@Einwöchiger Urlaub im Oktober 2005 auf den
südwestlichsten Inseln Japans

Über meinen Sommerurlaub in Deutschland habe ich dieses Jahr nur auf Japanisch geschrieben (http://www.hpo.net/users/hhhptdai/sommer2005jp.htm), da die Informationen eher für Japaner interessant waren. Deutsche kennen Deutschland und können sich leicht über Deutschland informieren. Vor 30 Jahren war ich das erste Mal auf Okinawa, im Winter 2001/2002 das zweite Mal (siehe http://hpo.net/users/hhhptdai/GADUDA25Jan02.htm#Okinawa ) und jetzt zum dritten Mal, aber nur für einen Nachmittag und eine Nacht in Naha, der Hauptstadt Okinawas.

In Naha gerieten wir direkt in ein Volksfest. Während "Oki" so etwas wie "weit draußen auf See" bedeutet, heißt "Nawa" so etwas wie Tau, Seil, Strick. Und das war wohl der Grund dafür, dass man mit einem gut 200 Meter langen, sehr sehr dicken Tau mitten auf der Hauptstraße Tauziehen machte. Diese Webseite http://www.matayoshi-kobudo.de/Okinawa08/reise08_05.htm erklärt das Tauziehen ausführlicher.
Als wir uns durch die Menschenmengen ans Tau herangedrängt hatten, war das eigentliche Tauziehen schon vorbei und Leute tobten ausgelassen auf dem Tau (erstes Foto).
Wir sind dann Essen gegangen. Okinawa ist der einzige Ort der Welt, an dem ich Schweinefleisch esse (siehe obigen, alten Okinawa-Text) und Irabu, Seeschlange. Als wir zurückkamen, waren gerade zwei Kräne dabei, das Tau wegzuräumen (zweites Foto).

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Schwein für die berühmten Schweinefleischmahlzeiten der Okinawaer (Die Ohren sind hier eine besondere Delikatesse!):

Giftschlangen und...

... Drachen gibt es auch überall in dieser Gegend.

Am nächsten Morgen flogen wir weiter auf die Insel Ishigaki. Sie gehört zu den...

Yaeyama-Inseln

@430km südwestl. von Naha, über 2000km südwestl. von Tokyo. Mit 2420' n. Br. liegen die Insel südlicher als Taiwans Hauptstadt Taipei. Viele werden sicher gar nicht wissen, dass Japan so weit unten noch Inseln hat.

Die Insel heißt Ishigaki, weil die Häuser traditionell mit Ishigaki, Stein-Zäunen, wie unten umgeben sind. Übrigens ein beliebtes Versteck für die berüchtigste Giftschlange dieser Gegend, der Habu. Zwei bis dreihundert Leute sollen jedes Jahr gebissen werden. Wer nicht innerhalb von zwei Stunden ein Gegengift bekommt, kann sich auf einen schmerzhaften Tod vorbereiten. Gegengift liegt aber überall bereit, so dass nur noch durchschnittlich vier Personen pro Jahr an Habu-Bissen sterben sollen. Wir selbst haben auch eine Habu gesehen, aber die war von einem Auto breit gefahren.

Zweifellos ein sehr schönes Haus, aber viele Leute wohnen leider in kleinen, häßchen, von den vielen Taifunen, die hier durchziehen, verwitterten Betonklötzen.

Yonekoyaki-Koubou http://www9.ocn.ne.jp/~yonekoya/index2.html :

Am Nordkap der Insel (Der Wind war wegen des nahen Taifuns so stark, dass die Mütze, die sonst immer meine Glatze versteckt, nicht hielt):

Die abgelegenen und nur gering bevölkerten Yaeyama-Inseln verfügen über ein außergewöhnlich gut ausgebautes Straßennetz mit Leitplanken und vielen Verkehrsschildern. Wild romantische Wege wie der hier unten sind eine Rarität. Übrigens eine Sackgasse, oder besser der Zugang zu einem einzigen Feld.

Von Ishigakijima fuhren wir auf die Iriomote-Insel. Diese Insel ist 284 qkm groß, hat aber nur 1900 EW, während die etwas kleinere (228qkm) Ishigaki-Insel fast 46 000 EW hatte.
Iriomotejima ist zum größten Teil Urwald.

Im Urwald (oberes Bild),
(unteres Bild) unsere Pension auf Iriomote hieß "Pain", wohl wegen der Pineapple-Felder rundherum.
http://www.pinekan.com/minshuku/index/shoukai/shoukai2.htm War gut!

Meistens geht es sehr schnell mit dem Schiff von einer Insel zur anderen, aber die Insel Yubu erreicht man per Wasserbüffelkarren (oder Lkw). Auch bei Flut, wenn dem Ochsen das Wasser bis zum Hals steht, fahren diese Karren noch. Die Fahrgäste bekommen dann nasse Füße, wenn sie sie nicht hoch heben.

