Japaner als Schildbürger
In Deutschland werden Warn- und Verbotsschilder zwar mehr, aber japanisches Niveau haben sie noch lange, lange nicht erreicht. Reisesendungen aus Europa sind bei japanischen TV-Anstalten sehr beliebt. Wenn immer ich die schönen Landschaften und historischen Städte im Fernsehen sehe, denke ich: "Nun stellt euch mal vor, das wäre in Japan. Mit wie vielen häßlichen Schildern hättet ihr den Ort zugemüllt."
Ein ganz kleiner Spaziergang durch einen ganz kleinen Park in der Nähe unserer Tokioer Wohnung:
Gleich auf dem Weg an einer Hecke heißt
es schon: "Kot, Pisse nicht wegräumen, unangeleint
spazieren ist eine große Belästigung!!"
Kleiner darunter in Beamtenjapanisch: Tier haltende Stadtbezirksbürger
werden als Tier haltende Menschen zu Verantwortung selbsterwacht
auf die Anwohner der Umgebung Rücksicht nehmen und sich
darum bemühen, Tiere ordentlich zu halten.
Auf dem Hundeschild darunter, oder ist es ein Karnickel?:
"Scheiße auf jeden Fall mit nach Hause nehmen!"
Das Verkehrsschild reicht nicht. Darunter noch einmal für Leute, die es lesen können: "In dieser Straße Parkverbot." - Nebenbei bemerkt: Auf dieser Straße herrscht so gut wie kein Verkehr.
Ein kleines Stückchen weiter: "Bitte Scheiße wegräumen"
Vor dem Park gibt es noch eine große,
eingezäunte, asphaltierte Fläche für Fahrräder,
die, weil sie irgendwo "illegal" (also wo Fahrräderabstellen
von irgendwelchen Behördenscheißern verboten wurde)
parkten, von Behörden-Lkws eingesammelt (geklaut!) und
hierher gebracht wurden.
Mir ist das früher auch mal passiert. Da hatte ich mein
Fahrrad neben viele andere Fahrräder auf dem Bahnhofvorpatz
abgestellt und war zum Zahnarzt gefahren. Als ich zurückkam
war mein Fahrrad weg. Wo all die Fahrräder standen, war die
Fläche mit solchen Sperren, wie oben, abgesperrt. Also kein
Fußgänger konnte die Fläche benutzen. Auf diesen
Sperren, die - wie mir scheint - alle Städte Japans
verunzieren und Fußgänger und Autofahrer unnötig
behindern, steht übrigens: "Fahrradabstellverbot
- Regel beachten für eine schöne Stadt."
Damals musste ich noch sehr weitfahren, um mein Fahrrad wieder zu
bekommen, und konnte unsere Tochter nicht rechtzeitig vom
Kindergarten abholen. Die Kindergärtnerin musste extra
Überstunden machen und unsere Tochter heulte verzweifelt,
weil ich nicht kam. Heutzutage hätte ich das Fahrrad fast
vor der Haustür.
Aber was sind das für Behördenscheißer, die sich anmaßen, uns ständig zu ermahnen, niemanden zu belästigen! Selbst sind sie doch nur a pain in the ass oder arse (was britischer wäre. Entschuldigt den Anglizismus, aber im Deutschen fehlt uns noch so ein saftiger Ausdruck). Behörden sind so notwendig wie Hämorrhoiden. Ah, hier gibts ein deutscheres Wort Mastdarmvenenknoten.
Aber weiter im Text.
Man möchte weinen:
Wie ist so etwas Bescheuertes nur möglich?
Die Sperren sollen das Abstellen von Fahrrädern verhindern.
Auch hier vor dem Laden ich habe mein Fahrrad trotz der Sperren
und des Verbots kurz für einen Einkauf abgestellt.
Übrigens labert die jap. Glotze den Bürgern ständig
vor, wie umweltgewissenhaft die Bürger in Kopenhagen,
Amsterdam, Paris etc. aufs Auto verzichten und das Fahrrad
nehmen. Wenn die es nirgends abstellen dürften oder nur für
viel Geld an kostenpflichtigen Stellen, dann würden sie es
sich ganz schnell wieder abgewöhnen.
