Sommerurlaub 2003 = ein Monat nur alte Heimat Schleswig-Holstein!

Das Wetter war ja in diesem Jahr so warm und gut, wie ich es noch nie erlebt habe, aber - liebe Internet-Freunde! - lasst euch nicht gleich eine globale Erwärmung andrehen und mit neuen Umweltsteuern abzocken! Hier im Fernen Osten ist der Sommer so kalt wie noch nie, ja, er fällt praktisch aus: Die Regenzeit dauerte hier in Japan einen Monat länger bis in den August hinein und jetzt Mitte August zeigt das Wetter schon (einen Monat früher als sonst) typisch herbstliche Merkmale, die pazifische Warmluft erreicht Japan nicht, dafür aber nordische Kälte. Gestern, am 14. Aug., war es hier in Tokyo mit 19 Grad 15 Grad kälter als im letzten Jahr, allgemein ist es jetzt 10 Grad kühler als in einem normalen Jahr. Übrigens ein bekanntes, meteorologisches Phänomen: Wenn die eine Ecke der Welt besonders heiß ist, ist es an der anderen Ecke um so kühler.
Heißt das, ich gebe Entwarnung, grünes Licht für Abgase? Die Spritztour mit dem PKW wird schon nicht so schlimm sein, wie man uns versucht vorzumachen. Ein schlechtes Gewissen sollten uns allerdings die Benzin schluckenden Panzer (Verbrauch 100x höher als beim Kleinwagen), Kampfflugzeuge, Flugzeugträger etc. bereiten, mit denen unsere (!) gewählten Vertreter auf Kriegstour gehen, und das nicht nur wegen ihres hohen Verbrauchs...

Autofahren ist gut, Radfahren ist besser. Obwohl ich meinen alten VW-Bus (siehe http://www.hpo.net/users/hhhptdai/meinauto.htm ) angemeldet hatte, bin ich die meiste Zeit bei dem schönen Wetter mit dem Rad unterwegs gewesen.
Fitness!
Auch hier in Japan fahre ich morgens als erstes in einen 10km entfernten Park, um dort circa eine Stunde lang Übungen zu machen, Lockerungs-, Streck- und Kraftübungen. Meine Kraftübungen sind isometrische Kontraktionen, Anspannübungen. Wenn man einen Frosch an Körper und an einem Bein fesselt, wird er mit dem freien Bein strampeln, das andere Bein aber anspannen. Misst man den Muskel- bzw. Kraftzuwachs, so wird man feststellen, dass das gefesselte Bein stärker als das strampelnde Bein geworden ist. Fazit: Arbeiten und Bewegen macht nicht so stark wie Kontraktionen, außerdem verschleißen die Gelenke. Für mein Training benutze ich ein vierfaches Deuser-Band gekoppelt mit einem elastischen Abschleppseil für Lkws. So erhalte ich mich bei Kräften.
Im Urlaub hatte mich nun ein alter Freund aus der Nachbarschaft, der body building macht, eingeladen, mit in den Fitnessclub zu kommen. Eine feine Sache! Ich liebe Leute, die einen starken Willen haben und die Disziplin aufbringen, ihren Körper in Schuß zu halten, genauso wie ich all jene Leute verachte, die überernährt untätig herumsitzen und wohl möglich noch einen Schnuller (Kippe) brauchen, igitt... Gibt zu viele davon.
Am zweiten Trainingstag habe ich es dann ein bißchen übertrieben mit dem starken Willen, Konkurrenz unter Freunden wie in dem Manga "Vagabond" spielte wohl auch eine Rolle. Jedenfalls brachte ich es tatsächlich fertig, bei einer ungewohnten Triceps-Übung meine Muskeln so anzuspannen, dass mein Brustbein brach! Danach war kein hartes Training mehr möglich, selbst Schwimmen fiel aus. Kleine Mal- und Instandsetzungsarbeiten am Elternhaus und sogar das Einschenken von Wein waren mit Schmerzen verbunden, Husten war höllisch und auch beim Liegen tat die Brust sehr weh. Am angenehmsten war noch der aufrechte Gang.

Fotos, aufgenommen auf einer Wanderung um das heimatliche Moor (Dosenmoor bei Neumünster), die Spielwiese aus meiner Kindheit (ca. 10km Umfang):

Das Wattenbeker Gehölz schließt sich an das Moor an:

Hinten rechts ist mein Geburtshaus:

Hinten, wo die Wiese zu Ende ist, haben wir früher Torf gegraben:

Auch der Einfelder See ist in unmittelbarer Nähe meines Zuhauses (Rundweg ebenfalls ca. 10km). Da es noch sehr früh am Morgen ist, badet noch keiner:

Bei schönem Wetter ist es im Sommer wirklich sehr schön in Schleswig-Holstein! Leider regnete es in früheren Jahren oft.

