nachthemd“ gekauft. Seit ich in meiner Jugend Gebrauchtwagen in den Orient gefahren habe, benutze ich arabische Gewänder als Nachthemd und das vom lybischen Stand der Hannover Expo 2000 ist schon verschlissen.

Da ich in Jünnan im chinesischen Fernsehen gesehen hatte, dass es Fähren von Shanghai zum Expo-Gelände gab, wir die aber nicht gefunden hatten, erkundigte ich mich an einer zentralen Information auf dem Expo-Gelände nach den Fähren. Drei gut gelaunte Leutchen, die sehr gut englisch sprachen, nichts zu tun hatten und sich über meinen Besuch freuten, erzählten mir, dass es eine Fähre gäbe, die Leute zur Expo brächte, aber keine Leute zurückbringe. Ich meinte natürlich, dass das idiotisch sei. Und die meinten, „hier“ sei vieles idiotisch. „Hier“, das war zunächst einmal die Expo. Es stellte sich aber dann schnell heraus, dass sie ganz China meinten. Lange rumgespottet mit denen – über Leute, die sich anmaßen zu regieren.
Die Expo war wirklich nichts so Tolles. In vielen Pavillons hingen auch nur ein paar Bilder, die man sich fast genauso gut in einem Prospekt hätte anschauen können.

Was wir uns außer der Expo noch anschauen wollte:

China Sex Culture Museum

Leider hatte das Museum dicht gemacht.  Also keine Jade-Dildos, Eunuchen-Kastriermesser etc. gesehen. Wir haben aber auch immer Pech! Das Erotik-Art-Museum in Hamburg war schon dicht, als wir es uns endlich mal ansehen wollten.

Wir haben uns dann anderen perversen Kram angeguckt:

Propaganda Poster Art Centre http://www.shanghaipropagandaart.com (Webseite zeigt viele Poster!)

In einem Gespäch mit dem Chef des Museums, Yang Pei Ming, stellte sich heraus, dass er kein Mao-Fan ist, sondern eher ein Freigeist - und ein sehr interessanter Gesprächspartner.

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Heil Mao! – Dank meines kleinen (chin. /jap.) Digitaldictionaries kann ich die Phrasendrescherei sogar verstehen. 

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Wieviel subtiler man doch geworden ist...

So, zum Schluß noch ein chinesisches Taxi von innen:

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Wieviel Angst muss man haben, um sich so zu vergittern? Fast alle Taxen sind so, außer Expo-Sonder-Taxen.

 

Von Shanghai sind wir dann wieder mit der Fähre zurück nach Kobe:

Japan

Ich finde es ja schöner, mit dem eigenen Auto http://www.hpo.net/users/hhhptdai/autoseite.htm herumzugurken und obendrein noch darin zu wohnen.

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Auf der Insel Awaji: Das da ist keine Welle, sondern ein riesiger Strudel. Solche Strudel entstehen hier an der Naruto-Meeresenge zum Seto-Binnenmeer wegen der Strömung, die durch den Gezeitenwechsel entsteht.

Auch auf Awaji-shima:

Hokudan (=Nordfalte) Earthquake Memorial Park http://www.nojima-danso.co.jp/aboutpark.php

j2dansou.JPG Am 17. Jan. 1995 ist die Erde an dieser Stelle um 1,20 m verrutscht. Übrigens sind damals bei der Akashi-Kaikyou-Brücke die Pfeiler auch um 0,80 m weiter auseinandergegangen. Zum Glück war damals noch keine Fahrbahn drauf. Die baute man wegen der Verschiebung dann einfach statt 1990 m 1990,80m lang.

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Parks ohne Öko gibts in Japan kaum noch. Dieses Windrad kann bei günstigem Wind genug Strom für 200 Haushalte produzieren. Toll!!! Im Informationszentrum stieß ich beim Angestellten mit meiner Kritik an diesem Monster auf offene Ohren. Er hatte sogar schon selbst (!) ausgerechnet, wie viele Windräder man bräuchte, um ganz Japan zu versorgen. Zahl vergessen, aber soviel Rohstoffverschwendung hält das Land sicher nicht aus.

Wir sind dann über Akashi, das Greenwich der Japaner, (Kein Wunder, dass die Sonne bei uns im Nordosten Japans so früh auf- und untergeht!) nach Himeji gefahren.

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Himeji-Schloß
Damit der Kran bei den Renovierarbeiten nichts beschädigt, steht er auf einer großen Rampe.

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Wegen der weißen Tünche nennt man das Schloss Weißer-Reiher-Schloß. In Schloß und Schloßpark viele ausländische Touristen, auch viele chinesische Touristen. Wo Touristen sind, ist Abzocke. Weil mein Auto über 2,50m hoch ist, sollte ich statt 500 Yen wie ein großer Bus 2000 Yen fürs Parken bezahlen. Da bin doch lieber in die Seitengassen geflüchtet. Nach der Besichtigung gleich Himeji verlassen.
Gerade aus dem Ort raus. Was sehen wir da durch die Windschutzscheibe? Wo sind wir!?