Auslösen des Fahrads 3000 Yen, Mopeds
4000 Yen. Wenn das Fahrzeug nicht innerhalb eines Monats abgeholt
wird, wird es vernichtet.
Schlösser und Ketten, die beim Entfernen des Fahrzeugs
zerbrochen wurden, werden nicht ersetzt.
... so gehts ... und der Handlanger der Behörde zieht am Ende freundlich den Hut.
Parkeingang. "Bitte an Hundehalter: Es ist vorgekommen, dass Hunde im Park gebissen haben. Hunde bitte unbedingt anleinen!"
Es kommt zwar kein Wasser, aber eine Ermahnung, den Hund nicht mit der Schnauze an den Hahn zu lassen, sondern ein Gefäß zu benutzen, gibt es.
Jetzt geht es richtig los.
"Spätabends und frühmorgens sind Stimmen und Lärm für die Anwohner eine Belästigung. Bitte leise sein." Kleiner: "Wenn Sie verdächtige Personen sehen, bitte 110 anrufen." Park-Service-Centre, Seijo-Polizei.
ca. 15m weiter noch einmal das Gleiche:
wieder 15m weiter, gleiche Aussage, anderes Schild:
wieder 20m weiter, wie gehabt:
Diesmal sogar 30m weiter:
6m rechts davon, doppeltgemoppelt, wie gehabt, plus Hundebellverbot, Feuerwerkverbot, links: nicht golfen, Hund anleinen, nicht Müll wegwerfen, kein Lagerfeuer:
Am Baum 3m hinter dem rechten Schild:
"Baum nicht treten oder stark schlagen. Das führt zu Verletzungen des Baumes. Spätabend und frühmorgens leise sein. Bitte haben Sie Verständnis und helfen Sie mit."
Nicht der einzige Baum, der so geschmückt ist.
Einige haben auch andere Schilder. Wie dieser hier mit seiner Liste:
"1.) Für Sie (Hundehalter) ist es
ein süßes Tier, aber es gibt auch Leute, die es abstoßend
finden und sich davor fürchten. Das Tier nicht frei
herumlaufen lassen, auch keine Verlängerungsleinen benutzen.
2.) Im Park bitte mit dem Hund keine Frisbee- oder Ballübungen
machen.
3.) Hygiene im Park ist Gewissenssache. Scheiße mitnehmen
und entsorgen.
4.) Nehmen Sie darauf Rücksicht, dass spätabends und
frühmorgens Hundegebell, der Klang von Instrumenten etc. für
die Anwohner eine Belästigung ist."
... oder dieser hier:
Nicht etwa Hunde sind hier verboten (solche
Parks gibt es auch), sondern das freie Laufenlassen der Hunde
ohne Leine.
Text: "Wollen wir
Hunde nicht frei rumlaufen lassen. Das
kann zu unerwarteten Unfällen und Ärger führen.
Bellen ist eine Belästigung für die Anwohner. Manner
(engl. und auch neujap. für Benehmen) bewahren für
einen fröhlichen Park!"
Die herrschende Clique muss immer Ängste
schüren. Das ist das Einmaleins eines jeden Herrschers. Wer
das nicht beherrscht, wird es als Unterdrücker nie zu was
bringen.
In Japan sind die Warnungen vor Sittenstrolchen besonders auffällig
und die dadurch geschürten Ängste besonders groß.
Als ich neu in Japan war und in der Nähe meiner Wohnung
solche Sittenstrolchwarnschilder aufgestellt wurden, hatte ich
irgendwie das Gefühl, man verdächtige mich. Da wußte
ich noch nicht, dass ganz Japan mit solchen Schildern zugemüllt
ist.
Solche Sittenstrolchwarnschilder zu malen, scheint auch ein
beliebtes Schulprojekt zu sein. An anderer Stelle gesehen:
"Wenn was passiert, 110 anrufen. Hiiilfe!!"