Mein letztes Urlaubsthema: Tätowierungen.

Jedes Jahr bei meinem Aufenthalt in Deutschland wundere ich mich über die Popularität von Tattoos, besonders wenn es sich um japanische Schriftzeichen handelt, möglichst falsch verstandene, bzw. falsch abgemalte.
Ich habe doch tatsächlich eine junge Frau gesehen, die dieses Zeichen groß an ihren Arm tätowiert hatte (nur lesbar, wenn jap. Zeichensatz installiert ist): ζ³ (inoko). Ich hätte die Dame ja gern gefragt, ob sie wußte, was das Zeichen bedeutete, aber sie war zu schnell weg mit ihrem Fahrrad. Inoko heißt Schwein. Ein archaisches Wort für Schwein, zugegeben. Heutzutage heißt Schwein "buta":@“Ψ. Was wie der Mond ŒŽ (tsuki) aussieht, ist in Wirklichkeit eine Vereinfachung von “χ niku = Fleisch, betont also die Rolle des modernen Schweins als Fleischlieferant. Veilleicht auch ein schönes Tattoo für fülligere Zeitgenossen? Oder wie wäre es mit@ˆε@(i) Wildschwein (im Zodiak) oder ’– (inoshishi) bedeutet auch Wildschwein aber in freier Wildbahn.
Was hätte ich noch zum Thema Schwein zu bieten? Das hier:@ŠC“Ψ. Das erste Zeichen ŠC heißt "umi", gleich Meer, das zweite kennen wir ja schon. Zusammen gelesen heißt das Wort aber nicht "umibuta", sondern "iruka", und gemeint ist auch kein Meerschweinchen, sondern das "Meeresschwein" ist ein Delphin!

Auch das schöne Wort Hoffnung Šσ–] habe ich als Tattoo gelesen. Und einer war von Schulter bis Handrücken mit Kanji vollgeschrieben. Ich hatte nicht die Zeit, ihn zu lesen.

Ein Buch über Kampfsport, das gerade verramscht wurde, habe ich mir auch gekauft. Der Autor blickte wohl verträumt durch die Glastür seines Dojos und schrieb so die Zeichen für Karate ‹σŽθ seitenverkehrt. Hoffentlich sticht es nicht der nächste Tätowierer so seitenverkehrt ab.

Ja, Japan ist ein weites, fernes Land, von dem man in Deutschland wenig weiß:
Beispiel 1: Das Gymnasiallehrbuch für Deutsch "Grammatik auf einen Blick" von Karl-Dieter Bünting & Dorothea Ader erklärt auf S. 32 auch andere Sprachen und Schriften: "Im Japanischen schreibt man entweder von rechts nach links oder aber von oben nach unten; auf dem Papier sind die >>Zeichen<< dann von rechts nach links geordnet." Der abgebildete Beispieltext ist aber wie seit der großen Sprachreform, die die Militärregierung während des 2. Weltkriegs wegen des japanischen Weltreichs, das die japanische Sprache als "leicht" erlernbare Weltsprache brauchte, durchführte, normal von links nach rechts geschrieben!
Bei der arabischen Sprache haben die Lehrbuchautoren es mit ihrer Erklärung "von rechts nach links" aber richtig gemacht.
Beispiel 2: dtv-Atlas Weltgeschichte Band 1, S 177: "1185 Minamoto Yoritomo lässt sich vom Tenno zum erbl. Shogun (Barbarenbesieger) mit Hofhaltung in Kamakura ernennen."
Was soll dieses Barbarenbesieger??? Wo doch Shogun «ŒR so eindeutig mit den Zeichen für Führer und Armee geschrieben wird und General bedeutet?
Und auf der gleichen Seite: Dass Shintoismus "Wege Gottes" bedeutet, sehe ich auch nicht ein. Japaner kannten viele Götter. Wenn schon, dann der "Weg der Götter".

Zum Glück haben im modernen Japan weder Gott noch Götter das Sagen. 80% der Leute hier bezeichnen sich als religionslos. Genau der richtige Ort für einen Atheisten wie mich.

Alles Gute, vielen Dank für den Besuch meiner Seite!

Holger Hermann Haupt

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