Der bunte Bus ebenso wie das Flugzeug erinnerten mich an meinen eigenen, bunten VW-Bus in Deutschland: http://www.hpo.net/users/hhhptdai/meinauto.htm. Ich wünschte, ich hätte so ein Ding, aber dann wieder denke ich mir: Japan ist ein Inselstaat. Da kommt man mit einem Auto nicht weit.

Auf der kleinen Insel Taketomi (800 EW) zw. Iriomote und Ishigaki stehe 8 kleine Tempel wie dieser. Hintern den Tempeln ist jeweils im Dickicht ein kleiner Platz, der eigentlich nur von der Gottheit und vom Garten- und Gott-Pflegepersonal betreten werden soll. Als aber ICH von dort aus dem Dickicht hervortrat, erschreckte ich einen alten Mann (Gärtner?), der gerade vor dem Tempel am Arbeiten war. "Ich dachte im ersten Moment, der Gott erscheint!" meinte er zu mir.
Nun, die Leute hier sind noch kleiner als die Japaner auf Honshu, und dieser Mann war auch nur etwa 1,50m groß, deutlich kleiner als meine kleine Frau, und ich bin 1,85m und bärtig. Da können solche Verwechslungen entstehen. Außerdem nehmen die meisten Japaner Religion nicht sehr ernst und dieser Mann hatte es wohl auch mehr aus Spaß gesagt. Ich klärte das Missverständnis, indem ich ihm sagte, dass ich Atheist sei.
Wir kamen ins Gespräch. Er war 78 Jahre alt. Genauso alt wie ein Kanu-Führer, der uns in die Mangrove-Gehölze geführt hatte. Der schimpfte übrigens darüber, dass manche junge Leute heutzutage so schwach sind, dass sie schon nach kurzem Paddeln schlapp sind und er sie dann mit seinem Paddelboot zurückziehen muss. Der Mann vom Wasserbüffelkarren war sogar schon 80. In den Ruhestand zu gehen, scheint in dieser Gegend nicht üblich zu sein.
Dieser rüstige 78jährige Mann vom Tempel war erstaunt, zu hören, dass ich mit meinem weißen Vollbart erst 54 bin: "Ich dachte, Sie könnten vom Alter her mein Vater sein."
Er hatte ein großes Mitteilungsbedürfnis: Er war auf dieser kleinen Insel geboren und aufgewachsen. Mit 15 wurde er vom japanischen Militär wie alle Jungs in dem Alter damals eingezogen.
Man muss hier erwähnen, dass schon die Leute der Ryukyu-Inseln allgemein wenig Solidarität mit Japan verspüren. Die Ryukyuaner haben eine eigene Sprache und Kultur, ihre Inseln waren bis 1609 ein unabhängiges Königreich. Als der Fürst Satsuma ihre Inseln eroberte, erlebten die Bewohner eine Zeit schlimmster Unterdrückung. Selbst als 1972 die Besatzungsmacht USA die Inseln an Japan zurückgab, hätten viele Ryukyuaner lieber die Unabhängigkeit gesehen. Auf den Yaeyamas aber ist die Solidarität mit Japan noch dünner, schon Okinawa ist weit und historisch ein Gegner und Eroberer, Japan aber 10mal weiter als China.
Als ich den Mann darauf ansprach, dass ihm doch sicher der Yamato-damashi, der Geist des japanischen Kriegers, fehlte. Meinte er, man hätte versucht, ihm diesen Geist einzuprügeln. Z. B. als sein Vorgesetzter den Rekruten klarmachte, dass sie für Japan wegen Erdbeben und Taifune Land in China erobern müssten, hatte er - damals noch ganz unbedarft - dagegen gesagt: Lieber das eigene Land kultivieren, als es mit so einem großen Gegner aufzunehmen. Seine Vorfahren, wie andere Inselbewohner auch, waren oft mit den Passatwinden nach China gesegelt, um Handel zu treiben oder dort Handwerke zu erlernen, und schätzten die Chinesen. Der Rekrutenausbilder auf jeden Fall ließ den Junge verprügeln. Nach etwa 20 Schlägen verlor er das Bewußtsein, meinte er, aber seine Kollegen sagen, man hätte noch weiter auf in eingeprügelt bis 50 Schläge voll waren. Er wäre damals fast gestorben.
Später kam er dann nach Vietnam und von dort wurden seine Truppe nach Burma zur Entlastung einer dort eingekesselten Armee gesandt. Da er noch immer minderjährig war, war er offiziell nur Gehilfe, aber tatsächlich kämpfender Soldat.
Bei der eingeschlossenen Armee angekommen, wunderte er sich über die reiche Fleischmahlzeit, die er bei dieser Truppe als Sashimi, also roh, erhielt. So gut hatte er lange nicht mehr gegessen. Später sagten sie ihm, dass sie das Fleisch den an Malaria gestorbenen Kameraden abgeschnitten hätten. Ekel und Schrecken waren so groß, dass er bis heute nichts Rohes mehr angerührt hat.
Er meinte von den 10 000 Leuten, mit denen er damals nach Burma geschickt wurde, hätten nur 15 überlebt.