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Ein anderes, weißes Schloß!

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Das mussten wir uns genauer ansehen!

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„Sonnen-Reich“ und  „Schwanenschloß“ steht da. Eine sektenartigen Organisation mit Behindertenhilfe hat hier außerhalb von Himeji das Schloß Neuschwanstein nachgebaut! Die Größe dieser Nachbildung soll laut Personal nur 2/3 des Originals sein. Sieht so in kahler Landschaft aber größer aus.

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Wakasa. Kleiner Tempel auf dem Weg durch die Berge ans Japanische Meer nach Tottori. Auf so etwas stößt man wohl nur, wenn man mit dem Wagen auf Nebenstraßen durchs Land reist.

Tottori, das Arcachon Japans

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Die größte Sanddünenlandschaft Japans

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Da alles nach Sahara aussieht, gibts auch Kamele! „Ein-Mensch-Besteigen 1800 Yen, 2-Mensch-Besteigen 3000 Yen "inclusive Fotografierfreiheit.“ Aus dieser holprigen Übersetzung wird nicht klar, dass es sich um eine Kamel-Tour handelt. Darunter steht noch extra: „Nur Fotomachen auf Kamel: ein Mensch 500 Yen, neben (Kamel) ein Mensch 100 Yen.“

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Das japanische Meer ist so viel blauer als der Pazifik vor unserer Haustür. Kein Wunder, dass damals die Freunde in Osaka so von Tottori schwärmten!

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Sand-Skulpturen. Genug Sand gibts ja.

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Meine Übersetzung:

Bitte an alle Anwohner in Küstennähe:

In diesen Fällen sofort die Polizei rufen!

(Wenn Sie Leute sehen, die)

1.    von Kleidung, Worten und Taten her, Schwarzfischer sein könnten.

2.    mit Taschenlampen Schiffen Blinkzeichen geben.

3.    obwohl sie Badegäste oder Touristen sind, in ihrem Erscheinen irgendwie fragwürdig sind.

Tottori-Polizei

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Es hat zwar keiner die Polizei gerufen, aber normale Touristen waren wir sicher nicht und unser Auto hat auch etwas Asoziales an sich. – Meist parkten wir so, dass wir Blick aufs Meer hatten. Unser Tisch ist nur mit Schraubzwingen am Amaturenbrett befestigt. Einfach, aber praktisch!

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Schöne Steilküste am Japanischen Meer. Den ganzen Vormittag gewandert, ohne jemandem zu begegnen. Leider stößt man aber immer mal wieder auf solchen Müll:

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„Campen-Verbot-Gebiet“

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„Wer diese schöne Insel mit Baum in meinen Garten bringt, den mache ich zum Millionär“, so etwas ähnliches versprach mal ein Fürst. Zum Glück hat es keiner versucht!

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Es gibt zwar mehrere Orte in Japan, die Obama (Zeichen: Klein + Hafen) heißen, aber ein Ort, der größte nämlich, etwa 100 km östl. von Tottori spielt sich ganz groß auf, weil der US-Präsident gerade Obama heißt. Den ganzen Ort haben sie so zugemüllt. In der Glotze waren sie auch schon ganz groß wegen ihrer Gleichnamigkeit. Präsident Obama hatte sich bei seinem Japanbesuch aber trotz Einladung nicht die Mühe gemacht, den Ort Obama zu besuchen. Da hat er auch nichts versäumt!

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Hier sind wir jetzt am größten Süßwassersee Japans, dem Biwa-ko.

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Diese „Windmühle“ in einem Park am Biwako ist ganz aus Beton. Der Mühlenkopf kann sich auch nicht in den Wind drehen. Alles starr. Es gab mehrere Mühlen, damit es auch richtig nach Holland aussieht. Eine „bewegliche“ produzierte natürlich „Öko“-Strom. Gerade genug für meine Kreissäge!
Die ganze Anlage, wie so viele in Japan, scheint reine Steuergelderverschwendung zu sein. Man baut irgendwelche Anlagen, keiner interessiert sich dafür, man läßt sie wieder verkommen. Bei uns in Iwaki gibt es auch massenweise solche Frevel an Steuerzahler und Natur(!).

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Das ist nun der Fuji-san. Mit dem Auto bis zur 5ten Station gefahren. Offiziell darf man ihn noch nicht besteigen, aber zu meiner Freude scherten sich viele Leute nicht um das Verbot. Wir selbst sind auch bis zur Schneegrenze aufgestiegen. Für höher waren wir nicht ausgerüstet.

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Diese schöne Statue am Kawaguchi-See wurde von einem über 100 Jahre alten Bildhauer gemacht. Der Fuji im Hintergrund ist leider von Regenwolken verdeckt.

Wegen des schlechten Wetters war es dann auch nicht so schade, dass unsere Reise zu Ende war.

Vielen Dank für den Besuch meiner Webseite

Holger Hermann Haupt
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