Ob solche Schilder helfen oder nicht eher
einige Leute auf dumme Gedanken bringen? - Bei so vielen
Sittenstroch-Plakaten scheint, Sittenstrolch zu sein, ja sehr
alltäglich, fast normal. Mancheiner käme ohne solche
Schilder vielleicht gar nicht auf den Gedanken, dass Kinder
Sexualobjekte sein könnten.
Das größte Verbrechen an Kindern wird hier in Japan
aber sowieso von Schule und Eltern begangen. Nicht nur haben die
Kinder vormittags, sondern auch nachmittags Schule, aber als ob
das nicht schon zuviel ist, schicken fast alle Eltern ihre Kinder
noch bis abends in "Paukschulen" (oft sogar schon im
Vorkindergartenalter), damit sie "intelligent" werden.
Wie soll man bei solch blöden Eltern intelligent werden? -
Alles, was man bei all dem Lernen verlernt, ist doch nur
"sich-selbst-zu-sein".
Wenige Meter vom Sittenstrolchwarnschild
das obige Schild mit Text, dass in dieser Straße das Parken
verboten ist (eigentlich kein Problem, weil hier kaum Verkehr
ist). Autos, die illegalerweise doch parken, werden abgeschleppt,
mahnt das Schild noch.
Das habe ich sogar schon gesehen. Das Auto wird hinten
hochgebockt und dann weggezogen. Da die Vorderräder
eingeschlagen waren, stand das Fahrzeug während des
Abschleppens quer zu Fahrbahn und war ein furchtbares
Verkehrshindernis, außerdem vermute ich, dass die
Vorderradaufhängung die Belastung nicht aushielt und das
Fahrzeug danach erst einmal in Reparatur mußte.
Vom obigen Strommast gleich links rein:
Dieses grelle Schild entspricht eigentlich dem deutschen "Nur für Anlieger". Jap. Text: "Durchfahrt verboten, außer für Anlieger".
Nächste Schild ist rechts vom obigen Weg am Brückengeländer.
Schon ein Bisschen verblichen: "Die
Ampel beachten und erst dann rübergehen."
Ein jap. Autor, den ich gerne lese, Nakajima Yoshimichi, hat mal
einen Artikel geschrieben: "Es ist idiotisch, an einer Ampel
zu stehen, wenn kein Auto kommt" Die Überschrift sagte
es schon deutlich. Deutlicher geht es nicht.
Menschen zu idiotischem Verhalten zu zwingen, ist die beste
Methode, um ihnen das Rückgrat zu brechen und sie zu reuigen
Hunden, Untertanen und Sündern zu machen. Wer sich gute
Untertanen heranziehen möchte, dressiere sie, unvernünftige
Regeln zu beachten.
Diese Straße hat kaum Verkehr und die Ampel ist
Schwachsinn, wie so viele andere. Drücken - warten, bis es
Grün wird - in der Zwischenzeit kommt vielleicht ein Auto,
das dann auch warten muss, bis es wieder weiterfahren darf.
Schwachsinn und auch Energieverschwendung, aber irgendwelche
Dreckschweine mit Beziehungen zu Verwaltung und Regierung
verdienen an all diesem überflüssigen Dreck, der der
Bevölkerung aufgezwungen wird. Weltweit das Gleiche.
Regierungen sind bei weitem der größte Umweltdreck,
den es gibt.
Wie man sieht, ein kleiner Park. Ich brauche keine 10 Min., um durchzugehen. Übrgens vorbildlich mit sauberen (!), öffentlichen Toiletten ausgerüstet.
Gleich neben dem Plan:
Alles im "Wollen-wir"-Stil:
Wollen wir den Park fröhlich benutzen.
Wollen wir Blumen und Bäume wertschätzen.
Wollen die Bänke und Geräte wertschätzen.
Hund bitte nicht freilaufen lassen. Wollen wir als Hundehalter
die Hundescheiße wegräumen.