Man kann das alles als vergangen abtun, aber ich sehe hier die Willkür des Staates, die bis heute anhält. Ich finde es bezeichnend, dass man 15jährige in den Krieg schickt, wenn es opportun ist, oder sie sogar halbtot prügelt, und heute, was ist heute? Heute sind andere Verbrechen opportun. Z. B. sind Vertreter des Staates jetzt gerade in Japan dabei, aber in anderen Staaten ist es nicht besser, mit Hilfe der Medien die Bevölkerung breitzuklopfen, dass sie eine Zensur von Video-Games akzeptiert - die Dümmsten, der Abschaum, wird natürlich nach dieser Medien-Behämmerung genau wie der Pöbel in Deutschland regelrecht nach Zensur schreien.
Früher wurde den Jungen Gewalt angetan, jetzt sollen sie sich nicht einmal Gewalt ansehen dürfen oder damit spielen. Gewaltvideospiele erzeugen Gewalttäter, Sexvideospiele Sexualtäter etc. Beweise gibt dafür nicht. Im Gegenteil, es gibt Studien, die zeigen, dass, wer sich in der Fantasie abreagiert, es eher nicht in Realität tun. Außerdem hatten wir das doch schon alles: Als die Comics aufkamen, schrie man "Gewalt! Sex!" und nach Verboten und Zensur, mit Filmen war und ist es genauso, selbst als der Buchdruck aufkam, kam gleich auch die Zensur. Selbst die Erfindung der Sprache wird mit Zensurmassnahmen einhergegangen sein und noch heute gibt es Tabuwörter. Wann begreifen diese Menschen, die sich selbst für gut halten und nach Zensur schreien, um das Schlechte auszumerzen, dass sie die wahren Verbrecher sind, die ihren Mitmenschen zu nahe treten, ihnen schaden und ein Verbrechen antun. Siehe auch mein "Konzept für Freiheit"
http://www.hpo.net/users/hhhptdai/hp.htm.

Doitsu banzai!!! = Es lebe Deutschland!!!

Den letzten Tag verbrachten wir auf Miyako (159qkm, 55 750 EW). Hier stehe ich vor dem deutschen Kulturdorf Ueno. Auch Kanzler-Ade Gerhard Schröder hatte, als er im Jahre 2000 wegen des G-7-Treffens auf Okinawa war, diesem Ort einen Besuch abgestattet, aber sonst verirren sich wenige Deutsche hierher. Was das sonst noch mit dem deutschen Kulturdorf auf Miyako auf sich hat, wird sehr schön auf dieser Schwabinger Karate-Klub-Seite erklärt:
http://www.matayoshi-kobudo.de/Okinawa05/reise05_05.htm
Offizielle japanische Seite vom deutschen Kulturdorf auf Miyako:
http://www.vill.ueno.okinawa.jp/ und http://www.soma.or.jp/~shadow/00miyako/bunka.htm Schönwetterbilder vom Ort.

Unsere Reise war hier leider zu Ende. Wer sich noch ausführlicher über diese Inseln informieren möchte, dem empfehle ich die folgenden Seiten des Schwabinger Karate-Klubs:
Eingangsseite für Ryukyu-Inseln
http://www.matayoshi-kobudo.de/reise.htm
Iriomotejima-Seite
http://www.matayoshi-kobudo.de/Okinawa06/reise06_10.htm
Und dann möchte ich doch noch eine Insel erwähnen, die wir leider nicht mehr besucht haben, weil uns die Zeit fehlte: Yonaguni. Die Gelehrten streiten sich, ob dort vor der Küste eine versunkene, uralte Stadt liegt, oder ob es bloß ein Naturphänomen ist, auf jeden Fall ist es faszinierend:
http://www.matayoshi-kobudo.de/Okinawa06/reise06_09.htm, engl. Seiten http://www.morien-institute.org/yonaguni.html und http://www.pacal.de/yonaguni.html .
Kritik an der These, dass es sich um eine versunkene Stadt handelt:
http://www.rakekniven.de/Science/Yonaguni/Yonaguni.html "Treppen ins Nichts - Vor Japans Küste liegt ein 10 000 Jahre altes Felsmonument unter Wasser - Relikt einer bislang unbekannten Superzivilisation?"
Neuste Entdeckung Gravierungen im Stein:
http://www.bihou.com/iseki/etc/etc-3.htm (jap/engl.).

Und wer sich für die sprachlichen Unterschiede zw. dem Japanischen und den Ryukyu-Dialiekten interessiert, dem empfehle ich diese hochinteressante Inauguraldissertation von Anja Walke zur Erlangung des akademischen Grades eines Dr. phil.:
http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/WalkeAnja/diss.pdf#search='Yaeyama'

Das war`s. Vielen Dank für den Besuch meiner Webseite.

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