Wollen wir Golf, Baseball und andere für die Mitmenschen lästige
Handlungen unterlassen.
Man kann nicht mit Motorrädern einfahren.
Man kann nicht (jap. dekimasen) ohne Erlaufnis Waren verkaufen,
werben, oder gewerbliche Fotos machen.
Hier können sich die Kleinen Anregungen holen, wie sie langweiliges Schaukeln interessanter gestalten können. Alles in Form von Verboten. (oben und unten)
Die Mütter, die auf der Bank sitzend ihren Kleinen beim Schaukeln zu sehen, haben hinter sich noch einmal einen lange Text, der zum Ruhigsein am Abend ermahnt. "blablabla... Kranke leiden besonders unter dem Lärm von draußen..."
Hunde anleinen:
"An die Hundehalter - Beim Spazieren
im Park unbedingt beachten! * Hundescheiße unbedingt
mitnehmen und zu Hause entsorgen. (Tokio Parkverordnung 16 Absatz
9) * Frühmorgens, spätabends ist Hundegebell, Hunde zu
rufen, zu pfeifen für die Anwohner eine sehr viel größere
Belästigung, als man denkt. Bitte ruhig sein!"
Da unter wieder "* Baseball-, Fußball- und andere
Ballspiele-Verbot * Im Park Golfüben verboten."
Vor diesem Schild war meine Lieblingsstelle, weil ich von hier
aus Blick auf 12 Hunde-Freilauf-Verbotsschilder hatte. Damals
standen neben den neuen, großen Schildern noch die alten
kleinen. Jetzt zähle ich nur noch 7 Schilder. Schade!
An der für Anlieger freien Straße, die am Fluß
entlang durch den Park führt:
Eco-Road, also Öko-Straße. "Von der Straße
(angefangen), (Welt-)Erwärmung stoppen."
Der ganze von CO2 verursachte Klimawandel ist zwar ein Schwindel
für den dummen Pöbel, um ihnen besser Steuern aus der
Tasche ziehen zu können und ihm die schleichende Verarmung näherzubringen.
Ich glaube nicht nur nicht an die Schädlichkeit von CO2,
sondern besitze genug wissenschaftliche Einmaleins-Kenntnisse, um
zu wissen, dass es haarsträubender Blödsinn ist. Das
einige Wissenschaftler sich dafür hergeben, bringt, wie
einst die wissenschaftlichen Beweise für die Überlegenheit
der arischen Rasse, die Wissenschaften nur in Verruf.
Schädliches CO2 gibt es nicht, aber Umweltverschmutzung und
Rohstoffverschwendung. Die Staaten mit ihrem Konsum, den keiner
will, der keinem nützt und niemanden glücklich macht,
haben einen sehr großen Anteil daran. Dieses kleine
Plastik-Schild ist auch nur so ein Dreck.
Das folgende Schild sieht man sehr häufig:
Als Deutscher freue ich mich immer über seine banale Aussage: "Illegales Müllablagen verboten!" Auf Japanisch gar nicht komisch.
Hinter dem hohen Zaum oben ist eine Böschung
(unten sind Weg und Fluß), deshalb:
"Gefahr"
Keine Beziehung zum Schild, aber:
Das Haus im Hintergrund, das da so einsam im Park steht, ist
nicht bewohnt. Die vierköpfige Familie, die hier wohnte,
wurde am 30.12.2000 ermordet. Seitdem bewacht die Polizei den
Tatort rund um die Uhr.
Japan wird ja dafür kritisiert, dass es noch die Todesstrafe
hat - für besonders grausame Mörder, die mehr als einen
auf dem Gewissen haben. Der Täter, der diese Familie
niedergemetzelt hat, würde zweifellos auch mit dem Tode
bestraft, wenn er gefaßt würde.
Wem die Todesstrafe zu streng ist, wird sich vielleicht freuen zu
hören, dass Mörder, wie der obige Täter, hier der
Todesstrafe und jeder anderen Strafe entgehen, wenn sie nicht
innerhalb von 15 Jahren gefaßt werden. Mir ist so etwas
nicht streng genug. Mörder sollte man grundsätzlich bis
ans Lebensende verfolgen und grundsätzlich hinrichten. Nur
in Notwehr, um sein eigenes Leben, seine Freiheit und sein Vermögen
zu verteidigen, darf man einen Menschen töten.
Meinen Heimweg kürze ich ab - wie so oft durch einen
Tempelhof. Verdammt, die haben auch ein neues Schild. Es
verbietet das Betreten, außer für
"kankeisha", Leute, die eine Beziehung zum Tempel haben
(Gläubige, Briefträger?) Darf ich nicht mehr durch?
Spielen ist auch verboten, aber das will ich ja gar nicht. (oben
und unten. Unten im Hintergrund wieder ein Betretenverboten.)
Zwei Bänke gibt es neben dem Tempelhof auch. Beide mit prächtigen
Schildern hinter der Rückenlehne:
Oben heißt es "Weil es keine Mülleimer gibt, Müll, leere Dosen und Kippen mit nach Hause nehmen." Hündchenschild sagt: "Hund anbinden und Scheiße mit nach Hause nehmen"
Hier wird noch mal alles einzeln aufgeführt
verboten. Jetzt hab ich aber keine Lust. Schnell die Treppe
runter zur Straße und nach Hause. Die Taschen habe ich zwar
nicht voll Hundescheiße und Müll, aber meine Kamera
bald voll mit Fotos.
Ein letzter Schilder-Gruß am Fuß der Treppe:
"Keinen Müll wegwerfen" Das kleine Schild darunter
erklärt mir sogar warum! Hier unter ist nämlich ein
Meter des Wasserwerks und die kommen da nicht ran, wenn wir ihn
zumüllen. Einzusehen!
War doch nicht das letzte Schild. In der Straße an einem Strommast: "Aufpassen! Handtaschen-Entreiß-Verbrechen-Ereignis-Gebiet." Diese holperige, direkte Übersetzung habe ich verbrochen.
Wir sind noch nicht fertig. Illegale Sitzgelegenheiten an der Bushaltestelle:
Diese nützliche Bank wurde privat an einer Bushaltestelle aufgestellt. Nutzlose Apparatschiks habe eine Warnung angeklebt, dass diese "illegal"aufgestellte Bank, wenn sie nicht bis zum 18. Mai entfernt ist, abgeholt und zerstört wird. Naja, in Deutschland hätte der illegale "Stifter" noch eine saftige Geldstrafe erhalten.
Den Stühlen ergeht es genauso:
Auch dieser Schwachsinn hat Methode (Siehe
auch http://www.hpo.net/users/hhhptdai/douro.htm ). Immer mehr Bäume fällen, unnötige
Straßen bauen und sie dann so zu sperren, dass man sie
nicht einmal als Parkplatz benutzen kann. Schlau und frech, die
Hunde, die da hinterstehen und sich an den Behördenaufträgen
bereichern. Ama-kudari nennen Japaner das Verbrechen, "Vom
Himmel herunter" heißt das. Hohe Beamte gehen in
Ruhestand in private Unternehmen und drängen ihren
ehemaligen Beamtenuntertanen die Produkte des Unternehmens auf,
Brücken, Tunnel, Straßen, aber auch kleinere Sachen
wie Schilder, Prospektheftchen, Anstecknadeln etc.
In Tokio kann man übrigens dank autofeindlicher Massnahmen
legal praktisch nur auf unglaublich teuren Privatparkplätzen
(bis 100 Yen für 10 Min.) parken, die sich in der Hand
weniger Konzerne befinden.
Vor kurzem war hier noch eine grüne Hecke. Wohl wegen der Übersicht (für Schulkinder?) wurde diese Ecke asphaltiert. Eine wahre Freude in den schon sehr heißen Sommern hier. Im Gegensatz zu CO2 erwärmt diese dunkle Fläche wirklich.
Das erinnert mich an meinen Großvater.
Der wurde vor ca. 40 Jahren mal von deutschen Behörden
gezwungen, 50m Hecke von seiner Wiese zu entfernen, damit die
Straßenecke übersichtlicher wurde. Damals hatten Autos
noch Vorrang vor allem.
Vor wenigen Jahren, aber noch zur DM-Zeit wurde dann ein Freund,
der ohne behördliche Erlaubnis einen Meter Hecke auf seinem
"eignen" Grundstück "vernichtet" hatte ,
um seine Einfahrt zu verbreiten, mit 10 000 DM bestraft!
Apropos Umwelt: Wir werden von
"offizieller" Seite immer ermahnt, die Umwelt zu schützen,
to recycle und wenig Müll zu machen. Die praktischen
Plastiktaschen verschwinden deshalb auch hier langsam aus den
Supermärkten. Da man in Japan keine Mülltonnen kennt,
wurden und werden immer noch in Tokio diese Taschen nach dem
Einkauf meist als Mülltüte verwendet.
In Iwaki (meinem 2. Wohnsitz) dagegen nahmen die Müllmänner
diesen Müll von mir nicht mit, sondern beklebten ihn lieber
mit einem Aufkleber: Ich soll den Müll in genormte
Stadt-Iwaki-Mülltüten tun. Das sind aber ganz normale
Plastiktüten, die man im Supermarkt gar nicht mehr oder nur
mit schlechtem Gewissen annehmen soll.
In Iwaki kostet ein Stapel Mülltüten zwar noch nur ein
paar Hundert Yen, in Sendai (weiter im Norden, war sogar vor
einigen Jahren schon mal als neue Hauptstadt im Gespräch)
hatte die Bürgermeisterin die tolle Idee, für jede
einzelne Mülltüte 40 Yen zu verlangen, um die Bürger
dazu zu bringen, weniger Müll zu machen. Diese Massnahme
wurde im Fernsehen sogar gelobt. Die Bürgermeisterin hatte
extra drei verschiedene Pamphlete drucken lassen und an
Informationstischen vor Bahnhöfen und S-Bahn-Stationen wurde
dieses Informationsmaterial in Plastiktüten gesteckt an die
Bürger verteilt, damit der Bürger dieser Massnahme
Verständnis entgegenbringt und das Müllproblem
begreift!
In Iwaki ist man überhaupt sehr lustig. Im Sommer hatte man
den Strand zum Meer hin alle paar Meter mit Badenverbotschildern
und sogar auch mit Sperren und Tauen gesperrt. Und nicht nur das.
Auch dieses Ödland bis zum Deich hat sein Badeverbot
bekommen. Wegen etwaiger Pfützen nach stärkeren
Schauern?
Verkehrssicherheit:
Ganz Japan ist zugemüllt mit
Ermahnungen zur "Verkehrssicherheit" (siehe auch meine
jap. Seite http://www.hpo.net/users/hhhptdai/koutsuuanzen.htm Dank der Verkehrssicherheitsfahne sieht man den
Verkehr nicht mehr!). Viele kleben sich sogar
Verkehrssicherheitsaufkleber auf Auto und Stoßstange (Ich würde
mir ja lieber ein Bullenschwein-lass-das-Bullen-sein
draufkleben), trotzdem vergessen sie z. B. im Dunkeln Licht
anzumachen (Straßenbeleuchtung ist sehr hell) etc. Außerdem
- unglaublich, aber wahr - kennt das Land außer
Halteschildern und Ampeln keine eindeutigen Vorfahrsregeln, weder
eine Links-vor-rechts-Regel, noch Vorfahrtsschilder und Schilder
für Vorfahrtbeachten. - Ich habe doch tatsächlich
einmal eine Geldstrafe von 7000 Yen bekommen, weil ich ein
Halteschild am Ende einer Beschleunigungsspur übersehen
hatte. Natürlich! Man guckt ja nach hinten, ob nichts kommt.
Außerdem musste ich mir deshalb bei meiner nächsten Führerscheinverlängerung
einen blöden Vortrag zur Verkehrssicherheit anhören.
Inhalt war hauptsächlich, wie sehr die Familie weint, wenn
man sich oder andere totfährt! - Vor beschrankten und
unbeschrankten Bahnübergängen muss man hier in Japan
grundsätzlich einmal anhalten. Als ich das das erste Mal
sah, dachte ich: "Du Idiot, willst du warten, bis da ein Zug
um die Ecke kommt und dir in den LKW jagt." Aber mein jap.
Mitfahrer meinte, das ist Gesetz. Es hält auch jeder.)
Obwohl es schwer ist, die Verkehrssicherheitsappelle zu übersehen,
fahren die Behörden noch mit Lautsprecherwagen herum und brüllen
"Verkehrssicherheit" - alle paar Wochen mal (Die andere
Zeit brüllen sie was anderes "Rücksicht auf alte
Leute", "Tür abschließen", "Den
Dieben keine Chance geben".Gemeint sind natürlich die
privaten, nicht der Staat) etc.
In Iwaki fährt auch jeden Abend gegen 21 Uhr die Feuerwehr
großartig mit ihren Autos herum und läutet mit den
Glocken und ermahnt "Brände zu verhindern." Mich
stört es ja, aber Japaner versichern mir, dass sie all den Lärm
überhören. Man könnte ihn sich also sparen.
In Tokio läuft die Feuermahnwache mit traditionellen Holzstäben,
die aneinandergeschlagen werden, herum. Das ist so leise, dass
selbst ich es in der Wohnung nicht mehr höre.
Schöne Verkehrssicherheit:
Als ich neu in Iwaki war, wäre ich
beinahe nachts von Autoscheinwerfern geblendet mit meinen
Einkauftaschen in diesen Graben gefallen.
Wo man soviel Geld für Schilder verschwendet (und unsinnige
Bauprojekte!), fehlt das Geld natürlich für so etwas
Banales wie Abwassergräbenabdeckungen.
So! Und von all den prächtigen, teuren, elektronischen
Anzeigetafeln mit all ihr Ermahnungen für Autofahrer, die
die Konzentration auf den Verkehr so furchtbar erschweren, habe
ich gar keine Fotos. Dabei blüht der behördliche
Schwachsinn da noch viel mehr. Tatsächlich gibt es die
Ermahnung "Wakimi", nicht zur Seite blicken, also auf
den Verkehr konzentrieren, aber gerade das fällt wegen all
der Ermahnungen am Fahrbahnrand so schwer, viel schwerer als bei
einer Fahrt in Deutschland.
Blinkende Anzeigetafeln warnen vor Seitenwind, d. h. potentiellem
Seitenwind. Wenn ich in meinem 2,80m hohem und nur 1,70m breitem
Auto (siehe http://www.hpo.net/users/hhhptdai/autoseite.htm ) keinen Wind spüre, dann gibt es keinen Wind.
Ein einfacher, billiger Windsack (sehr selten geworden) gäbe
eine viel akkuratere Information.
Ein Busfahrer ist hier mal in einen Stau gefahren, weil sich auf
die elektronische Anzeigetafel, die den Stau ankündigte,
konzentriert hatte. Er wollte entziffern, wie weit es noch bis
zum Stau sei, da war er schon aufgefahren. Kein Witz, wirklich
geschehen.
Ich bin mir sicher, dass viele von denen, die sich anmaßen,
uns immer mehr "zu unserem Guten" (und auf unsere
Kosten!) zu reglementieren, wissen, dass es eigentlich nicht gut
für uns ist, weil wir nur unsere Freiheit und Selbstständigkeit
verlieren, sondern nur gut für die sie selbst ist, für
ihren eigenen Profit und ihre eigene Machtbasis.
(Siehe auch meinen Politikertext: http://www.hpo.net/users/hhhptdai/politiker.htm )
Vielen Dank für den Besuch meiner Webseite
Holger Hermann Haupt
Homepage: http://www.hpo.net/users/hhhptdai/arachnoideenindex.htm